Jagen- Schiessen- Wiederladen
Erfolgreich
Optimal
Effizient
Suchbegriff eingeben
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

.475 Nitro Express Nr.2 Jeffery

Jagdkaliber




Patronenbezeichnung:
.475 No.2 Nitro Express

.475 No.2 Jeffery

Kaliber: metrische Bezeichnung: 12x89R
.483/ 12,27mm

.488/ 12,40mm

Einsatzbereich:
Großwild, Dickhäuter

Erscheinungsjahr:

1907

Hülsenabmessungen:

L3: 88,90mm 3 1/2" Zoll

Zentralfeuerbüchsenpatrone mit Rand

Gasdruck:

2750bar

Geschossgewicht:

480-500grs Geschossgewicht



Bemerkung: .475 No.2 N.E. 650-690m/s
Bemerkung: .475 No.2 Jeffery 650-690m/s  

Geschwindigkeit:

Vo 672m/s                            480grs Geschoss

Vo 690m/s                                           500grs Geschoss

Energie:

Eo 7023 Joule                         aus 60cm Lauf

Eo 7721 Joule                                       aus 58cm Lauf
-Werbeanzeige-

Geschichte
Die Abmessungen der Gesamtlänge von fast 110 Millimeter und der Bodendurchmesser von über 17mm machen die .475 No.2 Nitro Express zu einer absolut beeindruckenden Großwildpatrone.


Durch die enorme Hülsenlänge in Verbindung mit einem Geschossdurchmesser von etwa 12,3mm zählt sie zu einer der stärksten und leistungsfähigsten klassisch-englischen Großwild-Randpatronen ihrer Kalibergruppe.


Ihre Entstehung verdankt sie der Tatsache, dass alle .450er Kaliber währende der Kolonialzeit von der englischen Regentschaft in Indien und dem Sudan verboten wurden. Die Hersteller von englischen Doppelbüchsen reagierten darauf, indem sie einige bestehenden Großwildkaliber wie z.B. die .450 N.E. und die .450 N.E. No.2 als Basis für neue Patronen nahmen und diese Hülsen auf einen vergrößerten Kaliberdurchmesser aufweiteten.


Das ist die Patrone, aus der die .475 No.2 hervorgegangen ist: Die lange .450 No.2 Nitro Express

Die Standardversion der .475 No.2 wurde etwa 1907 von der Eley Ammunition Company mit Teilmantel- und Vollmantelgeschossen von 480grs/ 31,1Gramm Standardgewicht auf den Markt gebracht. Man nahm dazu die bereits bestehende .450 No.2 N.E. als Basis.


Befeuert wurde die .475 No.2 N.E. mit dem damaligen Standard-Treibladungsmittel namens CORDITE, das als Ablösung des deutlich leistungsschwächeren Schwarzpulvers in fast allen großvolumigen Großwildpatronen Verwendung fand (lange Röhrenform, sog. "Spaghetti-Pulver").


Ein weiteres Merkmal dieser Patrone ist neben der langen Hülse der deutlich dickere Rand und die Hülsenwandstärke.


Gegenüber den vergleichbaren Schwester-Expresskalibern wie z.B. der .470 Nitro Express, die um 1900 von Joseph Lang entwickelt wurde, oder der .500-.465 Nitro Express von Holland & Holland, ist die Hülse und der Rand der .475 deutlich massiver (auch bei der Jeffery-Version der .475 No.2, siehe weiter unten).


Die o.a. Laborierung erzielte mit 480grs-Geschossen im Durchmesser von 0,483 Zoll eine Vo um 670m/s, was einer Energie von 6985 Joule entspricht.


Eine zweite Version dieser Patrone ist die baugleiche, aber geringfügig größere .475 No.2 Jeffery. Während die Eley-Version mit einem Ø von 0,483" ausgestattet ist, verwendete Jeffery einen Ø von 0,488". Dies ist der Tatsache geschuldet, dass Jeffery die .475 No.2 auch mit 500grs schweren Geschossen bestückte und das Leistungsniveau der Patrone generell anheben wollte, um sich von den anderen Patronen dieser Kaliberklasse abzuheben.


Jagdliches Einsatzsspektrum

Die .475 No.2 N.E. ist genau da zu Hause, wofür die Patrone konzipiert wurde: Ein verlässliches Dickhäuterkaliber, das auch bestens zur Büffeljagd eingesetzt werden kann.

Mit einer guten .475er Doppelbüchse ist man sowohl in den Tiefen Afrikas, als auch bei der Jagd auf die schwergewichtigen Wasserbüffel in Australien hervorragend ausgerüstet.


