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Abzüge

Jagdwaffentechnik

Vorwort
Bei einer guten Jagdwaffe kommt der Abzug zwar erst nach dem Waffensystem, dem Lauf, dem Schaft und der Zielerfassung (und genau in d i e s e r Rangfolge), aber er ist ebenso wie die anderen Waffenkomponenten ein ganz entscheidender Faktor für das Gelingen des Schusses.
Mit dem Begriff "gut" ist jetzt weniger die Ausführung und die Qualität des Abzugs gemeint, sondern die richtige Auswahl und die verwendete Technik. Würde man das meiste, was man derzeit in Internet und auf den Seiten der Anbieter zum Stichwort Abzug lesen kann, für bare Münze nehmen, müsste man für jede Waffe immer einen Direktabzug ohne Vorzug und mit möglichst wenig Abzugsgewicht nehmen.*
Schaut man sich die Beschreibungen der Hersteller an, dreht sich alles nur um das Abzugsgewicht und den Auslösebereich. Dabei taucht überall und immer wieder der Slogan "bricht wie Glas" auf. Aber diese Formulierung ist ebenso irreführend wie unvollständig. Daraus lassen sich weder allgemeingültige noch aussagefähige Kriterien ableiten, die im jeweiligen praxis- und handhabungsgerechten Anwendungsfall für eine Jagdwaffe tatsächlich relevant sind. Dazu ein Beispiel: Eine Waffe mit einem Abzug, der einen geringeren Standardabweichungswert (Streuung des Auslösewiderstands) hat, lässt sich nicht zwangsläufig besser (d.h. präziser) schiessen als mit einem Abzug und einem höheren Streuwert, der anders ausgeführt ist und ein differentiertes, besser angepasstes Auslöseverhalten aufweist, ganz im Gegenteil!      

Aber warum trifft die erstgenannte Behauptung* nicht zu, man könnte doch grundsätzlich in jeder Waffe vom Kaliber .17 bis zur .470 einen Direktabzug verwenden oder...? Im Prinzip schon, aber in der Praxis im Detail sicherlich nicht. Jeder jagdliche Einsatzbereich ist anders. Es gibt einige jagdliche Anwendungen, bei denen der Abzug der Waffe z.B. mit einem bestimmten Vorzug ausgestattet sein m u s s, um die Waffe optimal einzusetzen.

Man sollte nicht den Fehler machen, den Abzug einer Waffe nur unter dem Aspekt des Abzugswiderstandes und des Bruchverhaltens zur Schlagbolzenauslösung zu betrachten. Der Abzug ist außer dem Schaft d i e maßgebliche Verbindung zwischen Waffe und Schützen, mit der er aktiv und kontrolliert agieren muss. Nachdem die Zielerfassung und die Positionierung der Waffe abgeschlossen ist, kann eine "saubere" Schussabgabe nur durch eine geübte+ trainierte Feinmotorik über den Abzug erfolgen.
                         
  

Abzugsarten
Die gängigsten Konstruktionen und Ausführungen:

  • Flintenabzug

  • Direktabzug

  • Spannabzug

  • Kombiabzug

  • Druckpunktabzug

  • Einzüngliger Stecher

  • Doppelzüngliger Stecher

  • Sportwaffen- Matchabzug


Der Abzug, den man von Schrotflinten und Kipplaufbüchsen kennt, ist der
klassische Flintenabzug. Auf Sicherheit getrimmt, wurden früher sehr viele Jagdwaffen damit ausgestattet. Dieser Abzug hat ein relativ hohes Abzugsgewicht und weist starke Schwankungen in Bezug auf Auslösewiderstand und Charakteristik auf. Im Laufe der Jahre hat sich aber die Qualität der Abzüge aufgrund der verwendeten Werkstofflegierungen der Materialien sowie durch verbesserte Fertigungstechnologien gesteigert. Vergleicht man die Auslösewerte von alten Flintenabzügen mit denen von modernen Waffen, kann das nominale Abzugsgewicht zwischen 1-2kg geringer liegen.

