Kurzwaffen f. Fangschuss+ Nachsuche - JASW

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Kurzwaffen f. Fangschuss+ Nachsuche

Jagd

Die Grundsatzfrage: Fangschuss oder Nachsuche?
Die Frage nach der Eignung eines Kurzwaffenkalibers für den Fangschuss richtet sich nach zwei elementaren Dingen: 1) möchte ich die Waffe nur für den Fall von im Straßenverkehr angefahrenen oder verletztem, bewegungsunfähigem Wild benutzen, um damit aus kurzer Distanz einen ruhigen und gezielten Fangschuss anzubringen? Oder 2) soll die Waffe auch zur Nachsuche auf starkes Wild, wie z.B. Sauen mitgenommen werden?
Bei letzterem sind die wundballistischen Anforderungen ungleich höher, was zur Folge hat, dass
wesentlich stärkere Kaliber in schweren Kurzwaffen eingesetzt werden müssen.
      
Grundsätzlich schafft es fast jedes Kaliber ab der 9mm Para aufwärts (mit guten, soliden Geschossen mit ausreichender Tiefenwirkung) bei einem Frontalschuss den Schädel zu durchschlagen und in das Gehirn einzudringen. Allerdings muss man bei den "kleineren" Kalibern bis .357 u.U. mit Abweichungen des Geschosskurses und Ablenkungen der Geschosse im Wildkörper rechnen und die Eigenschaft "grundsätzlich" ist in diesem sicherheitsrelevanten jagdlichen Einsatzbereich ganz sicher keine Option, die ein unkalkulierbares Gefahrenpotential rechtfertigen würde.   

Erfahrungen mit JASW

Ein gutes Fangschusskaliber, das man auf der jagdlichen Nachsuche einsetzen möchte, muss aber weit mehr können! Es muss in der Lage sein, lebenswichtige Funktionen durch eine ausreichende Wundwirkung infolge Gewebezerstörung und raschem Blutverlust in Verbindung mit einem starken Schockwirkungsimpuls auszuschalten, das selbst bei stärksten Stücken, ungünstigsten (Knochen-) Treffern und noch dazu bei einem hohen Adrenalinpegel des verletzten Stückes.

Wie bei "afrikanischen Verhältnissen" kann bei der Nachsuche auf Bären, Sauen, usw. jede Art von Schüssen, z.B. von vorne, von der Seite oder sogar von hinten erforderlich sein. Was wiederum heißt, dass das Kaliber viel Energie und Stoppwirkung liefern und das Geschoss große Tiefenwirkung haben muss. Es ist geradezu lächerlich, wenn Fangschussmunition für bestimmte Wildarten einer bestimmten Gewichtsklasse unabhängig vom Kaliber als geeignet angepriesen wird und stellt den Urhebern solcher Kindermärchen natürlich kein gutes Zeugnis aus. Mit einem cleveren Rechtsanwalt an seiner Seite wird ein verunfallter Schütze sicherlich gute Chancen für eine erfolgreiche Schadensersatzklage gegen Anbieter haben, welche diese gewagten Werbesprüche publizieren.         

Die Praxis zeigt, dass kaliberschwache Kurzwaffen mit einem Index unter 200 nur zum reinen Fangschuss auf bewegungsunfähige Stücke geeignet sind! In vielen Nachsuche-Situationen benötigt man deutlich stärkere Kurzwaffenkaliber. Hier nutzt die hohe Magazinkapazität einer 9mm Para oder einer .357 SIG gar nichts, denn Feuerkraft kann auf der Jagd niemals die Schockwirkung ersetzen, die unabdingbar erforderlich ist. Ebenso wenig wie die Wundermunition, die mit vollmundigen Werbesprüchen für ungeeignete Kaliber propagiert wird.          

Schockwirkung
Auch hier möchten wir auf die Einteilung der Kaliber in Kennzahlen nach dem A-Square Shock Power Index verweisen. In die Berechnung fließen u.a. die kinetische Energie und die Kalibergröße ein. Dieser Wert gibt die mathematische Größe über die Tötungskraft eines Kalibers an.

