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Dralllängen

Jagdwaffentechnik

Welche Dralllänge für welches Geschoss?

Tipps zur Abstimmung von Munition mit unterschiedlichen Geschossen nach Geschossgewicht auf die Dralllänge

Damit Geschosse in einer möglichst stabilen und präzisen Flugbahn ihr Ziel erreichen können, werden sie auch in Jagdwaffen von gezogenen Büchsenläufen in eine Drehbewegung versetzt. Der Grad der Geschossrotation/s ist abhängig von der Länge, die ein Geschoss im Lauf benötigt, um sich einmal seine Achse zu drehen, d.h. eine volle 360
°-Drehung zu machen.  

Die Dralllängen von handelsüblichen Jagdläufen betragen zwischen 8 und 16 Zoll, d.h. 203-406mm. Bei bestimmten Kalibern werden diese Werte für die Dralllänge sogar noch unter- bzw. überschritten (bis zu 20"). Die Länge wird im englischen mit Twist Rate per Inch bezeichnet und im Verhältnis von 1 angegeben, was einer Geschossdrehung entspricht.

Kaliberbezogene Beispiele für Dralllängen:
.22lfB: 1:16" / .224: 1:7-14" / .264: 1:8-10" / .284: 1:9-12" / .30: 1:8-14" / .323: 1:10" / .338: 1:10" / .358: 1:12" / .366: 1:12" / .375: 1:12"

Grundsatz
Bei der Dralllänge gilt der Grundsatz, dass die
Umdrehungslänge umso größer sein muss, je leichter und kürzer ein Geschoss ist und umso geringer, je schwerer und länger ein Geschoss ist. Ausserdem spielt das spezifische Gewicht eine Rolle.

Beispiel: Geschoss aus reinem Aluminium würde gegenüber einem Teilmantelgeschoss etwa die 2-fache Dralllänge benötigen. Ein Geschoss aus reinem Wolframkarbid hingegen käme schon mit einer 13% geringeren Dralllänge aus, um sicher stabilisiert zu werden.      
Die Länge des Dralls hat auch maßgeblichen Einfluss auf die zielballistische Stabilität und die Durchschlagskraft eines Geschosses. Ein drallstabiles, d.h. ein sich schnell drehendes Geschoss kann äußeren Einflüssen durch einseitig wirkenden Kräfte oder wechselnden Widerständen im Wundkanal wie Knochen, weichen Organen und Fettschichten besser Kippkräften widerstehen als ein langsam drehendes, langes Geschoss.

Besonders für diejenigen, die schon auf bleifreie Kupfergeschosse umgestiegen sind oder es noch möchten, ist es von großer Bedeutung, ab welchen Geschossgewichten es u.U. Präzisionsprobleme mit der Waffe geben kann.

Wie ermittle ich die tatsächliche Dralllänge meiner Waffe?
Die Dralllänge eines Laufs kann man einfach bestimmen, indem man eine für das Kaliber genau passende Bürste auf den Putzstock in den Lauf einführt, ganz durchdrückt und anschl. wieder im Rückwärtsgang zurückzieht, bis dieser wieder vollen Kontakt zum Feld/Zugprofil hat. Dann macht man sich im Bereich des Auswurffensters eine Markierung auf den Stock und zieht den Putzstock dann freidrehend(!) soweit aus dem Lauf heraus, bis die Markierung an der gleichen Position weiter hinten wieder zu sehen ist und markiert an der selben Stelle am Auswurffenster wie vorher den Putzstock.
Die gemessene Längendifferenz zwischen beiden Markierungen entspricht der Dralllänge.   

Läufe mit progressivem Drall
Zu einem Thema mit fachlich unrichtigen Behauptungen in Netz: Läufe, die eine Drallsteigerung aufweisen.

Der Lauf einer Jagdwaffe wird immer mit einem konstanten Drall, d.h. einer gleichbleibenden Vollrotationslänge ausgestattet. Bei manchen Läufen mit einem progressiven Drall wird der Drallbereich des jeweiligen kaliberbezogenen Dralls vom Kurz- bis zum Langdrall (Minimal- bis Maximalausführungswert) in einem Lauf kombiniert. Das bedeutet, dass die Umdrehungslänge nach dem Geschossdurchgang zunächst auf die Stabilisierungslänge leichter Geschosse ausgeführt ist und
im vorderen Teil des Laufes die Dralllänge wieder kürzer wird (ansteigender Drallwinkel).

Dass man damit zwangsläufig eine höhere Präzision erzielen könnte, ist dabei genauso falsch wie die Annahme, dass progressiv gedrallte Läufe wesentlich höhere Mündungsgeschwindigkeiten ermöglichen würden. Und noch etwas: Es ist auch nicht korrekt, dass dabei die Rückschlagenergie steigen würde (!).

Diese Art der Laufrohrgestaltung stammt aus dem militärischen Bereich mit Kanonenläufen und Geschützrohren, wo man mit dieser Maßnahme aus innenballistischen Gründen eine gleichmäßig verteilte Rohrbeanspruchung erzielt. D
er Progressivdrall wird aber generell nicht in Militärgewehren eingesetzt. Auch für jagdlich eingesetzte Büchsen bieten diese Läufe keinerlei Vorteile (außer für den, der sie verkauft).  

Oft ist es auch ein Argument der Waffenbauer+ Anbieter, ihren Kunden gleich noch eine
gehörschädigende Mündungsbremse aufzuschwätzen. Ein versierter und verantwortungsbewußter Büchsenmacher wird so etwas niemals tun:
Er wird sinnvolle, wirkungssvolle Mittel und führt eine Büchse, insbesondere in einem starken Kaliber, immer so aus, dass Bremsen oder andere
unsinnige Rohrkonstruktionen (z.B. Kombinationen aus Mündungsbremse und Schalldämpfer) konsequent ausgeschlossen werden. Eine klassisch ausgestattete Repetierbüchse bietet erstens eine ganz andere Ästhetik und hat zweitens auch einen viel besseren Gebrauchswert in der jagdlichen Praxis als eine Büchse mit einer Bremse bzw. einem Kombischalldämpfer!      

Ursachen und Fehler
Präzisionsprobleme mit Kupfergeschossen können dann auftreten,
z.B. wenn:

  • Der Lauf nicht richtig sauber ist (vom Laufende aus gesehen dürfen keine rotbraunen Verfärbungen auf den Feldern zu sehen sein)

  • Falsche oder ungünstige Pulversorten eingesetzt werden, z.B. mit zu progessiver Verbrennungsrate

  • Die falsche Geschoss-Setztiefe gewählt wird  

  • Bei langen Geschossen ein nicht passender, zu hoher Drall eingesetzt wird und eine ausreichende Stabilisierung nicht mehr gewährleistet ist



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