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Einschiessen von Doppelbüchsen

Jagdwaffentechnik

Wie schiesst man am besten eine Doppelbüchse ein?

Schritt 1

Es geht zunächst darum, eine Munition bzw. eine gut schiessende Laborierung zu ermitteln. Diese Vorgehensweise unterscheidet sich nicht von einläufigen Büchsen. Nichtwiederlader sind auf die zur Verfügung stehende Fabrikmunition in dem jeweiligen Kaliber angewiesen. Nach der passenden Geschossauswahl für den jagdlichen Einsatz sollte man mindestens 3, besser 5 verschiedene Munitionssorten auf dem Schießstand testen, auch wenn es "teuer" wird.


Der jagdliche Wiederlader hat hier natürlich weitaus mehr Möglichkeiten, sowohl, was die Auswahl der Geschosse, als auch das erzielbare Präzisionspotential der Patrone angeht. Dies muss allerdings keineswegs bedeuten, dass man keine Fabrikmunition finden könnte, mit der man ausgezeichnete Streukreise aus einer Doppelbüchse erzielen kann.


Dieses "grundsätzliche" Präzisionspotential der Waffe gilt für den Lauf, der bei einer Doppelbüchse mit dem ersten Abzug (bzw. Stecher, falls vorhanden) betätigt wird. Der Streukreis und die Treffpunktlage des zweiten Laufes werden jetzt noch nicht berücksichtigt.     


Bei einer zufriedenstellenden Präzision ist der zweite Schritt die Treffpunktlage vom ersten zum zweiten Lauf. Dies ist bei der Doppelbüchse der rechte zum linken Lauf und bei der Bockdoppelbüchse der untere zum oberen Lauf.

Schritt 2
Nun teilt sich die Vorgehensweise in 2 Ausführungen:

1) Verlötete Laufbündel ohne mechanische Verstellmöglichkeiten

2) Laufbündel mit einer frei einstellbaren, mechanischen Laufkorrektur


Beim Neukauf einer Doppelbüchse raten wir in jedem Fall zu einer Büchse mit einer mechanisch einstellbaren Laufkorrektur. Doppelbüchsen ohne diese Einstellmöglichkeit entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik. Eine verlötete DB ist in der Regel nur auf eine Munitionssorte bzw. Geschoss reguliert und muss bei einem Laborierungswechsel u.U. über neue Lötpunkte sehr aufwändig und damit teuer vom BüMa einjustiert und eingeschossen werden.  

 

zu 1) Auch hier haben es Nichtwiederlader doppelt schwer. Jeder Wechsel auf eine andere Munitionssorte bzw. Geschoss kann ohne die Mithilfe des BüMa nur mit viel Glück über eine ausreichende Anzahl zur Verfügung stehender Munition realisiert werden.
Der jagdliche Wiederlader hingegen kann sich durch die Variation der einzelnen Komponenten und Ladungsparameter eine Laborierung ausarbeiten, die mindestens der Präzision der ursprünglichen, originalen Patrone entspricht, mit der die Läufe der Waffe zusammenschiessen.        

zu 2) Das sind die Waffen, zu deren Anschaffung wir grundsätzlich immer raten, insbesondere dann, wenn der Schütze kein Wiederlader ist. Der Hauptgrund für den Kauf einer mechanisch einstellbaren Doppelbüchse ist die Universalität hinsichtlich der Munition und der Wunschpatrone. Das ist immens wichtig, falls z.B. ein bestimmtes Geschoss eingesetzt werden soll.

Einstellen von Doppelbüchsen mit mechanischer Verstellmöglichkeit
Am Beispiel eines Krieghoff Thermo Stabil-Systems möchten wir die Vorgehensweise erläutern, wie man das Laufbündel seiner Waffe mit geringem Aufwand und möglichst wenig Patronen justieren kann, bis beide Läufe bestmöglich zusammenschiessen.


Regulierung des Laufbündels einer Krieghoff-Bockdoppelbüchse mit TS-System  

Wichtig zum Verständnis ist die Anordnung der Stellbrücke für das Laufbündel:

Dieser ist im vorderen Bereich unter dem Vorderschaft angebracht. Man nimmt den Vorderschaft ab und dreht die Waffe um, sodass der untere Lauf nun oben ist. Der obere, also der 2. Lauf, der durch den hinteren Abzug betätigt wird, fungiert im Block als Festanschlag.


Das bedeutet, dass die Einstellung der beiden Läufe zueinander, egal ob in vertikaler oder in horizontaler Richtung, also die Höhen- und Seitenverstellung immer über die Korrektur des u n t e r e n Laufes (1. Abzug) erfolgt. Dazu empfehlen wir folgenden Ablauf:


- Schiessen des 1. (unteren) und des 2. (oberen) Laufes mit je 3 Schuss (Schussfolge immer hintereinander)


- Bestimmung der vertikalen und horizontalen Abweichung der beiden Treffergruppen zueinander (Abweichung in Zentimeter)


- Korrektur in e i n e r Achse (Höhe oder Seite), nicht beide gleichzeitig (mehr dazu weiter unten)


- Die Treffpunktlage des unteren Laufes (1. Abzug) ist zunächst irrelevant, das entgültige Einschiessen kommt erst zum Schluss


- Kühlpausen einhalten, beide Läufe sollten immer nur "handwarm" werden


- Korrekturen solange durchführen, bis die Annäherung der Schussgruppen der beiden Läufe 1. der jagdlichen Vorgabe und 2. der persönlichen "Gesamtstreukreis-Vorstellung" entspricht



Einstellungen nach unterschiedlicher Treffpunktlage vornehmen

Werkzeug: Innensechskantschlüssel 1,5mm und 3mm. Zunächst alle 3 Kontermadenschrauben (Höhenverstellung, Feststellschraube oben und Seiteneinstellschraube mit 1,5mm Schlüssel lösen (alle Einstell-Korrekturen werden mit dem größeren Schlüssel vorgenommen).


