Nosler Accubond - JASW

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Nosler Accubond

Jagdgeschosse > Teilmantelgeschosse

Aufbau und Wirkungsweise
Als Präzisionsschütze konstruierte Nosler auch das hochgenaue BALLISTIC TIP-Geschoss und entwickelte später daraus das ACCUBOND Geschoss. Dieses Geschoss wurde eine zeitlang als eines der besten Teilmantelgeschosse gehandelt, die zum damaligen Zeitpunkt kurz nach dem Erscheinen auf dem Markt erhältlich waren.

Die Wildarten-Bandbreite für dieses Geschoss reicht je nach Kaliber vom leichten Schalenwild, schweren Hochwild bis hin zum Grizzly und Elch. Die Aussage von John Nosler, dass sich das ACCUBOND auch bei hohen Geschossgeschwindigkeiten nicht zerlegen könne und auf Wild nicht mehr als auf die doppelte Kalibergröße aufpilzen würde, muss allerdings mit einem klaren Nein beantwortet werden (siehe weiter unten)  

Das ACCUBOND sollte laut Pflichtenheft alles darstellen, was ein modernes Jagdgeschoss können muss: Ein solide konstruierter Geschossmantel, der mit dem Kern für ein möglichst hohes Restgewicht verlötet ist und ein Deformations- und richtungsstabiles zielballistisches Verhalten in einem großen Anwendungsspektrum.

Eine Sache, welche das Geschoss von vielen anderen Konstruktionen unterscheidet, ist die gestreckte Flugbahn wegen der guten Aerodynamik aufgrund des sehr guten BC-Wertes des Geschosses. Leider ist auch das Accubond ein Paradebeispiel dafür, wie eng sehr gute Leistungen und Totalversagen beieinander liegen können. Obwohl das Geschoss grundsätzlich ein hervorragendes Präzisionspotential besitzt, kommt es mit einigen Waffen und Läufen überhaupt nicht zurecht.

Die Tatsache, dass das Accubond immer ein schnelles Expansionsvermögen zeigt, ist keineswegs immer garantiert. Die jagdlichen Erfahrungen zeigen, dass die Wirkung sehr stark vom eingesetzten Kaliber und situationsabhängig ist. Dies ist gleichzeitig ein Segen und ein Fluch. Das Accubond zeigt leider nur im I d e a l f a l l eine gute Energieabgabe mit einer zufriedenstellenden Augenblickswirkung und eine ausreichenden Tiefenwirkung.

Insbesondere die zielballistischen Anforderungen beim Einsatz auf der Auslandsjagd verlangen eine 100%ige zuverlässige Wirkung. Dies gilt insbesondere für starke, mittelgroße Kaliber.   

Erfahrungen mit JASW

Geschosswirkung in der Jagdpraxis
Dass Testergebnisse nur beschränkt aussagefähig für die Jagdpraxis sind, zeigt sich leider auch beim Nosler Accubond-Geschoss.
Im Gegensatz zu den hervorragenden Ergebnissen im Testmediumbeschuss zeigt sich, dass von der propagierten Tiefenwirkung des Accubond insbesondere in einigen Kalibern nicht mehr viel übrig bleibt. In diesen Fällen kommt das Geschoss mit einer starken Energieumsetzung bereits nach einer geringen Eindringtiefe zum Stillstand. Die Folge sind höchst unschöne Zerstörungen und Einblutungen auf der Einschussseite sowie das vollständige Fehlen eines Ausschusses.
      
Normalerweise sind die Hauptstärken dieses Geschosses das hohe+ schnelle Ansprechverhalten des vorderen Deformationsbereiches und ein großvolumiger Wundkanal. In der Regel bleibt noch eine ausreichend hohe Tiefenwirkung, aber leider nicht immer. Wie bei anderen verlöteten Bleikerngeschossen mit einem Einkammer-Geschosskernsystem ist die Bandbreite der einsetzbaren Kombinationen leider viel zu unterschiedlich, in denen man eine anwendungsgerechte und gute Wirkung erzielen kann.       

