Tipps zum Ziel- und Haltepunkt Teil 1 - JASW

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Tipps zum Ziel- und Haltepunkt Teil 1

Jagd

Die "richtige" Schußplatzierung:
Ausser der Wahl des falschen Kalibers sowie des Geschosses und den typischen Fehlern bei der Schussabgabe liegt der Hauptgrund für lange Fluchtstrecken vor allem am falschen Haltepunkt. Viele Nachsuchen wären gar nicht nötig, wenn sich die Schützen über die richtige Schussplatzierung im Klaren wären.

Wir setzen hierbei voraus, dass das Geschoss in seinem Ansprechverhalten eine so hohe Tiefenwirkung erreicht, dass es mindestens lebenswichtige Organe in der entscheidenden Tiefe des Rumpfes durchschlagen kann. Es gibt allerdings
viele Kaliber-Geschosskombinationen, welche diese rudimentäre zielballistische Anforderung nicht erfüllen. Ein Grund ist u.a., dass sich einige moderne Geschosskonstruktionen entgegen den Versprechen der Herstellers keineswegs immer zuverlässig verhalten. Ablenkungen, Fragmentierungen oder mangelnde Energieabgabe sind nur einige Mängel davon.

Man muss hierzu natürlich auch die zu bejagende Wildart berücksichtigen. Unser heimisches Reh-, Dam- und Rotwild ist nicht sehr schusshart, manche andere europäische Wildarten dagegen schon. Viele ausländische Wildarten in Afrika, Nordamerika und Australien erreichen diesbezüglich fast schon unvorstellbare Dimensionen. Aber: maßgeblich entscheidend ist auch die momentane Gemütsverfassung des beschossenen Stückes, d.h., ob es ruhig+ vertraut oder in Alarmbereitschaft bzw. in welchem Stadium der körperlichen Verfassung es zum Zeitpunkt der Schussabgabe ist. Hinzu kommt die Komponente der jeweiligen körperlichen Anspannung, z.B. durch Rennen oder bei Bedrohung.

Der ungünstigste Zeitpunkt für den Schuss ist aus dieser Sicht, wenn er während eines körperlichen Erregungszustandes nach einer längeren Flucht, die Hetze durch eine Hundemeute oder im verletzten Zustand erfolgt oder das, was äußerst kritisch ist: durch einen
schlechten ersten Schuss.

Es passiert dann Folgendes: durch den natürlichen Schutzmechanismus werden hohe Mengen an Adrenalin produziert. Dies beflügelt jedes tödlich getroffene Stück zu Höchstleistungen und die Schusshärte nimmt enorm zu.

Erfahrungen mit JASW

Haltepunkte
Je nach Wildart und Jagdsituation sind folgende Treffersitze möglich:

1: Hinter das Schulterblatt
2: Tiefblatt bzw. kurz hinter dem Schulterblatt
3: Schulterblatt mittig
4: Rückgrat
5: Brust
6: Schräg- oder Rektal
7: Hals- bzw. Träger
8: Kopf
 


