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Waffen+Kaliberwahl n. Schockwirkung

Jagd

Auswahl und Einsatzkriterien von Jagdkalibern und Waffen in Bezug auf die Schockwirkung
Nach vielen Jahren sind die Bilder aus der Kindheit immer noch genau im Kopf: Das, was der Metzgermeister tat, der in seiner Schlachterei Probleme mit seinem großem Schlachtvieh hatte. Zum Beispiel, wenn manche Tiere partous nicht mehr in den Schlachtraum zu bewegen oder ausgebüchst waren. Dann holte er seine Kleinkaliberbüchse, lud die Waffe mit Patronen der "dreifachen Ladung" (wie er zur HV-Munition mit den Bleivollmantelgeschossen sagte) und setzte einen gezielten Schuss an. Das ließ Kühe und schwerste Bullen wie vom Blitz gefällt zusammenbrechen.

Eine Kleinkaliberpatrone wie die .22lfB deshalb zur Jagd auf Wildrinder in freier Wildbahn oder zur Jagd auf afrikanische Büffel zu verwenden, käme dagegen einem Selbstmordversuch gleich.

Hier sind wir genau an dem Punkt angelangt, der für die Jagd von äußerster Wichtigkeit ist: Die
Wahl eines geeigneten Kalibers in Bezug auf die Tötungswirkung. Aber: auch innerhalb gleicher Kalibergruppen gibt es Unterschiede in Bezug auf die jagdliche Ausrichtung und einer praxisgerechten Ausrichtung. Nehmen wir für einen kaliberinternen Vergleich eine .30-30 Win., .308 Win., eine .30-06 und eine .300 RUM. Keine der Patronen ist jeweils besser oder schlechter als die anderen. Aber: jedes der aufgezählten Kaliber hat seine speziellen Stärken für einen bestimmten jagdlichen Einsatzbereich. Mehr noch, mit einer anwendungsgerechten Auswahl des Patrone, vor allem mit der individuellen Abstimmung von Waffe und Munition auf den Schützen kann jedes dieser Kaliber das beste für den jeweiligen Jagdzweck sein.

Viele jagdliche Schützen fragen sich, ob es ausser der Geschossenergie noch andere Bezugsgrößen und Hilfen zur Kaliberauswahl hinsichtlich der Tötungswirkung auf Wild gibt, die einem Vergleich in der jagdlichen Praxis auch wirklich standhalten. In diesem Kapitel möchten wir auf die aus unserer Sicht ausschlaggebenden Parameter sowohl für Waffe und Einsatzzweck, als auch auf die entscheidenden Faktoren der Schockwirkung eingehen, die für die Kaliberwahl relevant sind.   

Wie bereits im Kapitel "Kaliber und Geschosswahl" erläutert, gibt es kaliberbezogen große Unterschiede, was die wundballistischen Reserven angeht. Gerade auf schusshartes europäisches Wild und internationales Hoch-, Flächen- und Großwild werden diese Erfordernisse sehr deutlich.

Um die Wirkungsunterschiede aus der Jagdpraxis in greifbare, nachvollziehbare Zahlen zu setzen, nutzt die A.S.P.I.- Berechnungsformel für den Grad der Tötungs- und Schockwirkungsstärke außer der Energie des eingesetzten Kalibers auch die Geschossquerschnittsfläche zur Berechnung eines Indexwertes. Wenn man die Zahlen verschiedener Kaliber miteinander vergleicht, ergibt sich eine recht gute Abbildung der Kaliberwirkung in der Praxis.  

Hier geht es zum
=>Schockwirkungsrechner<=

Erfahrungen mit JASW

Einfluss der Geschossmasse auf die Schockwirkung
Zum Eingang dieser Thematik möchten wir in diesem Zusammenhang auf die manchmal zu lesende These eingehen, dass am besten schwerste Geschossgewichte im jeweiligen Kaliber auf starkes Wild verwenden sollten, um die Augenblickswirkung (Schock) zu verbessern.

Hierzu ein Beispiel:
Die .30-06. mit einem Geschossgewicht von 14,3 Gramm. Mit dieser Laborierung wird mehr Geschossmasse ins Ziel gebracht. Soweit so gut. Fakt 1 ist, dass die Auftreffenergie aufgrund der Begrenzung durch den Höchstgasdruck der Patrone geringer ist. Fakt 2 und gleichzeitig das Entscheidende ist, dass der Schockimpuls keineswegs höher ist als mit einem Geschossgewicht von 11,7 Gramm.
Die Schockwirkung liegt damit nicht in einem höheren Bereich als mit einem Geschoss in einem Kaliber .30er Standardgeschossgewicht, wie vielleicht angenommen. Dieser Irrglaube von der angeblich besseren Wirkung resultiert aus jagdlichen Erfahrungen auf Wild, wonach mit den schweren Geschossen gleichen Aufbaus ein vermeintlich besserer Effekt erzielt wurde. In Wahrheit ist es aber lediglich das
Resultat aus einer Kombination von einer zum Kaliber und Einsatz falsch gewählten Geschosskonstruktion! Nur mit einem auf den Jagdzweck und Kaliber abgestimmten Geschoss kann eine optimale Tötungswirkung erzielt werden.          

