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Barnes TSX und TTSX Teil 1

Jagdgeschosse > Bleifreie Deformationsgeschosse

Konstruktion
Die inzwischen am weitest verbreiteten und nach unseren Erfahrungen mit weitem Abstand besten bleifreien Jagdgeschosse sind die BARNES-Konstruktionen. Die auf einer eckigen Hohlkammer basierten Deformationsgeschosse als Kupfer funktionieren auf einem einfachen, aber äußerst wirkungsvollen Prinzip: der schlagartigen Vergrößerung des Geschossquerschnittes und der Bildung eines idealen Verhältnisses von G
ØD zu GDL. Dies sind die idealen Voraussetzungen für einen optimalen Energieabgabeverlauf im Wildkörper.   

BARNES T(T)SX-Geschosse (Triple Shock X-Bullet) bestehen aus reinem Kupfer und haben an der Geschossspitze eine 4-eckige Hohlspitze. Diese dienen der Deformationseinleitung nach dem Aufschlag. Die i.d.R. kontrollierte Aufpilzung auf 4 x-förmig abstehende Fahnen bewirkt das, was dem Geschoss seinen Namen gibt.

Erfahrungen mit JASW

Aufbau
Diese Kupfergeschosse erreichen grundsätzlich eine hohe Tiefenwirkung mit einer hohen Massestabilität zwischen 90-99%. Durch die große Durchschlagskraft hat man eine recht hohe Ausschusswahrscheinlichkeit für eine notwendige Schweißfährte.

Man muss immer bedenken, dass die Wirksamkeit eines Jagdgeschosses stets von der jagdlichen Anwendung, dem jeweiligen Kaliber und den vorherrschenden zielballistischen Faktoren abhängig ist, die im richtigen Verhältnis zueinander stehen müssen. Voraussetzung für eine rasche und zuverlässige Wirkung sind Geschossgeschwindigkeit, Zielwiderstand und Länge der Wundkaverne. Entscheidend sind aber auch die jagdlichen und aussenballistischen Verhältnisse zu dem Zeitpunkt, wenn das Geschoss auf das Ziel auftrifft (mehr dazu weiter unten).
Barnes TSX und TTSX-Geschosse in Kalibern von .30 bis .458

Die Barnes Kupferhohlspitz-Expansionsgeschosse haben sich mittlerweile in ganz Europa auf  als Markt durchgesetzt. Hier ist das Angebot an Fabrikmunition in verschiedenen Kalibern in den letzten Jahren stark gestiegen. Inzwischen hat sich der Verbreitungsbereich für die unterschiedlichsten jagdlichen Einsatzbereiche enorm erweitert.

Ausser den ursprünglichen Verwendungen im Ausland wie u.a. auf dem schwarzen Kontinent, in Nordamerika und Australien werden Barnesgeschosses immer mehr und mit großem Erfolg dort eingesetzt, wo andere moderne Teilmantel-Geschosskonstruktionen schon längst versagen: Auf jagdlichen Einsätzen, wo die gegebenen Umstände stark geschossbelastend sind, auf schwierig zu bejagendes, schusshartes Wild und bei widrigen jagdlichen Umgebungsfaktoren. Der größte Vorteil der Barnes TSX und TTSX-Konstruktion ist seine hohe Kompabilität in Bezug auf die Bandbreite, wo das Geschoss mit Bestwirkung auf alle Wildarten eingesetzt werden kann. Aber immer nur unter der Voraussetzung, dass hierzu ein geeignetes Kaliber u n d die richtige Waffe dafür gewählt wird. Dieser Aspekt wird leider immer noch viel zu sehr unterschätzt und führt bei falschen Entscheidungen zu fatalen Ergebnissen, wie z.B. dem Verlust der beschossenen Stücke.  

Ganz hervorragend ist auch die Präzision. Die Barnes Werksmunition Vor-TX liefert in der Regel eine ausgezeichnete Präzision aus allen Waffen mit guten Läufen. Wiederlader können mit BARNES- Geschossen und der richtigen technischen Ausrüstung sogar Spitzenstreukreise von 3-10mm, also echte BR-Qualität erzielen.

 

Die Ausführung mit TTSX=>Tipped Triple Shock Expanding ist das gleiche Geschoss wie das TSX, allerdings mit einer Polymer-Spitze für einen verbesserten Strömungswert. Gleiches gilt für die Zweikammergeschosskonstruktion MRX =>Maximum Range Expanding mit einer Polymerspitze und einem Silvex-Kern aus Wolfram im hinteren Geschossteil.

