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Mark Sullivan

Verschiedenes > Auslandsjagd

Die Person
Mark Sullivan ist ein Ausnahmejäger. Er sieht die Großwildjagd als eine einzigartige, persönliche Herausforderung an. Es ging ihm vorrangig darum, dem Stück so nahe wie möglich zu kommen und "Großwildjagd auf Tuchfühlung" zu praktizieren. W
ährend seiner aktiven Zeit als Berufsjäger beherrschte er das sichere Schießen bei der Büffel- und Hippojagd an Land und im dichten Busch wie kein anderer. Die Schussdistanzen betrugen oft nur wenige Meter. Das Angehen von angeschweissten Büffeln bei der Nachsuche war ebenfalls sein spezielles, herausragendes Merkmal. Mit der Gefahr schien er förmlich zu jonglieren und er überschritt offenbar ganz bewusst die Grenzen des Normalen.
Ermöglicht wurde dies neben seiner perfekten Schiesstechnik mit seinen Doppelbüchsen auch durch den Einsatz der grössten klassischen englischen Expresskaliber, für deren Beherrschung man Sullivan allerhöchsten Respekt zollen kann.  

Seine Filme sind stark geprägt vom kommerziellen Charakter und stets mit Titeln versehen, die man sicherlich etwas dezenter hätte benennen können. Was er dort in seinen Filmen praktizierte, wäre für den "normalen" Großwildjäger weder praktikabel, noch ratsam.  

Natürlich hat sich Sullivan damit nicht nur Freunde gemacht. Einige von denjenigen, die sich über seine Filme aufregen, vergessen in Ihrem Eifer, dass sie selbst keine weiße Weste haben. Man braucht sich nur die Dinge genauer anzusehen, die sich leider immer wieder auf Auslands- und Gesellschaftsjagden abspielen (!). Wenn z.B. die Stücke durch lockeres, unverantwortliches Schiessen, oft aufgrund der mangelnden Fähigkeit, die eigene Waffe sicher zu berrschen und damit zu treffen,
krank geschossen werden. Hier spielen sich sogar noch schlimmere Szenen ab.

Allerdings mit dem riesengroßen Unterschied, dass hier gewissenlose Dilettanten und keine Profis am Werk sind, die ihre Waffen absolut beherrschen, extrem schwer zu beherrschende Jagdkaliber führen und damit hochgradig treffsicher sind, so wie Sullivan.
          

Mit Mark Sullivan im Gespräch
Wir hatten die Gelegenheit, Mark Sullivan persönlich kennzulernen und mit ihm über die Jagd, Waffen und die Kaliber, die er einsetzt, zu plaudern.   

Ganz entspannt sitzt Mark Sullivan auf seinem Platz, wo er neben seiner Frau geduldig seine Bücher+ Filme signiert, immer bereit für einen lockeren Spruch oder für ein Posing mit seinen Fans, die sich mit ihm ablichten möchten. Wohlwissend, welchen Bekanntheitsstatus er durch seine Filme erreicht hat. Insofern macht er auf uns den Eindruck eines typischen, erfolgsverwöhnten Amerikaners.  
Uns interessiert aber der Jäger, der sich hinter dieser Person verbirgt. Welche Erfahrungen hat er gemacht und was sind seine Leitmotive? Wie kam er eigentlich dazu, so gewaltige Kaliber wie die .577 oder die .600 Nitro Express zu führen?    

Auf diesem Bild links ist sehr gut zu sehen, wie
Mark Sullivan die schwere Doppelbüchse im
Stopperkaliber .577 Nitro Express im Anschlag hält.

(Bildquelle: Use enough Death 2012 / Mark Sullivan)  

Sein jagdlicher Beginn
Mark erzählt von seinen Anfängen, in denen er 1990 noch eine .500er N.E. Doppelbüchse auf seinen Safaris führte. Da es regelmäßig vorkam, dass er mehr als einen Schuss brauchte, um einen Büffel zu stoppen, kam es ihm in den Sinn, die beiden grössten klassischen Kaliber für Doppelbüchsen einzusetzen.

