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Wiederladen Teil 1

Munitionstechnik

Wiederladen -Richtig ausgeführt eine Kunst und trotzdem kein Hexenwerk-
Es ist interessant, auf welcher Stufe der Sachkenntnis und Gutgläubigkeit manche Schützen das Wiederladen praktizieren. So erreichen uns regelmäßig Fragen, bei denen sehr schnell klar wird, das entweder das notwendige Detailwissen fehlt oder bereits Fehlinformationen aufgrund von falschen technischen Ratschlägen geflossen sind. Zu oft wird der Fehler gemacht, einfach das Internet abzugrasen, wobei die Suchanfrage über Google meistens nutzlose oder irreführende Informationen aus den Internetforen ausspuckt.


Wer dies tut, sollte sich darüber im Klaren sein, dass das fachliche Niveau dort zum überwiegenden Teil unterirdisch ist und der ganze Aufwand, den man dafür investiert, letztlich reine Zeitverschwendung ist. Wer nach Schema F vorgeht und ein Frage-Antwort Spiel nach dem Motto lostritt mit Fragen wie "Wer weiß was über..." oder "Hat jemand Erfahrungen mit..."  oder "Was muss ich tun, um..." , erhält von den Forenteilnehmern alles, nur keine zielführenden Lösungen für die eigentlichen Frage. Daraus dann einen richtigen Lösungsweg zu finden, ist schwer.


Auch der 2-tägige Wiederladelehrgang kann natürlich erst einmal nur grobe Grundkenntnisse vermitteln. Echte Hilfen, die auch detailliert wirklich in Tiefe gehen+ Problemlösungen aus der Praxis anbieten, gibt es in den erhältlichen deutschsprachigen Fachbüchern leider nicht. Wir wurden einmal von jemandem angeschrieben, der gleich nach seiner abgelegten Wiederladeprüfung erst einmal mit dem Laden einer .416 Rigby beginnen wollte...     

Die notwendigen Ausrüstungskomponenten kann man sich aus einer inzwischen riesigen Auswahl beschaffen und die grundlegenden technischen Abläufe kann man nachlesen. Die notwendigen Details und Probleme kommen aber bei der Bearbeitung. Wer (noch) kein Gefühl für den Umgang mit dem technischen Gerät hat bzw. was noch viel wichtiger ist, (noch) nicht weiß, wie Metalle und Legierungen aufgebaut sind, wie man diese umformen muss und wie sie zu zerspanen sind, muss zwangsläufig eine längere Schule der Wiederladepraxis durchlaufen als derjenige, der bereits Kenntnisse über metallische Legierungen hat oder im Idealfall vielleicht sogar einen entsprechenden Metallberuf gelernt hat.


Dazu kommt ein strukturierter Ablauf und viele technische Details. Das Wichtigste beim Wiederladen ist, ein Gefühl für die Bearbeitung zu bekommen. Man muss dieses Gefühl stetig weiterentwickeln und es immer wieder geduldig in kleinen Schritten verbessern, damit man es irgendwann wirklich perfektionieren kann.

Natürlich ist es nicht schwer, die grundsätzlichen technischen Abläufe beim Wiederladen zu verstehen und die dazugehörigen Komponenten zu erfassen. Man sollte allerdings wissen, welche Geräte und Werkzeuge für den geplanten Einsatzzweck tatsächlich notwendig sind und welche nicht. Hier kann man sehr schnell das falsche Ausstattungspaket um die Ladepresse herum nehmen oder die (Zusatz-)Ausstattung bis zum Ultimo aufblasen und dabei Unsummen von Geld ausgeben. Nur besser wird das Ergebnis dadurch nicht.

Startern empfehlen wir deshalb, sich vor dem Kauf im guten Fachhandel zu informieren. Damit sind keinesfalls die großen Discounter gemeint, die auf ihren Internetplattformen ein großes Sortiment anbieten, aber keinen echten Beratungsservice bieten können, weil entweder keine sachkundigen Mitarbeiter mehr vorhanden sind (oder das Unternehmen seinen Mitarbeiterstamm so stark dezimiert hat, dass schon längst keine Fachberatung stattfinden kann), sondern in kleinen Betrieben, wo Inhaber Mitarbeiter
bzw. aktive jagdliche Schützen, das jagdliche Wiederladen selbst praktizieren und deshalb ganz genau wissen, wovon sie sprechen.


