Vergleich bleifreie Geschosse .45-70 Gvt. - JASW

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Vergleich bleifreie Geschosse .45-70 Gvt.

Tests

Vergleichstest bleifreie Geschosse in der .45-70 Government
Immer mehr von uns sehen sich inzwischen mit der Anforderung konfrontiert, bleifreie Geschosse in ihrer Jagdmunition verwenden zu müssen. Dies stellt in einer Patrone, welche für die ursprüngliche Verwendung von Bleigeschossen konzipiert war und später viele Jahrzehnte seit ihrem Bestehen auch auf Teilmantelgeschosse mit Bleikern betrieben und darauf optimiert wurde, wie die ehemalige amerikanische Ordonanzpatrone .45-70 Government, schon eine gewisse Herausforderung dar.  

Während Teilmantel-Hohlspitzgeschosse bereits bei moderaten Geschossgeschwindigkeiten auf beachtliche Durchmesser im Ziel deformieren, sieht das bei Kupfergeschossen wieder ganz anders aus. Die Konsistenz von Kupfer in Bezug auf die Materialdichte und die Festigkeit sind konträr zu den Eigenschaften von Blei. Kupfer besitzt eine geringere Dichte als Blei, hat dafür aber eine weitaus größere Festigkeit. Nun könnte man sagen: "Sehr gut! Damit können wir die zielballistische Wirkung des Geschosses sogar noch steigern, weil wir durch eine besser kontrollierte Zielabgabe mit einem guten zielballistischen Energietransfer bei gleichzeitiger Steigerung der Durchschlagskraft erzielen können oder?"

Im Prinzip stimmt das schon, aber die innenballistischen Parameter von Hülsenvolumen und Arbeitsgasdruck stehen dem entgegen. Geschosse aus reinem
Kupfer und vergleichbare Legierungen mit einem Kupferanteil über 90% sind deutlich voluminöser und damit länger als Bleigeschosse. Dadurch wird der nutzbare Pulverraum in der Hülse drastisch eingeschränkt. Ausserdem wird die Drallstabilität des Geschosses reduziert, was auch die Richtungsstabilität im Zielmedium verschlechtert. Dies wiederum führt zu der Notwendigkeit, deutlich leichtere Geschosse einsetzen zu müssen.

Das ist allerdings kein echter Nachteil. Zumindest dann nicht, wenn das richtige Geschossgewicht gewählt wurde. Dadurch steht erstens wieder ausreichend Verbrennungsraum in der Hülse zur Verfügung und zweitens kann das Geschoss auf eine ausreichende (Ziel-)Geschwindigkeit gebracht werden.      
                 

Bleifreie Munition
Für den Vergleich in der .45-70 Government wurden die derzeit gängigsten bleifreien Geschosse am Markt verwendet, das Hornady GMX und das BARNES TSX-Geschoss. Beide Geschosse sind mit einer Hohlspitze versehen, das GMX noch zusätzlich mit einer weichen Polycarbonatspitze, die dem kurzen Geschoss zu einem respektablen ballistischen Koeffizienten verhilft. Das Barnesgeschoss ist mit seiner offenen, beeindruckend großen Hohlspitze in 2 Gewichtsgrößen zu bekommen, mit 16,2 Gramm und 19,44 Gramm.

Bereits vorher durchgeführte Tests mit .45-70er Fabrikmunition offenbarten mit der Hornady-LE und dem GMX-Geschoss einige Schwächen, insbesondere bei der Verwendung von kurzen Läufen =>hier<=. Auch die BARNES Vor-TX Munition liegt leider unter dem Leistungsniveau, was die Patrone in modernen Waffen leisten kann, auch im Hinblick auf die gesetzlichen Vorgaben für die Zulassung auf Schalenwild (auch wenn die bestehenden Forderungen völlig an der Praxis vorbeigehen und schon lange einer dringenden Überarbeitung bedürfen).
  