In seiner Unerfahrenheit glaubte er damals noch, dass es mit einem solch großen Kaliber nicht so wichtig sei, wo der Schuss auf dem Stück hingeht, es müsste doch sofort fallen. Das erste Stück, das er mit seiner .600 N.E. so unbedarft beschoss, benötigte jedoch 5 Schuss, bis es verendet war. Das veranlasste Sullivan, anzuerkennen, dass die Schussposition des ersten Schusses nicht nur bei "normalen" Großwildkalibern von elementarer Wichtigkeit ist, sondern auch für die ganz großen Kaliber seine Gültigkeit hat.

So nah wie möglich!
Einen weiteren elementaren Lernschritt machte er bei der Schussdistanz mit angreifendem Wild. Er fand heraus, der der Hauptfehler darin besteht, zu früh zu schiessen. Die Schussdistanz, um einen Angriff sicher abwehren zu können, bemisst er innerhalb von "10 Feet", was einem Radius von etwa 3
(!) Metern entspricht.

Er begründet dies damit, dass ein Ziel wie das Gehirn eines Büffels in der Größe einer Orange, das sich noch dazu in einem schwankenden "Up and down" bewegt, extrem schwer zu treffen ist.  
Sullivan sagt, dass man grundsätzlich jedes Wild in Afrika bis zum Elefanten mit einem kleinen Kaliber wie z.B. der .30 erlegen könnte, wenn man in der Lage wäre, jederzeit das Gehirn genau zu treffen. Da dies in der Praxis aber nicht möglich ist und frontale Schüsse auf das Haupt selbst bei der Elefantenjagd (ausser für Profis) nicht empfehlenswert sind, bedarf es großkalibrigen+ schweren Geschossen, die eine hohe Tiefenwirkung erreichen und einen großen Blutverlust bewirken (diese Aussage können wir vollkommen bestätigen).  


Bildquelle: Filmfoto aus Death at my Feet / Mark Sullivan 2000

Das Kaliber macht die Wirkung aus   
Auf die Frage, was denn nun genau den Unterschied der ganz großen Expresskaliber zu den üblich eingesetzten Großwildkalibern ausmacht, begründet Sullivan mit der Stoppwirkung: Diese ist dann vorhanden, wenn das Geschoss das Gehirn verfehlt und das Stück trotzdem sofort bewegungsunfähig gemacht werden soll.
Genau an diesem Punkt trennt sich die Spreu vom Weizen, was wir aus unserem jagdlichen Erfahrungsschatz nur bestätigen können. Ein großes+ schweres Kaliber ergibt bei dem gleichen Treffer immer eine spürbar bessere Wirkung. Wie alle anderen PH's gibt Sullivan sowohl bei einem "One Shot Kill" als auch bei mehreren Schüssen zur Sicherheit immer einen zweiten "Safety-Shot" ab, für den Fall, dass das Stück tatsächlich nur betäubt sein sollte.

Auf die Frage, ob es einen Unterschied zwischen der .577 zur .600 N.E. in der jagdlichen Praxis gibt und wie ist es mit dem Rückstoss ist, entlockt Sullivan ein sehr breites Grinsen. Es wäre eine ganze Menge, was den Unterschied ausmache. In diesem Punkt wäre die .600er eine Liga für sich. Aus diesem Grund nähme er seine .600 Nitro Express kaum noch und führt die "besser beherrschbare" .577.    


Bildquelle: Film Shot to Death, Mark Sullivan 1998

"The only way is up..."
Wie massiv der Rückschlag einer .600 Nitro Express in der Praxis ist, ist sehr gut auf dem Bild links zu sehen:

Es zeigt Mark Sullivan nicht etwa in den Anschlag gehend, sondern kurz nach dem Schuss aus seiner schweren .600er Doppelbüchse auf einen Kaffernbüffel. Trotz des hohen Gewichtes steigt die Doppelbüchse weit nach oben. Die Zeit, bis die Waffe wieder nach unten ausgependelt ist, nutzt Sullivan zur Beobachtung des beschossenen Stückes und zur Schussfeldbeurteilung für den zweiten Schuss.

Ein Kaliber wie die .600 Nitro Express richtig zu schiessen verlangt ausser genauen technischen Bauvorgaben für eine Doppelbüchse auch ein spezielles Schiesstraining.