Eine schwere Doppelbüchse wie die .475 No.2 punktet kaliberbedingt mit einem sehr hohen Schockimpuls und das zweite, unabhängige System bietet die zusätzliche Sicherheit für einen schnellen 2. Schuss. Weitere Vorteile sind das Schussverhalten (Schwerpunkt+ Ballance), ein im Rahmen von 100 Joule starken, für erfahrene und geübte Schützen noch akzeptablen Rückstoss sowie ein niedriger Gebrauchsgasdruck der Patrone.


Letzteres ist bei modernen Doppelbüchsen mit den verwendeten hohen Stahlsorten und den heutigen, weitaus leistungsstärkeren NC-Pulvern längst kein Hauptkriterium mehr wie zur damaligen Zeit mit dem sehr temperaturabhängigen Cordite-Pulver. Aus diesem Grund kann auch die Munition deutlich mehr leisten, vor allem aber durch die Verbesserung der am Markt zur Verfügung stehenden Geschosskonstruktionen.  


Was die .475 gegenüber ihren artverwandten Schwesterkalibern auszeichnet, ist ihre enorme Stoppwirkung aus modernen Doppelbüchsen, insbes. dann, wenn selbstgeladene Munition verwendet wird. Mit einem Schockwirkungsindex von über 1.100(!) steht dem Schützen eine massive Zielenergie zur Verfügung, die nur von ganz wenigen Großwildkalibern erreicht oder übertroffen werden kann.


Diejenigen Professional Hunter, welche das Kaliber im Einsatz haben, berichten von ihren guten Erfahrungen mit der Patrone. Auch wir konnten die Wirkung der .475 No.2 beim Einsatz auf einer Büffelsafari in Tansania beobachten.


Das Kaliber ist darüber hinaus ein ganz ausgezeichnetes Großwildkaliber für Nachsuchen auf Dickhäuter und Büffel. Das große 12mm-Kaliber erzeugt einen voluminösen und großen Wundkanal uns sorgt für eine gute, zielballistische Wirkung im Wildkörper.

Foto oben:
Die .475 No2 N.E. im Vergleich zur .500-465 N.E. von Holland und Holland (links)

Insbesondere mit den modernen, zuverlässig arbeitenden Teilmantelgeschossen wie z.B. Woodleigh kann man sich auf einen mehr als ausreichenden Effekt verlassen. Dennoch ist selbst bei einem so starken Kaliber der korrekte Treffersitz immer von entscheidender Bedeutung.

(siehe auch Kapitel "Wirkungstreffer verbessern")


Leistungsvergleichsdaten .475 Nitro Express No. 2

Kaliber

Gasdruck

Geschossgewicht in Grains
Vo
Eo
Schockwirkungsindex
.458 Winchester Magnum
4.300 bar
500
631m/s
6462 Joule
784
.470 Nitro Express
2.700 bar
500
655m/s
6943 Joule
903
.475 Nitro Express No. 2 2.750 bar 500680m/s7487 Joule1011

Waffen
Da sich die Preise für originale, gebrauchte Doppelbüchsen der klassischen englischen Hersteller für dieses Kaliber in astronomischen Dimensionen bewegen, sind Neuanfertigungen aufgrund mehrerer Optionen 1. wesentlich sinnvoller und 2. zu einem deutlich besseren Preis-Leistungsverhältnis zu haben.


Eine neue, mit hochwertigen Komponenten gefertigte Doppelbüchse ist durchaus zu einem Preis eines gebrauchten guten Mittelklassewagens zu bekommen.


Selbstverständlich ist es unabdingbar, sich seine Doppelbüchse auf die individuellen Bedürfnisse maßzuschneidern. Neben der Schaftgestaltung ist es sehr wichtig, sich das Laufbündel auf seine Munition regulieren zu lassen (Wiederladen siehe weiter unten). Letzteres geht durchaus und es ist bei wenigstens einem deutschen Waffenhersteller über die dortigen Variationen der verschiedenen Komponenten (evtl. auch der Laufauswahl) realisierbar.


Wir empfehlen für alle Doppelbüchsen in dieser Kaliberklasse, in jedem Fall auf eine ausreichend schwere Gesamtmasse mit einer günstigen Schwerpunktverteilung und einer möglichst kompakten Gesamtlänge zu achten. Dies bedeutet im Sinne einer akzeptablen Handhabung in der Jagdpraxis, eher eine kürzere Lauflänge zu wählen.


Die klassische Expressvisierung, so schön und edel diese auch aussehen mag, ist allerdings völlig überholt und schon längst nicht mehr zeitgemäß.


