Tötungswirkung - JASW

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Tötungswirkung

Jagd

Tötungseigenschaften von Kalibern
Es sollte eigentlich selbstverständlich sein und wird trotzdem zu oft ignoriert:
Die Verpflichtung jeden jagdlichen Schützen, das Wild so zu erlegen, dass es möglichst schnell verendet. Zur waidgerechten Jagd gehört außer dem sicheren Umgang mit der Waffe die Erhaltung der Schiessfertigkeit und das Wichtigste: der Einsatz eines geeigneten Kalibers. Bei der Auswahl kommt dem Schützen eine zentrale Rolle zu. Nach der jagdlichen Anwendung bestimmt der Schütze im Rahmen seiner Möglichkeiten maßgeblich die Auswahl des Kalibers.

Aber auch hier ist eine realistische Herangehensweise gefragt.
Ein Schütze, der physisch+ mental nur dann in der Lage ist, ein bestimmtes Kaliber mittels technischer Krücken und div. Anbauteilen zu schiessen, sollte sich besser nach einer anderen Freizeitbeschäftigung umsehen!  

Die Jagd wird immer eine ganz spezielle Herausforderung bleiben, und das Schiessen mit der Waffe gehört dazu. Wer dazu
nicht die körperlichen und mentalen Voraussetzungen erfüllt oder Angst vor dem Rückschlag oder dem entstehenden Mündungsknall seines Kalibers hat, der ist auf dem Tennis- oder Golfplatz ganz sicher besser aufgehoben!

Es sind genau diese Dinge, welche die Jagd ausmachen und jagdliche Schützen von echten Jägern unterscheiden:
Ein Kaliber so zu handhaben, dass man mit einer unverbauten Waffe saubere Treffer in verschiedensten jagdlichen Situationen setzen und jedes Stück sicher erlegen kann. Dies ist je nach Kaliber und Einsatz nicht immer einfach und es kann selbstverständlich auch unangenehm sein, aber das gehört dazu!

Das jagdliche Handwerk ist schweisstreibend, hart und schmutzig, aber es bleibt nach dem Ehrenkodex und dem unbedingten Willen der Einhaltung des respektvollen Umgangs mit dem Wild eines: w a i d g e r e c h t.
Es gibt kaum ein schöneres Gefühl, am Ende einer erfolgreichen Erlegung zu sich sagen zu können:
"Das habe ich mir redlich erarbeitet. Vom Anblick bis zur Erlegung, das Stück wider aller Umstände sauber erlegt. In Blitz, Donner und im Rückstoss der Waffe."                  

Um die jagdliche Wirkung in Bezug auf das Leistungspotential eines Kalibers zu darzustellen, lassen sich Kaliber über Kennzahlen nach einem Index in Bezug auf die Schockwirkung abbilden. Der Schock Power Index bestimmt dazu die Tötungsstärke bzw. Schockwirkung des jeweiligen Kalibers. Hierbei wird neben der kinetischen Energie auch die Geschossfläche miteinbezogen.

Schockwirkung   
Die Erfahrung, dass größere Kaliber mit dem gleichen Geschoss und dem selben Haltepunkt im Vergleich zu kleineren Kalibern eine bessere Wirkung erzielen, ist kein Geheimnis und auch keine wundersame Erkenntnis aus der Jagdpraxis .
Vergleicht man dazu z.B. eine .375 mit einer .30-06, die auf das gleiche Wild eingesetzt werden, ist der .375 etwa eine doppelt so hohe Tötungswirkung zu attestieren. Wenn man sich sich die Zahlen in der Tabelle rechts anschaut, kann man erkennen, dass diese Erkenntnis anhand von Zahlenwerten aussagefähig abbilden.  
Natürlich spielen auch Geschossquerschnitt und Geschossmasse eine Rolle. Weitere, wichtige Faktoren sind das Ansprechverhalten, d.h. das Öffnen des vorderen Geschossteils und die Tiefenwirkung des deformierten Geschosskörpers in Abhängigkeit der verbleibenden Geschossgeometrie und des zielballistischen Verhaltens der Restmasse.
Ein wesentlicher Vorteil eines großen Kalibers ist der schnellere Blutverlust durch das bessere Ausschweissen über den Austrittskanal und dem größeren Gesamtvolumen des Wundkanals. Dies ist bei nicht optimalen Treffern bzw. ungünstigem Schusswinkel eminent wichtig.
     



Übersicht
Dies ergibt für die nachfolgenden Kaliber folgende Werte / Kennzahlen:
- 7x57                                163
- 7x64                                
177
- 7mm Remington Magnum  
201
- .30-06                             
217
- .300 Winchester Magnum  
290
-  8x57IS                           
214
- .338 Winchester Magnum  
363
-  9,3x62                           
372
- .375 H&H Magnum           
420
- .45-70 Government           
476
- .416 Rigby                       
695
- .458 Winchester Magnum  
761

  (Werte sind leistungs- und ladungsabhängig)

