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Läufe

Jagdwaffentechnik

Historie
Während die ersten Militärläufe des Mauser-Infanteriegewehrs noch mit 74cm langen Läufen ausgestattet waren, begann man in Deutschland mit dem legendären Karabiner 98 durch Reduzierung der Lauflänge um 14cm, die Handhabung des Gewehrs erheblich zu erleichtern. Im Kaliber 8x57IS bedeutete dies in Bezug auf die Mündungsgeschwindigkeit eine Reduzierung von etwa 30m/s und blieb die Standardlänge für die Patrone. Nach dem 2. Weltkrieg wurden im deutschsprachigen Raum die meisten Jagdwaffen mit Lauflängen von 60cm bis etwas über 70cm Länge angeboten. "Langlauf"-Versionen gab es insbesondere für starke (Hochwild-)Kaliber, die z.B. mit 72cm langen Läufen ausgestattet waren.

Unsere Erfahrungen über die letzten Dekaden aktiver Jagdaktivitäten haben gezeigt, das eine gute Jagdbüchse aber nur dann praktikabel in der Jagdpraxis einsetzbar ist, wenn sie eine gewisse Länge nicht überschreitet. Zur Umsetzung dazu gibt es unterschiedliche technische Möglichkeiten. Neben platzsparenden Spezialsystemen und kurzhubigen Verschlusssystemen ist die ausschlaggebende Komponente der Lauf. Die Lauflänge hat einen ganz entscheidenden Einfluss darauf, wie gut sich die Waffe im Jagdbetrieb führen lässt und vor allem, wie präzise die Energie ins Ziel gebracht werden kann. Als eine einfache Grundregel kann man sagen, dass im überwiegenden Anteil der allermeisten jagdlichen Anwendungen und Situationen eine verbesserte Dynamik der Waffe mit einem kurzen Lauf zu erzielen ist. Dazu muss je nach Anwendung eine sinnvolle Abstufung in verschiedenen Dimensionen in Bezug auf die Lauflänge erfolgen.

Damit möchten wir aber nicht den kompromisslosen Einsatz von Kurzläufen propagieren. Denn es gibt durchaus Fälle, wo ein langer Lauf nicht nur sinnvoll, sondern sogar zwingend notwendig ist. Damit sind dann auch l a n g e Läufe gemeint, d.h. mind. 66cm Lauflänge und darüber.       
  

Moderne Läufe
Im Laufe der Jahre hat sich nicht nur das Angebot von Waffen an unterschiedlich langen Läufen vergrößert, sondern auch die Auswahl der technischen Möglichkeiten:

  • Material

  • Fertigungstechniken und Toleranzen

  • Aussenkontur/ Gewichtsverteilung

  • Laufmasse

  • Dralllänge

  • Laufprofilgüte (innen)

  • Oberflächenschutz durch Beschichtung



Stahlsorten / Laufmaterialien
Die gängigste Stahlsorte für Waffenläufe ist der klassische Vergütungsstahl 1.7225 (oder auch 42CrMo4 bezeichnet, z.B. Böhler V320). Es ist das am meisten verwendete Material, das zur Herstellung von Läufen eingesetzt wird. Es handelt sich um einen recht gut bearbeitbaren und zerspanbaren Stahl mit einem ausgewogenen Verhältnis von hoher Festigkeit, Elastizität und guten Verschleißwiderstandseigenschaften. Im vergüteten Zustand erreicht dieser Stahl (Zug-)Festigkeitswerte zwischen 900 und 1200N/mm². Die Streckgrenze R
p0,2 beträgt bei dem in eingesetzten Durchmesserbereich von Jagdläufen über 700N/mm². Mit einem Kohlenstoffgehalt von 0,4% ist der Stahl allerdings bedingt anfällig für Korrosion.

Ein weiterer, gerne verwendeter Laufstahl ist der 1.6582 oder 34CrNiMo6. Auch dieser Stahl gehört zur Gruppe der Vergütungsstähle mit einer hohen Festigkeit. Die Zugfestigkeit (höchster mechanischer Widerstand mit bleibender Dehnung) liegt im Durchmesserbereich zwischen 16-40mm bei 1100-1300N/mm², die Streckgrenze liegt bei 900M
Pa. In die gleiche Kategorie fällt der 34CrMo4 (z.B. Böhler V330) mit einer Streckgrenze von 665N/mm².

