NC- Pulver für Jagdlaborierungen - JASW

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NC- Pulver für Jagdlaborierungen

Munitionstechnik

"Kleine Pulverentscheidungshilfe"
Wir haben mit HODGDON-, IMR-, vor allem mit NORMA und ROTTWEIL-Pulvern die besten Erfahrungen gemacht. Sie ergeben gute Leistung, brennen gleichmäßig und sauber ab und sind dabei auch sehr präzise. Auch die VIHTAVOURI Pulver (ehemals KEMIRA) sind ebensfalls zu empfehlen, weil sie sich je nach Sorte auch aufgrund ihres günstigen Preises neben der jagdlichen Verwendung sehr gut zum Training eignen.

Die Hauptbestandteile moderner Nitrozellulosepulver sind jedem Wiederlader hinlänglich bekannt. Deutlich weniger Informationen gibt es meistens über den Energiegehalt und die genaue Zusammensetzung (Zusatzstoffe), da hüllen sich verständlicherweise die meisten Hersteller in Schweigen. Es gibt allerdings auch Hersteller, die mit den Angaben in Bezug auf die Leistungsfähigkeit ihrer Pulversorten maßlos übertreiben und die angebenen Werte bei weitem nicht erreichen (mehr dazu siehe weiter unten).   

Auch zu diesem Thema kursieren im Netz die haarsträubendensten Behauptungen, z.B. dass Vihtavuori Pulver minderwertige und schlecht verbrennende Pulver seien, starken Rauch erzeugen würden oder nach faulen Eiern riechen würden. Für Jagdladungen sollten angeblich wegen des geringen Energiegehaltes keine Vihtavuoripulver, sondern nur Norma- oder Rottweil-Pulver verwendet werden. Das ist natürlich völliger Quatsch und wieder ein typisches Beispiel dafür, wie mit unqualifizierten Pauschalaussagen im Internet ratsuchende Leute verunsichert werden.

Wir verwenden seit Jahren außer ROTTWEIL-, IMR-, NORMA-, HODGDON und auch VIHTAVUORI-Pulver. Es sind ausnahmlos sehr zuverlässige, sauber abbrennende und präzise Pulver. Wenn ein Pulver nach den innenballistischen Parametern auf das Kaliber, Patrone und Waffe abgestimmt ist, kann man es sowohl zur Jagd als auch zum Training verwenden. Wir haben jedenfalls keinerlei negativen Erfahrungen mit den ehemaligen Kemirapulvern gemacht. (Anm.: Fehlfunktionen im Sinne eines schlechten Abbrandes oder anderen Ungleichmäßigkeiten können mit jedem Pulver auftreten, das nicht richtig auf die Anwendung und das Geschoss abgestimmt ist (wie oben beschrieben).  

Die VIHTAVUORI Pulver der N1er Reihe sind fast alle einbasig, d.h. ohne Nitroglycerinzusatz und liegen bei einem Energiegehalt zwischen 3500- 3780 kJ/kg. Ausnahme sind einige Kurzwaffenpulver (N3er-Sorten), u.a. das N110 mit 3950 kJ/kg sowie alle N5er Sorten wie z.B. das N530, N540, N550, N560 und N570, welche ebenfalls alle zweibasig sind und Energiegehalte bis zu 4000kJ/kg liefern.
Erfahrungen mit JASW




ROTTWEIL
Die ROTTWEIL-Pulver aus den P- und R-Serien weisen Energiegehalte zwischen 3800-4100 kJ/kg auf und sind je nach Sorte ein- oder zweibasigen NC-Pulvern zuzuordnen.

Die Pulver brennen äußerst sauber ab und können je nach Waffe bzw. Lauf in vielen Kalibern eine ausnehmend gute Präzision erbringen. Viele jagdliche Spitzenlaborierungen sind mit diesen Pulvern möglich.   


ALLIANT
Das ehemalige HERCULES-Pulver bietet
mit Explosionswärmen zwischen 4000-5100kJ/kg die mit Abstand am energiestärksten NC-Pulver an. An der Spitze steht das BULLSEYE mit über 5100kJ/kg, gefolgt von UNIQUE und RED DOT mit 4500 kJ/kg. Natürlich gibt es hier einen Nachteil: diese Pulver belasten den Übergangskonus im Lauf sehr stark. Aber: Mit der Auswahl eines Laufes mit der geeigneten Stahllegierung kann man einem übermäßigen Verschleiß sehr effektiv vorbeugen.

Einige Alliantpulversorten liefern Spitzenleistungen bei allerhöchster Präzision ab wie z.B. .270er, .30er, 8mm, 9,3mm und .375er Kaliber, insbesondere aus Waffen mit speziellen Läufen.    


