Hornady Superformance - JASW

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Hornady Superformance

Tests

Hornady Superformance-Munition

Wie bei der Leverevolution von Hornady wird die Superformance vom Hersteller mit höherer Leistung angepriesen. Dabei sollen die Patronen ein deutliches Plus an Geschossgeschwindigkeit ohne erhöhten Gasdruck erbringen, und dass, ohne mehr Rückstoss und Mündungsfeuer zu verursachen. Das sind sehr hohe Ansprüche und es würde einer kleinen munitionstechnischen Sensation gleichkommen.


Hornady Superformance Munition im Kaliber .30-06

Das "Mehr" an propagierter Mündungsgeschwindigkeit von 60m/s (!) kann in erster Linie nur durch ein spezielles Pulver umgesetzt werden, das durch den höchst zulässigen Gasdruck der Patrone begrenzt wird. Hornady gibt an, dass die verwendete Treibladung auf verschiedenen IMR-Nitrozellulosepulvern aus den 1930er Jahren basiert, die zusätzlich mechanisch behandelt werden.


Die Pulverladung sei nur geringfügig höher als bei normalen Patronen. Ein Test im Kaliber .300 Winchester Magnum, dessen Lauf auf 51cm gekürzt war, hätte ergeben, dass der Geschwindigkeitsverlust von 5,5 m/s auf 25,4mm Lauflänge nur 33-50% gegenüber dem Verlust von normalen Pulvern betragen würde. Dies trotz der Tatsache, dass es sich um ein progressives Pulver handelt.


Nun stellt sich die Frage, wie das Plus an Mündungsgeschwindigkeit bei gleichem Druck wirklich erreicht wird. Im Idealfall ist die Treibladung beim Verlassen des Geschosses bereits an der Laufmündung verbrannt und hat sich vollständig in Gase umgewandelt. Hornady behauptet aber, dass die Leistungssteigerung der Superformance-Munition dadurch erreicht wird, dass das Pulver beim Geschossaustritt vollständig verbrennt und dem Geschoss dadurch einen zusätzlichen Schub gibt. Gleichzeitig soll diese Tatsache noch dazu beitragen, weniger Rückstoss und Mündungsgasdruck zu produzieren... allerdings sträuben sich bei diesen Erklärungen schnell die Nackenhaare. Denn nach unserer Erfahrung ist genau das Gegenteil der Fall: Die Geschossgeschwindigkeit nimmt ab und Rückstoss sowie Mündungsfeuer nehmen deutlich zu, je mehr Pulver an der Mündung verbrennt!

Das NC-Pulver für die Superformance-Munition wird übrigens von dem amerikanischen Pulverhersteller Hodgdon hergestellt und auch unter dem gleichen Namen verkauft. Das Abbrandverhalten des Pulvers soll im Bereich des Hodgdon H414 und Accurate 4350, etwa am Anfang des oberen Drittels von Nitrozellulosepulvern liegen (hinsichtlich der progressiven Einordnung). Interessanterweise findet man aber nur sehr wenige Laborierungen mit dem Superformancepulver, welche damit auch die höchsten Mündungsgeschwindigkeiten erbringen.

Diese Tatsache legt die Vermutung nahe, dass man in der Superformancemunition lediglich ein normales progressives NC-Blättchenpulver mit einer feinen Körnung für einen degressiven Abbrand genommen und zusätzlich mit einem speziellen Oberflächenmittel zur Steuerung des Abbrandes beschichtet hat.




Die Hornady Superformance Munition im Kaliber .30-06 mit 180grs Interbond- Geschoss mit Polycarbonatspitze ist eine Pressladung mit 61,5 grs des gleichnamigen Hodgdon-Pulvers. Das Pulver ist sehr feinkörnig und ähnelt stark dem Pulver, das auch in der Hornady Leverevolution- Munition verladen wird. Das Superformance ist ein progressives NC-Pulver. Es brennt unverdämmt sehr langsam ab, sogar deutlich langsamer als jede andere Pulversorte. Im Vergleich dazu ist das R904 deutlich schneller. Auch das IMR4831 und selbst das sehr progressive IMR7828 sind im unverdämmten Abbrandverhalten noch schärfer. Das Superformance ist also ein wirklich sehr progressives, extrem langsam abbrennendes NC-Pulver.       


