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Die Hülsenform als Hilfe zur Kaliberauswahl

Munitionstechnik

Grundformen von Hülsen
Die Unterschiede von Jagdpatronen hinsichtlich der geometrischen Formen der Hülse sind hinlänglich bekannt. Dennoch werden von Waffenherstellern und Büchsenmachern oft Waffen- und Kaliberkombinationen angeboten, die aus technischen Gründen keineswegs praktikabel und damit n i c h t zu empfehlen sind.
*

Klassifizierung nach C.I.P. (Zentralfeuerpatronen):
1) Randlose Patronen
2) Patronen mit Rand
3) Patronen mit Gürtel
     

zu 1) Hierzu zählen Flaschenhülsen mit einem kegligen Einstich an der hinteren Mantelfläche am Hülsenboden mit annähernd gleichem ØR1 (Auszieherrille) sowie Flaschenhülsen mit einem kegligen Einstich an der hinteren Mantelfläche am Hülsenboden mit einem kleineren ØR1 (hinterdreht). Der Verschlußabstand im Patronenlager wird bei beiden Versionen über die Kegelfläche der Hülsenschulter gebildet.

zu 2) Zuzuordnen sind alle Flaschenhülsen mit einem Bund im Bereich des Hülsenbodens, wobei der R1-Ø größer als der P1-Ø an der hinteren Mantelfläche ist. Die Art und die Ausprägung des Bundes kann sehr stark differieren (Vergleich Bodenkontur einer 8x57IRS mit .45-70 und .308 Marlin Express). Der Verschlußabstand im Patronenlager wird über die vordere Planfläche des
Hülsenrands gebildet.

zu 3) Bei dieser Ausführung ist die randlose Flaschenhülse zusätzlich mit einem überstehendem
Ring (Gürtel) versehen, der an der Mantelfäche des P1-Ø der Hülse hervorsteht und über dessen vordere Planfläche der Verschlussabstand im Patronenlager gebildet wird.      

*Anmerkung:
Ein wichtiger Grundsatz sollte unbedingt beachtet werden:
N i e m a l s Waffen mit einem Kipplaufverschluss wie Doppel-, Bockdoppel- oder Kipplaufbüchsen für randlose Patronen oder Patronen mit Gürtel konvertieren! Diese Büchsen sind "tickende Zeitbomben". Sie warten nur darauf, den Dienst zu quittieren, wenn es im jagdlichen Einsatz zu Hülsenfressern oder zum Hülsenabriss kommt.


Bewertung der Hülsengeometrie von Gürtelpatronen

Eine der früheren Annahmen war, durch die Anbringung einer zusätzlichen Ringstruktur am Bereich der Auszieherrille eine bessere Festigkeit der Hülse bei hohen Gasdrücken zu erreichen.
Dies ist jedoch n i c h t der Fall.

Entgegen der weit verbreiteten Auffassung sind die Hülsen von Gürtelpatronen
keineswegs stabiler oder widerstandsfähiger gegenüber hohen Gasdrücken als randlose Hülsen. Im Gegenteil: sie neigen beim Verschiessen zu mehr oder weniger ausgeprägten Hülsenverformungen im Bereich des vorderen Gürtelringes an der Hülse.

Der Grund dafür ist einfach: Diese Ringfläche wird vom Patronenlager nicht formschlüssig unterstützt, da der Kraftverlauf während der Hülsendehnung beim Schuss nach hinten verläuft und die Hülse gleichzeitig nach hinten gedrückt wird. Dieser Vorgang dauert solange an, bis der Stoßboden Vollkontakt mit der Fläche des Kammerverschlusses hat. Der Bohrungsabsatz im Patronenlager liegt dann frei und das Patronenlager kann in diesem Bereich keine unterstützende Funktion für die Hülse leisten.  

Ausserdem kommt es es beim Schuss aufgrund der Fertigungstoleranzen des Patronenlagers zusammen mit den Toleranzen am Gürtel der Hülse zum Aufbauchen der Hülse am Übergangsbereich des P1- zum R1-Ø des Gürtels.

Die Folgen sind Hülsen-Deformationen im Ringbereich mit der
Gefahr eines Hülsenabrisses. Hierbei genügt es schon, wenn sich das Patronenlager zwar maßlich noch innerhalb der Verschlussabstandstoleranz befindet, aber im oberen Toleranzfeld liegt.
Dieses Risiko ist besonders hoch bei Kaliberkonvertierungen, d.h. bei Repetierbüchsen mit Läufen, bei denen das Patronenlager beim Büchsenmacher von Hand mit einer Patronenreibahle aufgerieben wird.             

