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Geschosswahl

Jagd

Vorwort
Die Komponente Geschoss spielt bei jedem Schuss auf Wild eine ganz entscheidende Rolle. Der Stand der heutigen Geschosstechnik hat durch moderne Konstruktionen die allgemeine zielballistische Leistungsfähigkeit stark verbessert und damit auch die einzelnen Kaliber aufgewertet. Die Bedeutung dieser Thematik wird in der Jägerschaft allerdings sehr unterschiedlich aufgenommen und gehandhabt.  

Hier gibt es u.a. diejenigen, die ihr Kaliber mit einem bestimmten Geschosstyp seit vielen Jahren erfolgreich und meistens ohne nennenswerte Zwischenfälle führen und der Thematik deshalb keine große Bedeutung beimessen.
Der überwiegende Teil wählt das Geschoss nach dem bestehenden Angebot auf dem Munitions- und Geschosssektor aus. Dann gibt es noch jene jagdliche Schützen, welche ausschliesslich ein spezielles Geschoss als das einzig verwendbare Jagdgeschoss für alle Einsatzbedigungen und Kaliber ansehen.    

Auch die Geschosshersteller haben das Verkaufspotential im Jagdgeschoßsektor erkannt und bieten auf ihren Angebotsseiten sog. "Kaliber- und Geschossfinder" an. Es gibt aber keinen "Konfigurator", der alle wichtigen Faktoren berücksichtigt, die notwendig sind, um das t a t s ä  c h l i c h passende Geschoss für eine bestimmte (oder mehrere jagdliche Anwendung(en) zu selektieren. Dies ist nicht verwunderlich, denn dazu spielen zu viele Einflussgrößen eine Rolle. Bereits kleine Veränderungen von maßgebenden Parametern ergeben eklatante Wirkungsunterschiede bei der Schusswirkung!

Erfahrungen mit JASW

Geschossarten
Zeitgemäße, moderne Jagdgeschosskonstruktionen basieren auf 3 zielballistisch bewährten Geschossgrundkonstruktionen:
1) Deformationsgeschosse
2) Penetrationsgeschosse
3) (Voll)zerlegungsgeschosse


Expansionsgeschosse
Zur ersten Kategorie zählen alle Teilmantelgeschosse mit einem ein- oder mehrteiligen Bleikern oder einer anderen Legierung mit einer hohen Dichte, die von einer Mantelkonstruktion umgeben ist. Ebenfalls dazu sind Deformationsgeschosse einzuordnen, die aus einer homogenen, weichen Metalllegierung geringerer Dichte als das Kernmaterial von Teilmantelpatronen bestehen wie z.B. bleifreie Geschosse.

Penetrationsgeschosse
Bei den Vollmantelgeschossen lag das Hauptproblem schon immer an der mangelnden zielballistischen Richtungsstabilität. Im Fall von Treffern bei bestimmten Faktoren wird der Mantel angestaucht. Dies hat zur Folge, dass der weiche Bleikern nachgibt, teilweise oder sogar ganz herausgequetscht wird. In beiden Fällen kann der Kern dem Mantel nicht mehr genug Unterstützung gegen eine Deformation in Form von Biegungen oder Faltungen geben. Derart verformte Geschosse sind dann nicht mehr dazu in der Lage, ihre Richtungsstabilität beizubehalten und kommen unweigerlich vom Kurs ab. Dazu reicht bereits schon eine ganz leichte seitliche Stauchung.

Einige Hersteller wie z.B. Degol, Hornady und Woodleigh haben zwar im Laufe der Jahre das Verhältnis von Mantelstärke zum Kammervolumen mit der Bleifüllung stetig optimiert, in dem der Mantel dicker ausgeführt und die Bleimasse reduziert wurde, aber eine 100%ige Sicherheit gegen Geschossversagen gibt es auch mit diesen Vollmantelkonstruktionen nicht.

Aus diesem Grund werden immer mehr Massivgeschosse angeboten, die aus einer festen Legierung wie z.B. Messing bestehen und durch ihre Zuverlässigkeit einen wahren Siegeszug angetreten haben, was den Marktanteil angeht. Homogene Solids deformieren oder verbiegen sich nicht, auch wenn es mal "richtig zur Sache" geht. Die absolute Zuverlässigkeit dieses Verhaltens können wir aus der Praxis nur bestätigen.    
     