Unser Tipp: Fangen Sie mit einer Standardausrüstung im unteren bis höchstens im mittleren Preissegment an, alles andere kommt nach und nach, viele Jahre später.

Die Probleme beim Wiederladen ergeben sich dann, wenn sich z.B. das Zündhütchen oder Geschoss nicht richtig setzen lässt, die Hülse reißt, sich unkontrolliert verformt, staucht oder ganz einfach nicht das macht, was man von ihr will. Wenn sich Patronen nicht ins Patronenlager zuführen lassen, das Pulver nicht in die Hülse passt, sich der Verschluss beim Laden der Waffe nicht schließen lässt oder die Patronen nicht die erhoffte Präzision erbringen, obwohl man nur hochwertige Komponenten verwendet und doch eigentlich alles richtig gemacht hat...   

Entscheidend ist dabei nicht das
Was, sondern das Wie, d.h. die Vorgehensweise und die Durchführung der technischen Details. Man könnte damit ganze Bücher mit den einzelnen Thematiken füllen.
Auch wenn es mancher nicht gerne hören(lesen) mag: Wiederladen ist und bleibt ein Handwerk, das von jedem von uns erlernt werden muss und eine jahrelange Praxis erfordert.


Und noch was: Vergessen Sie die Filmchen im Netz, wo sich ob des schnellen Geldes die Dillettanten nur so tummeln und die mit zittrigen Händen irgendwelche unsinnige Gerätschaften auspacken und stolz zeigen, was Sie denn gerade gekauft haben. Mit eintöniger Stimme folgen dann endlose, meistens falsche und überflüssige Monologe, die sich nachfolgenden Clips e n d- und s i n n l o s hinziehen (natürlich mit geschickt vorgeschalteten Mainstream-Werbeblöcken)... Auweia(!)  


Aber die gute Nachricht ist: Auf viele Dinge kommt man im Laufe der Zeit von selbst, manchmal aber erst nach Jahren. Das ist genauso wie auf der Jagd:

"Nur der Wiederlader unverdrossen hat die besten Patronen geladen und sein Wild damit geschossen..."    


Gewerblich Wiederladen lassen?  
Ein weit verbreiteter Irrtum ist auch, dass gewerbsmäßig geladene Munition der individuellen Ansprüche der erforderlichen Qualität für jagdliche Schützen gerecht würde. Dem ist leider nicht so! Wir bekommen regelmäßig Rückmeldungen über Erfahrungen mit solcher Munition.


Es ist gelinde gesagt sehr ernüchternd, was uns dazu wiederholt berichtet wird. Eklatante Verarbeitungsmängel, minderwertige Komponenten bis hin zu gefälschten Zulassungen. Man sollte nicht vergessen, dass der Preisdruck unter den professionellen Wiederladern immens hoch ist. Dies treibt manche Anbieter zu "unkonventionellen Maßnahmen" (um es vorsichtig zu vormulieren) und wir kennen inzwischen einige Negativbeispiele. Man sollte auch Eines nicht vergessen: Im Haupterwerb gut leben kann man davon nicht.


Wenn man sich Enttäuschungen und unnötig hohe Auslagen hinsichtlich Munition ersparen möchte und die Vorteile in der ganzen Bandbreite für jede Waffe, jedes geführte Kaliber, mit den am Markt erhältlichen Geschossen und Komponenten für alle Jagdmöglichkeiten ausschöpfen will, kann seine Vorstellungen in nahezu unbegrenztem Maße realisieren, wenn er seine Munition selbst lädt.                  

Die Lehrgangskosten für den Wiederladeschein zusammen mit der Ausrüstung, die den Bedarf eines Wiederladerbeginners deckt, liegen weit unter dem, was man für die Anschaffung einer weiteren Jagdwaffe
bzw. einer guten Zieloptik benötigt.   