Geht man davon aus, welche Energie und welchen Shock Power Index ein Gewehrkaliber liefert, z.B. eine .30-06, so können wir man aus aktiven jagdpraktischen Erfahrungen mehrerer Jahrzehnte den gleichen Wert für ein Kurzwaffenkaliber ansetzen, in diesem Fall 217. Die Vorgabe eines Indexwertes von ca. 200 macht daher entsprechend starke Kurzwaffenpatronen mit großen Wundkanaltiefen notwendig.

In der Tabelle rechts aufgeführt sind z.B. die .454 Casull, .475 Linebaugh, .480 Ruger, .50 Action Express, .500 Linebaugh und .500 Wyoming Express. In die nächsthöhere Leistungsklasse einzustufen sind die Kaliber .444 Marlin, .45-70 Government, .450 Marlin, .460 S&W und .500 S&W Magnum.


Aus diesen Gründen sind nach unseren Erfahrungen als Fangschusskaliber für Kurzwaffen sind erst alle
blau gekennzeichneten Kaliber ohne wesentliche Einschränkungen bei der Schussabgabe, wie z.B. Körperbau, Körpermasse, Winkel, Treffersitz, u.v.m. geeignet:

-  9mm Parabellum             44
- .38 Special                      34
- .357 Magnum                  77
- .44 Magnum                  153
- .45 ACP                          77
- .45 Colt+P                     134

- .454 Casull                     317
- .480 Ruger                     288
- .444 Marlin                    345
- .45-70 Government          377
- .50 Action Express          293
- .500 Wyoming Express     367
- .500 S&W Magnum         565


.357 Magnum und .44 Magnum
Aber warum muss man solche Hammerkaliber wie oben aufgeführt verwenden? Wer einen .357 Magnum Revolver besitzt, sollte doch meinen, dass er mit diesem starken Kurzwaffenkaliber für alles bestens gerüstet ist. Nun, das ist uneingeschränkt betrachtet leider nicht der Fall. Im Klartext heißt das: zum Fangschuss auf ein bewegungsunfähiges Stück ja, aber als Waffe für eine Nachsuche ganz klar nicht!
Selbst die beachtliche .44 Magnum schafft unter dieser Betrachtung diesen Schwellenwert noch nicht. Zwar ist ein geführter .44er eine Kurzwaffe mit einem ordentlichen Energie- und Schockpotential, aber verglichen mit den heutigen starken KW-Kalibern und Gewehrkalibern, die aus den großen Revolvern+ Pistolen verschossen werden können, liegt die .44 Magnum noch deutlich unterhalb des Leistungsspektrums moderner Kurzwaffen, die über die gleiche Schockwirkung wie Langwaffenkaliber verfügen.
    
In den 80er Jahren konnten wir mit der .44 Magnum aus
verschiedenen Revolvern in diversen Laborierungen interessante Erkenntnisse gewinnen, bei denen das Ende der Fünfziger Jahre für den offensiven Polizeieinsatz in Amerika entwickelte Kurzwaffenkaliber ausgiebig geschossen und vor allem auch jagdlich geführt wurde. Neben dem Klassiker, dem S&W Modell 29 mit 8 3/8"+ 6,5" Lauflänge, waren der damals erhältliche Dan Wesson mit ventilliertem 8" Lauf sowie ein Ruger Super Redhawk mit 7,5" Lauf im Einsatz (die höchste Leistung mit vollen Ladungen und 15,6 Gramm schweren Geschossen konnte übrigens mit dem Dan Wesson-Revolver erzielt werden).
Der S&W zeigte darüber hinaus eine hervorragende Wirkung mit selbstgeladenen .44 Magnum Schrotpatronen mit SPEER- Schrotkapseln, die mit 2mm Schrotkugeln gefüllt waren und welche beim Buschieren mit dem Vorstehhund auf der Kaninchenjagd auf Nahdistanzen von 1-2,5m sehr gute Dienste geleistet haben. Auf diese Weise konnten mit einem .44 Magnum Revolver in dichtestem Bewuchs wie Brombeerhecken viele graue Flitzer mit geringster Wildbretzerstörung erlegt werden.
 