Varmintgeschosse (Vollzerleger)
Dies sind stark deformierende Geschosse, die keinen definierten bzw. kontrollierten Expansionsgrad aufweisen und Vollzerlegungsgeschosse. Beide Konstruktionen oder Geschosse, die sich in der zielballistischen Situation wie solche verhalten, verbleiben bei sehr hohen Zielgeschwindigkeiten in Gänze in Form von abgesprengten Geschossteilen im Wildkörper. Durch die großflächige und kurze Wundkaverne ergeben diese Geschosse eine ungleich bessere Augenblickswirkung als Vollmantelgeschosse. Diese Wirkung tritt jedoch nur in dem Fall ein, wenn die Geschosspartikel im Brustraum des Stückes dazu in der Lage sind, die Hauptorgane des HK-Systems zu erreichen.  

Einschränkung dieser Verwendung:
Der eklatante Nachteil dieser Geschosse ist allerdings der fehlende Ausschuss. Bei ungünstigen oder schlechten Treffersitzen, die auf der Jagd leider nie auszuschließen sind, sorgt ein fehlender Ausschuss ohne eine Schweissfährte immer für schwierige Nachsuchen, die sehr oft ergebnislos abgebrochen werden müssen.   

Technische Weiterentwicklungen  
Sowohl Teilmantel- als auch Vollmantelgeschosse haben im Laufe der Jahre aufgrund von Praxiserfahrungen stetige, und insgesamt gesehen teilweise wirklich enorme Verbesserungen erfahren. Hauptgrund für das Versagen von einfachen Teilmantelgeschossen ist die Problematik der zu starken Deformation und Mantel-Kern Separation im Zielmedium Wildkörper. Die Folge dieser Mängel sind Geschossablenkungen, mangelnde Tiefenwirkung und fehlender Ausschuss für eine sichere Schweissfährte.

Hauptkriterien für die richtige Geschossauswahl
Die Situation für die Auswahl geeigneter Jagdgeschosse hat sich in den letzten Jahren stetig verbessert. Die besten Ideen und Impulse kommen weiterhin aus den USA, wo der Trend zu guten Geschossen bereits Anfang der 90er Jahre begann und seither stetig weiterentwickelt wurde. Bis auf einige Spezialkonstruktionen aus dem deutschsprachigen Raum, die als Teilzerlegungsgeschosse oder als nichtdeformiernde Kupfer- bzw. Messinggeschosse mit einer wundersamen "hydrodynamischen Wirkung" angepriesen werden (was völliger Unsinn ist, da man durch die geometrische Form eines Geschosses alleine in der Jagdpraxis keine spürbaren Wirkungsunterschiede erzielen kann), gibt es inzwischen ein großes Angebot an Munition mit sehr guten und bewährten Deformationsgeschossen.
 
Ausnahmslos jede Geschosskonstruktion hat ihre Stärken und Schwächen. Es hängt u.a. davon ab, welche Wildarten bejagt werden sollen, wie die Revierverhältnisse sind und welche Jagdarten betrieben werden. Entscheidend ist vor allem die Frage, welches Kaliber eingesetzt wird. Hier gibt es nach unseren Erfahrungen leider immer noch eklatante Unverträglichkeiten in Bezug auf das Verhältnis von Kaliber zu Geschoss. Man sollte sich nicht einfach blind auf den Verwendungszweck verlassen, der für das Kaliber vom jeweiligen Hersteller angegeben ist.

Es ist für einen Anbieter unmöglich, alle erdenkbaren Anwendungsfälle mit den entscheidenden Parametern zu erfassen und die dazu erforderliche Produktpalette anzubieten. Insofern profitiert man als jagdlicher Anwender zwar von den am Markt erhätlichen Geschosspalette, aber: die Herstellerempfehlungen sind nur als grobe Richtungsweiser und unter dem Aspekt des korrekten Geschossverhaltens im Idealfall anzusehen. Es ist zwar sehr zu begrüßen, dass sich die Hersteller bemühen, die zielballistische Wirkung ihrer Produkte hinsichtlich der Wirkungsweise in Form von schematisch dargestellten Videos oder ballistischen Tests darzustellen, jedoch sind solche Tests, bei denen mit Gelatine, Seife oder nassem Papier gearbeitet wird, immer nur für ein spezielles Verhalten im Testmedium aussagefähig. Über die tatsächliche Leistungsfähigkeit und die Belastung eines Geschosses in der Jagdpraxis sind solche Tests nur wenig aussagekräftig.

