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Erzielbare Mündungsgeschwindigkeiten

Munitionstechnik

Munition und Handlaborierungen aus der eigenen Waffe
Als jagdlicher Schütze möchten man gerne wissen, welche Mündungsgeschwindigkeit die Patronen aus der eigenen Waffe tatsächlich hervorbringen.
Hat man die Werksangaben der Munition vom Hersteller oder als Wiederlader die Ladungsangaben aus einem Wiederladehandbuch, kann man unter Berücksichtigung der entscheidenden Parameter und vergleichbaren Komponenten recht genaue Vergleiche ziehen. Hierzu sind vor allem die Lauflänge und das innenballistische Volumen der Patrone identisch sind.

Weicht die Lauflänge ab, wird es ohne gutes technisches Equipment schon deutlich schwieriger. Eine verlässliche Aussage über die echte Leistung bzw. Mündungsgeschwindigkeit ist abhängig von der Hülsengeometrie, dem Lauf, vom Abbrandverhalten des verwendeten Pulvers sowie von einigen anderen Faktoren. Es lässt sich daher leider nicht auf exakte Werte herunterbrechen.
Erfahrungen mit JASW

Daumenregel
LL
soll (cm) - LL ist (cm) x 3 = VDelta
(Einheit m/s)=>Geschwindigkeitsverlust

Als grobe Faustregel für Langwaffen gilt, die Differenz der Meßlauflänge zur tatsächlichen Waffenlauflänge mit einer Geschwindigkeitsabweichung von etwa
3m/s pro Zentimeter zu berücksichtigen.

Erst bei Lauflängen unter 35cm steigt der Geschwindigkeitsverlust deutlich an und liegt mit normal progressiven NC-Pulvern unter dieser Lauflänge dann zusätzlich bei etwa
25m/s pro Zentimeter. Hat man eine Waffe in diesem Lauflängenbereich, z.B. einen langen Revolver oder Kipplaufpistole in einem Gewehrkaliber, kann man als Wiederlader durch die Verwendung eines offensiven Pulvers die Leistung und Präzision(!) aber wieder deutlich steigern.

Kurzläufe ja oder nein?
Für einige stellt sich z.B. die Frage, ob es Sinn macht, sich einen Stutzen in einem normalen Mittelkaliber mit kurzem Lauf anzuschaffen.
Wir sagen eindeutig, auf jeden Fall! Dies soll anhand des folgenden Beispiels am Kaliber .30-06 begründet werden:

In Zahlen ausgedrückt, verliert die .30-06 von einem normalen 61cm Lauf je nach Geschossgewicht und Pulversorte auf einen 52cm Lauf zwischen ca. 28-31 m/s. Eine .308 Winchester allerdings auch! Etwa zwischen 22-26 m/s (etwas weniger, da die verwendeten Pulver offensiver sind).
Man kann sich leicht vorstellen, dass dieser geringe Unterschied des Leistungsverlustes zwischen den beiden Kalibern in der jagdlichen Praxis nicht zu bemerken ist. Dies bedeutet, dass die .30-06 aus dem kurzen Lauf gegenüber der .308 mit einem gleich kurzen Lauf immer die Nase vorne haben wird, was die Rasanz/ Flugbahn und das Plus an Leistungsreserven angeht!

Wir setzen schon seit vielen Jahren
fast überall auf der Jagd bevorzugt kompakte Waffen mit kurzen Läufen und mit sehr gutem Erfolg auf der Jagd ein. Darunter ist u.a. auch eine .30-06 aus einem Stutzen mit einem 52cm Lauf. Selbst bei Schüssen über 100m ist die Wirkung auf alles Wild immer sehr zufriedenstellend, d.h. wenn der Treffersitz stimmt (was natürlich für jedes Kaliber mit einem geeigneten Geschoss gilt). Die ersten Geschwindigkeitsmessungen begannen allerdings mit einer großen Überraschung: Die echten Vo-Messwerte der vermeintlich starken Laborierung waren sehr ernüchternd. Die tatsächliche Mündungsgeschwindigkeit der vermeintlich starken Jagdgebrauchsladung mit angenommenen 820m/s betrug nur im Mittel lediglich 786m/s, was in etwa einer .308 Winchester aus einem 61cm Lauf entspricht.