Deshalb haben wir die Geschosse mit Patronen
getestet, die auf einen stärkeren Leistungslevel geladen wurden. Hinter einem entsprechend geeigneten Pulver wurden die Geschosse auf höhere Geschwindigkeiten gebracht, sodass jeweils eine Vz zwischen 590-650m/s erreicht wurde (dazu wurde die Geschwindigkeit auf der Lichtschrankenanlage gemessen).
Für einen möglichst realistischen Grenzwert wurde zudem die Zielentfernung auf 60 Meter festgelegt und die Geschosse auf ein Zielmedium mit Bereichen von unterschiedlicher Konsistenz beschossen.

Der Festigkeitsgrad der Zonen wurde im vorderen Bereich ganz bewußt hoch gewählt, um für den jagdlichen Betrieb eine möglichst verlässliche und aussagefähige Bewertung im Sinne einer oberen Geschossbelastungsgrenze zu erhalten, die in gewissen Situationen sehr schnell eintreten kann.                          


Deformationstest
Eine Schwäche offenbaren alle 3 Geschosse; sowohl das GMX als auch das TSX-FN haben ihre Probleme mit einer korrekten Deformationsexpansion.

Im Gegensatz zu den Barnes TSX-Geschossen in anderen Kalibern wie z.B. 7mm, .30, .323 (8mm), .375 oder .416, die nach unseren Erfahrungen ausnahmslos zuverlässig verformen (die Kerben in der Hohlkammer rollen sich als Fahnen nach a u s s e n auf), kommt es mit den bleifreien Kupfergeschossen im Kaliber .458 zu einer Deformation nach innen.

Der Durchmesser vergrößert sich dadurch bei Weitem nicht in dem Maße, wie es von den Herstellern dargestellt wird. Die Durchschlagskraft der drei Geschosse liegt in einem vergleichbaren Bereich, d.h. etwa 20-25cm im Testmedium.



Geborgenes
250grs GMX-Geschoss  

HORNADY GMX
Techn. Daten:
Masse: 250grs
Geschosslänge: 27,5mm
Ballistischer Koeffizient: 0,175
Restgewicht: 93%

Hauptnachteil des GMX ist die Kopflänge, mit der das Geschoss ab der Setzrille aus der Hülse ragt. Dadurch ergeben sich ähnliche Probleme wie mit dem FTX-Geschoss. Damit die Patronen in der .45-70 noch einigermaßen störungsfrei
aus dem Magazin zugeführt werden können, müssen die Hülsen entsprechend gekürzt werden. Dies schränkt das Pulvervolumen ein und begrenzt die Leistung. Das Kupferhohlspitzgeschoss zeigte auf 60 Meter Entfernung eine gute Durchschlagskraft im Testmedium von 22cm*.  Bei einer Vz 543m/s öffneten sich die Fahnen nicht nach außen, sondern nur leicht nach innen. Darüber hinaus brachen mehrere Fahnen komplett ab. Das Geschossrestgewicht lag bei 233grs, der erreichte Deformationsdurchmesser lag durch die unregelmäßig deformierten bzw. abgerissenen Fahnen im Bereich von 14-18mm.  



Geborgenes
250grs Barnes-Geschoss

BARNES TSX-FN
Techn. Daten:
Masse: 250grs
Geschosslänge: 23,3mm
Ballistischer Koeffizient: 0,136
Restgewicht: 99,2%

Mit einer eingeschränkt wirkenden Deformation wurde auf der Zieldistanz bei einer Vz von 540m/s
eine Durchschlagsleistung von ca. 23cm erreicht*. Auch das 250grs Barnes expandierte nicht korrekt. Die Fahnen drückten sich nach innen um und stauchten den Geschosskopf lediglich auf einen Durchmesser von ca. 13,5mm. Das Restgewicht des Geschosses erreichte dadurch annähernd 16,2 Gramm. Das einzig Positive daran ist, dass es durch die Massestabilität nicht zu einer Splitterwirkung kommt.      