Verschiedene Abweichungen

1) Der untere Lauf schiesst tiefer als der obere Lauf (der 2. Lauf schiesst höher als der 1. Lauf)


2) Der untere Lauf schiesst höher als der obere Lauf (der 2. Lauf schiesst tiefer als der 1. Lauf)


3) Der untere Lauf schiesst gegenüber dem oberen Lauf nach links (der 2. Lauf schiesst nach rechts)


4) Der untere Lauf schiesst gegenüber dem oberen Lauf nach rechts (der 2. Lauf schiesst nach links)



Die Höhenverstellung bei der Thermo TS wird über 2 Einstellschrauben justiert.  


Die Korrektur bei seitlich abweichender Treffpunktlage erfolgt über diese Einstellschraube

und gegebenenfalls mit Hilfe der schräggestellten Einstellschraube am oberen Lauf.

Notwendige Korrekturen

zu1) Zuerst die schräg gestellte Höheneinstellschraube am oberen Lauf nach links drehen und dann die Höheneinstellschraube am unteren Lauf nach rechts drehen. Dadurch wird der untere Lauf in Richtung des oberen Laufes gedrückt und die Laufachse wandert nach oben. Der untere Lauf bekommt dadurch einen geringeren Abstand zum oberen Lauf, also Korrektur nach oben.


zu 2) Zuerst die Höheneinstellschraube am unteren Lauf nach links drehen und dann die Höheneinstellschraube am oberen Lauf nach rechts drehen. Dadurch wird der untere Lauf vom oberen Lauf weggedrückt und die Laufachse wandert nach unten. Dies bedeutet, dass der untere Lauf einen größeren Abstand zum oberen Lauf bekommt, also Korrektur nach unten.  


zu 3) Die Schraube für die Seitenverstellung nach links drehen.


zu 4) Die Schraube für die Seitenverstellung nach rechts drehen.


Anmerkung: Bei einer seitlichen Abweichung ist es immer sinnvoll, zuerst die Seitenkorrektur vorzunehmen. Im Fall 3) kann es notwendig werden, auch die untere, schräggestellte Höheneinstellschraube am oberen Lauf (siehe Foto) unten nach rechts oder im Fall 4) nach links zu drehen, bis die Schussgruppen beider Läufe vertikal zueinander fluchten.    


Tipps zur Einstellung

Jetzt kommt das Entscheidende, um den Verbrauch an Patronen so gering wie möglich zu halten:

Wir sprechen bei allen Korrekturen keineswegs über mehrere oder ganze Umdrehungen (was bei einer 360°-Umdrehung und einer vollen Gewindesteigung entspricht), auch nicht über halbe oder Vierteldrehungen an den Stellschrauben.


Beginnen sollte man bei allen Justierungen mit max. 1/8-Umdrehungen und immer darauf achten, das die jeweilige, gegenüberliegende Korrekturschraube wieder genauso fest angezogen wird wie die Schraube, welche die Primärverstellung bewirkt.



In der Ausgangsstellung schoss der obere Lauf ca. 10cm
tiefer

als der untere Lauf (Laufachsen gekreuzt, siehe Fall Nr. 2).  


Treffpunktlage nach der 2. Korrektur:

(2.Lauf mit ca. 6cm Tiefschuss).  


Treffpunktlage nach der 3. Korrektur:

(2.Lauf mit ca. 4cm Tiefschuss).  

Wichtig:

Die Schussentfernung zur Regulierung der beiden Läufe muss der späteren Einschiessentfernung für das Zielfernrohr entsprechen. Dies sind normalerweise 100 Meter. Es macht keinen Sinn, die Laufkorrektur auf 50m Distanz vorzunehmen. Geschossen wird zwar ü b e r das Zielfernrohr, korrigiert werden aber nur die Läufe zueinander, d.h. die Treffpunktlage des ersten Laufes ist zunächst egal.


Nach jeder Korrekturverstellung sollte man zusätzlich einen Setzschuss aus beiden Läufen abgeben. Denn es können sich nochmals kleine Veränderungen bei der Treffpunktlage ergeben.


Wenn das Laufbündel nach den durchgeführten Korrekturen zusammenschiesst, können die 3 kleinen Konterschrauben wieder festgezogen werden. Jetzt kann die Bockdoppelbüchse auf die gewünschte, entgültige TPL über das Zielfernrohr mit Hilfe der Zielfernrohrverstellung eingeschossen werden.

Zusammenfassung:

Mit dieser Vorgehensweise kann man mit etwas Geduld und Geschick, einer guten Auflage und ausreichender Zeit (ca. 1-2h) in ruhiger Atmosphäre auf dem Schießstand die Läufe einer Doppelbüchse mit ungefähr 30-40 Patronen an Verbrauch auf gute Gesamtstreukreise zwischen 15-25mm zusammenbringen.


Der Einsatz auf der Jagd macht dann auch in doppelten Sinn Freude: 1. Lernt man die Technik seiner Waffe besser kennen, verbessert seine Schießfertigkeiten damit, spart Kosten und schafft 2. eine sehr gute "Vertrauensbasis" für den jagdlichen Erfolg!             

Foto oben: Geschafft! Jetzt sind die Läufe

zueinander justiert und die Büchse kann über

die ZF-Verstellung eingeschossen werden.



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