Tipps zur Auswahl von Abzügen für die Jagdpraxis
Es gibt eine Vielzahl von jagdlichen Situationen, in denen die verschiedensten Jagdwaffen eingesetzt werden können. In Bezug auf die Auswahl für den richtigen Abzug spielt es erst einmal keine Rolle, welche Waffe dabei verwendet wird, d.h., wenn die grundsätzliche Zuordnung für den Jagdeinsatz stimmt. Für eine Waffe, die z.B. auf dem Ansitz verwendet wird, können verschiedene Abzugstypen in Betracht kommen. Hier richtet sich die Auswahl sowohl nach den örtlichen Gegebenheiten im Revier oder Jagdgebiet im Auslandseinsatz, als auch nach der(n) zu bejagenden Wildart(en). Erweitert oder verändert sich der Einsatzbereich, z.B. wenn die Waffe auch zur Pirschjagd verwendet wird, schränkt dies unweigerlich auch die Auswahl des in Frage kommenden Abzuges ein.

Bei Waffen für spezielle jagdliche Anwendungen kommen sinnvollerweise Abzüge zum Einsatz, die teilweise eklatante U
nterschiede in Bezug auf Technik und Aufbau aufweisen. Es ist nur logisch, dass man z.B. für eine Büchse, die man zur Fuchsjagd oder zur Rehwildjagd auf weiten Flächen vom Ansitz aus einen ganz anderen Abzug benötigt, als für eine Büchse, die für die Drückjagd eingesetzt wird. Der Abzug einer Waffe, die auf Jagden im Ausland (z.B. in Mittel- und Magnumkalibern) geführt wird, muss anders ausgeführt sein, als jener, der in einer Waffe in einem großen Kaliber, z.B. für die Großwildjagd eingesetzt wird. Abzüge, die in Kipplaufwaffen verbaut sind, unterscheiden sich von solchen, die in Spezialbüchsen für Nachsuchen oder zum Backup eingesetzt werden. Und Abzüge in Kurzwaffen, die zum jagdlichen Fangschuss oder zur Nachsuche auf Wild verwendet werden sollen, sind wiederum völlig andere, die für Waffen in kleinen Jagdkalibern tauglich sind, usw. ...

Eine Büchse, welche zum Ansitz auf der Rehwildjagd mit einem idealen Abzug für Präzisionsschüsse auch auf weite Distanzen optimiert ist, verliert einen großen Teil ihrer Einsatzbarkeit bei der Pirsch. Die Anforderungen an den Abzug sind zu unterschiedlich, sowohl in Bezug auf die Bauart, als auch auf die notwendige technische Ausführung. Das bedeutet, das man auch die beste Büchse keine zufriedenstellenden jagdlichen Ergebnisse liefern kann, wenn darin der falsche Abzug verbaut ist (daran ändern auch Abzüge mit Schnellverstellungsoptionen nichts).

Im Klartext heißt das in der Jagdpraxis, dass die Benutzung einer Waffe mit einem zu feinen Abzug genauso in einer jagdlichen Katastrophe münden kann wie ein unpassender, d.h. wie ein
für den Schützen ungünstig abgestimmter Abzug mit der falschen Technik. Hier gilt es, das richtige Maß für das notwendige Zusammenspiel von Schußabgabe, Handhabung und vor allem für die jagdlichen Erfordernisse zu finden. Diese Faktoren m ü s s e n zusammenpassen. Es bringt gar nichts, z.B. eine Büchse mit einem Direktabzug auszustatten, wenn die jagdliche Anwendung höchste Präzision auf weite Distanzen erfordert. Ebensowenig eignet sich eine Büchse mit einem fein eingestellten stecherartigen Abzug, wenn man die Waffe auch zur Pirsch führen möchte.                   

Bei der nebenstehenden Tabelle rechts
sind als Beispiele die Abzugswiderstände von verschiedenen Waffen aufgeführt.

Bei den Angaben handelt es sich um
den durchschnittlichen Abzugswiderstand aus gemittelten Werten von Einzelmessungen und die daraus errechnete jeweilige prozentuale Standardabweichung.

Die Abzüge sind teilweise von verschiedener Bauart, wie z.B. Flinten-, Direkt-, Druckpunktabzug sowie Stecher (Doppelzüngel und Rückstecher).