Das Pendant, was oft als Material zur Herstellung von Edelstahl/ Stainless-Steel Läufen verwendet wird, ist z.B. der 1.4021 (X20Cr13). Hierbei handelt es sich um einen hochlegierten, rostträgen Martensitstahl mit 12-14% Chromanteil und einer Streckgrenze von 500-600
MPa, die Zugfestigkeit liegt bei 700-950MPa. Ebenfalls gebräulich zur Laufstahlherstellung sind der 1.8159 (51CrV4) mit einer Rp0,2>800N/mm² und die hochlegierte Variante 1.4122 (X35 CrMo17-1), Rp0,2>550N/mm² für den wetterfesten jagdlichen Einsatzbereich.   

Die amerikanischen Hersteller verwenden häufig Edelstahl in
416er Güte, insbesondere für Verschlussrahmen und Rahmen von Edelstahlrevolvern. Dieser martensitische Stahl besitzt einen hohen Anteil an Chrom (12-14%), Mangan und Silizium (bis 1,5%) und zur besseren Zerspanbarkeit geringe Anteile an Phosphor und Schwefel. Der Festigkeitsbereich liegt je nach Behandlung zwischen
800-1050 N/mm².
Diese Legierung ist zwar begrenzt beständig gegenüber Feuchtigkeit und Spritzwasser, erreicht jedoch längst nicht die Korrosionsbeständigkeit wie die Edelstahlsorten ohne P+ S-Anteile gegenüber Chloriden (z.B. Salzwasser) wie austenitische oder ferritische Legierungen mit einem Chromanteil von 17%. Die Korrosionsbeständigkeit kann aber durch Härten sowie einer glatten Oberfläche erhöht werden.

Für (amerikanische) Läufe ist u.a. eine gebräuchliche Stahlsorte der 17-4 PH (z.B. Böhler N700). Im europäischen Raum sind dies nach EN bezeichnete Edelstähle wie 1.4542 oder 1.4548. Diese sind ebenfalls martensitische Edelstähle mit 15% Chrom sowie Anteilen von Kupfer, Nickel und Silizium. Die Festigkeit in Bezug auf die Dehnungsgrenze liegt bei ähnlichen Werten, etwa zwischen 800-1150N/mm².

Übrigens: Wie so oft entpuppen sich die im Internet in den Foren kursierenden Hinweise auf Spezialgewehrlaufstähle von extrem hoher Güte bei genauerem Hinschauen als irreführend. Ein Beispiel dafür ist der Stahl mit der Bezeichnung "Antinit". Hierbei handelt es sich um einen Spezialstahl des Herstellers Böhler mit der Bezeichnung N680. Es ist ein hochlegierter Stahl mit 0,5% Kohlenstoff, 0,45% Silizium, 0,4% Mangan, 1,1% Molybdän und 0,1% Vanadium. Durch seinen hohen Anteil an Chrom (17,3%) besitzt der Stahl als ein Edelstahl mit Martensitgefüge sehr gute Korrosionsbeständigkeit auch gegen Feuchtigkeit+ Salz. Aber: seine hauptsächliche Verwendung liegt für die Herstellung von Schneidwerkzeugen und Messerklingen, nicht zur Laufherstellung.        

Das Laufinnere / Herstellung
Man kann in den Internetforen viele Meinungen über die beste Drallprofilierung eines Laufes lesen, insbesondere darüber, was man wozu verwendet, was die beste Präzision erbringt und
in welcher Qualität der Lauf sein sollte. Über den fachlichen Inhalt dieser Ausführungen möchten wir uns lieber nicht auslassen...

Der Stand der Technik bei der Laufherstellung ist, dass die gedrallte Profilierung moderne Läufe nicht mehr wie früher mit einem Räumwerkzeug ausgeschält, d.h. spanend abgetragen werden, sondern dass der Laufrohling, der in mehreren Fertigungsschritten vom vorgebohrten Rohling im sog. Tieflochbohrverfahren mit unterschiedlichen Werkzeugen schließlich mit einer Reibahle auf das Vormaß für das darauf folgenden Hämmervorgang gebracht wird. Dann erfolgt der Kernfertigungsprozess, wo der Hämmerdorn unter großem Druck mittels einer bestimmten Schlagfrequenz und einem definierten Hub in den Laufrohling eingebracht, geführt und mit einer schlagenden a
xialen Bewegung durch die Laufachse+ einer gleichzeitig drehenden Bewegung, welche der Dralllänge entspricht, durch den Lauf gepresst wird. Übrigens: der Lärm, der bei diesem Fertigungsprozess entsteht, kann man am besten als ein ohrenbetäubendes "Rattern" beschreiben.