Das Superformance-Pulver ist ein feines Gemisch eines runden Kugel- und Plättchenpulvers.

Test
Um zu sehen, was die Superformance tatsächlich leistet, haben wir die Hornady SF-Munition im Kaliber .30-06 mit einem 180grs Geschoss in einem kurzen Lauf getestet. Von dem angegebenen Vo-Wert von 860 m/s aus dem 24" langen Meßlauf kamen aus einem 52cm kurzen Stutzenlauf verschossen immerhin noch ca. 800m/s heraus, was den mit unseren ausgesuchten Pulvern geladenen Handlaborierungen ebenbürtig ist. Der Leistungsverlust zum Referenzlauf beträgt damit etwa 7%, für eine Fabrikpatrone ebenfalls ein recht guter Wert.


Allerdings fällt der Rückstoss durch das verwendete langsam abbrennnende Treibladungspulver deutlich stärker aus. Das Mündungsfeuer ist zwar sichtbar, brennt aber noch recht kurzflammig ab und ist somit für den jagdlichen Einsatz noch tolerabel. Auffallend war auch der starke Pulvergeruch.


Die abgeschossenen Hülsen ließen sich problemlos aus dem Patronenlager herausrepetieren, ohne Beschädigungen wie Abdrücke, Materialaufstauchungen oder Rissen an der Hülse. Auch das Zündhütchen zeigte keinerlei Anzeichen von Überdruck, ganz im Gegenteil: der Arbeitsgasdruck bewegt sich keineswegs am oberen Limit. Die Munition von Hornady ist von sehr guter Qualität: solide, gleichmäßig und selbstverständlich im Rahmen der CIP-Zulassung. Die in Internetforen kursierenden Behauptungen bezüglich angeblicher Schwachstellen oder Zulassungsprobleme bei Hornady-Munition kann man ruhigen Gewissens ignorieren.


Eckdaten und Meßwerte
Kaliber: .30-06
Waffe: Repetierbüchse mit 52cm Lauflänge
Munition: Hornady Superformance mit 180grs 11,7Gramm Teilmantel Interbondgeschoss mit Kunststoffspitze
Werte aus 5 Schuss, gemessen 3m vor der Mündung:
Vmin: 798 m/s
Vmax: 810 m/s
Mittlere Mündungsgeschwindigkeit: Vo 803 m/s
(Fabrikangaben aus 61cm Messlauf: Vo 860 m/s)


Fazit:
Man kann den Ingenieuren von Hornady bzw. vom Pulverhersteller Hodgdon durchaus einen gewissen Respekt zollen. Die Superformance leistet tatsächlich mehr als normale Fabrikmunition. Das Erfolgsrezept scheint in der größeren Abbrandfläche des feinen Pulvers und in der hohen Schüttdichte in Verbindung mit einer Oberflächenbehandlung zum verbesserten Abbrandverhalten zu liegen.
In Verbindung mit den strömungsgünstigen Interbondgeschossen mit verlötetem Mantel ist die Superformance durchaus eine interessante Alternative für alle Nichtwiederlader, die sich die stärkste Jagdmunition mit gestreckter Flugbahn für weite Schüsse für Ihr Kaliber wünschen. Auch das Preis- Leistungsverhältnis der Munition ist gut.


Allerdings ist die Verwendung auf ausreichend schwere Waffen mit normal langen Läufen beschränkt. Es wird einfach zu viel Pulvermasse verbrannt. So überwiegt besonders bei leichten Büchsen und/oder kürzeren Läufen der Nachteil des merklich höheren Rückstoßes. Es lohnt es sich für rückstossempfindliche Schützen in jedem Fall, sich Gedanken über sinnvolle Modifikationen an der Waffe zur Rückstossminderung zu machen.

Hier sind alle Wiederlader im Vorteil. Sie können mit ausgewählten Laborierungen Ihren Patronen, u.a. mit auf die Lauflänge abgestimmten Pulvern die gleiche Leistung erzielen. Allerdings mit dem Unterschied zur Superformance, dass damit gleichzeitig ein deutlich angenehmeres Schussverhalten erreicht wird.  
 


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