Hinzu kommen weitere Kriterien in Bezug auf
Bearbeitung und Zustand des jeweiligen Abzuges
(ausführliche Erläuterungen siehe weiter unten):

  • Originalzustand und unbearbeitet (leicht eingefahren, mehr als 100 Auslösungen)

  • Originalzustand und über Jahre hinweg geführt (voll eingefahren, Auslösungen über 500, je nach Waffentyp auch 1000 oder 2000)

  • Nachträglich überarbeiteter Abzug Abzugstuning

  • Sportabzug, Matchqualität bei Werksauslieferung als Fabrikstandard


Beispiele für Abzugsgewichte von Jagd- und Kurzwaffen

Nr.

Waffe:

Abzugsgewicht:

Standardabweichung:

1

Doppelflinte I

1.956g (Einabzug)

15,3%

2

Doppelflinte II

2.302g (vorderer Abzug)

4,3%

3

Doppelflinte II

3.102g (hinterer Abzug)

13,5%

4

Vorderschaftrepetierer

3.292g

13,6%

5

Selbstladebüchse

2.518g

14,7%

6

Repetierbüchse I

1.216g

10,7%

7

Repetierbüchse II

1.048g

7,8%

8

Repetierbüchse III

270g

16,4%

9

Repetierbüchse IV

1.321g

14,1%

10

Repetierbüchse  V

137g

9,8%

11

Repetierbüchse  VI

1.240g

4,7%

12

Unterhebelrepetierer

2.198g

5,2%

13

Pistole

1.708g

4,3%

14

Revolver I

1.871g (SA)

2,2%

15

Revolver II

1.187g (SA)

9,3%

Abzugsgewicht -das Non-Plus-Ultra?-  
Normalerweise wird einfach davon ausgegangen, das ein Abzug generell umso besser ist, je geringer der Abzugswiderstand ausfällt. Der Moment Schussabgabe wird verkürzt und der Zeitpunkt fällt in einen enger begrenzten Bereich, was die Auslösung grundsätzlich erleichtert.
Soweit so gut. Vergleichen wir dazu 2 Abzüge gleicher Bauart und im gleichen Waffentyp. Der erste Abzug löst bei einem durchschnittlichen Abzugsgewicht von 1200 Gramm aus und der zweite bei 1800 Gramm. Beide Abzüge sind sowohl von ihrer Qualität und ihrem Brechverhalten miteinander vergleichbar. Die durchschnittliche Standardabweichung unter identischen Meßbedingungen* liegt bei den beiden Abzügen unter 10%, was für einen Abzug, der für jagdliche Zwecke genutzt wird, einen guten Wert darstellt.

Nach der gängigen Definition in Bezug auf das entscheidende Hauptmerkmal, dem Abzugswiderstand (inkl. vergleichbares Auslöseverhalten) müsste der erste Abzug mit einem um 600 Gramm geringeren Abzugsgewicht ganz klar die bessere Wahl sein. Unter "besser" ist das empfundene Verhalten zur Schußabgabe u n d die tatsächliche Umsetzung im Sinne des Schußergebnisses zu verstehen, sprich die erzielbare Präzision in Form des Streukreises. De Fakto ist es aber der 2.
Abzug mit dem höheren Abzugsgewicht, der sich für die Schußabgabe deutlich angenehmer+ besser betätigen lässt und mit dem eine bessere Präzision zu erzielen ist, nicht der Abzug mit dem geringeren Abzugsgewicht!

Die Antwort ist einfach: die Effektivität eines Abzuges ist primär nicht nur der reinen Mechanik, sondern maßgeblich von der "Umgebung" der Waffe abhängig:

  • Abstand zum Schiessfinger  

  • Winkel zur Schusshand

  • Ausführung und Geometrie


Aber der wichtigste Faktor ist allerdings
der Schütze s e l b s t. Ohne eine ausgiebige Abstimmung auf die persönlichen Voraussetzungen nutzt der beste Abzug überhaupt nichts. Jeder von uns hat seine spezielle Ausrichtung und kommt längst nicht mit jedem Abzugstyp zurecht. Es gibt Schützen, die mit einem fein eingestellten Direktabzug einfach nicht klarkommen, dafür aber umso besser mit einem Leichtabzug oder Stecher (und natürlich auch umgekehrt). Aber: In erster Linie bestimmt zwar der jagdliche Einsatzbereich die Ausführung des Abzugsttyps und den Abzugsgewichtsbereich. Es bringt dem jeweiligen Schützen überhaupt nichts, wenn er den Abzugstyp nicht sicher bedienen und für den jeweiligen Einsatz nicht kontrollieren kann.          

*Meßbedingungen:    
Für die Einzelmessungen wird das Abzugsgewicht der Waffe aus gleichen Position innerhalb eines bestimmten Winkels+ Geschwindigkeitsfensters ermittelt, und daraus der Mittelwert und die Standardabweichung berechnet. Die Durchführung des Meßverfahrens beeinflusst in entscheidenem Maße die Ergebnisse. Die Werte meiner Messungen spiegeln die angewendeten Prüfbedingungen wieder.                        

Das "richtige" Abzugsgewicht
Es bringt gar nichts, sich bedingungslos dem allgemeinen Trend anzukoppeln und dem Slogan zu folgen,
"je geringer, desto besser". Ein normaler und gut eingefahrener Abzug kann im Einzelfall sogar wesentlich besser sein als ein trocken auslösender Abzug mit einem zu niedrigen Abzugsgewicht.

Grundsätzlich sollte der Auslösewiderstand umso geringer sein, je größer die Präzisionsanforderungen und je weiter die Schussdistanzen sind. Dies gilt jedoch nur für ganz s p e z i e l l e Jagdeinsatzbereiche, wie z.B. Ansitz oder dort, wo die Waffe unter idealen Bedingungen mit einer guten Auflage zum Schuss gebracht werden kann. Nur dort sind möglichst geringe Abzugsgewichte
unter 200g realistisch. Als ideal ist ausschließlich in diesen Fällen aber nur etwa 20-50% dieses Wertes anzusehen. Nur dann ist man in der Lage, auch das volle Präzisionspotential einer guten Waffe auf der Jagd effektiv auszuschöpfen.

Wie bereits weiter oben aufgeführt, wird man mit einem feinen Stecherabzug in einer Waffe, die man auf der Pirsch führen möchte, nicht glücklich. Es ist aber nicht nur wegen der Wahrscheinlichkeit, dass der Schuss unbeabsichtigt losgeht (was die jagdpraktische Erfahrung bestätigt). Das Problem ist hierbei weniger die Kontrolle bei der Schussabgabe an sich, sondern die
Dynamik jeder Jagdsituation. In den Augenblick, wenn sich das Stück bewegt oder seine Positionswinkel zum Schützen verändert, muss der vorbereitete Schuss sofort abgebrochen werden können. Dies bedeutet, dass man flexibel sein muss, aus dem Anschlag zu gehen und evtl. einen sofortigen Positionswechsel durchzuführen. Und das muss einfach, schnell und sicher vonstatten gehen. Mit einem Leichtabzug bzw. Stecher ist dies nie in diesem Maße umsetzbar (auch wenn manche Waffen dazu Bedienmöglichkeiten für die notwendige Operationen bieten).               

Ein praxisgerechter Abzug für die Pirsch auf Schalenwild einschl. Hochwild sollte ein Direktabzug sein, der einfach+ sicher zu handhaben und auf den Schützen eingestellt ist. Als einen
praktikablen Richtwert für den Abzugswiderstand ist ein Bereich zwischen 500g bis 1000g anzusehen.

Bei einer Waffe, die auf der Drückjagd geführt wird, sieht das schon ganz anders aus. Hier muss man beim Abzug bereits einen deutlichen Kompromiss in Punkto Abzugsgewicht zugunsten der Handhabungssicherheit eingehen. Um situationsbedingte Fehlauslösungen durch Körperbewegungen und dem eingeschränkten Tastsinn der Schießhand z.B. bei Kälte, das Tragen von Handschuhen oder Stress weitgehend zu verhindern, muss der Abzug unbedingt in einem höheren Auslösebereich liegen. Dazu sind als Mindestwert ca. 1200g
zu veranschlagen, die auf keinen Fall unterschritten werden sollten. Als Obergrenze sind je nach Abzugscharakteristik und Technik mit einem guten Abzug in geeigneter Ausführung bis zu 2000g praktikabel und minimieren die Gefahr von Fehlschüssen.