Seitdem nach sorgfältiger Auswahl der Wechsel auf ein anderes Pulver vollzogen wurde, konnte die Leistung aus dieser Waffe auf eine mittlere Mündungsgeschwindigkeit von 800m/s gesteigert werden. Es stellt ein Maximum in Bezug auf Leistung+ Präzision dar, das in dieser Kaliber-Geschosskombination aus dem kurzen Lauf herauszuholen ist. Sehr gut ist jedenfalls die Tatsache, dass sich diese Laborierung zudem nicht nur viel angenehmer schiessen lassen, sondern auch fast kein Mündungsfeuer mehr produzieren. Das ist gerade beim Nachtansitz sehr hilfreich, um das Zeichnen des beschossenen Stückes zu beobachten.

Trugschlüsse
Im Internet (vor allem in den Foren) kursieren bezüglich dieses Themas leider immer noch die aberwitzigsten Thesen:

"Die Erhöhung der Vo bei kurzen Lauflängen durch schnellere Pulver tatsächlich ist ein Irrglaube."  (1)

"Die progessivsten Treibladungspulver erbringen unabhängig von der Lauflänge die höchste Vo."
(2)

"Bestimmte Kaliber wie die 7x64 und die .300 Win.Mag haben einen immens hohen Leistungsverlust."
(3)

(1): Natürlich nicht, denn schneller abbrennende Pulver setzen sich in einer kürzeren Zeit und somit einem kürzeren Weg bis zum Brennschluss in Gase um (idealerweise zu 100% im Lauf). Deshalb werden in Kurzwaffenkalibern wie z.B. Pistolenpatronen stets offensive Pulver wegen der kürzeren Geschosswege/ Läufe verwendet.

(2):
Falsch, selbstverständlich benötigen sehr progressive Pulver zur Gas- bzw. Energieumsetzung lange Läufe zum vollständigen Brennschluss im Lauf einen langen Geschossweg, d.h. Lauflängen >61cm. Beispiel: eine mit einem progressiven Pulver "vollgepackte" .30-06 mit 180grs Geschoss erbringt etwa 5-8% weniger an Mündungsgeschwindigkeit gegenüber einem offensiveren Pulver und gleichzeitig bei einem um 15-20% gefühlten stärkeren Rückstoss!  

(3):
Auch diese Behauptung ist nicht richtig. Egal, ob eine 7x64, eine 7x57, eine 7mm Rem.Mag, eine .308 Win., eine .30-06 oder eine .300 Win.Magnum z.B. von einer Lauflänge von 61cm auf 52cm gekürzt wird, bewegt sich der Geschwindigkeitsverlust in jedem Kaliber nur etwa zwischen 3,5 und 4%.

Auch eine Frage des Pulvers
Natürlich nehmen je nach Abbrandverhalten des Pulvers die unerwünschten Nebenwirkungen in Form von Rückstoss und Mündungsfeuer zu. Dies äußert sich umso mehr, desto mehr Pulvermasse verbrannt wird und wo der Raketeneffekt durch die ausströmenden Gase auf die Mündung zurückwirkt, was den Rückstoss zusätzlich verstärkt. Dies betrifft vor allem Kaliber mit großem Hülsenvolumen, wie sie z.B. die 7er, .300er, .325er (8mm), .338er oder .375er Magnumkaliber haben.
Aber man kann diesem Umstand mit der Auswahl von speziellen Fabrikpatronen (Mündungsfeuertest) oder idealerweise als Wiederlader durch eigene Laborierungen mit besser abbrennenden Pulvern entgegenwirken.

Technische Maßnahmen an der Waffe
Mit z.B. einem auf die Person abgestimmten Schaft und mit dem Kaliber bzw. der Patronenleistung optimalen Waffengewicht und entsprechender Laufkontur kann man die Handhabung und Schiessbarkeit deutlich verbessern. Und zwar ohne, dass die Waffe dabei zu schwer wird.
Die wichtigsten Vorteile sind:

  • Besseres Handling, die Waffe ist im Jagdbetrieb einfacher zu handhaben

  • Schnellere Einsatzbereitschaft über den Anschlag bis zur Zielerfassung durch kompakte Gesamtlänge

  • Günstigeres Schwingungsverhalten des Laufes, dadurch oftmals eine bessere Präzision als mit längeren Läufen

  • Kein Unterschied in der jagdlichen Praxis (zielballistische Wundwirkung) im Vergleich zur Standardlauflänge des gleichen Kalibers


Nicht umsonst ist der Trend zu kurzläufigen Repetier- und Selbstladebüchsen zu beobachten, wie die Modellpaletten von immer mehr Waffenherstellern, z.B. Ruger und Sauer, zeigen.   

