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Kaliberwahl

Jagd

Vorwort
Die Kaliberfrage ist d a s leidige Thema schlechthin unter jagdlichen Schützen. Einige Gründe dafür sind z.B. die Faszination, welche sowohl von den Patronen als auch von den verfügbaren Waffen ausgeht. Leider führen mangelnde Information und Kenntnisse über Kaliber, oft gepaart mit naiver Gutgläubigkeit gegenüber den werbenden Waffen- und Munitionsherstellern zu jagdlich unbrauchbaren und unzweckmäßigen Waffen- und Kaliberverwendungen. Wenn man sich die Kaliber- und Waffenkombinationen anschaut, welche von so manchen Jagdkameraden in bester Absicht geführt werden, graust es einem bei der Vorstellung, was unser Wild ausbaden muss.

Was passiert, wenn diese Kombinationen angewendet werden, sind Misserfolge, die nur zu oft in einem jagdlichen Desaster enden. Dazu ist ausnahmslos jedes krankgeschossene oder verlorene Stück zu zählen, das auf dieses Konto geht. Ganz besonders schmerzlich ist allerdings der Verlust eines Stückes auf der Auslandsjagd. Und wenn das Kind dann in den Brunnen gefallen ist, wird überall gesucht: die Munition war Schuld, der Büchsenmacher hat die Waffe falsch ausgestattet, und und und...

Dass es vielleicht auch an der
Grundsätzlichkeit in Bezug auf das verwendete Kaliber gelegen haben könnte, scheint dabei völlig unterzugehen. Die nachfolgenden Ausführungen sind unter diesem Aspekt zu sehen, d.h. dem Schwerpunkt des einzusetzenden Kalibers.

Erfahrungen mit JASW

Nicht wenige jagdliche Schützen möchten nur e i n e Waffe und e i n Kaliber für das ganze jagdliche Spektrum. Manche nehmen auch die Herausforderung an, verschiedene Kaliber erst gar nicht mit unterschiedlichen Waffen zu führen, sondern mit nur einer Basiswaffe und Wechsellaufsystemen zu arbeiten (ein fataler Irrtum). Es stellt sich auch die Frage, ob es überhaupt so etwas wie ein "Universalkaliber" gibt und ob es ausreicht, sich im Segment der üblichen Jagdkaliber umzuschauen.

Aber längst nicht jeder kann die ganze Diskussion um Jagdkaliber nachvollziehen. Es sind vor allem diejenigen unter uns, die ihr Kaliber seit vielen Jahren im Einsatz haben und damit vollkommen zufrieden sind. Oftmals führen sie lediglich ein Kaliber mit selten mehr als einer Waffen- und Geschosskombination, auch wenn hier, wie bei allem, eine gewisse Grauzone existiert. Diese beinhaltet z.B. krankgeschossenes Wild oder nicht bzw. ungenügend nachgesuchte Stücke, die verlorengegangen sind (im Glauben, vorbeigeschossen zu haben).

Aber zurück zu denjenigen, die gute Erfahrungen mit ihrem Kaliber gemacht haben.
Es gibt kanadische Jäger, die ihr gesamtes Jägerleben lang mit Büchsen des umgebauten Krag-Jörgensen Systems im Kaliber .30-40 Krag führen und damit problemlos alles Wild vom Mule Deer bis zum Grizzly erlegt haben. Aufgrund solcher Erfahrungen gibt es für diese Schützen überhaupt keine Notwendigkeit, auf andere Kaliber umzusteigen.  

Nicht wenige Inuits schiessen ihre Seerobben inkl. Eisbären mit der .223 Remington und schwören auf diese Patrone. Sie achten immer darauf, präzise abzukommen und dabei möglichst wenig vom wertvollen Pelz zu zerschiessen.