In Spezialwaffen wie z.B. Büchsen, die für Nachsuchen und Backup-Einsätze volltauglich sein sollen, muss ebenfalls ein geeigneter Abzug verbaut sein. Dieser muss
unter ungünstigsten Einsatzbedingungen in der Jagdpraxis einfach, aber vor allem s i c h e r zu bedienen sein. Dies bedeutet, dass sowohl Ausführung des Abzuges, als auch Lage und Geometrie des Züngels und die Abzugscharakteristik so ausgeführt sein müssen, dass eine rasche+ kontrollierte Schussabgabe in allen erdenklichen Situationen und unter Stressbedingungen sicher möglich ist. Die Auswahl der geeigneten Bauart des Abzuges ist hier von entscheidender Bedeutung. Als Abzugsgewicht ist ein Bereich zwischen 1500-2500g* anzusetzen.

Bei Flinten, die zu Spezialzwecken, wie z.B. beim Buschieren, der Stöberjagd und zum Selbstschutz eingesetzt werden, ist ein relativ hohes Abzugsgewicht im Bereich von 2000-3000g ein notwendiges Muss. Hier hat die Handhabungs- und Auslösesicherheit gegen eine unbeabsichtigte, vorzeitige Betätigung absoluten Vorrang.

Übrigens: Einen wirklich einsatztauglichen Abzug erkennt man daran, dass er im entsicherten Zustand des Systems unter allen erdenklichen Bedingungen niemals vorzeitig auslöst. Es gibt ein trauriges Bild ab, dass einige Abzüge (vollmundig angepriesene Systeme deutschsprachiger Herkunft) diese notwendige Gebrauchssicherheit
n i c h t erfüllen und in der jagdlichen Praxis durch Fehlauslösungen, Materialbrüche und vor allem durch temperatur- oder partikelbedingte Klemmer versagen!       

*Wem diese Werte zu hoch erscheinen: Mit der geeigneten Ausführung ist das subjektiv empfundene Auslöseverhalten etwa mit dem eines normalen Abzuges vergleichbar, dessen Abzugsgewicht bis zu 40% geringer ist!       
                            

Tuning
In einer guten Jagdwaffe muss kein Matchgrade-Abzug der Oberklasse eingebaut sein. Jagdlich hervorragende Ergebnisse lassen sich auch dann erzielen, wenn der Abzug von kompetenter Hand eines erfahrenen Büchsenmachers überarbeitet wird. Dazu sollte man den Abzug in jedem Fall im unveränderten Originalzustand testen und am besten auch vorher mit der Waffe schiessen. Erst dann bekommt man einen reellen Vergleich mit dem Endzustand des Abzuges und kann die Qualität der geleisteten Arbeit erkennen.     
    
Der Vorteil der nachträglichen Abzugsüberarbeitung liegt darin, dass man in den meisten Fällen ganz im Gegensatz zu den meisten fertigen Tuningabzügen die Abzugscharakteristik besser auf seine persönlichen Vorstellungen abstimmen kann. Und genau das ist entscheidend. Ein Abzug muss bei der Betätigung ein komfortables Gefühl vermitteln, es kommt dabei keineswegs auf den reinen Zahlenvergleich beim Abzugsgewicht an.
Wie viele andere Dinge im technischen Bereich ist auch das Abzugstuning selbst in erster Linie eine Sache von handwerklichem Geschick und Erfahrung. Aus diesem Grund raten wir davon ab, die Sache mit Werkzeug, Schleifpapier und Ölstein selbst in die Hand zu nehmen. Wer meint, sich die üblichen Kosten zwischen 150-200 Euro beim BüMa sparen zu müssen, obwohl er nicht über das notwenige handwerkliche Geschick und die Erfahrung verfügt, wird nur um eines reicher: "Unvergessliche jagdliche Erlebnisse" wie Nachsuchen oder Fehlschüsse. So etwas ist nicht nur am falschen Ende gespart, sondern im jagdethischen Sinn dem Wild gegenüber hochgradig charakter- und verantwortungslos.  

Bei Waffen, die für die Jagd zum Einsatz kommen, gilt ein Grundsatz: immer
nur die Abzugsmechanik überarbeiten lassen! D.h. die Kontaktflächen von Klinke und Rast. Originale Abzugs- und Hammerfedern gegen reduzierte auszutauschen, ist nach unseren Erfahrungen eindeutig der falsche Weg.

