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Möller MJG

Jagdgeschosse > Bleifreie Deformationsgeschosse

Aufbau und Wirkungsweise
Diese Geschosskonstruktion ist ein Messinghohlspitzgeschoss mit Führungsrillen und einer starken Einschnürung im vorderen Teil des Geschosses. Es ist als ein Teilzerlegungsgeschoss konzipiert, d.h. der vordere Teil soll sich im Zielmedium in Splitter zerlegen und der hintere Teil soll im Kaliberdurchmesser als Restmasse erhalten bleiben. Weitere Kennzeichen sind geringe Geschossmasse und hohe Mündungsgeschwindigkeiten um 1000m/s.

H. Möller verweist auch hier auf sein Verständnis des Wirkungsprinzips eines idealen Jagdgeschosses: So leicht wie möglich, mit geringem Laufwiderstand durch wenig Berührungsfläche, reibungsarmes Material bei einer sehr hohen Zielgeschwindigkeit und natürlich rückstossarm. Die zielballistische Wirkung soll das Geschoss durch einen sog. "Kraftstoß" erzielen. Er bezeichnet diesen Begriff als "beschleunigtes Fleisch, dass sich durch die Geschosssplitter oder das Restgeschoss überdehnt und schließlich zerreisst".
Soviel zur angeblichen Wirkung...

Leicht und rückstossarm?
Dass leichte, schnelle Geschosse etwas rückstossärmer sind als schwere, ist keine neue Erkenntnis. Auch nicht, dass Messinggeschosse einen geringeren Reibungswiderstand im Lauf aufweisen als Tombakgeschosse.

Um zu verdeutlichen, über welche "
Rückstossreduzierung" wir hier überhaupt sprechen, folgendes Beispiel:
Eine 7x64 mit einem 104grs Geschoss aus Messing mit 1032m/s erzeugt aus einer 3,8kg schweren Waffe eine Rückstossenergie von ca. 18 Joule und ein 160grs Tombakgeschoss mit 860m/s ca. 23 Joule. Das sind "stolze" 5 Joule Unterschied.

Zum Vergleich: Eine
.30-06 mit einem normalen 180grs Geschoss und 830m/s liegt bei 27 Joule und die 9,3x62 mit 250grs und 760m/s bei 37 Joule.

Falsches Konzept
Bei allen Vorteilen von leichten+ schnellen Geschossen, die auf weite Jagddistanzen durchaus ihre Vorzüge haben, ist das Prinzip der Teilzerlegung weder wundballistisch sinnvoll noch für den unbedenklichen Verzehr von Wildbret geeignet, weil diese Geschosssplitter unkontrolliert im Wildkörper verteilen.

MJG- wirklich bleifrei?
In Bezug auf die Diskussion über Bleigeschosse sollte man eines nicht vergessen: Die überlicherweise in der Produktion eingesetzten Messinglegierungen wie z.B. CW614N/ CuZn39 Pb3 und CW607N/ Cu Zn38 PB1,5 haben aus Gründen der Zerspanbarkeit auf Drehautomaten und CNC-Bearbeitungsmaschinen mit Stangenladerzuführung immer noch einen Bleianteil von 2-3%, d.h. solche Messinggeschosse sind also nicht bleifrei (auch wenn das Material per Ausnahmeregelung im Moment noch RoHS-konform ist)!  

Wirkung in der Jagdpraxis
Der gravierendste Nachteil ist der nur kalibergroße Durchmesser des Restgeschosses, der im Gegensatz zu Expansionssgeschossen einen deutlich kleineren Ausschuss verursacht.

Damit tritt ein langsamer und geringer Blutverlust durch den Kanal der Austrittswunde ein. Das "Kompressieren" des Geschossaustritts führt dazu, dass das getroffene Stück noch erhebliche Fluchtstrecken zurücklegen kann.
Es hat ausserdem zur Folge, dass bei einem ungünstigen Treffer wenig oder im ungünstigsten Fall gar kein Schweiss für eine Nachsuche zur Verfügung steht. Die Verlustrate bei solchen Nachsuchen ist sehr hoch.  

Fazit
Die hohen Geschwindigkeiten in Verbindung mit der geringen Geschossmasse in Bezug auf den Geschossquerschnitt machen das Geschoss ganz sicher nicht zu einer guten Wahl für die Hochwildjagd oder im Wald oder zur Drückjagd. Leichte und schnelle Geschosse neigen deutlich mehr zu Ablenkungen beim Auftreffen auf Hindernisse in der Flugbahn. Das können andere bleifreie Jagdgeschosse wesentlich besser und sicherer.

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