Einsatzentfernung bleifreier Geschosse - JASW

Suchen
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Einsatzentfernung bleifreier Geschosse

Jagd

Was man bei Munition mit bleifreien  Geschossen zu beachten ist
Jetzt, wo der Wechsel zu bleifreien Geschossen einen immer höheren Stellenwert einnimmt und die gesetzliche Umsetzung wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit ist, stehen viele von uns vor der Wahl eines geeigneten bleiferien Geschosses für ihr Kaliber.
Manche Anbieter versprechen mit völlig abstrusen Konstruktionen eine geradezu wundersame Wirkung. Darunter sind entweder Splittergeschosse oder nicht deformierende, hydrodynamisch wirkende Geschosse (welche die physikalischen Grundprinzipien der zielballistischen Wirkung ausser Kraft setzen würden, wenn sie eine solchen Effekt in der Praxis bewirken würden). Wenn man keine jagdlichen Enttäuschungen erleben möchte und überdies keine Tierquälerei betreiben will, sollte man von solchen Geschossen die Finger lassen.

Nach unseren Erfahrungen beschränkt sich die Auswahl zuverlässiger Geschosskonstruktionen nur auf einige wenige, aber dafür gute Geschosshersteller. Darunter fallen u.a. Barnes, Hornady, Nosler, Remington, Winchester und als einziger europäischer Hersteller Lapua.

Den Hauptvorteil der bewährten bleifreien Kupferhohlspitzgeschosse gegenüber den Bleikernkerngeschossen sehen wir in der deutlich geringeren Wildbretzerstörung. In Abhängigkeit vom Kaliber und der Geschossgeschwindigkeit sind das erfahrungsgemäß zwischen 25-40% weniger an Fleisch, das weggeschnitten werden muss. Es gibt generell weniger Hämatome und auch keine zusätzlichen Blutergüsse durch die nicht mehr vorhandene Splitterwirkung (dies gilt insbes. auf und unter den Schulterblättern an der Ein- und Ausschussseite).


Auftreffgeschwindigkeit
Das Wichtigste, was man bei den Hohlspitzkonstruktionen beachten muss, die aus Kupferlegierungen bestehen, ist die Zielgeschwindigkeit. Generell müssen solche Geschosse zum Zeitpunkt des Aufschlags auf den Wildkörper einer höhere Geschwindigkeit haben als Bleikerngeschosse.
Möchte man unsere 9,3mm-Kaliber wie z.B. die 9,3x62 oder die 9,3x74R, die normalerweise mit klassischen Teilmantelrundkopfgeschossen bestückt sind, mit bleifreien Kupferhohlspitzgeschossen, muss man für eine sichere Deformation und eine ausreichende Energieabgabe Einiges beachten, wenn man keine Enttäuschungen und lange, schwierige Nachsuchen erleben will. Dabei spielen die jagdliche Anwendung und der Treffersitz eine sehr grosse Rolle.

Grundsatz
Je kleiner das Kaliber, desto höher muss die Geschwindigkeit im Ziel sein (Vz). In Abhängigkeit vom Strömungswert des Geschosses ergeben sich daher je nach Kaliber+ BC-Wert für verschiedene Geschossgewichte unterschiedliche maximale Schussentfernungen. Um eine Entscheidungshilfe zu geben, sind in der nachfolgenden Tabelle die zu erwartende Einsatzentfernung auf der Basis der Werte von Herstellerempfehlungen, den Labortestergebnissen des Abschlussberichts der HNE und Erfahrungswerten aus der jagdlichen Praxis berechnet und zusammengestellt.
-Hinweis: Bei der nachfolgenden Tabelle handelt es sich lediglich um richtungsweisende Empfehlungswerte. Für eine exakte Bewertung im einzelnen Anwendungsfall müssen alle Einsatz- und Rahmenbedingungen betrachtet werden!-  

Maximale Einsatzentfernungen für Kupferhohlspitzgeschosse
in Abhängigkeit von der Zielgeschwindigkeit

Hinweis: Diese Daten sind nur grobe Anhaltswerte
(Je nach Einsatzgebiet ergeben sich  teilweise deutliche Abweichungen)

Kaliber:

Geschoss:

Geschossgewicht:

Vo:

Max. Schussdistanz:

.270 Win

Barnes TTSX

130grs

933m/s

280m

7x64

Barnes TTSX

140grs

902m/s

270m

.308 Win

Barnes TTSX

150grs

860m/s

225m

.308 Win

Barnes TTSX

168grs

817m/s

208m

.30-06

Barnes TTSX

150grs

905m/s

262m

.30-06

Barnes TTSX

168grs

850m/s

245m

.30-06

Barnes TTSX

180grs

823m/s

200m

.300 WSM

Barnes TTSX

165grs

954m/s

336m

8x57IS

Lapua Naturalis

180grs

796m/s

140m

8x57IS

Barnes TSX

180grs

820m/s

125m

8x57IS

Barnes TSX

200grs

783m/s

90m

.35 Whelen

Barnes TSX

180grs

884m/s

180m

9,3x62

Barnes TSX

286grs

718m/s

80m

.375 H&H

Barnes TSX

300grs

774m/s

92m

Fazit
Man sieht, wohin die Reise geht: Je schneller die Geschossgeschwindigkeit, desto weiter ist die max. Einsatzentfernung aufgrund der verbleibenden Vz. Damit sind zunächst einmal Kaliber wie 7mm und .30er Kaliber für den Einsatz bei der Ansitzjagd im Vorteil, insbesondere dann, wenn die Schussentfernungen variieren.

Das bedeutet aber noch lange nicht das Aus für unsere Kaliber mit moderaten Geschossgeschwindigkeiten wie z.B. 8x57IS, 9,3x62 und 9,3x74R. Auch diese bewährten Hochwildkaliber sind nach wie vor erste Wahl für die Waldjagd auf kurze bis mittlere Distanzen und vor allem bei der Drückjagd. Vor allem die 9,3mm hat mit ihren schweren Geschossen im Gegensatz zu den leichten+ schnellen Geschossen im Durchmesser 6,5-7mm einige entscheidende Vorteile. Der Hauptunterschied zu den kleineren Kalibern ist und bleibt die höhere S c h o c k w i r k u n g.  

Natürlich ist es ebenso elementar, wie sich die jagdliche Anwendung gestaltet. Es sollte klar sein, dass es bei dem gewaltigen Spektrum der jagdlichen Anwendungsmöglichkeiten ganz elementare Unterschiede in Bezug auf die jeweiligen Anforderungen für die Zuverlässigkeit bei der Geschosswirkung gibt. Das muss man wissen und sollte nicht vorschnell Kaliber und/oder das Geschoss dafür verantwortlich machen.
Ein Geschoss muss immer so eingesetzt werden, dass es einerseits genug Energie abgibt, aber andererseits nur so viel Energie mitnimmt, wie es nötig ist. Nur wenn das Verhältnis von Energieabgabe zum Energietransfer stimmt, sind die Grundvoraussetzungen für eine saubere+ schnelle Erlegung erfüllt und ein entscheidender Baustein für eine saubere Erlegung.

Vorsicht:
Leider machen sich immer mehr Anbieter die Unerfahrenheit von Schützen mit mangelnder Jagdpraxis zu Nutze und geben Empfehlungen für die eigenen Produkte heraus, wie sie realitätsferner nicht sein könnten!



Nächstes Kapitel:
=>Fehlschüsse vermeiden<=


 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü