Auswahl und Gestaltung von Büchsen - JASW

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Auswahl und Gestaltung von Büchsen

Tipps

Bedeutung
Die meisten Situationen auf der Jagd sind einmalig. Wenn man diese Gelegenheit für einen Schuss deshalb nicht oder nicht optimal nutzen kann (unter
jagdlich vertretbaren Vorassetzungen), weil es die Waffe dem Schützen nicht ermöglicht, bekommt man keine 2. Chance. Eine Jagdwaffe muss schnell+ treffsicher eingesetzt werden können: jederzeit, überall und unter widrigen Bedingungen. Ein Schuss, der nicht oder nur schlecht angebracht werden kann, ist das Letzte, was man sich als passionierter und verantwortungsbewusster Jäger antun kann. Mehr noch: es verfolgt den Betroffenen für eine sehr lange Zeit.
Um die Suche nach einer wirklich passenden Waffe nicht auf Abwege geraten zu lassen, nachfolgend ein paar Anmerkungen zur Vorgehensweise:

Bei der Neuanschaffung einer Büchse sollte man systematisch vorgehen und darauf achten, das Pferd nicht von hinten aufzuzäumen. In den Zeiten eines scheinbaren Überangebotes ist es verführerisch, sich bei einem Waffenmodell, das einen
persönlich anspricht, sind an der Kaliberpalette eines betreffenden Herstellers zu orientieren.

Dies führt dann
aber schnell in eine Sackgasse, wenn die getroffene Auswahl gar nicht mit den tatsächlichen Erfordernissen in der Jagdpraxis abzubilden ist. Deshalb sollte der erste Schritt i m m e r zuerst mit der Kaliberwahl beginnen.
Erst dann kann sinnvollerweise eine Auswahl von in Frage kommenden Waffen und entsprechenden Modellen von unterschiedlichen Herstellern erfolgen.


Ablaufschema:


Kaliberauswahl treffen


Waffentyp auswählen


Waffenmodell nach Hersteller wählen
                                                   

Modell entsprechend den Vorstellungen     Kein Modell nach Vorstellungen
                                                                                                       

Auswahl nach Modelloptionen                     Individualbau (Custom-Sonderanfertigung)

                                                                                                           

Munitionstechnische Abstimmung von Patrone und Geschoss
(Laborierung)



Tipps zur Vorgehensweise
Die Erfahrung zeigt, das der überwiegende Teil aller jagdlichen Schützen im Laufe ihrer jagdlichen Aktivitäten bei der Neuanschaffung das Kaliber wechselt. In den meisten Fällen wird dann zu einem größeren Kaliber gegriffen.
Natürlich ist es immer besser, am Anfang bei der Kaliberwahl die Messlatte zunächst nicht zu hoch zu legen. Man kann sich allerdings herbe Enttäuschungen mit Waffe und Patrone ersparen, wenn man bei der Auswahl verschiedene Kriterien berücksichtigt (weitere Parameter wie Treffersitz und Geschosswirkung zunächst ausgenommen).

Eine solche Hilfestellung kann durch eine

  • Begutachtung von Waffe(n) vor Ort

  • ausführliche Produkterklärung

  • Handhabungstest

  • Probeschiessen

  • produktneutrale Beratung von unabhängiger Seite

erfolgen.

Dazu ist es unerlässlich, Waffen von v e r s c h i e d e n e n  Anbietern in Augenschein zu nehmen und diese auch zu testen. Viele Mängel kann man so bereits im Vorfeld erkennen (sog. Produktbewertungen aus dem Netz oder anonyme Meinungsäußerungen aus Internetforen sind natürlich keine ausreichenden Informationsquellen).          


Was man beachten sollte
Hier die häufigsten Fehler, die zu gravierenden Fehlentscheidungen führen:

  • Falsche Kaliberwahl

  • Fehlerhafte Schaftauswahl

  • Unzureichende Schaftgestaltung

  • Zu geringes oder zu hohes Waffengewicht

  • Zu langer oder zu kurzer Lauf

  • Falsches Grundmaterial (System, Lauf, Verbindungskomponenten, Schaft)