Bildquelle: G&A 1993

Erläuterungen
Lungenschuss hinter die Schulter
(1) Dieser Haltepunkt wird u.a. von vielen Jägern der alten Schule angewendet. Viele setzen ihn an, um eine wildbretschonende Wirkung zu erzielen, d.h. kein Muskelgewebe im Schulterbereich zu zerstören. Als Hauptorgan dieses Haltepunktes wird beim Schuss der Brustbereich mit der hinteren Lungenpartie getroffen. Obwohl mit tödlicher Wirkung, zeigt dieser Schuss sehr oft keine unmittelbare Wirkung, je nach Kaliber und Wildart ist mit Fluchtstrecken von bis zu 150 Metern zu rechnen. Vorsicht: Lungenschüsse können unterschiedlich gesetzt werden und sind in ihrer Wirkung vielfältig. Hier sind einige Dinge zu berücksichtigen.
Kammerschuss
(2) Der Kammer- oder Tiefblattschuss ist ein direkter Herztreffer. Dabei wird das Hauptorgan des Blutkreislaufes vom Geschoss durchschlagen und zerstört. Das Erstaunliche daran ist allerdings, dass mit diesem Schuss sehr häufig immer noch sehr lange Fluchtstrecken vorkommen, obwohl auch dieser Treffer letztendlich tödlich ist. Bei schusshartem (Hoch-)Wild sind Todesfluchten um 70m keine Seltenheit. Selbst Totsuchen mit mehr als 200 Metern Länge sind nicht ungewöhnlich. Der uralte Mythos der sofort tödlichen Herztreffer geistert leider immer noch umher und nicht wenige Anbieter von Jagdmunition verleiten unerfahrene jagdliche Schützen in den dargestellten Abbildungen dazu, diesen Haltepunkt anzuwenden.    
Blattschuss
(3) Der Schulterschuss, wie er auch genannt wird, ist ein tödlicher Schuss, der, wenn er richtig platziert wird, ruft immer eine sofortige Bewegungsunfähigkeit des Stückes hervor, wirkt sehr schnell und hat eine an den Platz bannende Wirkung (Erläuterung siehe weiter unten).
Rückgratschuss
4: Bei diesem Schuss wird die Wirbelsäule oder Teile des Rückgrats getroffen. Die Folge davon ist zwar eine sofortige Bewegungsunfähigkeit, aber je nach Geschosswirkung darf man nicht immer von einer tödlichen Wirkung ausgehen. Dadurch ist oft ein zweiter Schuss nötig, der dann natürlich nur als Fangschuss gesetzt werden kann. Die Gefahr eines Fehlschusses ist bei diesem Haltepunkt sehr hoch.
Frontalschuss
5: Dieser Schuss wird frontal auf die Vorderseite des Brustbereiches gesetzt und kann je nach Haltepunkt den Herz- Lungenbereich oder bei manchen Wildarten auch die Halswirbel erfassen. Die Wirkung ist sehr stark vom exakten Treffersitz und dem jeweiligen Schusswinkel abhängig. Sie kann augenblicklich sein, aber es sind auch lange Fluchtstrecken möglich. Unbedingte Voraussetzungen für einen solchen Schuss sind: Ein hohes Maß an jagdlicher Erfahrung, sehr gute Kenntnisse über die Anatomie der Wildart, kurze Schussdistanzen und ausreichend große, tiefenwirksame Kaliber mit sehr massestabilen Geschossen.
Schuss von hinten
6: Es gibt nur 2 Gründe, den Rektalschuss anzuwenden: Um
verwundetes Wild von einem (oder mehreren) schlecht sitzenden Schuss (Schüssen) zu stoppen bzw. bewegungsunfähig zu machen, oder um Stücke, die wieder aus dem Wundbett hoch werden, an einer erneuten Flucht zu hindern, wenn sie vom Schützen weg flüchten. Die Wirkung ist in der Regel nicht augenblicklich. Nur bei einem Schuss, der das Rückgrat fasst, tritt eine sofortige Bewegungsunfähigkeit ein. Hierzu ist eine sehr hohe Penetrationswirkung erforderlich, die auf Hochwild und mittleres Großwild nur mit sehr stabilen und tiefenwirksamen Deformationsgeschossen erreicht werden kann.
Auf starkes Großwild sind diesen Anforderungen nur Deformationsgeschosse aus homogenem Material gewachsen. Vor allem aber großkalibrige, massive Solidgeschosse ab dem Kaliber .416 aufwärts mit höchster Durchschlagskraft (Dickhäuter).
Trägerschuss
7a: Bei Wildarten mit einem relativ langen Halsbereich kann ein Schuss durch die Halswirbel eine wildbretschonende Alternative zum vorderen Rumpftreffer sein. Die Voraussetzungen dafür sind allerdings, dass der Schuss ausschließlich bei erhobenen Haupt und ausnahmslos nur auf kurze Schussentfernungen erfolgt. Weiterhin sind ein sehr schnelles Ansprechen des Geschosses zur schlagartigen Energieabgabe (hohe Vz) sowie der "Dialog" des Schützen und des Stückes in Bezug auf die Bewegungsposition unbedingt erforderlich.
Abgesehen von einer Fangschußsituation ist der Trägerschuss deshalb als ein heikler Schuss anzusehen, der zudem viel Erfahrung mit der Wildart erfordert und normalerweise nicht angewendet werden sollte.  
7b: Der sogenannte "Tellerschuss" auf Schwarzwild ist ebenfalls ein Schuss durch die Halswirbel, nur seitlich. Allerdings ist dieser Schuss ausschliesslich beim Fangschuss anzuwenden und keineswegs als erster Schuss (die Gefahr eines Gebrächschusses ist viel zu hoch)!
Schuss auf das Haupt
8: Der Gehirnschuss ist als erster Schuss auf Wild ausschließlich der Großwildjagd auf kurze Schussdistanzen auf Dickhäuter vorbehalten. Dieser Schuss kann ohne sehr genaue Anatomiekenntnisse, einem hohen Maß an jagdlicher Erfahrung und höchster praktischer Schussfähigkeit mit der Waffe nicht angewendet werden. Die Größe des Gehirns, Schussposition+ der einzuhaltende Schusswinkel sowie das Bewegungsverhalten des Stückes zum Zeitpunkt der Schussabgabe sind die entscheidenden Faktoren über Erfolg oder Misserfolg.
Aber auch das Kaliber macht hier einen großen Unterschied aus, wenn das Gehirn verfehlt wird und über die Querschnittsfläche des Geschosses die notwendige größere Schockwirkung zur Betäubung Wirkung zeigen soll.
Die zweite Anwendungsmöglichkeit ist der Schuss zum Stoppen eines Angriffes oder zum Fangschuss bei einer Nachsuche. Aber auch hier ist der Einsatz auf gefährliches schweres Großwild (z.B. Elefant, Hippo, Büffel) begrenzt. Für starkes Wild ist dieser Schuss als erster Treffer weder praxisgerecht, noch sicher umsetzbar (einzige Ausnahme: Fangschusssituation).
       