Auch von der Montage eines Zielfernrohrs sollte man absehen. Für die meisten üblichen Schussdistanzen bis max. 70 Meter bieten sich je nach Einsatzzweck optische Zielvorrichtungen wie z.B. hochwertige, d.h. rückstossresistente und zuverlässige Rotpunktvisierungen an. In jedem Fall muss eine Großwild-Doppelbüchse immer mit einer guten, gebrauchstüchtigen Visierung ausgestattet sein.


Für eine optimale Zielerfassung gibt es viele sinnvolle Möglichkeiten nach dem derzeitigen Stand der Technik.  

(siehe auch Kapitel "Offene Visierungen").


Hier unsere Bauempfehlung für eine Doppelbüchse .475 No.2:

- Massives Seitenschloss- oder Boxlocksystem

- Doppelabzug mit getrennten Systemen

- Manuelle Sicherung (nicht automatisch)

- Laufbündel mit 55cm und 58cm Länge, auf die geladene Munition abgestimmt

- Laufkontur mit ca. 17-18mm Mündungsdurchmesser für leichte Vorderlastigkeit

- Doppelejektoren (einzeln gesteuert)

- Gerader Schaft

- Breiter Vorderschaft mit griffiger Fischhaut (>45mm)

- Starker Gummischaftkappenabschluss (z.B. Pachmayr)

- Visierung mit durchbrochener Kimmenkontur oder Dachform mit Farbinlet

- Kontrastierendes, farbiges Korn mit Ø2,5-3mm und starkes Klappkorn Ø3,5-4mm zur Nachsuche

- Waffengesamtgewicht ca. 5,0-5,3kg


Die Handhabung einer Doppelbüchse im Kaliber .475 ist für Schützen mit einer guten körperlichen Konstitution in Bezug auf das Trage- und Handhabungsverhalten völlig praktikabel. Auch der Rückstoss kann von erfahrenen Schützen noch als gut kontrollierbar betrachtet werden. Im Gegensatz zu den Repetierbüchsen im .500er Kaliber ist die Masseverteilung durch die beiden Läufe günstiger, sodass der Hochschlag und der empfundene Rückstoss etwas angenehmer empfunden werden.


Wie mit jeder Jagdwaffe, die zur Großwildjagd eingesetzt wird, ist absolut erforderlich, das Schiessen mit seiner Doppelbüchse regelmäßig, intensiv und in angemessenen Zeitabständen zu trainieren. Das schafft die erforderliche Schiessfertigkeit und erhält das notwendige Vertrauen, wenn die Waffe zum Einsatz kommt.


Eine weitere, durchaus sinnige Option ist der Bau einer Blockbüchse. Natürlich sind beim Einsatz solcher Waffen bei der Großwildjagd einige elementare Dinge zu beachten. Das Hauptkriterium ist, dass man mit diesen Waffen nur in Begleitung eines zuverlässigen PH's jagen sollte und keinesfalls alleine!


                         Mit einer Ruger No.1 hat man ein ausgezeichnetes Basissystem für die .475 No.2.


Ob Sporter oder Tropical-Ausführung: die Ruger-Büchsen erlauben mit dem extrem stabilen Verschluss nicht nur die Verwendung der längsten Express-Patronen wie der .475 No.2, sondern die Patronen können sogar in höhere Druckbereiche geladen werden, da diese Büchsen baugleich sind und z.B. für Kaliber wie die .416 Remington Magnum gebaut werden, die mit einem zulässigen Höchst-Gasdruck von 4.300bar arbeitet.


Abweichend von den o.a. Angaben für den Bau von Doppelbüchsen muss die Laufkontur für eine Blockbüchse größer gewählt werden, damit die Waffe das notwendige Gewicht und eine gute Balance erreicht. Wir empfehlen dazu einen massiven Lauf mit einer leicht konischen Form und einem Mündungsdurchmesser zwischen 20-22mm.   


Als einen nennenswerten Laufhersteller aus Übersee ist z.B. die Firma McGowen Precision Barrels zu nennen. Diese fertigt hochwertige Custom-Läufe. Auch für die .475 kann man in einer breiten Palette von unterschiedlichen Laufkonturen mit diversen Stärken bzw. Mündungsdurchmesser wählen. Es gibt verschiedene mit Dralllängen zwischen von 16", 20" und 22", auch für Ruger No.1-Anschlussgewinde, dies alles zu einem sehr akzeptablen Preis-Leistungsverhältnis.   


In jedem Fall ist ein ausgiebiges Schiesstraining erforderlich, das vor allem die Technik des flüssigen Nachladens, z.B. über die "Fingerpatronenhaltung" oder über entsprechende Patronen-Halteclips, die sicher an der Waffe montiert sind (was nach unseren Erfahrungen eindeutig die bessere, und sicherere Variante ist).