Die hohe Augenblickswirkung und der große Ausschusskanal ist grundsätzlich mit dem Nosler Ballistic-Tip vergleichbar. Das Nosler Accubond verfügt im Gegensatz zum BT über den Vorteil eines verstärkten Mantels. Der Ausschuss generiert in der Regel eine sehr starke Schweissfährte, d.h., wenn es einen Ausschuss gibt. Leider ist dies oft nicht der Fall. Wenn hier ein ungünstiger Schussdurchgangswinkel oder eine fordernde Zielmasse oder Gewebekonsistenz dazukommen, gibt es sehr schnell keinen Ausschuss. Ein weiterer Nachteil des Geschosses ist die Tatsache, dass der Ausschuss in Mittel- und größeren Kalibern ab 9,3mm (einschl. .375) recht stark ist. Die Wildbretzerstörung leider auch.  

Wer bisher mit schnell deformierenden Geschossen in seiner Büchse gejagt, gute Erfahrungen damit gemacht hat und jetzt ein modernes Teilmantelgeschoss mit verlötetem Mantel sucht, mit dem er auch mal weiter "hinlangen" kann und hohe Anforderungen an die Präzision stellt, k a n n mit dem Nosler Accubond gute Ergebnisse bekommen. Dies ist allerdings wie oben beschrieben, sehr stark vom Kaliber und dem jagdlichen Einsatzbereich abhängig.  

Deshalb muss man leider auch bei dem Accubond einige Abstriche machen. Auch dieses Geschoss ist bei einigen Konstellationen auf der Jagd schnell überfordert und neigt dann zu Frontalplättungen, die sich in übergroßen Wundkanälen kurz nach dem Auftreffen 1. mit zu geringer Eindringtiefe und 2. mit Geschossablenkungen im Wildkörper äußern, die fatal sein können (wie beim Geco PLUS zu wenig Eindringtiefe, kein Ausschuss). Abschließend ist festzustellen, dass die
Kaliberunverträglichkeit des Nosler AB relativ hoch ist.

Munition
Fabrikmunition mit dem Partition gibt es in vielen Kalibern vom Hersteller selbst sowie von Munitionsherstellern wie FEDERAL und NORMA.
Geschosse
Das Accubond ist u.a. in den folgenden Kalibern erhältlich:
6,5mm, .277, .284, .308, .323, .338, .358, .366 und .375.


Testbeschuss
Wenigstens in den Tests zeigte sich das Accubond von seiner besten Seite. Bleikern und Mantel hielten vorbildlich zusammen und trennten sich auch nach Auftreffen auf das extrem fordernde Zielmedium nicht. Es erzielte im Vergleich zu anderen Deformationsgeschossen gleichen Kalibers sogar eine der höchsten Eindringtiefen. So behielten die Geschosse im Kaliber .375 ein durchschnittliches Restgewicht von von 74%, was ein sehr guter Wert für ein zweiteiliges Geschoss mit verlötetem Bleikern ist.  


Geborgene 260grs Accubond-Geschosse, Kaliber .375. Restgewichte 198grs, 170grs und 210grs.


Dies wären normalerweise allerbeste Voraussetzungen für eine gute Augenblickswirkung mit einer relativ hohen Ausschusswahrscheinlichkeit, a b e r: Leider sind die Ergebnisse dieses harten
Beschusstests (herkömmliche Gelatinetests oder ballistische Seife noch deutlich weniger) nicht aussagekräftig in der tatsächlichen Wirkung. Das haben die Erfahrungen in der Jagdpraxis gezeigt.  

Fazit
Das Nosler ACCUBOND kann grundsätzlich ein gutes Jagdgeschoss für den Einsatz auf alles Schalenwild sein. Auch die Verwendung für den jagdlichen Auslandseinsatz wie z.B. und mittelschweres Flächenwild ist möglich.
Das strömungsgünstige Geschoss eignet sich insbesondere für weite Schussdistanzen, wo es sich durch eine gestreckte Flugbahn und sicheres Ansprechverhalten im Schusskanal auch auf sehr lange Distanzen in Verbindung mit einer herausragenden Präzision auszeichnet. Ausserdem haben die Geschosse ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.

Das Nosler Accubond leidet allerdings trotz verlötetem Mantel wie sehr viele andere Jagdgeschosse zu erheblichen Kaliber- und Einsatzunverträglichkeiten, die nur allzu schnell zum Geschossversagen führen können. Man muss deshalb bei der Auswahl unbedingt die Einflussparameter berücksichtigen und prüfen, ob sich die jeweilige Konstellation mit den Hauptanwendungskomponenten verträgt.   


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