Wichtige Faktoren bei der Schussabgabe
Es ist beschämend, wie oberflächlich die Jagdpresse die Kaliberwirkung auf Wild beschreibt. Selbst renommierte Jagdzeitschriften, deren Artikel als informativ und kompetent einzustufen sind, machen im Grunde gar keine richtige Bewertung. Es genügt bei weitem nicht, nur die durchschnittlichen Fluchtstrecken verschiedener erlegter Wildarten mit dem Testkaliber und der bestimmten Munition/ Geschoss anzugeben.
Dazu müssen die Parameter weitaus detaillierter dargestellt und idealerweise in tabellarischer Form statistisch erfasst werden, z.B.:
- Art der Jagd (Ansitz- oder Pirschjagd oder Drückjagd)
- Verhalten/ Zustand des Stückes (ruhig oder aufgeregt)
- Körperliche Verfassung (gesund/krank)
- Schußdistanz
- Ungefährer Schußwinkel, d.h. welchen Kurs nahm das Geschoss durch den Wildkörper
- Treffersitz und Beschreibung des Schußkanals
- Erfasste Körperpartien / Organe
- Sitz+ Beschreibung des Ausschusses/ kein Ausschuss vorhanden
- Verhalten nach dem Schuss, d.h wie reagierte das Stück auf den Schuss
- Pirschzeichen und Schweiss auf der Wundfährte

Was macht das Kaliber in Bezug auf die Tötungswirkung aus und warum sind größere Kaliber grundsätzlich besser?
Je größer das Kaliber, desto schwerer ist die Geschossmasse, die in den Wildkörper eindringt. Dies bewirkt eine Vergrößerung der Wundkaverne (vorübergehend=temporär und permanent=bleibend), d.h. die Zerstörungsbahn des angesprochenen und verformten Geschosses von der Einschlagseite bis zur gegenüberliegenden Seite (idealerweise, wo das Geschoss den Körper als Ausschuss wieder verlässt).

Die Schockwirkung steigt an, je größer das Kaliber ist. Die untenstehende Tabelle zeigt die Unterschiede verschiedener Kaliber in Bezug auf den Geschossquerschnitt. Die Querschnittfläche beeinflusst maßgeblich die Augenblickswirkung, zunächst einmal unabhängig von der größeren Energie. Je größer das Kaliber, desto größer wird das Wundkanalvolumen und die Organzerstörung.  



Dies bedeutet vereinfacht gesagt, dass größere Kaliber neben der größeren Zielenergie ein stärkeres Zerstörungspotential durch das vergrößerte Wundkanalvolumen aufweisen, und das heißt: mehr "Punch", also jene schlagartige Schockwirkung, die das sofortige Zusammenbrechen von lebenswichtigen Funktionen wie Blutkreislauf, Gehirnfunktion und Nervensystem mit der Muskelsteuerung bewirkt.

Wirkung von Großkalibern und Munition auf schwächeres Wild
Im Internet ist oft zu lesen, dass Großwildkalibermunition nicht ideal auf heimisches Wild wirken würde, da die Geschosse für afrikanisches Großwild ausgelegt und viel zu hart für eine gute Energieabgabe seien. Von der eindrucksvollen Energie würde das meiste nur einfach durch den Wildkörper gehen.
Das ist allerdings nur zum Teil richtig. Der Grad der Expansion des Geschosses ist in erster Linie von der jeweiligen Geschosskonstruktion und der Zielgeschwindigkeit des Geschosses abhängig. Großwildgeschosse sind grundsätzlich wesentlich fester aufgebaut als Hochwildgeschosse und benötigen mehr Widerstand. Dies führt zu einer suboptimalen Wirkung, wenn diese Geschosse auf ein weicheres Zielmedium trifft und das eine geringere Durchgangstiefe aufweist.

Trotzdem: Es gibt durchaus einige Geschosskonstruktionen, die recht anpassungsfähig sind. Je nach Kaliber und Einsatzbereich kann man damit eine zuverlässige Wirkung auch auf anderes Wild erreichen als das, was für den ursprünglichen Verwendungszweck eigentlich vorgesehen ist. Bestimmte Kaliber und spezielle Laborierungen sind mit den geeigneten Geschossen nicht nur voll tauglich für spezielles Wild, sondern erzielen sogar eine weitaus bessere Augenblickswirkung, da hier die kaliberabhängige Schockwirkung größer ist!


Kaliberbezogene Wirkungsunterschiede
Die Unterschiede zwischen 6,5, 7mm einschl. den .30er Kalibern sind in der Praxis relativ gering, gleiche Geschosskonstruktion vorausgesetzt. Ab den Kalibern 8mm bis 9,3mm und .375 wird die Wirkung aber schon deutlicher erkennbar. Bei noch größeren Kalibern bis zum Kaliber .45 sind die Unterschiede richtig signifikant, sodass die getroffenen Stücke auch mit ungünstigen Treffersitzen wesentlich schneller verenden.

Allerdings ist hier Vorsicht geboten. Auch große Kaliber können keine Wunder vollbringen, wenn beim eingesetzten Geschoss das Verhältnis der Energieabgabe zur Tiefenwirkung nicht stimmt. Es ist von eminenter Wichtigkeit, die Laborierung der Patrone und die Komponentenauswahl exakt auf die jeweilige jagdliche Anwendung abzustimmen.  

Es sind genau diese
Leistungsreserven, auf die man als Jäger dann zählen kann, wenn man ein größeres+ stärkeres Kaliber führt und wenn es darum geht, eine optimale Wirkung zu erzielen, falls ein Schuss nicht so richtig im Leben sitzt wie gewünscht.

Fazit
Je größer das Kaliber, desto größer ist auch der Blutverlust durch die Ausschusskaverne (gleiches Geschoss vorausgesetzt). Auch das bewirkt ein schnelleres Verenden als mit normalen Mittelkalibern.
Wir können diesen Grundsatz jedem jagdlichen Schützen Jäger nur wärmstens ans Herz legen:
Immer das größte Kaliber nehmen, dass man in der Lage ist, sauber zu schiessen!

                             
    Siehe Kapitel
                              =>Rückstoss<=

 
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