Weiterentwicklung des Barnes-X zu TSX und TTSX  
Nachteile der alten Barnes-X Version (wird nicht mehr hergestellt):
- Relativ hohe Tombakverschmierung im Lauf
- Lange Fluchtstrecken in Unkenntnis von Geschossaufbau, Wirkungsweise und Anwendungsbereiche mit dem Barnes-X  
- Abgerissene Fahnen des Barnes-X nicht nur bei Treffern aus Hochgeschwindigkeitskalibern mit Mündungsgeschwindigkeiten zwischen 900-1200m/s, sondern auch in Mittelkalibern

Faktor Zielgeschwindigkeit
Man muss allerdings bedenken, dass, wie alle homogenen Kupferlegierungsgeschosse, die Barnes-Geschosse als eine der Grundvoraussetzungen u.a. auch eine gewisse Mindestauftreffgeschwindigkeit im Ziel brauchen, damit sich aus der eckigen Hohlspitze die Fahnen vollständig ausrollen können und der vordere Geschossteil zur Gewebezerstörung bei der Energieabgabe im Wildkörper ausreichend deformieren kann. Der Hersteller gibt für das TSX als Minimum einen Geschwindigkeitswert von 1800f/s (550m/s) und für das TTSX von 2000f/s (610m/s) an. Dieser Wert ist allerdings keineswegs allgemeingültig. Er ändert sich je nach Kaliber, Geschoss und jagdlicher Konstellation sowohl nach oben als auch nach unten!  

Die ballistischen Tests im Bericht über die Tötungswirkung bleifreier Geschosse der HNE kommen beim Gelatinebeschuss im Kaliber .30 mit dem 180grs TSX auf 700m/s und beim 8mm mit dem 180grs TSX auf 665m/s an Mindestgeschwindigkeit. Alle diese Werte sind aber nur grundsätzliche, grob richtungsweisende Angaben. Entscheidend ist nicht die Geschwindigkeit, sondern primär alle außen- und zielballistische Faktoren. Dies zeigt sich im Jagdbetrieb, wo kaliberintern und kaliberübergreifend die unterschiedlichsten Wirkungsergebnisse auf Wild erzielt werden. Und damit beginnen die Schwierigkeiten. Man muss dieses Zusammenspiel bei der Wahl der maximalen Schussentfernung außer dem Kaliber immer auch den jeweiligen jagdlichen Einsatz berücksichtigen.

Wenn wir in diesem Zusammenhang von praxisgerechten Grenzwerten sprechen, ist die Zielgeschwindigkeit nur eine von mehreren zielballistischen Komponenten. Nach unseren Erfahrungen mit Barnes TSX und TTSX-Geschossen kann der anzustrebende Wert für die Zielgeschwindigkeit bei manchen Kalibern höher liegen als vom Hersteller oder in zielballistischen Beschusstests angegeben, aber auch deutlich geringer sein als empfohlene Testergebnisse, und zwar aus mehreren Gründen. Eine davon ist die ausreichende Abwärtskompabilität der Geschossbelastung. Deshalb raten wir in einigen Kalibern zu einer Vz über 600m/s, in anderen Kalibern aber auch zu Zielgeschwindigkeiten, die teilweise deutlich darunter liegen können. Die Erfahrungswerte streuen hier sehr stark. Die jagdliche Anwendung und das Kaliber sind die ausschlagebende Faktoren, um realistische, wirksame und vor allem sichere zielballistische Ergebnisse zu erzielen. Aus diesem Grund gibt es keine "allgemeingültigen" oder "Standardanwendungen". Jede einzelne Verwendung muss exakt auf den jeweiligen zielballistischen Bereich und seinen Zweck abgestimmt sein.

Die Grenzwerte jedes Kalibers liegen in eigenen Bereichen. Die Wirkung in der Jagdpraxis zeigt, dass sich jedes Kaliber und jede Laborierung mit unterschiedlich schweren Geschossen in Bezug auf die Geschosswirkung- und Belastung, teilweise sogar vollkommen anders verhält. Eine Pauschalempfehlung ist aus den oben aufgeführten Gründen daher nicht möglich, auch wenn es sich in der jeweiligen Geschossgruppe beim TSX / TTSX grundsätzlich um baugleiche Geschosskonstruktionen handelt.

Zielwiderstand
Um eine schnelle Augenblickswirkung zu erzielen, sind beim Barnes die Umgebungsverhältnisse des Geschosses beim Durchgang entscheidend. Das heißt, dass sich das Geschoss den unterschiedlichsten Gegebenheiten während des Durchgangs anpassen muss. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Faktoren eine große Bandbreite aufweisen und das Geschoss trotzdem eine möglichst annähernd gleiche Wirkung entfalten soll. Um den Idealzustand zu erreichen, sollte ein Geschoss zwar eine möglichst hohe Energieabgabe im Wildkörper erzielen, aber es muss immer im richtigen Verhältnis zur Energiemitnahme (sprich notwendige Durchschlagsleistung für den Ausschuss) stehen. Mit Ausnahme einiger Spezies auf der Großwildjagd ist der Ausschuss ein absolutes Muss und für eine praxisgerechte Schweissfährte auf der Jagd unverzichtbar.      

