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Speer

Jagdgeschosse > Teilmantelgeschosse

Geschichte
Der Begründer einer der größten und bedeutendsten Geschosshersteller Amerikas war der Namensgeber Vernon Speer.
Vernon war ein Multitalent, er studierte Geologie+ Ozeanologie, konstruierte kleine hydraulisch betriebene Apparate für Farmer und entwickelte+ baute im Alter von 21 Jahren sogar einen Flugzeugmotor. Speer arbeitete zunächst als Vorarbeiter im Werkzeugbau bei John Deere. Als durch die Rohstoffknappheit des 2. Weltkrieges Jagdgeschosse rar wurden, baute er im Jahr 1944 seine erste Geschosspresse und verwendete als Material für die Geschossmäntel verschossene .22er Kleinkaliberhülsen.     

Sein bester Freund und Jagdkamerad war der bekannte Jäger+ Autor Jack O`Connor. Jack erlegte seinen ersten Weißwedelhirsch im zarten Alter von 12 Jahren mit einer 30/40 Krag. Während seiner jagdlichen Aktivitäten im amerikanischen Heimatland, Europa, Afrika und Indien verfasste er unzählige Artikel für Jagdmagazine und schrieb insgesamt 17 Bücher. Er war ein begeisterter Anhänger der .270 Winchester (der "amerikanischen 7x64") und trug in erheblichen Maße zur Verbreitung der Popularität dieses Kalibers bei.

Vernon Speer ist der eigentliche Urvater aller
Premium-Teilmanteljagdgeschosse. Er erkannte schon sehr früh, wie man die Zuverlässigkeit und damit auch die Wirkung von Teilmantelgeschossen verbessern musste. Bereits 1961 wurde der sog. "Hot Core-Prozess" perfektioniert. Dabei wurde flüssiges Blei in klinisch reine Tombak-Geschossmäntel vergossen und anschließend in 2 weiteren Arbeitsgängen zur entgültigen Geschossform gepresst.

Das bekannteste und hochwertigste gebondete Jagdgeschoss war für viele Jahre das Grand Slam. Dieser weiterentwickelte Teilmantelgeschosstyp war 1975 einer der ersten, in Serie hergestellten Teilmantelgeschosse mit verlötetem Bleikern, bestehend aus einer harten Bleilegierung im Geschossheck und normal weichem Blei im vorderen Teil des Geschosses. Ausserdem hatte das Grand Slam einen verstärkten Mantel und eine zusätzliche, geriffelte Ringverpressung ähnlich dem Interlockring wie beim Hornady-Geschoss, um nach der schnellen Expansion eine hohe+ sichere Tiefenwirkung im Wildkörper zu erreichen.

Weitere Besonderheiten des Grand Slam, die seither auch in viele andere Geschosskonstruktionen eingeflossen sind und von der Konkurrenz bis zum heutigen Tag teilweise 1:1 übernommen wurden, waren eine strömungsgünstige Geschossform mit einem langen Radius im vorderen Geschossteil für einen guten BC-Wert und die abgeflachte Geschossspitze, welche eine Deformation beim Rückschlag im Magazin verhindert.                

Geschosstypen
Mag-Tip
Eine sehr gute Geschosskonstruktion ist auch die gebondete Teilmantelversion des Mag-Tip, ebenfalls mit der seit den 1970er Jahren "Hot Cor"-Verfahren produzierten Speer-Geschosse. Im Gegensatz zu den normalen Hot Cor-Standardgeschossen ist bei dieser Konstruktion der Mantel im hinteren Teil nochmals verstärkt. Weiterer Vorteil vom Mag-Tip ist der "Protected Point", d.h. der Geschossmantel schließt an der Spitze mit der Bleifüllung ab und ist dadurch unempfindlich gegen Beschädigungen beim Rückschlag im Magazin von Repetierbüchsen, insbesondere bei starken Kalibern. Das Geschwindigkeitsfenster für das Mag-Tip lässt je nach Anwendung Zielauftreffgeschwindigkeiten zu, die bei gleich großen Kalibern ca. 100m/s unter dem des Grand Slam liegen.   

Grand Slam
Das Grand Slam-Geschoss wurde von Speer im Laufe der Jahre weiter verbessert. Die aktuelle Version beeinhaltet keinen dualen Bleikern
mehr (mit einem harten und einem weichen Bleisektor wie ursprünglich), sondern eine härtere 3-Komponenten-Bleilegierung, die in einen verstärkten Geschossmantel mit einer eingefalzten Tasche bei einer Temperatur von 482°C eingegossen wird und dabei einen Verlötungsprozess (Bonding) eingeht. Im Vergleich zur alten Dual-Core Version wird dadurch ein um 10% höheres Restgewicht im Testmedium erreicht.
Man trifft praktisch keinen jagdlichen Schützen getroffen, der im jagdlichen Einsatz auf Schalenwild mit dem Grand Slam nicht vollkommen zufrieden ist oder irgendwelche Probleme damit hatte. Für viele Anwendungen ist dieses Geschoss bestens geeignet und bietet neben einem guten Ansprechverhalten eine ansehnlich hohe Tiefenwirkung.  