Übrigens, was die .357 Magnum angeht: Wer eine 10mm dicke Stahlplatte aus C45er Werkzeugstahl mit einem 6" .357 Magnum und sog. "panzerbrechender" Winchester Vollmantelspitzpatronen beschiesst, wird vom Ergebnis sehr ernüchtert sein: Die Geschosse prallen ab und die Einschläge ergeben nicht mal ein Delle im Stahl (!). Zum Vergleich: die gleichen Stahlplatten werden von der 8x57IS sowohl mit Voll- als auch mit Teilmantelpatronen sauber durchschlagen.



Anforderungen an jagdlich geführte Kurzwaffen

Wer vor der Entscheidung einer Neuanschaffung für eine Kurzwaffe mit "Backup-Tauglichkeit" für die Auslandsjagd oder Sauen steht, sollte das aktuelle Angebot an starken Kurz- oder Langwaffenkalibern nutzen. Auf diesem Sektor hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan.    

Die o.a. Kaliber haben aufgrund ihrer hohen Energie in Verbindung mit den schweren Geschossen die nötigen
Sicherheitsreserven bei der Schock- und Wundwirkung in Verbindung mit hohen Wundkanaltiefen. Ausserdem kann man diese starken Kurzwaffenkaliber mit etwas Schiesstraining durchaus sicher einsetzen und mit dem richtigen Holster praktikabel auf der Jagd führen.

Die ideale "Backup-"Kurzwaffe
Sie sollte auch über ein ausreichendes Gewicht und eine günstige Gewichtsverteilung, sprich Vorderlastigkeit verfügen, was je nach Modell mit einer Lauflänge von
mindestens 4 Zoll der Fall ist, besser länger. Sehr gut eignen sich wuchtige und ausreichend schwere Revolver ab 1600g mit Lauflängen von 6-10 Zoll.

Grundvoraussetzungen:

1) Waffengewicht
2) Rahmenergonomie  
3) Individualisierung
4) Handhabungssicherheit
5) Anwendungsgerechtes Training

Pistolen und Revolver
Zu empfehlen sind Revolver wie z.B. der Ruger Super Redhawk in der Standardversion oder als Modell Alaskan im Kaliber .454 Casull oder .480 Ruger und mit Einschränkung auch Taurus- Revolver, die allerdings hinsichtlich Verarbeitung und Mechanik des Schloßwerkes nur am unteren Ende der Qualitätsskala rangieren, wie z.B. der Taurus Raging Bull. Toprevolver im Sinne eines guten Preis- Leistungsverhältnisses sind die BFR Magnum Research Revolver, z.B. in den Kalibern .454 Casull, .475 Linebaugh und .480 Ruger. Diese Revolver sind auch mit Lauflängen bis 7,5" noch gut zu führen und mit etwas Training nach relativ kurzer Zeit effektiv und sicher zu beherrschen.

Ein interessanter Revolver im Sinne eines breiten Einsatzspektrums ist u.a. der TAURUS RAGING JUDGE. Dieser Revolver ist wie die langrahmigen S&W Revolver in .460 und .500 S&W Magnum ebenfalls mit einer langen Trommel ausgestattet, die es ermöglicht, sowohl Patronen Kaliber .454 Casull (abwärtskompatibel natürlich auch .45 Colt, was wir allerdings aufgrund der Ringerosion in den Kammern allerdings nicht empfehlen), als auch Schrotpatronen Kaliber .410 zu verschiessen (und noch weitere Spezialmunition, siehe weiter unten). Der Revolver ist mit einer Lauflänge von 6" noch kompakt genug für den praktischen Jagdeinsatz auf Nachsuchen und mit knapp 2.000g ausreichend schwer, die starke .454 auch ohne Kompensator problemlos zu beherrschen. Begünstigt wird dies durch die relativ mild geladene Fabrikmunition, die in Bezug auf den Arbeitsgasdruck der Patrone deutlich reduziert wurde (natürlich kein Vergleich zu den "Full-House" Ladungen von FA): =>
M513<=