Das andere Extrem ist der Einsatz auf filigranes Wild wie z.B. Kleinantilopen. Man muss dies in jedem Fall berücksichtigen. Wer glaubt, mit dem Barnes auf leichtes Schalenwild mit rückwärtig platzierten Lungenschüssen den gleichen Effekt wie mit Teilmantel-Bleikerngeschossen zu erzielen, wird in den meisten Fällen ganz schnell eines Besseren belehrt. Hier müssen die richtigen Auswahlmaßnahmen ergriffen werden.

Ein Geschoss ohne Mängel?
Viele denken, dass das Hauptproblem für den richtigen Einsatz der Barnes- Kupferhohlspitzgeschosse immer nur darin bestehen würde, genug Power in Bezug auf die Geschossgeschwindigkeit zu bekommen, bis es richtig wirkt. Das ist komplett falsch.

Selbst ein so zuverlässiges Homogen-Deformationsgeschoss wie das Barnes kann durch die falsche Anwendung zielballistisch enttäuschen. Die Versagerqoute hinsichtlich mechanischer, d.h. konstruktionsbedingter Überlastung ist allerdings so niedrig wie bei keinem anderen Geschoss. Jagdliche Situationen fordern Geschosse i m m e r weit über das Maß hinaus, was zielballistische Tests mit Seife oder Gelatine uns glauben machen wollen.
Im
Extremfall bleiben beim Barnes von dem ursprünglichen Geschossgewicht immerhin noch respektable 60-70% an Restmasse übrig. Man muss sich dabei vergegenwärtigen, dass in diesen Fällen andere Geschosse bereits versagen und dann zu schwierigen, gefährlichen Nachsuchen oder dem Verlust des Stückes führen. Mit einem normalen oder gebondeten Teilmantelgeschoss ist unter solchen Bedingungen das Totalversagen (nicht nur wegen Masseverlust) so gut wie sicher. Hier bietet das Barnes die höchste zielballistische Kontinuität und mit weiteren Einschränkungen auch einige andere Deformationsgeschosse.
    

TSX oder TTSX?
Das TSX ist grundsätzlich ein sehr gutes bleifreies Geschoss zur Jagd auf alle Standardentfernungen, ersteinmal auch unabhängig vom Kaliber. Wer regelmäßig weiter als 200m schiesst, sollte eher das TTSX nehmen wegen dem besseren Formwert des Geschosses. Damit sind grundsätzlich sehr gestreckte Flugbahnen möglich. Die Geschosse mit der Polykarbonatspitze sind generell etwas leichter+ damit schneller, was auch die Reichweite hinsichtlich des Vz-Minimums etwas erhöht. Man muss jedoch unbedingt darauf achten, dass auch die optimale Zielgeschwindigkeit eingehalten wird. In den Kalibern 7mm bis .30 kann eine Vz von mindestens 750m/s oder mehr sinnvoll sein, in einigen Fällen aber auch deutlich weniger. Möchte man Rehwild (mit)bejagen, ist es unumgänglich, die Zielgeschwindigkeit anwendungsgerecht auf die vorhandenen Komponenten und den individuellen Einsatz abzustimmen. Hier scheiden leider viele der angebotenen Kaliber mit den VOR-TX Fabrikpatronen aus und man kommt um das Wiederladen von speziellen Laborierungen nicht herum.  

Interessanterweise scheint das TSX sogar etwas besser im Wildkörper anzusprechen als das TTSX. Dies kann man beim Vergleich der beiden Konstruktionen feststellen, wenn man sich den Wundkanal und den Ausschuss der erlegten Stücke genauer ansieht (gleiches Kaliber und die selbe Waffe natürlich vorausgesetzt). Möglicherweise ist dies auch der Grund, warum man bei Barnes das TTSX in leichteren Geschossgewichten als das TSX anbietet und bei dem TTSX sogar eine etwas höhere Mindestauftreffgeschwindigkeit angibt. Mit beiden Geschosstypen sind jedenfalls mit der richtigen Ladungsabstimmung hervorragende Schussbilder in Matchgeschossqualität möglich.

Das Märchen von der "Deformationsbeschleunigung"
Die jagdlichen Erfahrungen in der Praxis bestätigen die Tatsache, dass die Polymerspitze keinerlei Einfluss auf die Deformation hat. Werbesprüche wie das angebliche "Einleiten" oder gar "Unterstützen der Deformation" sind völliger Unsinn. Die Kunststoffspitze an einem Kupferhohlspitzdeformationsgeschoss begünstigt einzig und allein die Flugbahn durch die Verbesserung des Strömungswertes und nicht mehr!         


Nächstes Kapitel
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