Einsatz und Handhabung von Wiederladedaten
Das Wiederladen, oder besser gesagt das Laden eigener Patronen, ist für jeden Schützen eine hochinteressante Sache. Macht man sich doch vom beschränkten Angebot der Munitionshersteller unabhängig und verbessert die Einsatzmöglichkeiten seiner (Jagd)waffe(n) und ganz nebenbei noch die Präzision. Diese Rechnung ist sehr einfach und geht zunächst auf: man nehme ein Jagdkaliber, suche sich ein Jagdgeschoss heraus und lade eine Patrone mit einem für das Kaliber passenden Pulver.


Nun gibt es dabei leider eine Hürde, die in weit über 80% aller Anwendungsfälle den sprichwörtlichen Stein ins Rollen bringt: erstaunlicherweise gibt es für die gewünschte Kombination keine Ladedaten. Diese können ganz oder teilweise fehlen, d.h. es gibt keine verlässlichen Daten für die gewünschten Komponenten (auf den Begriff "verlässlich" wird weiter unten eingegangen). Und dann beginnt die Recherche, oftmals eine mühsame oder erfolglose Suche nach richtigen Ladedaten für die Patronen-Geschosskombination oder ganz spezielle Pulversorten.

Was liegt in Zeiten allgegenwärtiger Kommunikation näher, sich die Daten ganz bequem übers Internet zu beschaffen? Wenn man Glück hat, findet man beim Geschoss- oder Pulverhersteller tatsächlich die notwendigen Daten für seine Laborierung. Aber was tut man, wenn man auch dort nicht die gewünschten Ladedaten findet? Man kann schnell in Foren fündig werden, wo entweder Ladedaten bereits in irgendeiner Diskussion öffentlich gemacht wurden oder bekommt sie direkt von anomym agierenden Forenmitgliedern (über die Seriösität und Verlässlichkeit dieser Informationsquellen sowie die Fachkompetenz der Urheber muss jeder selbst entscheiden). Oft ist es zu spät, wenn sich herausstellt, dass die Auswahl oder die Angaben der Daten fehlerhaft waren.

Es genügt nicht, nur eine Ladungsangabe zur Hand zu haben oder die z.B. angeblich irgend jemand (d.h. anonym, so wie sich nun mal die meisten Forenteilnehmer präsentieren) mit Erfolg verschossen hat. Selbstredend ist immer eine Minimum- und eine Maximumangabe erforderlich (aus verlässlicher Quelle, versteht sich). Aber auch hier werden in der angebotenen Literatur Fehler gemacht. Ein bekanntes Werk deutscher Herkunft listet z.B. nur jeweils einen Ladewert auf. Dies ist unverständlich und birgt Risiken.    


Die Hülse ist ebenso wie das Zündhütchen ein ganz entscheidender Faktor, nicht nur wegen des Volumens). Ebenfalls reicht es nicht, sich eine Laborierung nach Vergleichsdaten mit einem gleich schweren Geschoss zu bauen, wenn dazu die Geschossparameter nicht berücksichtigt wurden.

Vor einiger Zeit stand im Netz ein Bericht eines jagdlichen Zeitgenossen, der sich darüber wunderte, dass seine Patronen beim Laden auf dem Schießstand in der Waffe streikten.
In einer fast endlosen Abhandlung ergoss sich der Protagonist auf seiner Webseite in den Details seiner Fehleranalyse, um abschließend zu dem Schluss zu kommen, was man als Wiederlader bei der Verwendung dieses Geschosses beachten solle und warnte mit großen, fett geschriebenen Buchstaben davor. Nun, wären dem guten Mann nur die Grundlagen des Wiederladens und ein strukturierter technischer Ablauf geläufig, hätte er sich seine vermeintliche Überraschung ersparen können. Es ist aber immerhin eine nette Geschichte zum Schmunzeln mit einer ganz neuen Wortkreation ("Maßdivergenzen").                 