Schusshartes Wild
Außer den klassischen afrikanischen Wildarten gibt es durchaus einige Vertreter unseres europäischen Hochwildes, die bekanntermaßen recht schußhart sind. Tödliche Treffer, welche bei einigen Schalenwildarten eine sofortige Wirkung ohne oder nur sehr kurze Fluchtstrecken bewirken, hinterlassen bei diesen Wildarten sehr oft überhaupt keine Augenblickswirkung. Doppelt erschwert wird eine Nachsuche, wenn das Geschoss entweder keinen Ausschuss erzielt oder nur eine geringe Schweissfährte liefert.

Das mit Abstand schusshärteste Wild findet man u.a. nicht nur in Afrika, wo die Skala von oben vom Kaffernbüffel angeführt wird, sondern z.B. in Australien, wo wahre Kolosse von Wasserbüffelbullen oder Scrub Bulls zu bejagen sind und stärkste Großwildkaliber weit über der .375 verlangen. Im Gegenzug ist das afrikanische Warzenschwein interessanterweise deutlich schußschwächer als unser Schwarzwild. Letzteres stellt in der jagdlichen Praxis sein Schusshärte regelmäßig unter Beweis. Deshalb sollte diese Wildart immer mit einer angepassten Schussabgabe und einer entsprechenden Kalibergröße behandelt werden müssen. Dies gilt im Besonderen für die Bewegungsjagd.

Auch einige Antilopen können enorm viel "vertragen". Unser Jagdteam hat im Laufe der Jahrzehnte durch Tätigung unzähliger Erlegungen auf fast alles Wild der Erde sehr viel wertvolle Erfahrungen im 4-stelligen Bereich gewonnen. Die primäre Erkenntnis daran ist:
Es gibt leider nichts, was im negativen Sinne hinsichtlich der Schusswirkung passieren kann. Aber: Es gibt auch Vieles, was möglich ist!

Ein Beispiel von unzähligen Erlegungen, wo es überhaupt nicht "rundläuft": ein Oryxbulle, der mit einem guten Treffer aus der 8x68S, den er zunächst mit sofortigem Zusammenbrechen quittierte, wurde beim Herangehen sofort wieder hoch und verlangte dem Schützen den kompletten Inhalt seines Magazins ab, bevor er entgültig verendet war. So etwas darf man aber nicht dem Kaliber anlasten.
Im konkreten Fall stellte es sich heraus, das sich alle Geschosse viel zu früh und zu stark deformiert bzw. vorzeitig zerlegt hatten und dadurch einfach nicht tief genug "ins Leben" eingedrungen sind (wieder ein klassischer Fall einer falschen jagdlichen Anwendungskombination).
          