Der entscheidende Vorteil bei diesem Fertigungsverfahren ist ganz einfach, dass der legierte Laufstahl noch eine weitere Erhöhung seiner Festigkeit erfährt, da das Material im Laufinneren zusätzlich verdichtet wird. Ausserdem erfolgt eine Glättung der Oberfläche im Feld- Zugprofil, d.h. ein Lauf ist nach seiner Fertigstellung normalerweise bereits im Neuzustand bereits spiegelblank. Modifikationen wie zusätzliches Läppen oder ähnliche mechanische Oberflächen-Nachbehandlungen wie Glätten sind bei
guten Jagdläufe absolut überflüssig. Es bringt für eine Jagdwaffe weder eine spürbare Präzisionverbesserung (auch nicht bei jagdlichen Weitschussdisziplinen), noch bewirkt es ein besseres Schmutzverhalten hinsichtlich Geschossablagerungen (wie schon gesagt, sprechen wir hier von hochwertigen Läufen). In Bezug auf Vermeidung von Geschossablagerungen gibt es andere, viel wirkungsvollere Lösungen.

Den Unterschied, was die Präzision angeht, machen nur die Maßhaltigkeit der Endtoleranzen, die Dralllänge, das Innenprofil, und das verwendete Laufmaterial aus (eingeschränkt auch einTeile
des Laufes). Beim Waffenkauf in Bezug auf die geplante Verwendung hinsichtlich der späteren Nutzung gibt es allerdings noch eine andere, elementare Komponente, die man berücksichtigen sollte (Hinweis: Damit ist n i c h t die nachfolgende Ausführung der Innenprofilierung gemeint).

Innenprofilarten:
1) Standardprofilierung
2) Polygonprofilierung
3) Semipolygonprofilierung
4) Feinzugprofilierung

1) Das Feld- Zugprofil ist die gängigste und millionenfach bewährteste Innenprofilierung. Hauptvorteil: eine sehr gute Schussleistung und universal verwendbar für eine große Bandbreite von unterschiedlichen Geschossen.

2) Polygonläufe sind eine ursprüngliche Entwicklung aus dem Militärbereich mit dem Zweck, die Haltbarkeit eines Laufes bei extremer Schussbelastung durch hohe Kadenzen zu erhöhen. Eine spürbare Präzisionsverbesserung ist aber auch stark abhängig vom Kaliber+ dem verwendeten Geschoss und
keineswegs sicher. Der grösste Nachteil von Polygonläufen ist die deutlich höhere Presskraft beim Geschossdurchgang, insbesondere bei bestimmten Geschossen. Dabei erfolgt keine streifenförmige Anschälung (besser Anstauchung) der Geschossführungsmantelfläche wie beim Feld-Zugprofillauf.  
   
3) Beim Semipolygonprofil wird das Standardprofil mit der polygonen Form vermischt (das sieht dann ungefähr so wie ein normaler Standardlauf aus, aber mit konvexen, d.h. leicht abgerundeten Feldern).

4) Zur Feinzugprofilierung sind Standardläufe mit 8 Zügen und
mehr zuzuordnen. Diese Art ist nach einem Boom in den siebziger und achtziger Jahren (z.B. mit 12 Zügen) inzwischen fast ganz verschwunden. Präzisionsvorteile gegenüber normalen Läufen ergeben diese Läufe nicht (es gibt allerdings ein Grundverhalten in Bezug auf die Auswirkung der Zuganzahl eines Laufes).     

Laufhersteller
Die nachfolgende Liste enthält die Namen einiger renommierter Firmen, die Qualitätsläufe produzieren:  
                                                                      

                                                      

  • CZ                                                    

  • Hart

  • Heym

  • H-S Precision

  • Krieger

  • Lilja

      

                                                                 

  • LoWa

  • Merkel

  • Pac-Nor

  • Shilen

  • Thompson Center

  • Wiseman

  • Bartlein

      

JASW -Laufklassifizierung

Kat. I:
Normalläufe  
Kat II: Jagdgebrauchsläufe  
Kat III: Pirsch- und Drückjagdläufe
Kat. IV: Kurzläufe
Kat. V: Langläufe
            
Kategorie I
Die Normalläufe dieser Klasse machen als sogenannte Standardlauflängen z.Z. noch einen Großteil der verwendeten Lauflängen in Büchsen aus. Die Lauflänge beträgt
60-61cm. Die Tendenz ist aber stetig abnehmend, da diese Länge in den meisten Mittelkalibern erstens überhaupt nicht notwendig ist und zweitens die Gesamtlänge bei Repetierbüchsen beim Führen im Jagdbetrieb viele Nachteile bringt. Bis auf wenige Ausnahmen sind 60-61cm (24") lange Läufe nur noch in sehr wenigen Kalibern sinnvoll.       