  • Schlechte Auswahl der Montage

  • Ungeeignete Zieloptik, Zielfernrohre

  • Unzureichende technische Gestaltung, falsche Optionen

  • Falsche Handhabungsoptimierung


Auf der Suche nach der "perfekten" Lösung
Nicht selten
werde ich von Leuten angeschrieben, die für ihre Waffe eine Laborierung haben möchten, die aus der jeweiligen Waffe in erster Linie auf allerhöchste Leistung ausgelegt ist (am besten noch etwas darüber).
Es gibt auch Fälle, wo nach einem "
geeigneten Pulver mit günstigen Druckverlauf" gefragt wird und sich im Nachgang herausstellt, dass die Protagonisten bereits Ladungen verschossen haben, bei denen der Gasdruck bereits weit über der zulässigen Grenze liegt (der Verschluss ist nach dem Schuss nur mit großer Kraftanstrengung zu öffnen). Hier existieren wirre Gedankenspiele, zum Beispiel aus einer Kurzlaufbüchse mittels einem leichten Geschoss und einer ultraheißen Ladung eine jagdlich volltaugliche Büchse für Weitschussentfernungen machen zu wollen. Das ist so, als ob man ein DTM-Rennen mit einem Serien-Mittelklassewagen bestreiten möchte.

Es hat auch nichts mehr mit einer effektiven Vorgehensweise und natürlich auch nichts mit einer spürbaren Verbesserung in Bezug auf die jagdliche Wirkung zu tun
(vom effektiven Nutzen mal ganz zu schweigen). Nur ein jagdtaugliches Kaliber in Verbindung mit einer Laborierung, die optimal auf die Waffe abgestimmt ist, kann auch eine gute Wirkung bei bester Präzision erbringen.

Eine kompakte Waffe mit einem Kurzlauf erreicht einfach nicht das außenballistische Level wie eine Büchse, die
für eine starke Jagdpatrone mit einem geeigneten Langlauf ausgestattet und abgestimmt ist und die auf jagdliche Langdistanzen eingesetzt wird . Hier klaffen Wunschgedanken und Realität viel zu oft weit auseinander. Die Vorzüge, die man als Waldjäger mit einer führigen Büchse und einem Kurzlauf zu schätzen weiß, sind genauso wie mit einer kaliberspezifisch angepassten langläufigen Büchse, mit der auf weite Flächen über große Distanzen gejagt wird. Das bedeutet aber auch, in der richtigen Reihenfolge und vor allem logisch konsequent vorzugehen und nicht gleich nach einer "eierlegenden Wollmilchsau" Ausschau zu halten.

Im Klartext heißt das: wer auf jede Metersekunde angewiesen ist und eine flache Flugbahn haben möchte, muss sein Augenmerk auf die sorgfältige Auswahl einer leistungsstarken Patrone richten. Eine solche Patrone muss viel Antrieb für das Geschoss haben und aus einem
geeigneten Lauf mit einer entsprechenden Länge verschossen werden. Dies manifestiert sich in der Auswahl des richtigen Kalibers bzw. der anwendungsgerechten Patrone für diesen Jagdzweck. Durch diese Vorgehensweise muss man keine Kompromisse eingehen, sowohl in Bezug auf die Leistung, als auf Ergonomie+ Handhabung.

Solche Büchsen kann man mit den gegenwärtigen technischen Gestaltungsmöglichkeiten durchaus mit Lauflängen zwischen 65-75cm jagdlich anwendungsgerecht und erfolgreich jagdlich einsetzen und führen. Beispiele für diese Anwendungen sind z.B. die Ultra-Magnums in den Hochleistungskalibern 7mm, .300, .338 und .375, die aufgrund ihrer Hülsengeometrie aus ausgewählten Läufen eine exzellente Präzision auf sehr weite Schussdistanzen erbringen können.   

Völlig unsinnige Wahlmöglichkeiten
Was diesbezüglich von einigen Herstellern und Händlern im Moment angeboten wird, spottet tatsächlich jeder Beschreibung. Die grössten Fettnäpfchen, in die man hineintreten kann, findet man bei der Schaft-, Lauf-, Abzugs- und Optionsauswahl.