Unter den gestandenen Jägern "der alten Schule" gab und gibt es teilweise noch diejenigen, die mit der 9,3x72R zur vollen Zufriedenheit alles Hochwild (einschließlich schwere Keiler und kapitale Hirsche) erlegt haben. Solche Beispiele könnte man noch beliebig fortführen. Sind diese Fälle nicht ein Beleg dafür, dass es im Grunde auch ohne starke Magnums oder "Riesenkaliber" geht?   

Beispiel für ein "uneingeschränkte Universalkaliber"
Bewaffnen wir uns also nur mit einem Kaliber und betrachten dazu einfach die 7x57 als völlig ausreichend auf alles Wild der Erde. Angenommen, wir verwenden dazu ein Geschoss, das ein dem Kaliber entsprechendes optimales Verhältnis von Energieabgabe und guter Tiefenwirkung liefert (aufgrund eines Testbeschusses von Gelatine, so wie es die Munitions- bzw. Geschosshersteller anbieten).  
Dann führen unser gestandenes Mauserkaliber auf zunächst auf Rehwild, später auf Hochwild einschl. Rothirsch und Sauen. Das Rehwild liegt mit augenblicklicher Wirkung auch bei wildbretschonenden Schüssen hinter die Blattschaufeln. Auch die Wirkung auf Rotwild und Überläufer ist gut. Nur bei schweren Stücken sind die Fluchtstrecken bei Schussentfernungen innerhalb von 130 Metern bei gutem Treffersitz etwas länger. Hier ist allerdings kein Ausschuss mehr vorhanden. Aber das kann uns doch egal sein, solange das Stück liegt oder?

Nun nehmen wir unsere Waffe zur Elchjagd mit und haben auf Distanzen bis zu 60 Metern ebenfalls zufriedenstellende Ergebnisse mit akzeptablen Fluchtstrecken.
In Namibia führen wir unsere 7x57 nun auf Springbock, Kudu, Warzenschwein und Zebra auf Entfernungen bis 150 Metern. Auch hier können wir absolut zufrieden sein: alle Stücke liegen entweder am Anschuss oder innerhalb kurzen Entfernungen vom Anschuss. Bis auf den Kudu und das Zebra sogar mit Ausschuss.

Jetzt wollen wir es wissen und jagen mit Vollmantelgeschossen auf Büffel+ Elefant. Auf den Büffel platzieren wir auf einer Entfernung von 20 Metern den Schuss frontal unter den Helm und beim Elefanten auf einer Distanz von 12 Metern seitlich eine handbreit neben den Gehörgang. Beide beschossenen Stücke gehen mit einem Schuss zu Boden. Jetzt sind wir absolut sicher: die 7x57 ist unbestritten eine Patrone für alles Wild der Erde oder...? Jetzt stellt sich nur die Frage, aus welchen Gründen es so viele andere, größere und stärkere Kaliber gibt? Man kann doch alles bequem mit einer Patrone wie der guten 7x57 erlegen?!

Warum also verschiedene Kaliber?
Auch wenn die oben beschriebene Schlussfolgerung natürlich überzogen formuliert, kann man daran gut erkennen, wie schnell man sich trotz unbestreitbarer jagdlicher Erfolge in falscher Sicherheit wiegen kann.

Eine scheinbar gute+ zuverlässige Wirkung ist hauptsächlich den gegebenen Umständen zu verdanken, z.B. wenn die Stücke bei Ansitz und Pirsch in ruhigem Gemütszustand auf kurze bis mittlere Schussdistanzen beschossen wurden und immer ein günstiger Treffersitz realisiert werden konnte (Schusswinkel).

Natürlich muss hier auch das Geschoss "mitspielen". Mit einem Geschoss, das nicht zielballistisch angepasst deformiert und sich nicht richtungsstabil im Wildkörper verhält, führt zu schwierigen oder erfolglosen Nachsuchen, von der unnötigen Qual des beschossenen Stückes ganz zu schweigen.    