Kategorie II
Der Name sagt es schon: Der überwiegende Anteil (>90%) aller jagdlichen Anwendungsfälle kann mit dieser Laufklasse abgedeckt werden. Aufgrund des verbesserten Handlings mit 53-58cm Läufen sowie mit der richtigen Munition liegen Büchsen in diesen Lauflängen bei vielen Waffenherstellern bereits jetzt voll im Trend. Sie werden in ein paar Jahren den Hauptanteil aller Jagdbüchsen ausmachen.  

Kat III
Wie in der vorgehenden Kategorie wird die Handhabungseffektivität durch die kurze Lauflänge deutlich gesteigert. Mit 46-52cm Lauflänge sind diese Büchsen
ideal für den Waldjäger und für die Drückjagd. Bei dieser Klasse ist eine Optimierung der Munition sinnvoll.     

Kategorie IV
Diese Läufe
werden in Büchsen für jagdliche Spezialeinsätze verbaut. Dazu gehören Nachsuchenbüchsen und Backupwaffen in dichtestem Bewuchs und Buschwerk sowie Dornenhecken und Dickungen. Die Lauflänge beträgt zwischen 30-45cm, um die Handhabungsdynamik auf engstem Raum zu erhalten. Die technischen Anforderungen in Bezug auf die Verlässlichkeit dieser Büchsen sind sehr hoch und werden nur von wenigen Bautypen und Herstellern erfüllt. Zur effektiven Leistung+ schneller Schussfolge ist allerdings eine Abstimmung der eingesetzten Patronen an die Lauflänge unbedingt notwendig.    

Kategorie V
Die "Extraklasse" der jagdlich eingesetzten Lauflängen. Schwerpunkt bei Büchsen mit diesen Läufen sind spezielle jagdliche Gegebenheiten in Kombination mit bestimmten Kalibern und einem besonderen Leistungsverhältnis, welche Lauflängen von 65-80cm erforderlich machen.  

Laufkonturen (Außenprofile)
Während man früher in erster Linie aus fertigungstechnischen Gründen Läufe mit verschiedenen Absätzen mit absteigenden Durchmessern vom Patronenlager bis zur Mündung (Stufenlauf) oder mit einem einfachen Übergang als Kegel mit einem Radius am Patronenlager (Birnenlauf) hergestellt hat, gibt es durch die moderne Fertigungstechnik in der Zerspanung bei der Aussenform der Jagdläufe fast unendliche Gestaltungsmöglichkeiten, was geometrische Formen+ Übergänge bei der Gestaltung der Aussenkontur angeht.

Hierzu einige Formbeispiele:
Rundprofile                                                                          

  • zylindrisch (Vollprofil)

  • abgesetztes zylindrisches Profil

  • einfaches konisches Profil

  • mehrfaches konisches Profil

  • geschwungenes Profil mit zylindrischem Verlauf                   

  • geschwungenes Profil mit konischem Verlauf


Mehrkantprofile

  • Sechskant

  • Achtkant


Kannelierprofile

  • Bohrprofilierung

  • Linearprofilierung

  • Schrägprofilierung

  • Freikonturprofilierung


Runde Läufe decken normalerweise alle jagdlichen Anwendungsbereiche einschließlich Training vollkommen ab. Natürlich erwärmen sich bestimmte Läufe bei mehreren, aufeinanderfolgenden Schussfolgen etwas langsamer als andere (insbesondere, wenn diese in rascher Reihenfolge abgegeben werden), aber: auch diese Läufe werden immer noch relativ schnell
warm. Diese Erfahrung kann jeder machen, der eine Serie von mehreren "Schussstaffeln" aus einer Büchse mit einem dicken Lauf abgibt.
Man mag es kaum glauben, aber selbst dicke Läufe in Patronen, die nur eine geringe Pulvermasse verbrennen, können sich schnell erwärmen. So wird z.B. der Lauf einer Repetierbüchse im Kaliber .17HMR (Matchlauf mit Mündungsdurchmesser von 20mm +kanneliertem Lauf) wird nach einer gewissen Anzahl von wiederholten Magazinintervallen ohne Kühlpausen (normaler Zeitabstand zwischen den einzelnen Schüssen wie
beim Präzisionsschiessen) so heiß, dass man ihn nicht mehr berühren kann!
 