Deep Curl
Dieses Teilmantelgeschoss wird von Speer nicht mehr im Programm gelistet. Statt dessen hat man sich bei Speer auf unterschiedliche Hot Cor-Teilmantel und die beiden o.a. Ausbaustufen der bewährten gebondeten Konstruktionen konzentriert.               


Speer-Geschosse in der Jagdpraxis
Bei Speer ist man der Meinung, dass Blutergüsse um
den Wundkanal primär eine Funktion der Geschwindigkeit, n i c h t der Energie sind. Und dass man mit einem 225grs .338er Kaliber Teilmantelgeschoss mit einer Vz von 850m/s wird eine wildbretschonendere Wirkung erzielt, als mit einem 180grs .300er Magnumkaliber bei einer Zielgeschwindigkeit von 915m/s (dieser Aussage ist nach langjähriger jagdlicher Einsatzzeit nur beizupflichten).

In mehr als 20 Jahren Einsatz konnten mit verschiedenen Speer-Geschosstypen wertvolle Erkenntnisse aus jagdlichen Erfahrungen gesammelt werden, insbes. im Kaliber .30. Während die meisten Erlegungen überhaupt keine Probleme bereiteten, waren auch einige Fälle von schlechtem Geschossverhalten im Wildkörper darunter.
Vor der Produktlinienbereinigung waren die meisten Teilmantelgeschosse noch ganz normale Teilmantelkonstruktionen mit einem eingepressten Bleikern. Das 180grs Teilmantelspitzgeschoss mit Boattail (Kegelheck) im
Kaliber .30 war z.B. so ein Geschoss (wird nicht mehr hergestellt). Aus der .30-06 ergibt dieses Geschoss mit einem Rottweilpulver aus einer Kompaktwaffe eine hervorragende Präzision unter 20mm. Es zeigt eine sehr gute Augenblickswirkung mit ordentlich Schweiß, allerdings liegt das SPBT für Rehwild im absoluten Overkillbereich mit einer extrem hohen Wildbretzerstörung.

Auf Schwarzwild leistet dieses Geschoss grundsätzlich gute Arbeit. Der Wehrmutstropfen ist allerdings, dass u.a. bei starken Keilern leider kein Ausschuss mehr vorhanden ist. Alle Stücke, die wir mit diesem Geschoss erlegt haben, sind zwar erfolgreich zur Strecke gekommen und lagen je nach =>
Treffersitz<= auch direkt am Anschuss. A b e r: Eine mangelnde Tiefenwirkung mit dem Fehlen eines Ausschusses für eine Schweissfährte ist ein absolutes "g e h t - ü b e r h a u p t - n i c h t". Es ist in einem dem Wild gegenüber verantwortungsbewussten Jagdbetrieb viel zu unsicher, ein Geschoss zu verwenden, das zwar eine gute Augenblickswirkung ohne jegliche Fluchtstrecken erbringt, aber unter Umständen nur Steckschüsse ohne Ausschuss produziert. Wer beim Zerwirken seines Wildbrets nur noch den leeren Geschossmantel in der Hand hält, für den ist es höchste Zeit für einen Geschosswechsel!  

Ein vollkommen abschreckendes Beispiel für ein Geschossversagen ist u.a. das 400grs schwere Teilmantel-Flachkopfgeschoss im Kaliber .45 (.458).
Der Mantel dieses Geschosses ist tatsächlich so dünn, dass es in manchen Läufen bereits beim Laufdurchgang schon vom Feldprofil aufgeschlitzt wird, sodass es sich manchmal bereits im Flug zerlegt(!). Schon mit mittelstarken Ladungen wie z.B. aus der .458 Winchester Magnum bei einer Mündungsgeschwindigkeiten über 600m/s verschossen,
ist die Wirkung derart brutal auf Wild, dass einem sprichwörtlich der Appetit vergeht, wenn man beim Zerwirken den Eintrittsbereich des Wundkanals analysiert. Eine jagdliche Verwendung hat dieses Geschoss selbst mit der .45-70 nicht, da das nutzbare Geschwindigkeitsfenster in einem so engen Bereich liegt, sodass das Geschoss nur für sehr wenige jagdliche Einsätze tauglich ist. Ausserdem besitzt es nur eine relativ geringe Hindernisunempfindlichkeit.    
Foto: Jagdlich unbrauchbares, viel zu fragiles 400grs Speer FNSP.