Der einzige Vorteil des schwereren Geschosses besteht darin, dass die Empfindlichkeit gegenüber leichten Flugbahnhindernissen wegen der geringeren Geschossgeschwindigkeit etwas geringer ist.

Nimmt man zu diesem Zweck ein gleich schweres Geschoss in einem
größeren Kaliber, sieht die Sache schon ganz anders aus. Hier steigt die Schockwirkung bei gleicher Geschossgeschwindigkeit sofort an. Verglichen mit einer .30-06 und 14,3 Gramm-Geschoss bei einer Vo 750m/s (Indexwert von 220), erbringt eine 9,3x62 oder .375 mit einem gleich schweren Geschoss und identischer Geschwindigkeit bereits einen Indexwert von mehr als 300.

Drückjagdtauglichkeit von Kalibern
Die Anforderungen für ein Kaliber, dass auf der Drückjagd eingesetzt wird, sind in Bezug auf die Wund- und Schockwirkung ungleich höher als bei normalen Jagdbedingungen. Treffersitz, Schusswinkel und Schusskanalverlauf auf den Wildkörper sind in der Mehrzahl aller Fälle deutlich ungünstiger. Deshalb muss ein Kaliber, das für eine Bewegungsjagd eingesetzt wird, über wesentlich mehr Energiereserven verfügen. Wichtig ist auch, dass das Geschoss einen größeren Wundkanal erzeugt.
Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt ist der Stressfaktor des Wildes mit erhöhtem Adrenalingehalt ("aufgepumpt"), was den Zeitraum bis zum endgültigen Kollaps bzw. Verenden noch enorm verlängern kann.  

Bei der Wahl des Kalibers sollte man sich folgende Fragen stellen:
1) Möchte ich das Kaliber in der Waffe ausschließlich zum Ansitz/ Pirsch führen?
2) Soll das Kaliber auch uneingeschränkt drückjagdtauglich sein und/oder manchmal auch zur Nachsuche genutzt werden?
3) Wird das Kaliber ausschließlich zur Nachsuche, als Revierbegleiter bzw. "BackUpwaffe" für Durchgehschützen oder Hundeführer eingesetzt?
 

Waffen
Natürlich ist die "Ein-Waffen-Lösung" für Punkt 1+2 grundsätzlich möglich.

Dazu sollte man allerdings die folgenden Punkte bzw. Ausstattungskriterien beachten:
1) Abnehmbares Zielfernrohr für gelegentliche Nachsuchen (Totsuchen)
2) Lauflänge unter 61cm (je kürzer, desto besser)
3) Schnell erfassbare offene Kontrastvisierung
4) Kaliber mit ausreichendem Schockwirkungsindex (abhängig von Wildart, Jagdbedingungen, Jagdart und weiteren Faktoren)


Hinweis:
Es ist ganz und gar nicht zu empfehlen, beim Ausgehen der Wundfährte bis zum letzten Wundbett das Zielfernrohr auf der Waffe zu lassen und z.B. die variable Vergrößerung ganz herunterzustellen. Das Glas muss in jedem Fall runter von der Waffe!


Waffen für die Drückjagd
Drückjagdbüchsen und Büchsen für Nachsuchen sind längst nicht das Gleiche und erfordern völlig unterschiedliche Ausstattungen und Waffen.
Deshalb sind Waffen, die als
"sowohl zur Drückjagd und zur Nachsuche geeignet" angeboten werden, immer nur ein fauler Kompromiss und völlig praxisuntauglich. Meistens sind solche Büchsen nur mit einem etwas kürzerem Lauf als die Standardlauflänge von 61cm ausgestattet. Die Erfordernisse in der jagdlichen Praxis zwischen diesen beiden Einsatzbereichen sind allein schon wegen der Schussdistanzen und der Handhabung viel zu unterschiedlich.

Zur Drückjagd muss die Waffe für eine rasche+ saubere Zielerfassung immer mit einer optischen Zielhilfe wie Rotpunkt oder ZF für punktgenaues Schiessen ausgestattet sein und die Lauflänge muss in einem guten Kompromiss zur Führigkeit und Schwingungsverhalten stehen, d.h. sich im mittleren Bereich bewegen (nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz).