(siehe auch Kapitel =>.577 und .600 Nitro Express<=)  

Schiesstraining-wofür?
Überraschend ist die Tatsache, dass Mark seine Schiessfertigkeit überhaupt nicht trainiert und dass er das Schiessen auf Papierscheiben hasst. Er erklärt, dass er ihm
der Jagdbetrieb zur Erhaltung seiner Schiessfertigkeit ausreicht. Dabei bräuchte er stets die Herausforderung durch die Bewegung des Ziels wie bei der Flintenjagd. Im Umkehrschluss heißt das allerdings auch, dass der gute Mann entweder ein Naturtalent ist oder bei der Jagd auf Wild übt. Dies ist eine Ansicht, die wir absolut nicht teilen können.   

PH mit munitionstechnischem Verbesserungspotential
Enttäuschend war auch Mark's Antwort darauf, welche Geschosskonstruktionen er denn empfehlen würde: In Bezug auf Expanding Bullets, Vollmantelgeschosse oder Solids (er hat z.B. in der Saison 2005 ausschließlich 570grs schwere Barnes Banded Solids in seiner .577 verwendet). Er rät, auch auf Büffel ausschließlich Vollmantelgeschosse zu nehmen. Welche genau, verriet er leider nicht (wir wussten es allerdings schon vorher, dass er u.a. Barnes Solids eingesetzt hat). Einem Rat, dem auch viele PH's pauschal für den ersten Schuss nicht zustimmen.
Eigentlich müsste er es besser wissen: In seinem Film "Death at my feet" kann man anschaulich sehen, was man mit Vollmantelpatronen anrichten kann, wenn das erste Geschoss nicht genug Energie abgibt: trotz guter Treffersitze mit einer .500 Jeffery war der beschossene Kaffernbüffel nach 6 Schüssen immer noch in der Lage, anzugreifen, bevor er mit der .577 gestoppt werden konnte.

Auch Mark Sullivans Fragen zu einem Vortrag über Munition haben seine fachliche Kompetenz zu diesem Thema nicht besonders gut aussehen lassen:
Ihm wäre aufgefallen, dass die Geschosse in der .470 Nitro Express immer tiefer gesetzt wären als in Patronen anderer Kaliber und ob die aktuell erhältliche .577er Kynoch (Kynamco)-Munition jetzt wieder mit Cordite-Pulver geladen wäre...


(Anmerkung: die Setztiefe einer Patrone ist abhängig von der Geschosslänge, Crimprille am Geschoss, wenn vorhanden, der Hülsenhalslänge und dem Verfügung stehenden Pulvervolumen. Cordite- Pulver war eines der ersten NC-Pulver, das nach der Umstellung von Schwarzpulver auf rauchlose Pulver vornehmlich in den großen Patronen eingesetzt wurde. Es wurde in der Hülse wie zusammengesteckte Spaghetti-Nudeln in Längsrichtung verladen und reagierte extrem empfindlich auf Temperaturschwankungen, d.h. es gab sehr hohe Gasdrücke im afrikanischen Klima. Heute gibt es viel bessere Nitrozellulosepulver und Cordite ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten.)
 
 

"Haltungsarbeit"
Sullivans unumstrittene Stärke ist sein perfekter Umgang mit den ganz großen Doppelbüchsen. Wenn er den Anschlag und die Führung der schweren Waffe demonstriert, ist eines klar: dieser Mann beherrscht sein Arbeitsgerät* instinktiv!
* In diesem Fall ist das "Unwort" ausnahmsweise zutreffend: Dieser Mann kann mit seinem Werkzeug perfekt umgehen!  

Auf den beiden Fotos unten zeigt Mark seine neue Heym-Doppelbüchse im Kaliber .577 Nitro Express.


(Bildquelle: Use enough Death Mark Sullivan 2012)

Warum eine Heym-DB?
Auf einer Safari in 2011 hatte Sullivan zum ersten Mal eine .577er Heym-Jumbo eines Klienten gesehen. Er war so sehr vom Aussehen, der Mechanik des Verschlusses und der guten Verarbeitung der Waffe angetan, dass er sich von Heym eine Seitenschloss-Doppelbüchse nach seinen Maßvorgaben für den Schaft im gleichen Kaliber bauen ließ und seither diese Büchse statt seiner altgedienten Charles Osborne DB führt.  


Auf dem linken Foto oben ist gut zu erkennen, wie Mark die Waffe bereit zur sicheren Schussabgabe im stehenden Anschlag hält. Rechts: der Blick aus der Sicht des Schützen über die flache V-Kimme mit dem starken Perlkorn.