NORMA
Eine der hochwertigsten zweibasigen NC-Pulver sind NORMA- Pulver mit einem erhöhtem Nitroglyzerinanteil zwischen 4,5% bis zu 11,5%(!). Hier sind einige
energiestarke Pulversorten dabei, die tatsächlich in der Lage sind, Spitzen-Energiewerte zu liefern. Wir haben damit in einigen Kalibern Versuche gemacht und aus diesen Ergebnissen sehr starke Ladungen entwickelt+ getestet. Es kamen teilweise erstaunlich hohe Leistungswerte dabei heraus. Je nach Kaliber und Waffe sind sehr starke Jagdlaborierungen möglich, die sogar über den veröffentlichten Ladedaten des Herstellers liegen, sich aber noch innerhalb eines tolerierbaren und sicheren Arbeitsgasdrucks bewegen. Beispiele dafür sind u.a. .300er und 8mm Magnumkaliber bis zur .416 Rigby.   

ACCURATE
Weitere zweibasige NC-Pulver sind die meisten ACCURATE- und ALLIANT- (ehem. HERCULES) Pulver. Von den ACCURATE (LOVEX)- Pulvern ist u.a. das XMR2015 zwar sehr präzise, neigt aber in der 8x57IS und in der .45-70 mit verschiedenen Geschossgewichten zu starkem Mündungsfeuer und was ein sehr unangenehmer Nachteil ist: es hinterlässt unverbrannte Pulverrückstände!


HODGDON

Sehr empfehlenswerte Pulver sind die Kugel- und Rundplättchenpulver von dem amerikanischen Traditionshersteller. Viele Sorten erbringen ein hohes Gasvolumen und erreichen eine hohe Präzision. Dazu zählen auch die Sorten HS-6 und HS-110 von HODGDON. Diese sehr feinen Pulver haben ein sehr wenig volumenbeanspruchendes und gut dosierbares Schüttgewicht. Mit einem Energiegehalt zwischen 4000-4100 kJ/kg sind sie zudem sehr energiestarke Pulversorten.

Das H110 ist eine Mischsorte, die aus einem Plättchen- und einem Anteil von einem Kugelpulver besteht und sich auch für bestimmte Langwaffenkaliber eignet.


IMR

Der Klassiker und einer der erfahrendsten amerikanischen Pulverherstellern mit viel Kow-How auf dem Sektor von militärisch und zivil genutzten NC-Pulvern. Bei den IMR-Pulvern gibt es ebenfalls einige energiestarke Sorten wie z.B. das IMR4227, IMR4198, IMR3031, IMR4064, IMR4895, IMR4320 und das IMR7828, die zwischen 3900 und 4000kJ/kg erbringen.

Sehr gute Erfahrungen haben wir über die Jahre hinweg auch mit den progressiveren IMR-Sorten gemacht, die wir vor allem für starke Jagdlaborierungen und in Großwildpatronen einsetzen. Sie liefern eine hervorragende Präzision und brennen sehr sauber ab.


Die IMR-Pulver haben vor allem Eines gemeinsam: Sie liefern, richtig ausgewählt, eine hervorragende Präzision und brennen völlig rückstandsfrei ab. Es ist eigentlich fast unmöglich, sich aus diesen Pulvern keine Jagdlaborierung zu erarbeiten, die nicht über eine ausnehmend gute Präzision verfügt.  


HS-6

Dieses NC-Pulver von HODGDON ist nicht nur sehr energiehaltig, sondern vor allem universell einsetzbar.

Das feine Blättchenpulver hat ein hohes Schüttgewicht und ist sehr gut dosierbar. Obwohl es eigentlich ein klassisches Kurzwaffenpulver ist, kann man es nicht nur für Scheiben- und starke Gebrauchsladungen in fast allen Kurzwaffenkalibern verwenden, sondern auch für Seziallaborierungen in vielen Büchsenkalibern.

Wir haben damit vom Kaliber .22 bis zu .45 sehr gute Erfahrungen gemacht und setzen es seit vielen Jahren mit Begeisterung und großem Erfolg jagdlich ein.   

Reload Swiss Pulver
Inzwischen hat sich hat sich auf dem Sektor der NC-Jagdpulver
ein neuer Anbieter dazugesellt. Der Hersteller Reload Swiss umwirbt seine NC-Pulverpalette auf der Webseite mit geradezu bahnbrechend hohen Leistungswerten sowie chemischen Zusätzen wie z.B. "bleifreien Entkupferungsadditiven" (?!).