Jagdliche Erfahrungen
In der jagdlichen Praxis verhält sich kein Geschoss so, wie es in diesen Tests gezeigt wird! Wir haben bisher nicht ein einziges Geschoss aus Stücken oder dem Kugelriss bergen können, das so aussieht, wie es auf den Fotos der Hersteller oder nach einem Gelatineblockbeschuss gezeigt ist (weder auf der Jagd noch bei belastbaren Vergleichsbeschüssen).
Es gibt immer und mitunter sehr starke Abweichungen. Das zeigt sich schon bei Geschosstests, wenn z.B. unterschiedliche Beschussmedien gewählt werden und die Entfernung sowie der Beschusswinkel variieren. Es gilt ganz besonders für Geschossrestkörper, die man auf der Jagd findet. Die Restgeschosse aus Stücken oder die beim Ausschuss aus dem Boden hinter erlegten Stücken geborgenen Geschosse (wenn man das seltene Glück hat, sie zu finden) sehen immer völlig anders aus, als auf den Abbildungen der Hersteller (willkommen in der jagdlichen Realität).

Natürlich ist hierbei der Grad des zielballistischen Widerstandes sowie der Bodenbeschaffenheit zu berücksichtigen. Deformationsgeschosse sind unabhängig von Typ und Hersteller immer einer höheren zielballistischen Belastung ausgesetzt, insbesondere dann, wenn sich die Jagdbedingungen durch ungünstige Einflüsse verändern. Im jagdlichen Einsatz trennt sich in diesen Fällen sehr schnell die Spreu vom Weizen. Und genau hier entscheidet sich der jagdliche Erfolg oder Mißerfolg durch das Bestehen oder Geschossversagen.

Dazu zählen bei Deformationsgeschossen starke, ungleiche Verformungen und Biegungen im mittleren+ hinteren Geschossteil, Abplättungen an Geschossspitze bis zum Mittelteil, Absplitterungen sowie Zerlegungen. Es ist fast schon erschreckend, wie schnell man selbst gebondete Geschosse an ihre Grenzen bringen kann. Ausnahmslos
jedes Geschoss, sei es noch so gut, kann bei der falschen Anwendung versagen. Damit kann jeder jagdliche Traum zerstört werden oder noch viel schlimmer: es kann die Lebenstrophäe kosten.

Man sollte daher immer sehr vorsichtig sein und sich niemals blind auf die Aussageempfehlungen ballistischer Standardtests verlassen. Auch die allermeisten Erlegungsberichte aus den Internetforen sind viel zu ungenau, weil viele Angaben fehlen und überdies die Richtigkeit solcher Angaben nicht überprüfbar ist.    

Was die Sache extrem schwierig macht, ist die Tatsache, dass es auf der Jagd sehr viele Einflüsse und Parameter gibt, die in der Summe aller Kombinationen möglich sind. Zwar sind waffen- und munitionsseitige Grundfaktoren wie Lauflänge und die erzielbare Mündungsgeschwindigkeit für ein Geschoss elementar, aber längst nicht alles. Hier kommt es  auf wichtige Details aus der Anwendungspraxis an.

Bei zufriedenstellenden Ergebnissen nicht wechseln
Wer mit seiner Munition und dem verwendeten Geschoss gute Ergebnisse erzielt und damit keine schlechte Erfahrungen auf der Jagd gemacht hat, braucht nicht zu wechseln und sollte auf jeden Fall erst einmal bei dieser Kaliber- und Geschosskombination bleiben. Dies gilt auch für vermeintlich veraltete Geschosse. In speziellen Kaliber- und Wildartkombinationen sowie jagdlichen Anwendungsfällen erzielt man damit sogar bessere Ergebnisse als mit manchen hoch beworbenen Neukonstruktionen.
 
Dies gilt allerdings nur dann, wenn man in diesem Fall die gesamte Palette des bejagbaren Wildes einschließlich der höchsten Gewichtsklassen erlegt hat und sich auch die jagdlichen Gegebenheiten nicht verändern.

Sollte dies nicht der Fall sein, muss man die verwendete Geschosskonstruktion mit den bisherigen Erlegungsergebnissen genauer unter die Lupe nehmen. Hierbei ist es wichtig, zu schauen, ob man bisher nur innerhalb günstigen Konstellationen gejagt hat und ob es noch z.B. auch noch für ein starkes Stück oder für eine andere Wildart ausgereicht hätte.
Auf den Prüfstand muss eine bisher erfolgreiche Verwendung immer dann, wenn die Patrone keinen Ausschuss liefert oder damit z.B. im Ausland (oder generell unter anderen jagdlichen Bedingungen) gejagt werden soll sowie bei der Verwendung auf andere Wildarten.

Fehlerquellen
Bei den veralteten Teilmantel-Geschosskonstruktionen lagen die Hauptfehler meistens im zu weichen Aufbau, zu dünnen Mänteln und vor allem bei der Kern-Mantel Separation. Dies führt bei Überschreitung des kritischen Zielwiderstands zu Geschossversagen wie Ablenkungen, Teil- oder Vollzerlegungen unterschiedlichen Ausmaßes.
  
Jetzt sollte man meinen, dass mit den verbesserten modernen, mit dem Mantel verlöteten (gebondeten) Konstruktionen diese Probleme der Vergangenheit angehören. Leider weit gefehlt: Auch die neuen Geschosse versagen sehr schnell, z.B. dann, wenn sie falsch eingesetzt werden. Dies gilt für beide Richtungen, was heißen soll, dass ein Geschoss Symptome einer mechanischen Überanspruchung zeigen kann, genauso wie die einer Unterforderung, die weniger zu Lasten des Geschosses an sich geht, als zu Lasten einer schnellen Tötungswirkung.

Ursachen für Geschossversagen von Bleikerngeschossen durch mechanische Mängel im Ziel sind z.B.:
- Stauchungen
- Torsion, Biegungen
- Einseitige Abscherungen
- Ungleichmässige Aufpilzung
- Abriss von Geschossteilen
- Erhöhte Deformation
Ursachen für Geschossversagen von bleifreien Geschossen können sein:
- Falsche Anwendung
- Abreissen von Fahnen
- Einfallen der Geschossspitze


Es sind übrigens keineswegs nur die Hochleistungs- bzw. Magnumkaliber, welche moderne Geschosse zum Versagen bringen können. Ungünstige oder auch unglückliche jagdliche Umstände zeigen sich manchmal unverhofft schon bei "ganz normalen" Mittelkalibern. Dies gilt für die Bewegungsjagd auf mittelschweres Wild und ganz besonders bei der Auslandsjagd und/oder auf schweres Wild.  
 

Bleifreie Geschosse
Beim Umstieg auf bleifreie Munition gibt es noch einiges mehr zu beachten. Bleifreie Deformationsgeschosse haben ein ganz anderes Expansions- und zielballistisches Verhalten als Teilmantelgeschosse. Das effektive Wirkungsband kann einerseits in einem anderen Bereich als bei Bleikerngeschossen liegen, andererseits verhalten sich bleifreie Geschosse wiederum völlig unterschiedlich, sowohl waffen- kaliberspezifisch, als auch in verschiedenen Anwendungsfällen. Man sollte dies bei der Auswahl und der Anwendung in jedem Fall bedenken.

Gegenüber Bleikerngeschossen sind bleifreie Homogengeschosse weitaus empfindlicher, was die zielballistische Wirkungstoleranz angeht. Das Hauptproblem ist das
Verhältnis von Energieabgabe zur Durchschlagsleistung, wodurch eine ausreichende Deformationswirkung in Verbindung mit der sicheren Penetration für den Ausschuss gewährleistet sein muss. Während die Gefahr des mechanischen Geschossversagens deutlich geringer ist als bei Teilmantelgeschossen, liegt das größte Risiko bei den homogenen Deformationsgeschossen darin, dass der Anteil der mitgeführten Energie zu hoch wird. Dies bedeutet, dass die Augenblickswirkung u.U. soweit abnehmen kann, dass die Fluchtstrecken deutlich länger werden und kaum noch eine Schweissfährte vorhanden ist. Im Falle eines ungünstigen Treffersitzes oder eines schrägen Schusswinkels wird nicht mehr das Volumen an Organen, Nerven und Blutgefäßen zerstört wie bei der größeren Wundkaverne eines normal, oder besser gesagt, ideal expandierenden Geschosses.                      

Je nach Kaliber und jagdlichem Einsatzbereich können ballistische Tests irreführend sein und von der tatsächlichen Wirkung im jagdlichen Einsatz erheblich abweichen. Hier muss man an den entscheidenden Parametern ansetzen, um gute und praktikable Ergebnisse zu erzielen.

Fazit
Für die richtige, d.h. die optimale Wahl des Geschosses müssen wichtige Dinge berücksichtigt werden. Es ist zwar zu begrüßen, dass ausser den ausländischen Munitions- und Geschossherstellern jetzt auch europäische Anbieter allgemeine Empfehlungen für den jagdlichen Verwendungszweck hinsichtlich Wildarten und Gewichtsklassen geben. Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass diese Infos nicht annähernd die Daten für die Erfordernisse zu einer optimalen jagdlichen Geschosswahl.


Nächstes Kapitel:
=>Tötungswirkung<=



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