In vielen Jahren in unterschiedlichen jagdlichen Einsatzgebieten und -Zwecken, in denen wir kurze Repetierbüchsen auf Ansitz und Pirsch und im Ausland führen, wissen wir die Vorzüge der Führigkeit inzwischen mehr als zu schätzen: Im Gegensatz zu den Büchsen mit normal langen Läufen, mit denen man fast immer und überall irgendwo aneckt oder am Bewuchs hängenbleibt, führt die angenehme Handhabung dazu, dass man die kurzläufigen Waffen bevorzugt zur Jagd einsetzt und Waffen mit einem langen Lauf kurz- oder langfristig gesehen, verkauft.

Kurzlaufkaliber oder Stutzenkaliber- gibt es so etwas überhaupt?
Wir werden regelmäßig gefragt, was denn das beste Stutzenkaliber bzw. Kurzlaufkaliber sei. Die Antwort dazu ist einfach:
Grundsätzlich jedes Kaliber, dass man als Schütze vom Rückstoss noch sauber schiessen kann und aus dem man eine geeignete Fabrik- oder Eigenlaborierungen mit optimalen Pulvern und mit dem geringsten Mündungsfeuer verschiesst.
Für die Hochwildjagd im In- und Ausland sind dies z.B. 7x64, .270 Win, .308 Win, .30-06, 8x57IS, 8x60S, 8x64S, 8,5x63, .338-06, .358 Win., .35 Whelen, 9,3x57, 9,3x62 sowie die 10,75x68.

Aber: auch Magnumkaliber können sich eignen
Als Wiederlader kann man mit selektierten NC-Pulvern durchaus noch einen Schritt weiter gehen: z.B. .270 Winchester Short Magnum, 7mm Rem. Short Action Ultra Magnum, .7mm Winchester Short Magnum, .300 Winchester Short Magnum, .300 Rem. Short Action Ultra Magnum, .300 Ruger Compact Magnum, .325 Winchester Short Magnum, .338 Ruger Compact Magnum, .376 Steyr und .375 Ruger, um einige zu nennen. Mit diesen Patronen kann man aus richtig gestalteten Waffen ein Optimum an einfacher Handhabung und Präzision erzielen.  
Selbst die 8x68S erreicht mit geeigneten Pulvern fast das gleiche Niveau wie ihre kalibergleiche amerikanische Schwesterpatrone .325 Winchester Short Magnum. Man kann mit ihr auch aus Läufen unter 61cm noch beachtliche Geschwindigkeiten erzielen: z.B. kann das 14,3g SWIFT A-Frame aus einem 520mm Lauf immerhin auf eine Vo von 800m/s gebracht werden, ohne dass man wegen dem Mündungsfeuer eine Sonnenbrille tragen muss.  

Ausnahme: "Ultra-Magnums"
Bei den Kalibern wie .300 Remington Ultra Magnum, .338 Remington Ultra Magnum, .338 Lapua Magnum und .375 Rem. Ultra Magnum zählt für den jagdlichen Einsatzbereich, d.h. sehr weite Schussdistanzen zwischen 300-500 Yards zur Erzielung höchster Geschossgeschwindigkeiten für die gestreckte Flugbahn jeder Meter pro Sekunde. Deshalb sollte man sie nur aus möglichst langen Läufen verschiessen. In diesem Fall und nur hier machen Lauflängen zwischen 66 und 75cm Sinn.

Einige ältere Magnumpatronen mit sehr großem Hülsenvolumen sind in diesem Zusammenhang deshalb nicht mehr aufgeführt, weil sie Gürtelpatronen sind. Der Gürtel ist im Magazin einer Repetierbüchse immer ein Störfaktor, weil er die leichte, flüssige Patronenzführung behindert und sich mit der Zeit deformiert. Deshalb sind alle Kaliberneuentwicklungen für Repetierbüchsen ausschließlich Flaschenhülsen ohne Gürtel.

Fazit
Gewissheit nur durch geprüfte Daten

Für diejenigen, die exakt wissen möchten, was Laborierungen in Bezug auf Druck und Mündungsgeschwindigkeit aus ihrer jeweiligen Waffe leisten, bleibt nur das Einschicken der Patronen. Dies geschieht idealerweise mit der Waffe. Die Kosten dafür sind
alleine aufgrund der Versandkosten recht teuer. Staffelpreise und deutliche Preisreduzierungen gibt es nur dann, wenn man Mitglied bei der DEVA ist (Deutsche Versuchs- und Prüfanstalt für Jagd- und Sportwaffen e.V.).



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