Geborgenes Barnes 300grs TSX-Geschoss

BARNES TSX-FN
Techn. Daten:
Masse: 300grs
Geschosslänge: 26,7mm
Ballistischer Koeffizient: 0,163
Restgewicht: 99,9%

Das 300grs schwere 19,44 Gramm-Geschoss zeigte auf 60 Meter bei einer Vz von knapp 500m/s nur eine unwesentlich höhere Durchschlagskraft als das leichtere 250grs TSX. Auch hier deformierte das Geschoss nach innen (ein Phänomen, dass bereits beim Test der Barnes Vor-TX Munition zu beobachten war). Die Durchschlagsleistung lag bei etwa 25cm*. Durch die nach innen gestauchte Expansion deformierte das Geschoss nur auf einen Durchmesser von ca. 14,2mm. Das Restgewicht lag ohne Einbuße bei der vollen Ursprungsmasse von 300grs, d.h. auch hier eine 100%ige Massestabilität ohne Splitterwirkung. Interessant ist der Vergleich mit dem leichteren 250grs: Trotz langsamerer Zielgeschwindigkeit ist die Deformation mit dem 300grs nicht geringer als bei dem schnelleren und leichteren Geschoss.       

*Die Tiefenwirkung ist in der Jagdpraxis höher als die im Test gemessene Durchschlagskraft.  

Hinweis zur Wirkungsweise von Kunststoffspitzen   
Manchmal ist bei den Produktbeschreibungen von Anbietern der Kupferhohlspitzgeschosse zu lesen, dass die Spitze die "kontrollierte Deformation" im Ziel beeinflussen würde. Dies ist allerdings f a l s c h, denn das tut sie in keinster Weise!
Die Geschosse für die .45-70 sind in ihrer Geschosskopflänge aufgrund der vorgegebenen max. Patronenlänge begrenzt. Dadurch haben die üblichen Geschosse einen relativ stumpfen Geschosskopf, insbesondere, wenn es sich um Geschosse mit einer Hohlspitze handelt. Mit einem Trick verbessert man bei Hornady den Strömungswert des Geschosses: Man platziert eine Kunststoffspitze in der Hohlspitzbohrung, deren Spitzkegel sich in die Mantelgeometrie des Geschosskopfes einfügt und dadurch den nutzbaren ballistischen Koeffizient des Geschosses erhöht, aber auch nicht mehr!

Dass die Kunststoffspitze beim Auftreffen des Geschosses im Zielmedium dem Geschoss dazu verhelfen würde, die Deformation mit einzuleiten oder sogar zu unterstützen, ist defacto nicht richtig. Das Material der weichen Gummispitze ist nicht in der Lage, die Deformation im Geschoss zu beeinflussen. Dies ist auch der Grund, dass z.B. Barnes TTSX-Geschosse mit Polymerspitze nicht besser, d.h. schneller oder stärker deformieren als die TSX-Version. In der Praxis ist aber genau das Gegenteil der Fall.  
                 


Fazit
Wer seine .45-70 Government zur Schalenwild- oder zur Drückjagd führen möchte, muss bei der Verwendung von bleifreien Geschossen
im Moment zur Gewichtsklasse mit 250grs-300grs schweren Kupfergeschossen greifen. Bei eingeschränkter Deformation im Gegensatz zu Bleikerngeschossen ist die Energieabgabe allerdings begrenzt und Tiefenwirkung dieser Geschosse entsprechend hoch. Diesen Mangel kann die .45-70 Government hinsichtlich der Wirkung allerdings gut kompensieren. Bei Waffen mit einer Lauflänge von weniger als 61cm ist der Wechsel zu leichten Geschossen mit einem akzeptablen Längen- Volumenverhältnis ratsam.

Das GMX-Geschoss ist wegen seiner Sprödigkeit und der Tendenz, dass die Fahnen bei harten Treffern schnell abreissen, nur auf Ansitz+ Pirsch zu empfehlen, d.h.
wenn überhaupt. Für die Drückjagd oder zur Nachsuche ist dieses Geschoss ungeeignet. Besser sind die weichen, splitterfreien Geschosse aus reinem Kupfer.         

Die 300grs/ 19,4 Gramm schweren Geschosse sind als dabei als absolute Obergrenze anzusehen. Sie machen vor allem dann Sinn, wenn die .45-70 auf sehr schweres Wild geführt wird. Man muss allerdings berücksichtigen, dass
Geschosse mit einem Geschossgewicht von 300grs gegenüber Teilmantelgeschossen mit Bleikern deutlich mehr Hülsenraum in Anspruch nehmen, was bei gleichzeitigen Beschränkung der max. Patronenlänge wiederum die Leistungsausbeute in der Patrone begrenzt.   

 
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