Nachsuchenbüchsen
Man könnte jetzt natürlich damit argumentieren, dass man die Optik einer Drückjagdbüchse bei einer geeigneten Montage ja abnehmen kann, aber eine volltaugliche Büchse zur Nachsuche muss kürzer und noch führiger sein.

Dies geht letztendlich aber nur mit einer sehr kompakten Gesamtlänge + einem kurzen Lauf von
deutlich weniger als 50cm Länge (siehe weiter unten). Beim Durchgang bzw. Duchkriechen im dichten Unterholz bzw. Dornenbewuchs zählt jeder an Kürze gewonne Zentimeter, um die Waffe trag-, schwenkbar und schnellstens in den Anschlag zu bringen und schiessen zu können.


Mauser 98 Nachsuchen-Repetierbüchse in 8x57IS mit anwendungsspezifisch abgestimmten Lauf

Auf solch einer Waffe darf deshalb nur eine robuste offene und zuverlässig montierte (verlötete), möglichst kontrastreiche Visierung angebracht sein, die es ermöglicht, den Zielpunkt auf dem Stück schnellstmöglich aufzufassen. Jegliche Zieloptiken oder Red Dot-Visiere sind hier unangebracht.

Technische Daten und Ausstattung von Ansitz-, Drückjagd- und Nachsuchenbüchsen
Für Punkt 1 in Frage kommende Kaliber für die ausschließliche Verwendung zu Ansitz und Pirsch sind grundsätzlich Schockwirkungsindexkategorien 2 und 3 zuzuordnen, d.h. ab Patronen mit einem Geschossdurchmesser zwischen 5,6mm bis 7mm.
Kaliber im Sinne von Punkt 2 sind alle, die einen Schockindexwert der Kategorie 3 erbringen. Hierzu zählen Kaliber mit einem etwas höheren Geschossquerschnitt, als oben aufgeführt.
Unter Waffen für Punkt 3 fallen z.B. Büchsen mit einem Kaliber, die über eine richtige patronentechnische Abstimmung und über einen Schockwirkungsindex der Kategorie 4 verfügen.


Drückjagdbüchsen
Bei Punkt 2 bedeutet das für eine "ideale" Drückjagdbüchse von der Ausstattung folgendes:

1) Kurze, führige Waffe mit einer Lauflänge unter 60cm
2) Geeignete Laufkontur
3) Ergonomisch abgestimmter Schaft mit angepasster Anwendungsausführung
4) Spezieller Abzug, kein Stecher
5) Optik zur schnellen Zielerfassung, bei mittleren bis weiten Schussdistanzen im Hochwald und auf weit abgestellten Schneisen: variables Zielfernrohr
6) Bei kurzen Schussdistanzen im Wald und dicht bewachsenem Gelände sowie Schussbahnhindernissen wie Sträucher und Zweigen: leuchtkraftverstellbares Leuchtpunktabsehen und ein Kaliber mit einem ausreichendem Schockwirkungsindex
     

Nachsuchebüchsen
Waffen, die unter Punkt 3 fallen, sollten folgende Merkmale aufweisen:
1) Sehr kurze, führige Waffe mit Kurzlauf unter 50cm Lauflänge und angepasster Laufkontur
2) Robustes, auch bei stärkster Verschmutzung noch absolut zuverlässig arbeitendes System
3) Spezieller Abzug, robust und 100% zuverlässig (Vorsicht bei einigen Präzisionsabzügen aus deutscher Fertigung. Hier sind Fehlfunktionen vorprogrammiert!)   
4) Angepasster Schaft aus geeignetem Material (hohe Festigkeit)
5) Brünierte oder wetterfeste Metallteile inkl. Lauf mit Spezialbeschichtung oder System+ Lauf aus geeigneten Stahllegierungen
6) Schnell erfassbare offene, robuste Visierung
7) Riemenbügel situationsgerecht montierbar
8) Kaliber mit einem hohen Schockwirkungsindex (Details und Empfehlungen im Kapitel "Wirkungstreffer verbessern")
9) Einsteckbarer Mündungspfropfen gegen Fremdkörper und Partikel im Lauf  


Praxistaugliche Repetierbüchsen
Im Laufe der Jahre haben wir schon einige Nachsuchenprofis bei Ihrer Arbeit beobachten können. Die meisten vertrauen ihren teilweise sehr betagten, manchmal äußerlich völlig heruntergekommenen 98er Repetierern in Stutzenform oder als Büchsen mit stark gekürzten Läufen in praxisgerechten Lauflängen, z.B. in 8x57IS oder 9,3x62.