(Bildquelle: Use enough Death, Mark Sullivan 2012)    

Seine neue Errungenschaft konnte der Verfasser übrigens selbst in den Händen halten und ausgiebig begutachten. Es ist zweifellos eine wunderschöne, schwere und kompakte Waffe. Sie ist zwar etwas leichter als die Heym in .600 Nitro Express, immerhin noch mit einem ausreichendem Gewicht für eine .577. Persönlich wäre allerdings ein etwas breiterer und griffigerer Vorderschaft gewählt worden.  

Detaillierte Tipps zur Gestaltung von Waffen wie Doppelbüchsen sowie z. Schiesstraining mit den beiden grössten englischen Rand-Großwildkalibern finden Sie im Kapitel =>.577 und .600 Nitro Express<=    

Ansichtssache
Es gibt sicherlich einige Dinge bei der Jagd, über die man eine völlig andere Meinung haben kann, als das, was Sullivan tut und seine Ansichten, die er propagiert.

Was an ihm am meisten stört, ist, dass die Gäste oftmals gar keine Gelegenheit hatten, den ersten Schuss auf das Stück selbst anzubringen. Dies ist, wie wir finden, das Mindeste, was ein PH seinem zahlenden Klienten schuldig ist. Vielleicht ist das "seine" Auslegung des "Mitschiessens", wie es gelegentlich in gewissen Situationen und vor allem bei unsicheren Schützen praktiziert wird. Das ist ein doch sehr bitterer Beigeschmack einer Erlegung.   

Nach Sullivans Ansicht sind ausschließlich Doppelbüchsen die besten und die einzig wahren Jagdwaffen für die Jagd auf Großwild und Hochwild. Das mag für seine Art zu Jagen und seinen Umgang mit Waffen zutreffen, aber für die meisten jagenden Schützen und gemäß den ungeschriebenen Gesetz nach dem jagdlichen Ehrenkodex definitiv nicht!

So gut, wie Doppelbüchsen auch sind: Für eine gute Doppelbüchse muss man schon recht tief in die Tasche greifen (wenngleich man das Preis-Leistungsverhältnis z.B. bei Heym unter Berücksichtigung des handwerklichen Aufwands noch als sehr fair bezeichnen kann). Und auch, wenn die Präzision für jagdliche Verhältnisse in den meisten Fällen ausreichend ist, schiesst ein verlötetes Laufbündel niemals so genau wie eine Repetierbüchse. Ausserdem kann eine Doppelbüchse o
hne Zieloptik nur einen speziellen Bereich der Jagd abdecken: Kurzdistanzen und Bewegungsjagd. Damit auf Entfernungen über 40 Meter zu schiessen, ist nach unseren Erfahrungen alles andere als optimal, und das heißt: nicht tötungsgerecht.

Der erste Schuss zählt. Ein gut platzierter Schuss mit dem richtigen Geschoss, das dem Stück punktgenau angetragen wird (idealerweise
über eine Zieloptik), ist immer besser, als ein über die offene Visierung hineingezirkelter, schnell ungünstig sitzender Schuss aus einer Doppelbüchse.

Unbestritten bei Doppelbüchsen ist natürlich die rasche Schussfolge, mit der 2 Schüsse hintereinander abgegeben werden können und die zusätzliche Sicherheit durch zwei unabhängige technische Systeme. Aber: Auch hier kann die Repetierbüchse punkten.
Für den Fall, dass man mehr als einen Schuss benötigt, kann der Schütze einer Repetierbüchse von der hohen Magazinkapazität profitieren, wenn er im Nachladen seiner Büchse geübt ist. Dies gilt auch trotz der Tatsache, dass die Zeitspanne zwischen der Schussabgabe mit einem klassischen Repetiersystem immer etwas größer ist als bei einer DB.

Schlusswort
Je größer das Kaliber, desto größer ist die Schockwirkung. Deshalb sollte jeder Jäger das grösste Kaliber verwenden, dass er sauber+ stressfrei zu schiessen in der Lage ist.

Und
in diesem Punkt kann man als erfahrener Jäger uneingeschränkt mit Sullivan übereinstimmen:
"Use enough gun!"...
(Es muss ja nicht gleich eine .577 Nitro Express sein)


Nächstes Kapitel:
=>Erfahrungen Teil 1<=

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