Aussen profilierte Läufe wie z.B. kannelierte Läufe sehen zwar schön aus, sind aber hinsichtlich der Wärmeabgabe gegenüber zylindrischen Rundläufen keineswegs besser, obwohl sie eine größere Oberfläche haben. Der entscheidende Vorteil von starken Läufen oder zylindrischen Matchläufen liegt fast ausschließlich im Handling, Schwingungsverhalten und in der Präzision (insbesondere dann, wenn sie nicht zu lang gehalten sind).

Laufstärken

  • Kat. I:   15,5-16mm                                   

  • Kat. II:  18,5mm

  • Kat. III: 19,5mm

  • Kat. IV:  20,0mm

  • Kat. V:   22,0mm

  • Kat. VI: Konisches Profil vom Patronenlager-AussenØ bis Laufmündung

  • Kat. VII: Zylindrisches Vollprofil (identisch mit dem Patronenlager-AussenØ)


Mittlerweile kann man in fast jedem Standardprogramm der Waffenhersteller nicht nur unterschiedliche Lauflängen, sondern auch unterschiedliche Laufdurchmesser auswählen. Für die meisten jagdlichen Mittelkaliber sind aber nur unter ganz bestimmten Bedingungen Läufe mit stärkerem Durchmesser notwendig.
Es ist völliger Unsinn, in Kalibern wie .308 Win., 7x64, .30-06 oder 8x57IS für einen Lauf einen größeren Durchmesser als 16,0mm zu wählen. Hier ist es viel wichtiger, die Waffenkonzeption richtig zu gestalten!

Für die Berechnung des Laufdurchmessers kann man für die meisten Mittelkaliber als grobe Faustregel die folgende
Formel anwenden:
Kaliber-Ø in mm + (4mm Wandstärke x2)
Das Maß für die Wandung bezieht sich immer auf das Zugprofil. Dieser Laufdurchmesser ist ein gutes Mittelmaß in Bezug auf Stabilität, Schwingungsverhalten und Laufmasse.   

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass
mit einem dickeren Lauf das Gewicht der Waffe maßgeblich erhöht wird. Außer der wichtigsten Komponente, der Führigkeit, ist aber auch das Gewicht der Büchse. Erst ab den rückstosstarken Kalibern (wozu wir alle Waffen-Kaliberkombinationen ab einer Rückstossenergie über 45 Joule zählen (siehe =>Rückstossrechner<=) kann ein etwas kräftig gehaltener Lauf notwendig sein, wie z.B. bei speziellen Repetierbüchsen.
Je größer und stärker das Kaliber einer Büchse ist, desto wichtiger wird die richtige Wahl der Laufkontur und der Gewichtsverteilung an der Waffe durch die Laufmasse. Natürlich spielen noch andere Dinge eine ganz wesentliche Rolle (eine davon ist u.a. die angewandte Schiesstechnik).  

Lebensdauer eines Laufes
Eine Frage, die sich jeder Waffenbesitzer schon gestellt hat, ist: Wie lange hält der Lauf meiner Waffe? Oft wird behauptet, dass in erster Linie das Kaliber entscheidend wäre. Aber wie stark beeinflusst auch die Handhabung der Waffe den Verschleiß? Im Internet geistern unzählige Geschichten und "Erfahrungsberichte" von Läufen, die angeblich bereits nach 200 Schüssen "ausgeschossen" waren, ausgeputzt oder plötzlich keine Präzision mehr erbracht haben sollen.