Das Zuverlässige an dem
M98er System ist seine erstaunlich robuste Bauart und die wirklich extreme Unempfindlichkeit gegen Schmutz. Es gibt bis zum heutigen Tag kein anderes Repetiersystem, dass unter widrigsten klimatischen und mechanischen Einsatzbedingungen bei Nässe, Dreck, Eis, Schnee und Fremdkörpern etc. mithalten kann.  

Sehr stark im Kommen sind in den letzten Jahren auch Unterhebelrepierbüchsen, die kaliberbedingt über eine sehr hohe Schockwirkung und eine schnelle Feuerbereitschaft für nachfolgende Schüsse verfügen.  

Kalibertabelle für den ASPI:
(A-Square Shock Power Index von A. Alphin)




Zusammenfassung
Aus den Erkenntnissen der Jagdpraxis lässt sich eine Zuordnung von Kalibern in Wirkungsklassen ableiten. Für Indexkategorien der Klasse 2 eignen sich leistungsstarke Kaliber ab 5,7 bis 6,2mm und für die Kategorie 3 mindestens Kaliber ab 6,5mm. Unter diese beiden Klassen fallen Kaliber wie z.B. .222 Rem., .223 Rem., .22-250, .220 Swift, 5,6x50(R), 5,6x57, .243 Win., .25-06, .270 Win., .270 WSM, 7mm WSM, .7mm RUM, 6,5x55, 6,5x57(R), 6,5x68(R), .308 Win, 7x57(R), 7x64, 7x65R, .7mm Rem.Mag., .30-06, .30R Blaser und noch viele andere mehr. Etwas höhere Werte erzielen zwar Magnumkaliber in 7mm und diverse .300er, aber in der Jagdpraxis ist damit kein s p ü r b a r e r Wirkungsunterschied zu erzielen.  

Patronen mit einem größeren Geschossquerschnitt und guten Indexwerten wie z.B. die 8x57IS, 8x60S, 8x64S, 8x68S, .325 WSM, etc. sind in eine etwas höhere Wirkungsklasse einzustufen.

Mehr Schockwirkung mit noch höheren Indexwerten liefern verschiedene .338er Kaliber, wie z.B. die 8,5x63 Reb, .338-06 A-Square, .338 RUM, .348 Win, .358Win.,
=>
.35 Whelen<=. Als amerikanisches Pendant zu unserer 9,3x62 hat sich letztere bereits sehr erfolgreich auf Hochwild in Nordamerika bewährt und ist in den letzten Jahren auch bei uns sehr stark im Kommen.

Einen weiteren Sektor im oberen Mittelteil der Schockwirkungsklassifizierung decken die 9,3mm Kaliber wie 9,3x62, 9,3x74R, 9,3x66 bis zur .375er Kaliberklasse ab.  

Dies ist aber längst noch nicht das Ende der Kaliberpalette für starkes Hochwild im In- und Ausland (siehe auch weiter unten). Für diverse Wildarten und für Großwild gibt es ebenfalls weitere Klassifizierungen. Dies beinhaltet die mittelgroßen Kalibergruppen wie .400 und .416er Büchsenpatronen, die Großwildkaliber .450, .465 und .470, die schweren randlosen .500er Repetierbüchsenkaliber bis zu den für jagdliche Spezialzwecke geeigneten .577 und .600 Nitro Express-Kaliber für Doppelbüchsen.     


UHR-Kaliber
Viele (amerikanische) Spezialkaliber (insbesondere diejenigen, welche über einer Querschnittsfläche von mehr als 64mm² verfügen) machen hinsichtlich der Schusswirkung genau den Unterschied aus, der sich auf der Jagd auch tatsächlich spürbar bemerkbar macht.

Genau an dieser Stelle dürfen die großen und sehr wirkungsvollen amerikanischen Randpatronen nicht unerwähnt bleiben, die vor allem in den äußerst führigen Unterhebelrepetierbüchsen den "Waldläufern" unter Jägern und jagdlichen Schützen exzellente Dienste leisten:

=>.348 Winchester<=

     =>.444 Marlin<=

=>.45-70 Government<=




Mit den richtigen Waffenmodifikationen und optimal abgestimmten Jagdlaborierungen gibt es hier eine Vielzahl von effektiven+ jagdlich praktikablen Lösungen.  


Hinweis

Weitere detallierte Informationen zum Thema Schockwirkung finden Sie auch im Kapitel
                         
                            
=>Wirkungstreffer verbessern<=


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