Hersteller, die für problemlos zu schiessende Mittel- und Magnumkaliber Waffenmodelle mit extra schweren Laufkonturen, Mündungsbremsen oder Granulatverzöger anbieten, sind keine Seltenheit. Wenn in der "Fachpresse"
Waffen mit Carbonläufen und Mündungsbremsen in Mittelkalibern wie 8x57IS vorgestellt werden, geht uns sofort das gute alte Sprichwort durch den Kopf:

- "Wes Brot ich ess', des Lied ich sing'!"  -    


Beim Angebot von Schäften sieht es sogar noch schlimmer aus. Hier werden zahllose ungeeignete Schaftformen und Ausführungen angeboten, wie sie nutzloser nicht sein könnten. Man denke z.B. an unsinnige Lochschäfte, das Propagieren der englischen Schaftform als Allheilmittel gegen den Rückstoss und Schäfte, die nun wirklich absolut nichts mit einer sinnvollen, detaillierten Schaftgestaltung zu tun haben (Produktlinien für Modellerweiterungen in der Massenproduktion).

Hierzu ein
Beispiel für den Bau eines Schaftes:
Ein optimal passender Schaft entsteht aus einer Vielzahl von Kriterien und Parametern, die punktgenau auf den Anwender zugeschnitten sein müssen. Um einen Schaft anwendungsgerecht zu gestalten, sind im Minimum 30 verschiedene Maß-, Form- und Positionsangaben notwendig.
Hinzu kommen noch weitere wichtige Einflussgrößen:

  • Material

  • Beschichtung

  • Griffigkeit   

  • Ausformungen

  • Abschlüsse

Das Wichtigste ist allerdings die individuelle Abstimmung auf den jagdlichen Schützen, auch im Hinblick auf die jagdlichen Gegebenheiten und die Abstimmung auf das Kaliber mit der Laborierung. Eine optimale Auswahl ist nur durch eine waffentechnisch versierte und jagdlich erfahrene Hand im Rahmen eines persönlichen Gespräches möglich. Sich im Netz über einen Waffenkonfigurator eine Waffe zusammenzustellen, ist wie bei einem Blindflug in einem Flugzeug darauf zu hoffen, dass man bei der Landung einem Absturz entgeht. Hier kann man die Uhr bereits auf den Einschlag einstellen. Das Ergebnis ist dann, dass man eine unbrauchbare Waffe mit der Garantie für jagdliche Mißerfolge und lebenslangen Enttäuschungen erwirbt. Auf der Jagd gibt es in der Regel keine zweite Chance!        

Auch bei den angebotenen Abzügen wird der Bereich im Sinne einer praktikablen technischen Lösung bei einigen Anbietern verfehlt. Aber es geht noch weiter: es häufen sich die Rückmeldungen über Funktionsversagen und Brüchen. Soviel zum Werbeslogan "mit modernen Stählen in geringsten Toleranzen CNC-gefertigt"...      

Eine neue Gilde hat sich inzwischen auch mit dem Anbau von sog. "rückstossdämpfenden" Schalldämpfern gebildet. Potentielle Kunden werden mit vollmundigen Versprechen umworben.
Wir haben dafür nur folgende Worte: Flüssiger als Wasser... nämlich ü b e r f l ü s s i g!
Wer glaubt, damit irgendeine Verbesserung herbeizuführen oder dass er seine Büchse auf der Jagd mit solchen Hilfsmitteln besser führen, geschweige denn besser einsetzen könnte, stellt sich selbst ein Armutszeugnis in Bezug auf seine jagdliche Handlungsfähigkeit aus und sollte sich besser nach einer anderen Aktivität umschauen.               

Es ist nicht verwunderlich, dass sich die Fälle häufen, bei denen die Käufer nach einer gewissen Zeit erstaunt feststellen, dass die neue Büchse überhaupt nicht das gelbe vom Ei ist. Wenn die jagdlichen Misserfolge da sind, geht den Käufern ein Licht auf, dass sie Optionen gewählt haben, die mit der jagdlichen Praxis nicht vereinbar sind oder welcher Unsinn ihnen hier aufgeschwätzt wurde. Das bestätigen auch die regelmäßigen Rückmeldungen und Zuschriften von Lesern der Homepage.  

Abschlusstipp
Als Empfehlung kann ich abschließend dazu raten, sich vor der Anschaffung einer neuen Waffe keinesfalls nur auf die Aussagen vom jeweiligen Anbieter zu verlassen.
Besorgen Sie sich Informationen aus erster Hand von jagdlich kompetenten Quellen und bedienen Sie sich herstellerunabhängigen, neutralen+ seriösen Informationsquellen, die über eine profunde jagdliche E
rfahrung verfügen.

 
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