   


Wie in vielen anderen Situationen im Leben auch, ist bei der Großwildjagd neben den Schiessfertigkeiten, dem Umgang mit patronen- oder waffenseitigen Störungen auch die mentale Stärke immer von entscheidender Bedeutung.

Die voluminöse .475 No.2 trägt maßgeblich dazu bei, ein gutes und beruhigendes Gefühl zu schaffen, denn auf dieses Kaliber kann man sich vollkommen verlassen.

Wiederladen

Das volle Leistungspotential der riesigen .475 No.2 N.E. Patrone ist erst mit selbst geladenen Patronen auszuschöpfen. Wir empfehlen für dieses Kaliber, die etwas schwereren 500grs-Geschosse zu verwenden.


Beim Wiederladen ist vor allem zu beachten, dass man für dieses "Trumm" von Patrone eine große Wiederladepresse benötigt. Als Minimum wird hier eine Rahmenweite von ca. 120mm und ein Hub von mindestens 105mm benötigt, besser mehr. Einen Überblick über einen Teil der z.Z. erhältlichen Einstationen-Ladepressen finden Sie auch in unserem Kapitel "Wiederladen Teil 2 Ausrüstung".    


Ausreichend Volumen für starke Treibladungen bietet die Patrone mehr als genug. Mit dem richtigen NC-Pulver können auch aus Waffen mit etwas kürzeren Läufen zwischen 55-58cm Mündungsgeschwindigkeiten zwischen 670m/s bis 690m/s und damit Energien von weit über 7.000 Joule erzielt werden.


Wir empfehlen bei der .475 No.2 u.a. ein IMR-Pulver, mit dem wir u.a. auch in der .416 Rigby ausgezeichnete Erfahrungen im aktiven Einsatz gemacht haben.


Bei den Geschossen können sowohl 480grs als auch 500grs schwere Teil- oder Vollmantelgeschosse von Woodleigh verladen werden.


Der Unterschied der Geschossmasse bezieht sich auf den nominalen Geschossdurchmesser von 12,27mm zu 12,39mm (auch dies ist ein Kriterium für die Auswahl des Laufdurchmessers, d.h. Express- oder Jeffery-Version).


Letztendlich bleibt die Wahl zwischen den beiden Versionen immer ein persönliche Referenz.   


Der Größenvergleich mit der 9,3x74R zeigt die enorme Größe der .475 No.2


Fazit
Die .475 No.2 Nitro Express (Jeffery) ist nicht nur eine der imposantesten und beeindruckendsten Kaliber unter den klassischen englischen Großwild-Randpatronen, sondern auch sehr leistungsstark.


Sie hebt sich sogar von der geringfügig kaliberkleineren .470 Nitro Express durch ihre schiere Größe ab. Punkten kann die .475 No.2, wenn sie mit den richtigen NC-Pulver-Treibladungen an die obere Druckgrenze geladen wird und damit im Rahmen des zulässigen Gasdruckes von 2.800bar Mündungsenergien bis zu 7.800 Joule(!) erzielt.



Mit selbst geladenen Patronen und guten Munitionskomponenten kann die .475 No.2 in einen höheren Leistungsbereich als alle anderen Patronen in dieser Kalibergruppe gebracht werden.


Sie macht damitin ihrem jagdlichen Einsatz ihrem vorauseilenden Ruf im Sinne einer erfolgreichen Großwildjagd alle Ehre.



          Die .475 No.2 im Vergleich mit der .450-.400 Nitro Express mit 3" Hülse

Aus welcher Waffe die .475 eingesetzt wird, spielt letztendlich keine Rolle. Dies kann ausser einer guten Doppelbüchse durchaus ein Einzellader sein wie z.B. ein hochwertiger Custom-Bau einer Ruger No.1.  



Sie ist als "echte" Großwildpatrone eine absolut herausragende Erscheinung und vereint das Besondere mit einer guten Portion Exklusivität.


Man kann sich der Faszination dieser Patrone und der psychologischen Wirkung schwer entziehen, wenn man eine Doppelbüchse in diesem Kaliber mit den zigarrenlangen Patronen und den 32 Gramm schweren Geschossen lädt.

(Anm.: ...und von der Akustik, wenn die langen Hülsen nach dem Schuss mit einem typischen, metallischen Geräusch mit geöffnetem Verschluss aus dem Patronenlader ausgeworfen werden und den Abschluss einer erfolgreichen Erlegung besiegelt...)    


-Werbeanzeige-


Nächstes Kapitel
=>.505 Gibbs<=

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü