Rückstoss - JASW

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Rückstoss

Jagdwaffentechnik

Rückstoss- ein sehr wichtiger Einflussfaktor beim Schiessen   
"Ein Stutzen im Kaliber 9,3x62 hat immer einen harten Rückschlag" - solche Klopper sind immer wieder im Netz zu lesen. Es bedient die Klientel, die anschließend den Anbietern von Mündungsbremsen auf den Leim gehen, weil sie schlechte Erfahrungen mit den falschen Waffen gemacht haben. F
ür einen normalen Schützen ist nahezu jedes Kaliber ist beherrschbar, wenn die Waffe r i c h t i g gestaltet wird.     

Aber nicht nur die Waffe und Munition müssen aufeinander abgestimmt sein, um zielgerichtete Ergebnisse zu erzielen. Hier ist ein Hauptelement auch die Handhabung und Kontrolle über die Waffe beim Schuss. Es ist dabei völlig egal, welchen persönlichen Anspruch man an die Präzision stellt. Ob im jagdlichen Einsatz, zum jagdlichen Schiessen oder bei präzisionsorientierten Schiessdisziplinen; die Waffe muss hier immer anwendungsgerecht gestaltet sein. Das Kaliber spielt dabei erst einmal nur eine untergeordnete Rolle.

Zum
Rückschlag ist im "(Inter-)Netz" soviel Schwachsinn zu lesen wie zu kaum einem anderen Thema. Das Typische daran ist, dass die geistigen Urheber, die meistens den Internetforen entstammen, entweder maßlos über- oder untertreiben oder ganz einfach keine Ahnung im Sinne von praktischen Erfahrungen mit rückstossstarken Jagdkalibern haben. Oft wird nur das Kaliber betrachtet, in der Annahme, damit klare Grenzen ziehen zu können. Und genau das ist nicht möglich. Das wäre so, als wenn man bei einem Automodell pauschal festlegen wollte, ab wann es noch als komfortabel einzustufen ist und ab wann nicht.

Aber auch seitens der Waffenhersteller wird oft der Fehler gemacht, dass Waffen mit unsinnigen oder unbrauchbaren technischen Ausstattungsmöglichkeiten angeboten werden (ein sehr negativer Trend, der vor allem bei den Waffenkonfiguratoren im Netz
zu beobachten ist, die meisten mit unsinnigen und wirkungslosen Gymmicks). Hierzu zählen Schaftvarianten sowie Läufe, die in Kombination anwendungstechnisch völlig am eigentlichen Zweck vorbeigehen, weil sie die Handhabung und das Schiessen verschlechtern oder die Waffe nur unnötig schwer machen.
Das Schlimmste, was für Waffen im zivilen Sektor angeboten wird, sind die Mündungsbremsen.
Extrem gesundheitsschädlich, führen diese Anbauten bei wiederholter Anwendung auch mit Gehörschutz zu irreversiblen Hörschäden (siehe weiter unten).  

Ein neuer Trend auf dem Gipfel unsinniger Optionen sind Schalldämpfer für Jagdbüchsen. Wir haben zwischenzeitlich einige dieser Büchsen getestet und sind zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen: Sparen Sie Ihr Geld und nutzen Sie statt dessen sinnvolle Optionen für Ihre Waffe! Außenballistische, physikalische Gesetzmäßigkeiten lassen sich auch mit einem Dämpfer nicht ausser Kraft setzen. Viel schlimmer aber ist die mangelnde Handhabungssicherheit. Ein nicht akzeptables, unkalkulierbar hohes Sicherheitsrisiko mit der Folge von katastrophalen Auswirkungen für den Schützen.
Erfahrungen mit JASW

Zuerst verstehen
Jeder hat sie schon gehört oder gelesen: die Geschichten über Waffen, die einfach treten wie ein Ackergaul und einem das Schiessen verleiden. Und das nicht nur in den starken Magnum- oder Großwildkalibern, sondern in den "ganz normalen" Kalibern wie die 7x64 oder .30-06.      
Der ein oder andere jagdliche Schütze hat auch selbst schon unangenehme Erfahrungen gemacht und sich gefragt, warum das so ist. Aber: Probleme in bestimmten Waffen, egal in welchem Kaliber, sind meistens hausgemacht und mit eifachen, geeigneten Maßnahmen durchaus in den Griff zu bekommen, wenn man die richtigen Parameter berücksichtigt (damit sind nicht nur die rechnerischen Werte gemeint). Zu oft gibt es
Hersteller, die falsche Waffenkonzepte oder unsinnige Zusatzausstattungsmöglichkeiten anbieten, ohne den fühlbaren Rückstosseffekt mit der Waffe und die kaliberspezifischen Einflussparameter zu berücksichtigen.

Ein Schlagwort geistert in vielen Interseiten herum:"Subjektives Rückstoßgefühl " . Die Antwort auf die Frage, ob es eine genaue Definition für diese Wortwahl oder objektive Messwerte zu einzelnen Kalibern oder Munition gibt, ist ganz klar N E I N. Das individuelle Rückstossempfinden hängt auch in entscheidendem Maße von der Schiesstechnik, der Schiessfertigkeit und der persönlichen Einstellung ab. Berechnungen von Rückstossenergie und Impulswerten geben dazu zwar grundsätzliche, aber immer nur grobe Richtwerte. In Summe kommt man damit aber keinen Schritt weiter, da sich Verhältnisse und Abläufe in jedem einzelnen Anwendungsfall anders darstellen. Tatsächlich entscheidend sind viele verschiedene Einflüsse+ Parameter, die sich am besten aus den Erkenntnissen darstellen lassen, die durch das Schiessen verschiedener Waffentypen und einer großen Kalibernpalette, div. Munition sowie im jagdlichen Einsatzspektrum zu praxisgerechten Anwendungslösungen ausgereift sind.
     
 
Leider machen auch einige Hersteller den Fehler, das Übel nicht an der Wurzel zu packen und die Waffe lieber nach den Gegebenheiten des Marktes und dem allgemeinen Trend anzubieten. Das hat zur Folge, dass nicht nur die physikalischen Belange in Bezug auf die Gestaltung der Waffe vernachlässigt oder ganz ausser Acht gelassen werden, sondern auch das Führen und Schiessen der Waffe im jagdlichen Betrieb erheblich erschwert wird. Abschreckende Beispiele sind die z.B. die Waffen-Konfiguratoren vieler Waffenhersteller.

Entweder werden
einseitige oder in der Kombination der Gestaltungsmöglichkeiten völlig unsinnige Optionen angeboten, deren Käufer erst später auf der Jagd feststellen müssen, dass sie mit der Waffe überhaupt nicht zurechtkommen. Manche Käufer werden sich der Mängel erst allmählich bewußt (oder wenn sie durch Hinweise von anderen Schützen darauf aufmerksam gemacht werden). Für eine optimal gestaltete Waffe sind keine Gestaltungspakete nach "Schema F" wie "Du-nimmst-das-was-ich-Dir-anbiete" -Angebote, sondern wirklich sinnvolle Möglichkeiten, die sich auch in der Praxis bewährt haben. So etwas geht nun mal nicht mit einem Konfigurator.   
 

Was beim Rückstoss wirklich passiert
Was macht den Rückschlag eigentlich so unangenehm? Neben der Rückstoßenergie ist es in erster Linie der schlagartige Impuls und die Geschwindigkeit, die über den Schaft an den Schützen abgegeben werden.
Diese ausströmenden Gase besitzen trotz ihrer geringen Masse aufgrund der sehr hohen Bewegungsgeschwindigkeit eine erhebliche Bewegungsgröße, die auf das Hauptmoment einwirken. Dieser Impuls wirkt zusätzlich nach hinten. Der Raketeneffekt (amerikanische Ballistiker sprechen vom sog. "Rocket Nozzle Effect", was letztlich das Gleiche ist) ist die Folge der Energie dieser Hochgeschwindigkeitsgase. Der Oberkörper wird innerhalb von Sekundenbruchteilen einem Schlag ausgesetzt, denn die nach vorne gehende Energie muss gleichzeitig in die entgegengesetzte Richtung, d.h. über die Waffe an die Schulter und den Kopf abgegeben werden.     

Den Wenigsten ist bekannt, dass der mit Abstand grösste Anteil des Rückstosses erst dann entsteht, wenn das Geschoss den Lauf bereits verlassen hat. Dies geschieht in einem zeitlichen Abstand zwischen 1-6 Millisekunden. In diesem Zeitfenster entwickelt sich der rückstossverstärkende Effekt der Pulvergase im Bereich des Laufrohrendes bei ca. 4,5-5,0ms zum höchsten Wert und macht etwa 85-90% des Gesamtrückstosses aus!

Die Pulvermasse ist damit die elementarste Komponente bei der Rückstossentwicklung. Steigt sie an, verstärkt sich die Austrittsgeschwindigkeit der Pulvergase. Deshalb sind Kaliber mit einem hohen Pulvervolumen wie Magnumkaliber grundsätzlich "ungemütlicher" zu schiessen als solche, die weniger Pulver verbrennen bzw. umsetzen. Viel wichtiger ist deshalb die Wahl des richtigen Pulvers und die Abstimmung auf das Kaliber, Geschoss und die Waffe.       

Ein großer Wert der Rückstossenergie alleine macht noch kein unangenehmes Rückstoßempfinden aus. Es kommt auch auf die Rückstoßgeschwindigkeit in Verbindung mit der zeitlichen Energieabgabe an. Deshalb schiessen sich schwere Großwildbüchsen immer noch angenehmer als z.B. mittelgroße Magnumkaliber in
leichten Waffen, weil die Masse eine Verzögerung bewirkt!

Nicht den falschen Weg einschlagen
Häufig sieht man Waffen, die in Bezug auf das Kaliber oder die jagdliche Anwendung völlig falsch ausgestattet (bzw. nachgerüstet oder gestaltet) sind. Dazu ein paar Beispiele:
Es
ist völliger Unsinn, eine Büchse im Kaliber .270 Win., 7x64, .308 Win., .30-06 oder 8x57IS mit einem "Semi-Weightlauf" im Durchmesser 19mm auszustatten und genauso sinnlos, eine .300 Win.Mag., 8x68S, .338 Lapua oder eine 9,3x64 mit einer Mündungsbremse zu versehen, um den Rückstoss zu reduzieren.
Im Klartext heißt das: Es ist nicht nur überflüssig, seine Büchse in einem völlig problemlos zu schiessenden Kaliber unnötig schwer zu machen, sondern auch hinderlich
(und im Fall der Mündungsbremse auch noch hochgradig hörschädigend). Mit einer richtig gestalteten, nicht zu schweren Büchse ist das Schiessen in Mittelkalibern wie o.a. ein Kinderspiel und das Führen mit einem ganz normalen 16mm-Lauf auch bei längerem Tragen noch angenehm.

Auf das andere Thema mit den
Mündungsbremsen komme ich weiter unten zu sprechen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist aber eins: Wer glaubt, sich für ein Kaliber zu entscheiden, das er nur mit einer Bremse schiessen könnte, liegt völlig falsch. Das Kaliber, dass ein Schütze noch kontrolliert+ präzise schiessen kann, ist jedes Jagdkaliber, das er aus einer richtig gestalteten Büchse sicher einsetzen kann.
Alles andere sind reine Anwendungsfälle für den militärischen Bereich. Auf der Jagd haben solche Anwendungen wegen der
erheblichen Nachteile und dem extrem hohen Risiko von Gehörschäden wirklich nichts zu suchen!        

Waffengewicht
Nach
der individuellen Schaft- und Griffgestaltung ist nach unseren Erfahrungen mit verschiedenen Großwildbüchsen und großen, energiestarken Kurzwaffen die wirkungsvollste beste Methode zur Rückstossreduzierung von starken Kalibern ein ausreichend hohes Waffengewicht durch die Gesamtmasse. Dies erreicht man in erster Linie durch ausreichend schwere Läufe und durch richtig gestaltete+ dimensionierte Schäfte (siehe Empfehlungen weiter unten).

Bei Kurzwaffen sind ab dem Kaliber .454 Casull höhere Waffengewichte als sinnvoll zu erachten, so wie z.B Magnum Research- Revolver. Freedom Arms Revolver sind viel zu leicht (so fantastisch wie sie auch verarbeitet sind). Nur sehr wenige Schützen kommen mit dem "Recoil-Rollover"-Konzept der kleinen, glatten Holzgriffschalen zurecht.

Konzeptionell und konsequent massig+ stabil sind die schweren BFR-Langrahmenrevolver um 2000g Gewicht. Diese Modellvariante  ist vor allem bei den richtigen "Krachern" wie der .500 S&W Mag., .444 Marlin, .45-70 Gvt. und .450 Marlin zu empfehlen.  

Schaft
Eine ganz entscheidende Bedeutung beim Rückstoss kommt dem Schaft zu. Ein optimaler Schaft muss aber idealerweise nicht nur dem Kaliber+ und dem Waffensystem von der Grundkonzeption entsprechen, sondern auch der Ergonomie und den Handhabungfertigkeiten und Vorlieben des Benutzers entsprechen, und das geht nunmal nur mit der Gestaltung durch einen Schäfter (dabei ist die passende Schaftlänge nur eine vielen wichtigen Parametern). Dementsprechend wichtig ist die individuelle Gestaltung des Schafts einer Büchse. Dabei muss natürlich auch der Einsatzzweck berücksichtigt werden.
Das heißt aber nicht, dass man auch mit einem Schaft "von der Stange" im Einzelfall keine gute Handhabung erzielen kann. Durch intelligentes Feintuning kann man einen normalen Werksschaft durchaus optimieren, sowohl was die Handhabung, als auch die Rückstossbewältigung angeht.

Es ist aber
keineswegs so, dass ein Schaft einer Büchse in einem rückstossstarken Kaliber immer nur in der klassisch geraden Form ausgeführt sein muss. Dieser Irrglaube hat sich durch die gewinnversprechenden Verkaufszahlen soweit festgesetzt, dass diese Art der Schaftform inzwischen sogar schon in Mittelkalibern angeboten werden, was völliger Blödsinn ist. In bestimmten Anwendungsfällen kommt es mit Büchsen in sehr vielen Kalibern bei der Verwendung von geraden Schäften, insbes. bei Waffen leichter Bauweise zu "unschönen Nebenwirkungen" (gelinde ausgedrückt), die den Erfolg einer Jagd schnell zunichte machen können, was in der Jagdpraxis regelmäßig beobachten werden kann.

Die Form des richtigen, d.h. optimalen Schaftes ist immer abhängig vom jeweiligen Anwender. Hierzu gibt es fast unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten. Die Hauptregel hierbei ist, dass die Ergonomie und das Schiessverhalten der jeweiligen Person absoluten Vorrang hat. Hierbei sind auch Parameter wie der Anschlag, Griff, Führung einzubeziehen und die richtige Schiesstechnik anzuwenden. Bei den Schaftformen und den Ausführungen gibt es zwar unendlich viele Möglichkeiten, aber immer nur e i n e, welche für den jagdlichen Schützen auch wirklich optimal ist!
Man sollten sich also keineswegs nicht beirren lassen und im Zuge des z.Z. in Mode gekommenen Trends den geraden Standardschaft als eine Art "Allheilmittel" gegen den Rückstoss aufschwätzen, hier gibt es wesentlich bessere Möglichkeiten.

Und wer sich für einen Lochschaft entscheidet, muss wissen, dass sich mit diesem Schaft die Verwendungsmöglichkeiten für die Waffe auf der Jagd deutlich einschränken.  

Mündungsbremsen- Tinnitus und bleibende Gehörschäden
Vergessen sollte man in jedem Fall Rückstoß-, Mündungsbremsen oder MagNaPort- Läufe, weil diese auf der Jagd viel zu laut sind und selbst auf dem Schießstand beim Tragen von Kapselgehörschützern Gehörschäden verursachen >160dBA(!)
Außerdem wird der entstehende Mündungsdruck durch die Kompensatorbohrungen direkt zur Seite geleitet, was (bei einem Mündungsgasdruck von 500-700bar) für die direkte Umgebung durch die umherfliegenden Partikel sehr gefährlich sein kann.

Ich möchte hierbei nicht missverstanden werden: Mündungsbremsen sind durchaus sehr effektiv und reduzieren den Rückstoß schätzungsweise um ca.30%, insbesondere durch die Senkung des Raketeneffekts beim Geschoßaustritt aus der Mündung. Aber sie sind eine reine Anwendung für das Militär und gehören aus oben genannten Gründen nicht auf Jagd- oder Sportwaffen, auch nicht zum Training!
Man sollte auch bedenken, dass viele Jagdführer und Berufsjäger Waffen mit Mündungsbremsen gar nicht erst zulassen, was das unweigerliche Aus für die Verwendung der eigenen Büchse auf der jeweiligen Jagdreise bedeutet!

Wie sehr viele Berufsjäger rät auch der Professional Hunter Peter Dafner von PD-Safaris von der Verwendung von Mündungsbremsen mit Nachdruck ab, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Der Mündungsknall wird extrem verstärkt. Dadurch wird nicht nur der Schütze selbst, sondern auch nebenstehende Personen ernsthaft gefährdet.

  • Die Waffe wird unnötig verlängert und damit die Handhabung erschwert.

  • Bei Schüssen sehr früh morgens oder in der Abenddämmerung gibt es damit eine starke Blendwirkung.

  • Mündungsbremsen wirbeln durch die Mündungsgasumleitung sehr viel Staub auf. Damit wird es dem Berufsjäger erschwert, zu erkennen, wie das beschossene Stück zeichnet.

  • Die Ästhetik der Waffe wird stark verändert (im negativen Sinne).


Magnaport
Auch von der Magnaportierung, d.h. dem Schlitzen an der Mündungspartie sollte man besser die Finger lassen.
Es gilt im Grunde das Gleiche wie bei den Mündungsbremsen, allerdings sind die an der Mündung eingebrachten Schlitze bei weitem nicht so effektiv wie eine Bremse und trotzdem vergleichsweise teuer.

Ein Büchsenmacher hat mir mal berichtet, dass die unangenehmste Büchse, mit der er je geschossen hatte, eine magnaportierte Blaser im Kaliber 9,3x64 gewesen war!  

Granulat-Verzögerer
Die unter dem Namen "Kick-Stopp" bekannten Metall- oder Aluminiumröhrchen arbeiten nach einem einfachen Prinzip: Eine bewegliche Ladung kleiner Kügelchen mit einer hohen Dichte, die sich in einem Zylinder mit einem bestimmten Füllungsgrad befinden, wirkt beim Rückstoss in die entgegengesetzte Richtung und absorbiert durch ihre Masseträgheit die Rückstossenergie. Unabhängig von Baugröße des Röhrchens und der darin befindlichen Granulatmasse wird aber immer nur ein kleiner Teil des gesamten Rückstosses reduziert.

Leider wird diese Bauart viel zu oft 1. in die falschen Waffen bzw. Kaliber und 2., was der Hauptfehler ist, an falscher Position verbaut. Tatsächlich gibt es Granulatdämpfer
nur eine Art der jagdlichen Verwendung, bei der die Anwendung wirklich Sinn macht. Alle darüber hinausgehenden Anwendungen für einen Kick-Stopp sind praktisch gesehen uneffektiv und nur reine Geldmacherei.  
        

Der "Feuerschlucker"
Die einzige Mündungsbremse, die das Problem mit dem verstärkten Mündungsknall lösen könnte, soll der Feuerschlucker von Lutz Möller sein. Es ist eine Kombination von Mündungsbremse, Schall- und Mündungsfeuerdämpfer und wird über ein Feingewinde am Lauf aufgeschraubt. Die aktuelle Konstruktion wiegt 185 Gramm, was erst einmal tolerabel wäre. Demnach müsste dieser Aufsatz die perfekte Lösung für diejenigen sein, die Probleme mit Rückstoss, Schussknall und nächtlichem Mündungsfeuer haben...soviel zur Theorie.
Die Praxis sieht das leider so aus:

  • Die Waffe verlängert sich um 9 cm. Man ist daher gezwungen, den Lauf um die Baulänge des Schraubrohrs zu kürzen. Macht man dies nicht, wird die Waffe so lang, dass sie im jagdlichen Handling wesentlich schwieriger zu führen ist, weil man überall aneckt.

  • Durch eine Laufkürzung gehen aber fast 10cm (!) an effektiver Lauflänge und damit leider auch Mündungsgeschwindigkeit verloren, da die Verbrennungsgase nicht mehr zum Vortrieb des Geschosses genutzt werden können (die Mündungsbremse und die zylindrische Kammer leiten die Gase über die Bohrungen in diesem Bereich seitlich um). Nicht, dass ich etwas gegen kurze Läufe habe, ganz im Gegenteil. Aber welchen Sinn hat ein kürzerer Lauf, wenn dadurch die Waffe nicht handlicher wird?   

  • Die bisherig angebrachte offene Visierung kann nicht mehr verwendet werden. Der eine oder andere wird sich an dieser Stelle denken: "na und, brauch' ich eh nicht - also was soll's?" Dem kann ich jedoch überhaupt nicht beipflichten. Über kurz oder lang kommt man in die Situation (auf der Jagd auf schusshartes und wehrhaftes Wild 100%ig), wo man das Zielfernrohr von der Waffe abnehmen muss, um bei der Nachsuche auf kurze Distanz einen Fangschuss anzutragen. Ganz egal, ob man ein variables Glas drauf hat oder nicht!

  • Mit dem montierten "Feuerschlucker" muss das Korn nach hinten und dann noch buchstäblich turmhoch auf den Lauf gesetzt und die Kimme wiederum darauf abgestimmt werden. Eine zusätzliche, aufwendige und vor allem teure Angelegenheit...    

  • Das übergestülpte Rohr an der Laufmündung verleiht mühelos jeder Jagdwaffe ein extrem hässliches Aussehen, das an eine Gangsterwaffe mit Schalldämpfer aus einem Actionfilm erinnert ... (!)


Wer für diese Konstruktion Geld ausgeben will, muss sich darüber im Klaren sein, dass die Waffe bei ungekürztem Lauf länger und damit wesentlich schlechter führbar wird oder bei gleichbleibender Länge inkl. Rohr einen realen Leistungsverlust wegen der Laufkürzung hinnehmen muss. Ausserdem wird das Aussehen der Büchse damit grundlegend verändert.
Aus meinen schlechten Erfahrungen mit allen laufverändernden und verlängernden technischen Maßnahmen, die den Rückstoss reduzieren sollen, so wirkungsvoll sie auch sein mögen, kann ich vom Feuerschlucker von Lutz Möller nur abraten. Diese Konstruktion ist in der jagdlichen Praxis hinderlich, hässlich und überdies auch völlig unnötig.

 

Warum manche Jagdkollegen Rückstossprobleme in ganz normalen Mittel- und Magnumkalibern (wie z.B. 7x57, 7x64, 7mm Rem.Mag., .308 Win., .30-06, .300 Win.Mag, 8x68S, 9,3x62 oder 9,3x64) bekommen und glauben, sich auf ihre Waffe eine Mündungsbremse wie z.B. diese anbauen zu müssen, ist beim besten Willen nicht nachzuvollziehen. Denn diese Kaliber sind nach unserer Erfahrung völlig problemlos und stressfrei zu schiessen, wenn man ein paar Dinge beachtet... (siehe weiter unten)

Rückstoss- auf das richtige Konzept kommt es an
Wie dem auch sei, bevor man sich ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigt, für diese oder andere Konstruktionen Geld auszugeben, sollte man sich vergegenwärtigen, dass es bedeutend einfachere Möglichkeiten gegen das Rückstoss- und  Mündungsfeuerproblem gibt, die sehr effektiv sind und außerdem mit der Optik der Jagdwaffe harmonieren:

  • Richtiger Lauf

  • Optimaler Schaft

  • Zielfernrohrmontage

  • Dämpfungsmaßnahmen

  • Der Lauflänge angepasste Munition zur Mündungsfeuer-Reduzierung


Auch die Sache mit dem Mündungsfeuer kann man durchaus auch anders reduzieren, denn es gibt teilweise erhebliche Unterschiede beim Pulverabbrand von Jagdmunition. Dazu einige Beispiele:
Neigung zu mehr Rückstoss- und Mündungsfeuer
schwächer <==========> stärker
Geco_______________________Blaser
Hornady____________________Hornady Light Magnum
Norma_____________________ Hornady Superformance
Remington__________________Federal
RWS_______________________Sako
Sellier & Bellot_______________
Winchester__________________

Anmerkung: Diese Tabelle soll nur ein grober Richtungsweiser sein, je nach Kaliber, Waffe und Geschoss kann sich die Neigung zu Rückstossneigung und Mündungsfeuer auch umkehren. Man sollte immer verschiedene Sorten testen, um einen reellen Vergleich zu bekommen. Um Kosten zu sparen, verschiesst man zunächst die günstigsten Patronen des gleichen Munitionsherstellers mit dem billigsten Geschoss, bevor man die Munition mit seinem Wunschgeschoss testet (die Hersteller verwenden i.d.R. die gleiche Pulversorte eines Kalibers mit gleichem Geschossgewicht).


Und für Wiederlader ist es natürlich kein Problem, sich Patronen mit schnell verbrennenden Pulvern zu laden, die auch noch aus kurzen Läufen ein Optimum an Leistung ergeben, fast kein Mündungsfeuer mehr produzieren und sich obendrein noch angenehm verschiessen lassen.
Diese Vorgehensweise in Bezug auf die optimale Leistungsumsetzung hat sich in Repetierbüchsen mit Lauflängen zwischen 42cm bis 52cm in diversen Kalibern wie .30-06, 8x57IS, .375 Ruger und .45-70 Government bewährt. Die Waffen lassen sich damit viel angenehmer schiessen. Ausserdem erbringen die Patronen im Vergleich zu Fabriklaborierungen bzw. anderen Pulversorten deutlich mehr Leistung und die Waffen weisen im Schuss nur ein sehr geringes Mündungsfeuer auf.           

Schießtipps
Für das aufgelegte (Ein-)Schießen sollte man geeignete Kleidung wie eine Schießweste oder ein Jacke mit gedämpftem Schießlederpolster verwenden. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass sich nicht jedes angebotene Produkt eignet, sowohl in Bezug auf die Abmessungen, als auf die Qualität der Ausführung.  
Auch weiche Auflagen mit einer hohen Fülldichte des Inhalts wie z.B. Sandsäckchen zur Auflage der Waffe ist ebenfalls sehr empfehlenswert. Wichtig ist in jedem Fall, dass man die richtigen Auflage- und Haltepunkte wählt.

Technische Komponenten

  • Waffengewichte bei starken Großkalibern

  • Angepasste Läufe

  • Waffenausführungen

  • Schäfte

  • Montage

  • Ausgewählte, passende Dämpfungsmaßnahmen


Rückstosskappen
In normalen Kalibern sind weiche Gummiabschlusskappen ausreichend, aber längst nicht alle taugen etwas(!). Die Konstruktionen der empfehlenswerten Hersteller dämpfen den Rückstoss effizient und sind sehr gut für alle Mittel- und mittelgroße Magnumkaliber.

Geeignete Ausführungen gibt es auch für Großwildkaliber von .416 bis zur .450 und .458 Winchester Magnum.
Für die stärksten Kaliber, z.B. ab der .458 Lott aufwärts, eignen sich allerdings nur ganz speziell aufgebaute Dämpfungskappen.

Vorsicht: Die Elastizität der Gummikappen lässt im Laufe der Jahre stark nach. Damit kann der Verzögerungseffekt beim Rückstoss nicht mehr stattfinden und die Waffe ist deutlich unangenehmer zu schiessen. Überprüfen Sie daher von Zeit zur Zeit Ihre Waffe auf diesen Mangel und lassen Sie gegebenenfalls von Ihrem Büchsenmacher eine geeignete, frische Rückstosskappe anbringen.  

Rückstosspolster zum Training
Für das (aufgelegte) Trainingsschiessen mit rückstossstarken Kalibern Auch Schulter-Rückstosspolster sind gedämpfte Schießlederpolster mit Spezialdämmungen sehr wirksam. Hier gibt es unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten.

Damit sind mit der richtigen Schiesstechnik mit den meisten Großwildkalibern auch längere Serien mit aufgelegter Waffe aus sitzender Position möglich. Der Rückstossimpuls wird zusätzlich gedämpft und die auf die Schulter einwirkende Rückstosskraft sinnvoll auf die Schulter geleitet.

Hinweis: Diese Polster dienen ausschliesslich zum Training und haben nichts auf der Jagd verloren. Sie können und sollen im jagdlichen Einsatz auch keine konstruktiven Gestaltungsmängel der Jagdwaffe kompensieren, wenn der Besitzer beim Schiessen Probleme hat und das Kaliber nicht sicher beherrschen kann!   


Tipps für das aufgelegte Schießen starker Kaliber:

  • Bei rückstoßstarken Kalibern nicht in die Waffe „hineinklemmen“. Viel besser ist es,

  • aufrecht zu sitzen und den Vorderschaft der Waffe mit einer Hand fest zu umschließen.

  • Die Waffe muss beim Schuss kontrolliert geführt sein. Den Rückstoß mit dem gesamten Oberkörper abfangen und zurückpendeln (zusätzlich kann man statt einem Rückstoßpolster auch ein kleines Sandsäckchen zwischen Schaft und Schulter einklemmen).

  • In ruhiger Atmosphäre schiessen, um konzentriert zu sein und die Schussabgabe zu kontrollieren.


Wichtig: Jeder Schuss muss unerwartet brechen!

Fazit
Man muss den Rückstoss einfach als eine Tatsache akzeptieren. Je nach Kaliber, Waffe und persönlicher körperlicher Empfindung fällt er sehr unterschiedlich aus. Aber mit der richtigen Gestaltung oder Änderungen an der Waffe sowie bei der Wahl des Kalibers und der Muntition kann jeder jagdliche Schütze zusammen mit etwas Training gute Ergebnisse erzielen, um sich auf der Jagd auf das Wesentliche zu konzentrieren:
einen guten Treffer auf das Stück und sich damit den Jagderfolg zu sichern.

Natürlich ist dazu auch die Wahl des für Wildart und Einsatzzweck geeigneten Geschosses von eminenter Wichtigkeit. Aber auch die richtige Schiesstechnik, um die Beherrschbarkeit der Waffe mit dem Wunschkaliber zu realisieren und störende Nebenwirkungen beim Schuss zu minimieren, ist ein ganz wichtiger Faktor.


Nächstes Kapitel
=>Sicherung Brünner CZ550<=

 
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