Berechnungsprogramme
Natürlich gibt es auch ballistische Berechnungsprogramme. Aber: Diese Vorgehensweise zur Ladungserstellung birgt ein hohes Risiko durch die Eingabe (oder -Nichteingabe) von falschen Zahlen sowie unkorrekter Parameter und kann äußerst gefährlich werden.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass jede Software seine Schwächen hat. Dazu gehört auch das QL. Deshalb wird vom Entwickler, H. Brömel neben dem üblichen Haftungsausschluss explizit darauf hingewiesen, dass alle Berechnungen des Programms zur Ladungsermittlung ohne einen Vergleich mit aktuellen Ladeangaben der Pulver- und Geschosshersteller nicht verwendet werden dürfen!


Dies hat auch seinen Grund. Wir können aus eigener Erfahrung sagen: Wie jedes Programm hat auch das QL Grenzwertigkeiten. Bei verschiedenen Kombinationen von Kaliber, Geschoss und Pulversorten kommt es zu eklatanten Abweichungen. Es kann je nach Laborierungskombination trotz vermeintlich korrekter Eingaben zu großen Gasdruckschwankungen kommen, die sowohl nach oben zu einem Überdruck führen, als auch nach unten gehen (was dann im Extremfall einen S.E.E. bewirkt) und einen sofortigen Abbruch der Ladung erforderlich machen (falls nicht bereits Schäden an der Waffe oder Schlimmeres entstanden sind).

Die oftmals anzutreffende Meinung, das es mit Berechnungsprogrammen wie z.B. QL relativ einfach wäre, bequem annähernd realistische Ergebnisse zu erzielen, können wir deshalb klar verneinen. Je nach Waffe, Kaliber, den Patronenkomponenten
weichen die tatsächlichen Daten teilweise erheblich davon ab (sowohl nach unten als auch nach oben). Unentbehrlich sind deshalb technische Grundlagen, Industriestandards, Basis- und gewonnene Testinformationen zu Laborierungen. Die sich aus der Summe ergebenden Erkenntnisse setzen ein hohes Maß an Wissen voraus. In manchen Fällen können auch umfangreiche Zusatzberechnungen und waffenspezifische Tests erforderlich sein.

Per Programm einfach innenballistische Einflußparameter zu erfassen und so einzusetzen, dass einfach in Summe alle wichtigen zu berücksichtigenden Faktoren wie z.B. Geschossgeschwindigkeit, Auswirkungen des eingesetzten Pulvers in der jeweiligen eingesetzten Waffe und die daraus resultierenden Gasdruck- und somit Leistungswerte einer Laborierung in Vollständigkeit+ möglichst realistisch abgebildet werden, ist nach dem derzeitigen Stand der Technik zurzeit nicht möglich.


Aus diesen Grund arbeitet JASW schon seit Jahren bei jeder neuen Ladungserstellung zur Absicherung nach einer bewährten Berechnungs- und Ablaufmethode und immer in Verbindung mit redundanten Systemen.

Wie verlässlich sind Wiederladehandbücher (Reloading Manuals)?
Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass man den Informationen in Büchern, die durch den Druck einer Auflage gegangen sind, trauen kann. Dies ist aber leider auch nicht immer der Fall. Auch wenn man als Wiederlader gezwungen ist, sich auf diese Hauptinformationsquelle eigentlich 100%ig verlassen zu müssen, muss man mit größter Vorsicht an eine Ladungsausarbeitung herangehen.


Wir haben auch Ladungsdaten aus Wiederladehandbüchern getestet, bei denen die Werte der angegeben Pulvermasse mit den angegeben Komponenten völlig daneben lagen und die Ladungen bereits bei der vermeintlichen Startladung bereits Anzeichen von Überdruck aufgewiesen haben. Die übliche Vorgehensweise mit einer 10%igen Reduzierung der Maximalladung ist in solchen Fällen schon nicht mehr ausreichend.    

Es gibt aber auch Fälle, wo die tatsächlichen Leistungsdaten sogar deutlich ü b e r den angegebenen Werten liegen (und dies sogar in einem moderaten, sicheren Druckbereich und bester Ladungsumsetzung, auch aus Waffen mit kurzen Läufen). Je nach Kaliber, Hülsengeometrie, Lauf, dem verwendeten Geschoss und der ausgeführten Ladetechnik an der Hülse sind auch große Abweichungen beim Verhalten des verladenen Pulvers zu beobachten. Interessanterweise vollziehen die meisten Pulver diese Sprünge zwar nach einem bestimmten Muster, aber nicht konstant.      