Speer Mag-Tip
Ganz andere Erkenntnisse lieferten die Erfahrungen mit der gebondeten Hot Cor- Konstruktion Mag-Tip. Das Geschoss zeichnet sich je nach Kaliber durch eine sehr gut angepasste Augenblickswirkung auf unterschiedliches Wild, i.d.R. mit guter Tiefenwirkung und ausreichend bis reichlich Schweiss am Anschuss aus. Im Kaliber .30 z.B. ist dies allerdings immer auch von der Waffe, der jeweiligen Laborierung, der jagdlichen Umgebung, dem Wild und vor allem von der Jagdart
abhängig.   

Foto rechts: Geborgenes Speer Mag-Tip, Kaliber .30-06, 180grs


Ein sehr gutes+ empfehlenswertes Geschoss ist auch das Speer Mag-Tip im Großwildkaliber .416.

Es hat ein
Geschossgewicht von 22,7 Gramm und ist wie folgt aufgebaut: Der vordere Mantelbereich ist mit einer verdickten Nase versehen, ähnlich wie bei dem SP-RP Interlock. Etwa bis zur Hälfte der Geschosslänge verstärkt sich der Geschossmantel von 0,5mm allmählich bis zum mittleren Sektor. Kurz hinter der Rändelbördelung von der Crimprille erreicht der Mantel schließlich eine Hauptstärke von über einem Millimeter. Der Geschossboden ist 2mm stark (siehe Schnitt im Bild links). Mantel und Bleikern sind miteinander hochtemperaturverlötet.
350grs Mag Tip Kaliber .416
 
Das Geschoss zeigt aus der .416 Rigby eine hervorragende Sofortwirkung auf starkes afrikanisches Flächenwild. Es erzeugt in diesem Kaliber mit optimierten Laborierungen eine beeindruckend hohe Stoppkraft. In den meisten Fällen mit sehr viel Schweißaustritt durch einen großen Wundkanal am Anschuss. Natürlich darf man es bei den Ansprüchen hinsichtlich der Wildbretzerstörung nicht übertreiben, wenn man die .416 auf heimisches Hochwild führt. Es sollte allerdings klar sein, dass die .416 in dieser Kombination kein Kaliber mehr für Wild unter 50kg Lebendgewicht oder leichtes Flächenwild wie z.B. Duiker, in osteuropäischen Jagdgebieten bzw. in anderen Jagdgebieten im Ausland ist, auch wenn man als Wiederlader mit der Leistungsstärke der Patronen in einem gewissen Bereich variieren kann.     




Erläuterung: Die Bewertungen basieren auf der Auswertung der Wirkung von langjährigen jagdlichen Praxiserfahrungen mit jeweils einer Waffe. Energieabgabe: Geschossdeformation nach praxisbewährtem Idealverhältnis von Durchmesser zu Kaliber+ Geschosslänge. Tiefenwirkung: Verhältnis von Schusskanaltiefe zum Wildkörper bei rechtwinkligen Schüssen. Ausschusswahrscheinlichkeit: Schweissfährte bei seitlichen Treffern inkl. Schrägschüssen. Versagerquote: Anteil der Erlegungen, wo das Geschoss versagt, weil es zu stark deformiert, abgelenkt wird oder sich zerlegt hat (aus Darstellungsgründen sind 0%-Werte mit 0,01% angegeben). Anwendungsflexibilität: Bandbreite auf unterschiedliche jagdliche Einsatzzwecke (1,0-0, Sehr gut bis schlecht). Je nach Kaliber, Waffe und jagdlichen Bedingungen sowie Anwendungsparameter sind andere Werte möglich, die teilweise erheblich von den angegebenen Anteilen abweichen können.              

Fazit
Die Speer-Geschosse der heutigen Hot Cor-Generation sind grundsätzlich gute Teilmantelgeschosse mit einem befriedigenden Verhältnis von Energieabgabe und Tiefenwirkung, insbesondere in Bezug auch auf die Abwärtskompabilität.

Sehr gut ist hier auch das Preis-Leistungsverhältnis. Man bekommt relativ "viel Jagdgeschoss" für sein Geld. Bei richtiger Anwendungskombinierung von Kaliber, Waffe, jagdlicher Anwendung und Laborierung sind diese Geschosse sowohl für das Trainingsschiessen als auch im Sinne von voll tauglichen Jagd-Teilmantelgeschossen
weiterzuempfehlen.
     


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