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Fehlschüsse vermeiden

Jagd

Vorwort
"Nobody is perfect"- das Sprichwort hat seine Bedeutung für alle Handlungen, bei denen menschliche Entscheidungen und Handlungen getroffen werden. Und da machen jagdliche Schützen natürlich keine Ausnahme. Man kann Fehlschüsse oder schlecht sitzende Treffer auf der Jagd leider nie ausschließen. Sie passieren dem Anfänger genauso wie manchmal dem "alten Hasen". Das ist eine Tatsache, die man einfach akzeptieren muss. Aber: man kann alleine durch überlegtes Handeln seine Chancen für eine erfolgreiche Erlegung durchaus verbessern.
Egal wie gut man auch unter normalen Bedingungen schiessen mag: auf der Jagd gibt es Situationen, wo die normalen Schiessfertigkeiten irrelevant werden. Wir beobachten das oft bei Jungjägern, die über das Sportschiessen zur Jagd gekommen sind und sich bei den Situationen sowie den realistischen Schussentfernungen gnadenlos überschätzen.
Dies soll nicht abwertend gemeint sein.
    
Was man hier definitiv tun kann, ist, das Risiko für solche Schüsse zu minimieren. Hauptsächlich durch die
regelmäßige Kontrolle der Waffe+ Ausrüstung und durch ein ausreichendes, praxisgerechtes Training mit der Waffe.

Aber das alleine ist noch nicht alles. Die beiden wichtigsten Faktoren sind die
Einschätzung und Beurteilung jagdlicher Situationen und überlegtes Handeln!

Man kann sich nicht vorstellen, wie leichtfertig und unter welchen Bedingungen manchmal Schüsse auf Wild abgeben werden. Es sind wahre Horrorgeschichten, die uns regelmäßig von Nachsucheführern berichtet werden. Leider mit traurigem Wahrheitsgehalt: Schützen, die sich in der Wildart(!) "geirrt" haben oder die nachts bei ungünstiger Sicht Wild auf Rekorddistanz beschiessen oder diejenigen, die auf einen dunklen Klumpen Dampf gemacht haben, ohne auch nur ansatzweise Angaben darüber machen zu können, welches Stück wo+wie beschossen wurde.  

Erstaunlich ist auch die Tatsache, dass manche Jäger bei Fehlschüssen bzw. erfolglosen Nachsuchen sofort den Fehler bei der Munition bzw. dem Geschoss suchen und dabei die wichtigste Komponente, d.h. sich selbst, völlig ausser Acht lassen. So wird sehr gerne das Fehlen jeglicher Schusszeichen sowie Schweiss am Anschuss vorschnell als Geschossversagen gedeutet und die Möglichkeit eines Fehlschusses erst gar nicht in Betracht gezogen ("Ich war doch gut drauf...").

Klärung bringen ausser einer gründlich durchgeführten Nachsuche waffenseitig nur der Kontrollschuss (am besten unter gleichen Bedingungen, Schusswinkel+ Distanz sowie die 100%ige Überprüfung der Waffe durch einen Büchsenmacher. Und was das Geschoss angeht: Wenn bis zu diesem Zeitpunkt alle mit diesem Geschosss erlegten Stücke sicher zur Strecke kamen und das beschossene Stück gewichtsmäßig nicht über dem Höchstgewicht der bisherigen Stücke lag, ist ein Geschossversagen fast immer auszuschließen! Nur dann, wenn man eine neue Muntion mit einem anderen Geschoss zum ersten Mal eingesetzt hat, besteht diese Möglichkeit. Dies passiert insbesondere in den Fällen, wenn Fehler bei der Wahl von Waffe, Kaliber und insbesondere beim Geschoss gemacht wurden (siehe auch Kapitel =>Geschosswahl<=).             


Häufigste Fehler
- Zeitdruck, Stress
- Zu hohe Erwartungshaltung
- Nutzung von vermeintlich "einmaligen jagdlichen Gelegenheiten oder der "Lebenstrophäe"
- Ignorieren von Lichtverhältnissen und Wetterbedingungen
- Überschreiten der jagdlich vertretbaren Schussdistanz
- Unzureichende Beobachtung des Wildes vor der Schussabgabe
- Schlechte oder falsche Auflage beim aufgelegten, liegenden oder angestrichenen Schuss  
- Mangelnde Waffenhandhabung
- Falscher Haltepunkt
- Ungeeignete Kaliber- Geschosskombination
- Fehlverhalten nach dem Schuss
- Nichtsichern des Anschusses
- Nach dem Schuss auf ein beschossenes Stück keine Nachsuche einleiten


Schüsse auf Nahdistanz
Man sollte es nicht glauben: Wenn es ein Thema gibt, das eigentlich zu den überflüssigsten und gleichzeitig missverstandensten Sachverhalten auf der Jagd gehört, dann ist es das Verständnis im Umgang mit Schüssen auf Kurzdistanzen.