Aber wie sieht es aus, wenn die 7x57 während einer Drückjagd auf flüchtiges, gehetztes oder verletztes Wild eingesetzt wird oder bei einer Nachsuche? Wenn die Schussentfernung deutlich weiter ist als normal? Wenn der Schusswinkel schräg durch den Wildkörper läuft oder sich der Treffersitz im Randbereich der letalen Zone oder daneben befindet? Was würde passieren, wenn man das Gehirn eines Büffels oder das eines Elefanten verfehlt, könnte man einen Angriff mit einem solchen Kaliber überhaupt noch sicher stoppen?

Natürlich nicht. Denn auch in diesem Fall müsste man wieder von perfekten Umständen in Bezug auf Treffersitz und Schusswinkel ausgehen, damit das Geschoss das Ziel und somit seine Wirkung erreicht. Überdies wäre es auch (völlig zurecht) illegal.

Damit sind wir beim Hauptgrund für die Auswahl von verschiedenen Kalibern angelangt:

Die Leistungsreserven
Beispiel:
Niemand von uns käme auf die Idee, ein Auto zu kaufen, mit dem man nur bei schönem Wetter ohne Gegenwind und nur bis zu einer leichten Steigung, die Beladung auf das Kilo genau berechnet, fahren kann oder?

Dass mit einem größeren Kaliber grundsätzlich auch die Energiewerte steigen, ist erst einmal zu vernachlässigen. Es geht primär darum, die notwendige Flexibilität für unterschiedliche Jagdsituationen sowie für nicht optimal Wundkavernendurchgänge zu haben, um trotzdem eine sichere zielballistische Wirkung zu bekommen. Es kann deshalb nie ein Universalkaliber (wer hat sich bloß so einen Unsinn ausgedacht?) geben, sondern viele verschiedene Kaliber, die man bestimmten Verwendungsgruppen in Bezug auf Wild- und Jagdarten zuordnen kann.

Einem Kaliber kann man also keine generelle, d.h. umfassende Eigenschaft zuweisen. Hierzu muss man zunächst den Einsatzbereich betrachten. Beispiel: Eine .25-06 kann in der Hand eines besonnenen Schützen ein ganz hervorragendes Kaliber für eine breite Palette verschiedener Wildarten, inkl. starkem Hochwild sein, wenn sie unter bestimmten Voraussetzungen für die Ansitz- und Pirschjagd genutzt wird.
Aber: Bei anderen Bedingungen oder bei der Auslands- oder Bewegungsjagd sieht das schon völlig anders aus!   

Fazit:
Natürlich haben die Munitions- und Geschosshersteller für alles eine Antwort und bieten auf ihren Angebotsseiten sog. "Kaliber- und Geschossfinder" zur Verkaufssteigerung ihrer Produkte an.

Bis heute gibt es allerdings kein Berechnungsprogramm, dass auch nur annähernd alle Faktoren berücksichtigt, die tatsächlich notwendig sind, um beispielsweise ein wirklich passendes Kaliber in Kombination mit dem zu verwendeten Geschoss zu selektieren. Es ist schon deshalb nicht möglich, weil viele maßgebende Parameter nicht berücksichtigt werden können und sich durch die Kombination bereits große Veränderungen in der Wirkung ergeben.

Hier hilft der Erfahrungsschatz aus der Jagdpraxis. Mit Informationen aus einem umfangreichen Wissen kann eine ideale Kaliberwahl das volle Potential und gleichzeitig zu einer schrittweisen Verbesserung der eigenen Schiessfertigkeit, Übungen für eine fließende+ sichere Waffenhandhabung führen. Die beinhaltet auch das Trainieren von Störungsbeseitigungen. Nicht zuletzt ist vor allem ein überlegtes und verantwortungsbewusstes Handeln erforderlich.

Das Schiessen auf der Jagd im Sinne von sauberen, erfolgreichen Erlegungen ist ein wichtiger Teil des jagdlichen Handwerkes, das von jedem jagdlichen Schützen erst erlernt werden muss!  
  


Nächstes Kapitel:
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