W
ir haben u.a. auch die Sorte RS60 genauer unter die Lupe genommen und damit 3 Kaliber mit 17 div. Laborierungen aus verschiedenen Waffen getestet. Die Ergebnisse waren leider alles andere als zufriedenstellend:
Während sich der Grad des Pulverabbrands in allen Patronenlaborierungen noch in einem akzeptablen Bereich bewegte, lagen die Standardabweichungen (außer einer Ladung in der .375) in einem sehr hohen Bereich. In der .30-06 maßen wir z.B. bis zu 33m/s pro Meßreihe. Hauptsächlich entäuscht haben uns aber die erzielten Leistungswerte. Die Angaben von RS konnten aus keiner Patrone (nicht mal ansatzweise) erreicht werden. Dies betraf alle 3 getestete Kaliber.*

Unsere Vermutungen haben sich damit bestätigt.
Wenn die RS-Pulver tatsächlich so hohe Leistungen erbringen könnten, wie vom Hersteller propagiert, dann hätte die Konkurrenz wie Norma & Co. jahrzehntelang grundlegend etwas falsch gemacht.

Fazit
Nach unseren
Erfahrungen sind die Reload Swiss Pulver nicht zu empfehlen. Der Hersteller muss sich noch mächtig ins Zeug legen, wenn er sich mit guten Pulversorten auf dem Markt etablieren will und den Anschluss an die Konkurrenz halten möchte, insbes. in Bezug auf das Preis- Leistungsverhältnis.

Als Wiederlader sollte man jedenfalls nicht den Fehler machen, den verführerischen Angaben Glauben zu schenken und dann letztendlich nur einem Papiertiger aufzusitzen, denn
die Angaben der anderen RS-Sorten sind ebenfalls alle "rekordverdächtig", aber eben leider unrealistisch. Dies bestätigt auch die überwiegende Anzahl der Rückmeldungen, die wir von unseren Lesern erhalten.   
*Um Messfehler auszuschliessen, wurde zur Kalibrierung des Gerätes eine geprüfte Referenzladung mit Daten aus einem 2. Gerät verwendet, die dann aus einem weiteren Mittel von 5 Schuss ausgewertet wurde.

Um noch einmal auf die Diskussion hinsichtlich der richtigen Pulverwahl für Jagdladungen einzugehen:
Man kann nicht pauschal sagen, dass man zum Training nur einbasige und für die Jagd immer nur zweibasige oder hochnitrierte Pulversorten verwenden sollte. Erstens ist der Übergang von ein- zu zweibasigen Pulvern fließend, was den Energiegehalt betrifft und zweitens ist der tatsächliche Leistungsunterschied je nach Kaliber und Waffe in Wirklichkeit gar nicht so groß.

Wesentlich wichtiger ist das zur Verfügung stehende Hülsenvolumen und die gewünschte bzw. eine realistische, erzielbare Mündungsgeschwindigkeit des Geschosses.


Und da kommt man normalerweise auch schon mit den einbasigen Pulvern hin. Hier unsere Empfehlungen hinsichtlich der zu beachtenden Kriterien zur Vorgehensweise bei der Pulverauswahl:

  • Waffe

  • Laufmaterial

  • Jagdlicher Einsatzzweck

  • Funktionssicherheit in der Waffe

  • Präzision


Neben den Hauptkomponenten und der technischen Vorgehensweise beim Wiederladen kommt es auf das Pulver an. Um das realistische Präzisionspotential der jeweiligen Waffe auszuschöpfen, reicht es nicht aus, seine Laborierung lediglich nach einem Pulver auszurichten. Wir empfehlen, für eine neue Laborierungsausarbeitung mindestens 3 verschiedene Pulversorten aus der Waffe zu testen, da die Unterschiede oft signifikant sind.



Pulververgleichstabelle
(Daten ohne Gewähr)


Zusammenfassung
Die aktuelle Situation in den USA und zunehmend auch durch die weltpolitische Lage, u.a. durch die Verschärfung von Transportbestimmungen, haben die Verfügbarkeit der NC-Pulver aus Übersee leider stark eingeschränkt. Wer noch Restbestände mit amerikanischen Pulvern wie z.B. ALLIANT, HODGDON, IMR oder WINCHESTER hat, sollte diese sparsam+ mit Bedacht einteilen und seinen zukünftigen Bedarf mit langen Vorlaufzeiten weitsichtig vorplanen.

Selbstverständlich kann man auch auf die drei großen europäischen Traditions-Pulverhersteller ausweichen. Es sind ausgezeichnete Pulversorten für jedes Kaliber und fast jeden Einsatzbereich in einer breiten Palette verfügbar, die man mit sehr gutem Erfolg sowohl zur Jagd als auch zum jagdsportlichen Schiessen einsetzen kann.  

 
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