Anmerkungen zu Gürtelpatronen
Mit dem
Gürtel wurde lediglich ein Erkennungsmerkmal für Patronen geschaffen, die als Jagdpatronen mit einem großen Pulververbrennungsraum und einem hohen Gasdruck operieren. Aus diesem Grund hat man den verkaufsfördernden Namen "Magnum" kreiert, ähnlich dem Anhang "Express" bei den britischen Großwildpatronen.

Nicht mehr und nicht weniger, einen Vorteil im technischen Sinne gibt es nicht!

Vorteile von modernen randlosen Patronen  
Die Entwicklung moderner Kaliberkonstruktionen vereint die Vorteile der randlosen Flaschenhülse mit den innenballistischen Erkenntnissen in Bezug auf die Hülsengeometrie:

1)
Höhere Präzision
2) Bessere Magazinzuführung
3) Sicherer Hülsenauswurf
4) Größere Hülsenkapazität
5) Verbesserte innenballistische Leistung     


Anmerkungen
zu 1) Bei randlosen Patronen wird der Verschlussabstand durch die Hülsenschulter gebildet. Diese Lösung hat mehrere technische Vorteile: Erstens kann die Einhaltung des Abstandsmaßes innerhalb geringerer Toleranzbereiche besser umgesetzt werden und zweitens bewirkt der großflächige, ringförmige Bereich des Kegels einen sicheren, gleichmäßigen Sitz der Patrone im Lager. Wie bei einer Lehre führt die Berührung der Hülsenschulter mit dem Kegel des Patronenlagers zu einer Verkörperung, sodass die Patrone mit der Mittelachse des Laufes zentriert wird. Dies ist eine der Grundlagen für eine hohe patronenseitige Präzision.

zu 2) Bei der Zuführung der Patrone gibt es keinen störenden Effekt wie bei Gürtelpatronen durch einen hervorstehenden Ring, der sich bei jedem Ladevorgang mehr verformt und irgendwann zu Störungen oder Klemmern führt (was bei schlechtem Hülsenmaterial bereits mit unverschossenen Gürtelpatronen passieren kann). Randlose Flaschenhülsen werden über die übergangslos glatte, leicht keglige Mantelfläche vom P2-P1 Durchmesser unter der Führung der Halte- und Auszieherklaue des  Verschlusskopfs kontrolliert bewegt+ festgehalten und in einer fließenden, nicht unterbrochenen Bewegung geschmeidig sicher ins Patronenlager zugeführt.

zu 3) Die abgeschossene Hülse von randlosen Flaschenhülsen kann problemlos und in einem Fluss aus dem Patronenlager extrahiert werden, ebenfalls ohne hervorstehende Kanten wie bei Gürtelhülsen. Natürlich ist hier die Ausführung der Auszieherklaue des Verschlußsystems von entscheidender Bedeutung für die Zuverlässigkeit. Längst nicht alle Waffensysteme erfüllen die hohen Anforderungen bei ungünstigen Witterungsbedingungen, Schmutz oder durch die Einwirkung von Fremdkörpern. Wir haben unsere Erfahrungen mit hochpreisig angebotenen Waffen aus moderner deutscher Fertigung gemacht, die im Jagdbetrieb ein Totalversagen abgegeben haben.   

zu 4) Viele moderne Patronenkonstruktionen sind darauf aufgebaut, hohe zielballistische Leistungen zu erbringen. Dies wird u.a. mit der Gestaltung aus dem Verhältnis der Parameter P1, P2, H1, H2, L1, L2 und L3 erreicht. Dies erhöht zusammen mit darauf abgestimmten Geschosskonstruktionen die Reichweite von praktikablen jagdlichen Schussdistanzen.

zu 5) Durch die optimierte Hülsengeometrie wird eine verbesserter und gleichmäßiger Pulverabbrand erreicht. Die bedeutet eine effizientere Leistung bei voller Gasumsetzung aus kompakten Waffen mit angepassten Verschlußsystemen, kürzeren Läufen. Dies erweitert das Einsatzspektrum enorm.      

Jagdkaliber mit und ohne Rand
(Auszug ohne Anspruch auf Vollständigkeit, Kriterien siehe Text)  

Patronen für Kipplaufbüchsen
(Randpatronen)

Patronen für Repetierbüchsen
(randlos)

Patronen für Repetierbüchsen
(randlos)

Anmerkung:
Bei den randlosen Patronen sind insbes. diejenigen Kaliber aufgeführt, die im Sinne einer
kompakten bis mittelgroßen Bauart einzuordnen sind sowie moderne Konstruktionen mit Kurzsystem- und Kurzlaufeignung aufgrund einer kurzen Pulversäule.
Die in der Spalte rechts gelisteten Hochleistungspatronen sind Spezialpatronen für ein progressives Waffenkonzept.
Die aufgeführten Randpatronen können mit Einschränkung u.a. in Blockbüchsen und Unterhebelrepetierern
verwendet werden, eine lauflängenbezogene Kaliberauswahl ist ebenfalls möglich.   

