RWS Evolution Green - JASW

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RWS Evolution Green

Jagdgeschosse > Bleifreie Deformationsgeschosse

Hintergrund
Wie reagiert man als Geschosshersteller, wenn man das Marktsegment der bleifreien Geschosse verschlafen hat und dann noch durch geplante Änderungen oder möglicherweise sogar eines Verbotes von bleihaltigen Geschossen in Zugzwang kommt? Richtig, man stellt rasch eine bahnbrechende, neue Geschosskonstruktion vor, welche vor allem die scheinbaren Schwächen der aktuellen Konkurrenzprodukte eliminiert.
Erfahrungen mit JASW

Konzept
Auch wenn es grundsätzlich lobenswert ist, dass man neue Materialien in der Konstruktion verbaut hat: es hilft leider nicht darüber hinweg, dass man sich bei dem EvoG unglücklicherweise am jagdlich unzuverlässigen und wilbretentwertenden Teilzerlegerprinzip (Ablenkung, Geschosssplitter) orientiert hat.

Es ist wahrscheinlich die Folge des Konkurrenzkampfes und dem enormen Druck, der auf den Verantwortlichen bei RWS lastet, diesen Marktrückstand aufzuholen. Vor allem die Amerikaner sind in den letzten Jahren sehr umtriebig und drängen mit hochwertigen Geschossen und gleichzeitig preiswerter Munition immer mehr auf den deutschen und europäischen Markt.

Kurzbeschreibung
Das Geschoss ist ein Mantelgeschoss mit einem Zinnkern. Der vordere Teil ist als Zerlegungssektor mit Einkerbungen versehen. Wie bei vielen anderen Konkurrenzprodukten darf natürlich auch beim Green die im Moment typische aerodynamische Geschossspitze nicht fehlen. Schliesslich soll das Geschoss so wie andere Geschosse eine hohe Geschwindigkeit über einen weiten Einsatzbereich erreichen.
Nach Herstellerangaben wurde die Wirkung nach den Labortests mittels klassischem Gelatinebeschuss und im Jagdbetrieb mit vielen erlegten Stücken erfolgreich getestet.
Die Werbeaussagen versprechen eine geradezu unglaublich gute zielballistische Verbesserung in der Wirkung:
- 50% mehr an "Wirkungs-Plus", d.h. deutlich kürzere Fluchtstrecken
- Größere Einsatzentfernung, d.h. Reichweitenverbesserung  
- Garantierter Ausschuss (!)


Bahnbrechende Sensation oder nicht?

Leider fehlt die Transparenz bei der statistischen Auswertung der Erlegungen und der abgeprüften Parameter. Ebenso wird nicht erwähnt, auf welche bleifreien Geschosskonstruktionen sich die Bewertung der zielballistische Steigerungen beziehen. Auch mit der Aussage "Garantierter Ausschuss für sicheren Schweiss durch formstabilen Heckkörper" legt man bei RWS die Messlatte in völlig unrealistsiche Regionen.
Die Frage ist hierbei, ob sich diese Formulierung tatsächlich auf alles Wild beziehen soll. Dies würde u.a. europäisches Hochwild, asiatisches Steppen- und Gebirgswild sowie afrikanisches Flächenwild einschließen.

Dann wäre die Bedeutung in der jagdlichen Praxis schlichtweg eine Sensation, vor der man seinen Hut ziehen müsste. Man stelle sich vor: Nach diesen Angaben könnte man mit einer 7x57R mit einem nur 8,2 Gramm leichten Evo Green- Geschoss Wild in der Größe von Elch oder eines starken Keilers schnell, sicher und noch dazu immer mit Ausschuss strecken! Das wäre in der Tat eine tolle Sache, nur leider völlig unrealistsich.

Natürlich kann auch das EvoG solche völlig utopischen Forderungen nicht erfüllen. Die Erfahrungen aus der Praxis bestätigen immer nur eines: Die Schwachstellen bei der Wirkung sind konstruktionsbedingt und verstärken sich bei der der Auswahl falscher Einsatzparameter.

Das heißt aber nicht, dass das Geschoss keine guten Ergebnisse erbringen kann. In bestimmten Anwendungsfällen ist man mit dem EG sogar sehr gut aufgehoben. Sehr löblich ist zumindest die Tatsache, dass man sich bei der Legierungsauswahl endlich mal nicht an amerikanischen Entwicklungen angekoppelt hat, sondern eine eigenständige Geschosskreation geschaffen hat.     
(Anm.: Wir bedanken uns für die Rückmeldungen zu den Praxiserfahrungen mit dem Geschoss.)

Nachteile
- Geringe Materialdichte, dadurch zu geringes Geschossgewicht
- Splitterwirkung im Wildkörper beeinträchtigt Wildbretqualität
- Bei unzureichender Wundwirkung längere Fluchtstrecken möglich
- Ablenkungen bei leichten Flugbahnhindernissen  

Leider völlig nutzlos ist der sog. "Scharfrand". Denn
es bringt in der Praxis überhaupt nichts, zu sehen, ob das Stück getroffen wurde, aber nicht wo, was viel entscheidender ist! Es entbindet keinen Schützen von seiner Sorgfaltspflicht, wirklich bei jedem Schuss auf ein Stück Wild selbst nachzusuchen oder eine Nachsuche durch einen Hundeführer einzuleiten. Es kommt regelmäßig vor, dass am Anschuss trotz Ausschuss kein Schweiss vorhanden ist. Manchmal erst nach einigen Metern und in ungünstigen Fällen auch überhaupt nicht.
Insofern ist der Scharfrand u.U. sogar ein sehr gefährliches Instrument, was unerfahrene Schützen schnell dazu verleiten kann, im Falle eines Fehlens von Haaren darauf zu schliessen, vorbeigeschossen zu haben. Es wäre daher sehr zu begrüßen, wenn die Hersteller dieses Relikt aus vergangenen Zeiten ganz schnell wieder vergessen würden!     

Fazit
So wünschenswert der Schritt zu einer neuen bleifreien Geschosskonstruktion auch ist: Das Teilzerlegerkonzept des EVO Green geht aus den jagdpraktischen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte leider in die falsche Richtung. Das beweist die Wirkung von vergleichbaren Konstruktionen wie das H-Mantel und das Torpedo-S, die viel zu oft unzuverlässig wirken.

Hier wäre es wünschenswert, dass man bei RWS als Traditionshersteller tatsächlich mal wieder eine echte Neukonstruktion entwickelt und auf den Markt bringt. Diese sollte die nachfolgenden Kriterien im Pflichtenheft erfüllen:
- Bleifrei
- Splitterfrei
- Richtungsstabilität im Wildkörper
- Garantierte, gut sichtbare Schweissfährte (aufgeschlüsselt nach Kaliber, Laborierung, Patronenkomponenten, Waffen, Lauflänge,
  Wildart, Gewicht, Schussentfernung, Schusswinkel usw.)
- Angabe der Schusswirkung
   

Eine ganz andere Richtung geht die Vorstellung des neuen HIT-Geschosses als ein massestabiles Deformationsgeschoss und macht einen großen Schritt, um das große Ziel der oben genannten Forderungen zu erreichen, was begrüßenswert wäre.  

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