Es existieren teilweise die kuriosesten Meinungen über angeblich wichtige Haltepunktkorrekturen auf kurzen Schussdistanzen. Einige jagdliche Schützen äußern dazu die schrägsten Theorien, wie z.B., dass man bei Nahschüssen wegen dem Zielfernrohr erheblich drüber (oder drunter) anhalten müsste, damit es nicht zum Fehlschuss kommt. Sie begründeten dies mit der Flugbahn und der Geschossabweichung zu der Visierlinie.   
Es gilt hierbei ein elementarer Grundsatz:
Bei einer Jagdwaffe mit Zielfernrohr, egal auf welche Distanz eingeschossen, ist bei Nahdistanzen
keinerlei jagdliche Ziel- bzw. Haltekorrektur notwendig!
Man kann auf der Jagd bei Nahdistanzen getrost alle Korrekturen vergessen und ruhigen Gewissens dort abkommen, wo man hinschiessen will. Bitte geben Sie diese Tatsache als einfache Erkenntnis allen denjenigen weiter, die aus einfachen Gesetzmäßigkeiten eine Wissenschaft machen wollen!

Nehmen wir zum Beispiel eine 9,3x62 mit H-Mantelgeschoss, die jeweils auf 100, 150 und 180m eingeschossen ist und schauen uns die vertikale Abweichung von der Mündung bis zu einer Schussentfernung von 30 Metern an.

Selbst an der Mündung gemessen beträgt der max. Tiefschuss nicht mehr als etwa 5cm.
Für die Nahdistanzen ergeben sich:
- 5m Entfernung: ca. 4 cm
- 10m Entfernung: ca. 3 cm
- 15m Entfernung: ca. 2,5 cm

Steil abfallende oder ansteigende Schußwinkel, z.B. beim Schuss aus hohen Kanzeln oder geändebezogen talwärts:  
Auch hier existieren teilweise die skurrilsten Theorien. Eins vorweg: wir betrachten hierbei nicht die komplexen Gegebenheiten auf der Jagd im Hochgebirge oder in großer Höhe, sondern ganz "normale" Bedingungen in Inlandrevieren, wie sie bei der Jagd auf Schalenwild üblich sind und für durchschnittliche Schußdistanzen bis ca.70m.  

Bei hohen Sitzen oder Leitern kommt es bei kurzen Schußdistanzen vor, dass relativ steil nach unten geschossen werden muss. Das heißt für den Geschossdurchgang im Wildkörper, dass ein in normal hoher Position auftreffendes Geschoss auf der Einschußseite das Projektil immer tiefer in Abwärtsrichtung durch den Körper geht und als tiefsten Punkt auf der Ausschußseite wieder austritt.
Dies ist das einzig relevante Kriterium bei diesen Steilschüssen, nicht, wie fälschlicherweise oft angenommen, die aussenballistischen Komponenten z.B. bei Weitschüssen im Hochgebirge.

Gehen wir wie im Kapitel "
Tipps zum Ziel- und Haltepunkt" davon aus, dass das Geschoss bei einem angesetztem rechtwinkligen Schuss zur Längsachse des Stückes etwa in der Mitte des vorderen Schulterblattes auf der Einschußseite eintritt, werden bei der abwärts geneigten Geschossbahn im Wildkörper immer noch genug lebenswichtige Bereiche bis zum Geschossausgang erfasst.
Erst bei sehr steilen (z.B. abwärtsgerichteten) Schüssen mit einem Winkel von 45° empfiehlt sich eine ganz leichte, vertikale Zielkorrektur nach oben, aber nicht mehr als etwa 5cm!

Wer auf der Jagd diesen Haltepunkt praktiziert, kann sich sicher sein, bei einem gut ausgeführten Schuss auch von hohen Kanzeln ohne große Haltekorrekturen kein Stück zu verlieren. Dies ist in erster Linie auf den idealen Haltepunkt des Schulterschusses zurückzuführen. Es ist der einfachste und zugleich sicherste Schuss und man kann damit man im Grunde nichts falsch machen.



Nächstes Kapitel:
=>
.17HMR<=

 
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