.17 Mach IV, .17 Rem.

.204 Ruger

.22 Hornet, 5,6x52R, 5,6x61RS.E.v.H.

.222 Rem., .22-250 Rem., .223 WSSM

.220 Swift, 5,6x57, 5,6x61 v.H., .225 Win.

 

.243 Win., .243 WSSM, 6mm-284, .25 WSSM,
.250 Savage, .257 Roberts  

6mm Rem., 6x62 Freres

6,5x52R, 6,5x57R, 6,5x65R, 6,5x68R

6,5x55, 6,5x57, 6,5-284 Norma, 6,5 Creedmoor, .260 Rem.   

.25-06 Rem., 6,5x65, 6,5x68

 

.270 WSM

 

7x57R, 7x65R,7x75R S.E.v.H.

7mm-08 Rem., 7x57, .284 Win., 7mm Rem.SAUM,
7mm WSM, 7mm Dakota,

7x66 S.E.v.H., 7mm RUM

.30-30 Win., .307 Win., .308 Marlin E., 7,62x54R,
.30-40 Krag-Joh., .30R Blaser

.300 Savage, .308 Win., .300 Rem.SAUM, .300 WSM,
.300 RCM, .300 Dakota

.300 RUM, .300 Pegasus

8x57IRS, 8x60RS, 8x65RS, 8x75RS

8x57IS, 8x60S, .325 WSM  

8x68S

8,5x63R

.338 Marlin E., .338 Federal, .338 RCM, .330 Dakota

.338 Lapua, .338 RUM, .338 Talbot

.348 Win.

   

.356 Win.

   

9x57R

.358 Win.

.358 Ultra Mag.

9,3x74R

9,3x57, 9,3x62, 9,3x64, 9,3x66 Sako

.366 DGW

.375 Flanged Mag.

.376 Steyr, .375 Ruger, .375 Dakota, 9,5x66 v.H.,
.375 Canadian Mag.

.375 RUM

.450-400 N.E.3"

   

.500-.416, .416 A-Square Rimmed, .416 Gerlach

.416 Ruger, .416 Aagard

.416 Dakota, .416 Rigby, .416 Barrett

10,3x60R

   
 

10.75x68

.404 Jeffery

.444 Marlin

   

.45-70 Government, .450 Alaskan,
.450 N.E.No.2, .450 Assegai

.460 JASW SME

.458 Canadian Mag., .450 Dakota,
.450 Rigby, .460 G&A Special

.500-465 N.E.

   

.470 N.E., .475 N.E.No.2

   

.50 Alaskan, .500 N.E. 3"

 

.500 Jeffery, .505 Gibbs, .50 BMG

.577 N.E. 3"

 

.585 Nyati, .577 Tyrannosaur

.600 N.E. 3"

   

.700 N.E. 3,5"

   

Fazit
Für die Wahl eines Jagdkalibers muss für die Eignung auch die Verwendbarkeit der Patronenhülsenform für den jeweiligen Waffentyp getroffen werden. Wir empfehlen außer der Schockwirkungsklassifizierung zur Kaliberwahl (siehe =>Hier<=),
1. Für
Repetierbüchsen nur randlose Patronen auswählen, k e i n e Gürtelpatronen.
2. Für
Doppelbüchsen und alle anderen Waffen mit Kipplaufverschluss ausschliesslich Patronen mit Rand in Einsatz bringen, niemals randlose Patronen.

Durch die Auswahl der Hülsengeometrie bei randlosen Patronen ist auch Einfluss auf den jagdlichen Einsatz nehmen. Einige moderne Jagdpatronen haben den Vorteil, dass sie sich aufgrund der hohen Präzision, der sicheren Zuführung, der guten Hülsenextraktion und durch die Hülsengeometrie mit einem optimierten Pulverabbrand hervorragend für Waffen eignen, die durch eine Kurzbauweise eine deutlich verbesserte Handhabung ermöglichen.         

Zeitgemäße Hochleistungspatronen legen den Grundstock für die Umsetzung der erforderlichen zielballistischen Jagdparameter. Sie gewährleisten gleichzeitig eine größtmögliche Funktionssicherheit und eine hohen Präzision nach dem aktuellen technischem Stand. Wir können solche Kaliber für saubere Erlegungen nur weiterempfehlen.



Nächstes Kapitel
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Die Hülsenschulter<=

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