Der Begriff "ausgeschossen" ist übrigens irreführend. Damit ist keineswegs der gesamte Lauf mit seiner Drallprofil in Bezug auf die Maßlichkeit gemeint. Viel treffender wäre die Beschreibung "ausgebrannt". Das, was als Lauferosion bezeichnet wird, bezieht sich nur auf den Bereich im Lauf vom Patronenlager vom Übergangskonus bis zur vollen Feld-/Zugprofilierung. In dieser Region konzentriert sich die
Belastung durch die Energie und Hitze des gezündeten Nitrozellulosepulvers. Mehrere Faktoren beeinflussen diesen Vorgang:

  • Pulvermasse

  • Pulverzusammensetzung

  • Zeitliche Abfolge der Schüsse

  • Zusammensetzung der Lauflegierung   


Die ungefähre Schusszahl, die ein Lauf hinsichtlich der Präzision in Form einer messbaren Verschlechterung
unbeschadet übersteht, kann deshalb nicht exakt festgelegt werden. Patronenseitig kann man das Verhältnis von Patronenvolumen zum Geschossdurchmesser, z.B. ab einem Wert von 14 als verschleissfördernd einstufen (zu diesen Kalibern zählt z.B. die 7mm Remington Ultra Magnum). Normale Mittelpatronen wie die 8x57IS, 7x64 oder .30-06 kommen auf Werte zwischen 7-8, was beim normalen (jagdlichen) Einsatz, ausreichenden Kühlpausen beim Schiessen auf dem Schießstand und richtiger Laufreinigung normalerweise eine Lauflebenserwartung von mehreren tausend Schüssen ergibt, manchmal sogar bis zum 5-stelligen Bereich. Aber selbst Hochleistungskaliber wie die großvolumigen .300er Magnums wie z.B. die .300RUM und .30-378 Weatherby können durchschnittliche max. Schusbelastungen zwischen 1.000 und 2.000 Schuss standhalten, bevor die Präzision nachlässt.
Wenn ein Lauf bereits nach wenigen hundert Schüssen den Dienst quittiert, hat man definitiv "etwas" falsch gemacht...!
 
      

Sinnlose Anbauteile
Völlig überflüssige Konstruktionen, die auf dem Markt angeboten werden, sind
Mündungsbremsen, Schalldämpfer und solche, die gegen beide beim Schuss einwirkenden Kräfte und Effekte Abhilfe schaffen sollen (hier freut sich nur einer: derjenige, der auch noch Geld für den Schwachsinn bekommt).

Nähere Erläuterungen dazu siehe auch Kapitel =>
Rückstoss<=
    
   

Fazit
Wer sich nicht für eine falsche Waffe mit minderwertigen Komponenten entscheidet, bekommt bei vielen Büchsen der renommierten Waffenherstellern bei der "Waffe von der Stange" gleich einen Qualitätslauf mitgeliefert, der grundsätzlich bereits alle Voraussetzungen für eine sehr gute Präzision mitbringt. Eine Basisabstimmung hinsichtlich des Laufmaterials ist bei speziellen Anwendungen allerdings von Vorteil. Entscheidend ist dabei die richtige Wahl der Aussenkontur, Laufstärke und vor allem die optimale Lauflänge.
Das Hauptpotential bei der P
räzision liegt aber keineswegs nur beim Lauf selbst , sondern im Zusammenspiel von Waffe+ Munition. Es muss nicht gleich ein dicker, gehonter+ feingeläppter Matchlauf sein. Insbesondere mit der richtigen Auswahl der Patronenkomponenten und Feintuningmaßnahmen kann die Schussleistung immens gesteigert werden, die über die jagdlichen Erfordernisse weit hinausgehen und wirklich hervorragende Schussbilder liefern.   
Wer das "volle Programm" der technischen Gimmicks bei einem Lauf ausschöpfen möchte, sollte ausser einem Speziallauf noch eine präzisionssteigernde Feintuningmaßnahme vornehmen lassen.      

Tipp:
Bevor man sich auf eine bestimmte Munition festlegt, sollte man vorher mindestens 3 verschiedene Sorten, nach Möglichkeit mit dem gleichen Geschoss, testen. Das gilt auch für Munition unterschiedlicher Hersteller, die das gleiche Geschoss in der Patrone verladen haben.
Was man an Präzision aber tatsächlich herausholen kann, ist nur mit wiedergeladenen Patronen herauszufinden. Nur damit können die patronenseitigen Komponenten genau
auf die Waffe mit Lauf abgestimmt+ einjustiert werden.         

"Der Lauf schiesst..." wie schon das bekannte Sprichwort besagt. Wir sehen es allerdings so: ausser der Stahllegierung ist es die richtige Länge des Laufes, die ganz entscheidend das Verhalten, die Einsatzfähigkeit und auch die Präzision der Jagdwaffe bestimmt. Dieser Umstand ist ganz maßgeblich am jagdlichen Erfolg beteiligt.


Nächstes Kapitel  
=>Offene Visierungen<=

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