Wie oben bereits angedeutet, kann man damit außer .410er Schrotpatronen auch die HORNADY-Spezialmunition "CRITICAL-DEFENSE", eine Munition mit einem Flintenlauf-Sluggeschoss und 2 Rundkugeln zu Verteidigungszwecken verschiessen: =>
TRIPLE DEFENSE<=
     
Bestens geeignet ist auch die Magnum Research Desert Eagle (ehemals "Desert Storm")- Pistole im Kaliber .50 Action Express. Durch ihre Bauweise steht diese Pistole in Bezug auf Kompaktheit und Leistungspotential ganz oben auf der Effektivitäts-Skala und ist aufgrund des enorm hohen Schockwirkungsindexwertes z.Z. als d i e Gebrauchspistole für den jagdlichen Einsatz zur Nachsuche und Backup-Kurzwaffe für gefährliches Wild einzustufen.    

Allerdings muss noch erwähnt werden, dass die Taurus und die S&W-Revolver zwar mit wirkungsvollen hochschlagreduzierenden, aber gleichzeitig den Schussknall erhöhenden Kompensatoren ausgestattet sind. Das aktuelle Paradekaliber .500 S&W Magnum im Smith & Wesson Modell mit X-Rahmen gibt es von 4"-10,5" Lauflänge.

Übrigens haben
Double Action-Revolver in den stärksten Kurzwaffen- oder Gewehrkalibern gegenüber Single Action-Revolvern keinerlei Vorteile, und zwar aus folgenden Gründen:
1) Ein gezielter Schuss mit einem Double Action-Abzug ist durch den viel höheren Abzugswiderstand deutlich schwieriger als bei einem vorgespannten Abzug im Single Action-Modus.   
2) Das Spannen des Hahns dauert nur etwa 1 Sekunde.
3) Jede Faustfeuerwaffe in einem starken Kurzwaffenkaliber muss nach dem Schuss auspendeln, damit die Mündung wieder nach unten und dann wieder aufs Ziel gebracht werden kann. Während dieser Abwärtsbewegung bleibt genügend Zeit, den Hahn wieder zu spannen.  


BFR-Revolver in .45-70 Government +Schulterholster

Waffen in voll tauglichen Fangschusskalibern
Sehr gute Revolver für den rauhen jagdlichen Einsatz gibt es von Magnum Research (BFR) in Kurz- und Langwaffenkalibern:
- .454 Casull
- .50 Action Express
- .444 Marlin
- .45-70 Gvt
- .450 Marlin
- .460 S&W
- .480 Ruger
- .500 S&W Magnum


Die Single Action-Revolver sind sehr stark konstruiert und aus rostträgem Edelstahl gefertigt. Die Modelle im Kaliber .454 Casull und .50 Action Express besitzen einen normal langen Rahmen mit 7,5" Lauflänge. Die langrahmige Variante für Gewehrkaliber wird in den Lauflängen von 7,5" und 10" angeboten.
(siehe auch Kapitel =>
BFR .45-70 Gvt.<=)

Fazit
Wer seine Kurzwaffe als Notbehelf zum Fangschuss wie z.B. auf angefahrenes, bewegungsunfähiges Wild nutzen will, kann dazu gut die .357 Magnum oder .44 Magnum aus dem Revolver oder aus der Pistole die 9mm Parabellum, besser noch eine 10mm Auto oder .45 ACP (mit +P-Ladungen) nutzen.

Möchte man jedoch die Waffe zur Nachsuche auf starkes und wehrhaftes Wild führen, gibt es keine Kompromisse. Dann sind starke Kaliber gefragt, welche die gleiche Schockwirkung wie ein Gewehrkaliber erbringen, d.h. mind. 200er Indexwerte. Hier bieten sich Kaliber wie .454 Casull, .480 Ruger, .444 Marlin, .45-70 Gvt., .50 Action Express oder .500 S&W Magnum an, um einige zu nennen.   

Wem das alles "zuviel des Guten" ist, sollte zur Nachsuche besser eine möglichst handliche und kurze Büchse führen und seine Kurzwaffe lieber zu Hause lassen!


 
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