Der "wildbretschonende Haltepunkt" - ein Widerspruch in sich
Mit weiten Fluchtstrecken muss man aber auch bei Herz-, Lungen- und natürlich auch bei Leberschüssen rechnen, auch wenn die beiden erstgenannten in der Regel letztendlich nur Totsuchen sind.
Bei den Anhängern des wildbretschonenden Schusses liegt die Schussplatzierung hinter dem Schulterblatt. Man kann dies auf leichtes+ lethal schwaches Wild durchaus tun, wenn Kaliber+ Geschoss in Bezug auf die Wildart abgestimmt sind. Mit einer "handbreit" hinter den Vorderkeulen angehalten, kann dies z.B. bei leichten, gering schussresistentem Wild sehr gut funktionieren.

Bei schusshartem Wild, insbesondere auf der Auslandsjagd sieht das wieder ganz anders aus. Schussentfernungen, die Schussabgabe und der Schusswinkel sind zudem zwangsläufig immer ungünstiger als bei idealen Revierbedingungen bei Ansitz+ Pirsch.

Hier ist die optimale Abstimmung von Kaliber und dem geeigneten Jagdgeschoss gefragt, um unnötige sowie schwierige oder ergebnislos abgebrochene Nachsuchen zu vermeiden. Wer dies berücksichtigt, hat bereits 80% seines jagdlichen Erfolges sicher in der Tasche! Die Schussplatzierung auf das zentrale Schulterblatt gibt die notwendige Sicherheit, um in Fällen eines ungünstigen Schusskanalwinkels die Fluchtstrecke zu reduzieren.
 


Mit der augenblicklichen Wirkung eines gut gesetzten Schulterblattschusses kann es selbst in einem guten Mittelkaliber wie z.B. der .30-06 vorbei sein, sobald der Schusskanal etwas schräg verläuft. Die Folge sind meist lange Fluchtstrecken, die je nach Kaliber bis zu 200m weit gehen können, bevor die Stücke tödlich getroffen, zusammenbrechen und dann verenden. Hierbei zeigt sich die Wichtigkeit des Geschosses für einen sicheren Ausschuss mit Schweissfährte.



Anm.: Von diesem zielballistischen Verhalten machen auch kleinere Magnumkaliber wie die
7mm Rem.Mag. und die .300 Win.Mag keine Ausnahme. Eine bessere Wirkung kann nur
mit einem größeren Schock durch den Wundkanal eines größeren Kalibers erzielt werden.

Kontroverse Ansichten
Man sollte sich weder auf Tiefblattschüsse oder Schüsse kurz hinter der Blattschaufel, noch auf hoch angesetzte Schüsse, welche hinter dem Schulterblatt den Bereich des Rückgrates fassen sollen, einlassen. Zum Einen, weil damit immer die Gefahr des Überschießens oder eines Krellschusses präsent ist und zum Anderen, weil dadurch teilweise lange Fluchtstrecken die Folge sind.

Es gibt im Netz teilweise haarsträubende Thesen über den Haltepunkt im Wildkörper. In einer davon wird z.B. behauptet, dass der Haltepunkt auf das Schulterblatt noch aus der Zeit der Jagd mit Schwarzpulver und Bleigeschossen stamme. Mit dem "richtigen" Geschoss (was nach Ansicht dieser Verfechter nur ein Teilzerlegungsgeschoss sein kann) sei der ideale Haltepunkt hinter dem Blatt im oberen Bereich des Wildkörpers, d.h. der hohe Lungenschuss in der Nähe der Wirbelsäule.

In Wahrheit ist genau das Gegenteil der Fall. Die Bleigeschosse aus der damaligen Zeit waren noch viel zu weich, um bei Knochentreffern auf starkes Wild eine ausreichende Tiefenwirkung zu erbringen. Aufgrund der starken Deformation wurden sie abgelenkt und erreichten als Folge dieser Quetschung nicht die nötige Zerstörungswirkung im Organbereich. Genau aus diesem Grund schossen die erfahrenen Elfenbeinjäger in Afrika aus ihren schwarzpulvergeladenen Büchsen mit Bleigeschossen vornehmlich auf den Rippenbereich immer hinter das Blatt, um noch eine möglichst zufriedenstellende Tiefenwirkung auf Dickhäuter und Büffel zu erzielen.

Hinweis: In den meisten jagdlichen Situationen auf der Jagd, insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen oder auf dem nächtlichen Ansitz ist die Empfehlung, hoch, d.h. kurz unter der Wirbelsäule anzuhalten, weder praktisch sicher umsetzbar, noch waidgerecht.

 
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