Hierzu einige Negativbeispiele:
- Auflagen zweier deutschsprachiger Wiederladehandbücher enthalten Fehler bei den Kaliber- und Druckangaben


- Im Fall eines deutschen Herausgebers sind auch einige Ladedaten verüffentlicht, die keinesfalls verwendet werden dürfen und inzwischen mit entsprechenden Warnungen zurückgezogen wurden.


- Ein deutsches Institut listet in seiner aktuellen Ausgabe bei den Ladedaten nur einen Wert auf und gibt keine Minimalwerte für die Startladung an.  


- Bei amerikanischen Reloading Manuals fällt auf, dass Angaben vergleichbarer Ladungen (Pulver-Geschoss-S.T.) trotz C.I.P. Standard-Drucklimits teilweise sehr stark schwanken.

- Im einem Wiederladehandbuch eines Pulverherstellers wird bei der .45-70 Government ein Hülsenvolumen von 116grs (!) angegeben (dies ist mit der .404 Rimless vergleichbar).

- In einem Reloading-Manual werden
für die .458 Lott bei einer Lauflänge von 66cm geringere Mündungsgeschwindigkeiten bei gleichem Geschossgewicht von 500grs aufgeführt als für die .458 Win.Mag mit einer kürzeren Lauflänge von 61cm (!).

- Im selben Wiederladehandbuch ist die .338-06 mit einem maximalen Gasdruck von weniger als 3.000bar aufgeführt.

- In einem weiteren Wiederladehandbuch wird für die 8x68S u n d die .325 Winchester Short Magnum
für das selbe Geschoss die gleiche Patronenlänge L6 mit 72,4mm für beide Patronen angegeben (die max. L6 der 8x68S liegt bei 87,0mm). Außerdem sind beide Ladedatentabellen mit allen gelisteten Pulvern der Min. -Max.-Pulverladungen völlig identisch. Das bedeutet, dass die Ladedaten der .325 WSM entweder irrtümlich auch für die 8x68S gelistet (oder aufgrund des ähnlichen Hülsenvolumens evtl. sogar bewußt verwendet wurden?).

- In einem weiteren Reloading-Manual sind die Angaben der
Minimal- und der Maximalladung für eine bestimmte amerikanische Großwild-Magnumpatrone identisch.


- In einem anderen amerikanischen Reloading-Manual werden keine Angaben über die Testlauflängen gemacht. Außerdem fehlen die Daten zur Geschossbezeichnung, oder der Geschosslänge, aus der man die reelle Setztiefe ableiten könnte.


- Im gleichen Manual werden bei einem Kaliber für 10grs schwerere Geschosse deutlich höhere Ladungsangaben für die selbe Pulversorte gemacht als mit dem leichteren Geschoss (!)   
  
        
Wenn sich "nur" kleine Fehler bei nebensächlichen Zusatzinformationen oder bei der Kaliberbezeichnung einschleichen, ist das noch zu tolerieren. Wenn aber z.B. falsche Maximaldrücke angegeben werden, kann es schnell kritisch werden (insbes. dann, wenn der gern gemachte Anwenderfehler gemacht wird, eine Ladung über etwas über die Grenzen nach oben auszureizen).


Solche o.a. Fehler verursachen bei uns immer ein ungutes Bauchgefühl. Insbesondere dann, wenn man die angegebenen Ladedaten verwenden muss, ohne dass man Vergleichsdaten von anderen Herstellern zu einem seriösen Vergleich heranziehen kann. Wir empfehlen in diesem Fall eine zusätzliche Absicherung aus einer fachkompetenten, unabhängigen Quelle.


Unterschiedliche Laborierungswerte in Wiederladehandbüchern
Es gibt z.T. auch deutliche Unterschiede in Bezug auf die Laborierungsstärke in den einschlägigen
Reloading Manuals. Hierzu ein Beispiel:


Im Kaliber .416 Rigby werden im Geschossgewicht für 400grs schwere Teilmantelgeschosse folgende Daten für die gleiche Pulversorte gelistet:

Manual 1) min. 83,3grs, max. 90,5grs

Manual 2) min. 93,0grs, max. 97,0grs

Manual 3) min. 84,2grs, max. 90,5grs

Manual 4) min. 93,0grs, max. 98,0grs

Manual 5) min. 95,0grs, max. 97,0grs


Dies ergibt bei gleichem Geschossgewicht eine Maximalabweichung von ca. 7%. Vergleicht man die Angaben von Manual 1 mit Manual 5, wird die Startladung des 1. Herausgebers gegenüber dem anderen, wird diese um satte 14% überschritten(!). Natürlich könnte man davon ausgehen, dass der Grund dafür unterschiedliche Hülsenvolumina sowie Setztiefe sein könnte. Dies ist in dem konkreten Fall allerdings nicht so. Beide Geschosskonstruktionen sind hinsichtlich Mantelstärke und Setztiefe nahezu identisch.


Der Grund für die verschiedenen Angaben ist einfach: Es ist die Auslegung in Bezug auf den Schwellenwert des zulässigen Arbeitsgasdruckes unter Bewertung verschiedener Grenzwerte der Druckparameter. Hier wird die Meßlatte von den Herausgebern unterschiedlich angesetzt.


Deshalb muss jeder gewissenhafte Wiederlader den Druckbereich seiner Ladung immer auf seine Waffe, d.h. Bauart, Stabilität, Materialzusammensetzung und auch auf die Fertigungstoleranzen abstimmen. Eine gute Jagdlaborierung muss unabhängig von den Herstellerladedaten stets sorgfältig überprüft und das Ladungsniveau für die jeweilige Waffe ausgearbeitet werden.


Aufwand von neuen Ladungsausarbeitungen
Der Kernpunkt in der Sache bei speziellen Laborierungen liegt darin, dass es beim Thema Ladedaten einfach keine Kompromisse gibt. Aus diesem Grund gibt es für das ergebnisorientierte Wiederladen einen fundamentalen Grundsatz:
Jede Ladungsausarbeitung benötigt immer soviel Zeit, wie es für ein sicheres Ergebnis auch wirklich notwendig ist. Dies kann unter Umständen mit einem etwas höheren Aufwand verbunden sein.


Die Ausarbeitung von völlig neuen Ladedaten ohne getestete Herstellerangaben setzt ein umfangreiches Wissen und vor allem viel Erfahrung auf dem Gebiet der Neuladedatenerstellung beim Wiederladen voraus. Je nach Laborierung und Ausgangsparameter kann dazu auch die Durchführung von Schiesstests mit unterschiedlichen Waffen, Geschwindigkeitsmessungen sowie Prüfungen von Munition+ Hülsen erforderlich sein. Es ist daher nur logisch, dass die Erstellung solcher Wiederladedaten nicht ohne einen gewissen Zeit- und Kostenaufwand zu bewerkstelligen ist, auch wenn dies nicht immer zwangsläufig der Fall sein muss.

Keine "halben Sachen"
Genau aus diesem Grund wird bei JASW jede Laborierung in dem Umfang und mit der Gründlichkeit erstellt, die für den sicheren Gebrauch und den erfolgreichen Einsatz auf der Jagd notwendig ist. Ohne eine sorgfältige Ausarbeitung inkl. einer Gegenprüfung aller Parameter geben wir deshalb keine "einfachen" Tipps
zu Anfragen mit "zugeworfenen" Ladedaten oder Informationen, deren Fragestellung bewußt nur auf ein einfaches "ja" oder "nein" abzielen.         

"Gratis-Ladedaten?!"
oder"Was soll denn schon passieren?"

Wer auf dem Standpunkt steht, dass insbesondere solche, d.h. wie o.a., spezielle Ladedaten in jedem Fall zum Nulltarif erhältlich, einfach zu berechnen und sicher+ gleich mit gutem Erfolg zu verschießen wären, der soll bitte mit seiner Illusion leben. Wir empfehlen diesen Zeitgenossen allerdings, vorher noch eine zusätzliche Unfallversicherung, besser noch eine gute Lebensversicherung abzuschließen und sich auf jeden Fall auf die Aufarbeitung von jagdlichen Mißerfolgen einzustellen.



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