Je nach Schütze kann es durchaus vorteilhaft sein, einen Abzug mit einem geringen Vorzugsweg statt einem Abzug mit einem scharfen Brechverhalten zu wählen, damit der Schuss je nach Jagdsituation besser kontrolliert werden kann und die Gefahr reduziert, dass der Schuss nicht zu früh ausgelöst wird. Hier macht eine gezielte Abzugsüberarbeitung durch den BüMa Sinn, der die gewünschte Charakteristik durch den Grad seiner Bearbeitung steuern kann.  

Einen Abzug zusätzlich mit einem "Triggerstopp" auszurüsten, ist für eine Büchse in einem jagdlichen Mittelkaliber erstens nicht notwendig und bringt in der Praxis auch keinerlei Vorteile (man schiesst dadurch nicht schneller oder besser). Es ist viel sinnvoller, die Handhabung mit der Waffe zu trainieren (siehe w.u.).

Abzüge von amerikanischen Waffenhersteller und Büchsen ausländischer Herkunft
Diese Abzüge sollte man besser nur als "verstellbare Sicherheitsabzüge" bezeichnen. Viele Hersteller preisen Ihre Waffen damit an, dass sie mit "fein einstellbaren Abzügen" ausgestattet seien. Fein einzustellen im Sinne von e i n f a c h, vielleicht ja. Aber bei weitem nicht gleichmäßig (zumindest das, was ich darunter verstehe)! Die meisten Groß-Serienwaffen werden unter dem Aspekt der Rationaltität, Funktionsfähigkeit und Robustheit hergestellt. Das Innenleben ist entsprechend ausgeführt und wird nur marginal innerhalb großer Toleranzen bearbeitet.

Von den großen amerikanischen (kanadischen) Waffenherstellern wie z.B. Remington, Ruger, Savage und Winchester konnten wir bislang noch keine Waffe in den Händen halten, in der ein Abzug verbaut war, der über einen einigermaßen brauchbar praxisgerechten Auslöseweg und einen
gleichmäßigen Brechpunkt verfügt hätte. Hier sind einige Abzugskonstruktionen entweder gar nicht oder nur eingeschränkt zu verbessern. Dies gilt ebenfalls für einige Büchsen aus deutscher Fertigung. Selbst mit einem deutlich reduziert eingestellten Abzugsgewicht sind diese Abzüge für einen sauberen und präzisen Schuss nicht zu gebrauchen. Hier hilft nur die sorgfältige Feinarbeit eines guten Büchsenmachers.

Beispiel:
Der AccuTrigger von SAVAGE. Laut Angaben des Herstellers "ist der Abzug auch bei niedrigstem Abzugswiderstand absolut stoß- und fallsicher."  Die Idee ist grundsätzlich nicht schlecht: Der Abzugsstollen wird von einem in der Abzugszunge integrierten Kipphebel blockiert und ähnlich einem Druckpunktabzug nach einem gewissen Betätigungsweg freigegeben.

In einem konkreten Fall betrug das unbearbeitete Abzugsgewicht bei einer SAVAGE- Büchse mit der geringst möglichen Einstellung im Durchschnitt 1320g (soviel zum Begriff "niedrig"). Das wäre jetzt noch kein K.O.-Kriterium. Aber das Abzugsverhalten war dabei so grottenschlecht, dass man es am Treffendsten als eine "Bergwanderung" bis zur Auslösung bezeichnen könnte.

Im konkreten Fall konnte durch sorgfältige Überarbeitung eines erfahrenen Büchsenmachers das Abzugsgewicht nochmals um weitere 7% leicht reduziert werden. Was aber viel wichtiger ist, dass das erreichte Abzugsverhalten keine "spürbaren Berge und Täler" oder ähnliche Unregelmäßigkeiten mehr aufweist (einige bezeichnen es auch als Kratzen). Der Abzug muss in einem genau definierbaren und absolut gleichen Bereich mit minimalen Meßwertschwankungen (Abzugswaage) auslösen. Man muss allerdings ganz klar festhalten, dass der ACCU-TRIGGER Abzug (genauso wenig wie der Ruger LC6) beim Einsatz auf große Distanzen und kleine Ziele dem notwendigen jagdlichen Präzisionsanspruch leider nicht gerecht wird.   

(Bildquelle: Foto links und rechts oben: Technische Beschreibung des Herstellers.)

Büchsen wie z.B. die Savage, die einen zusätzlichen Sicherheitszüngel im Abzug haben wie der Accu-Trigger, sind für Pirsch, Drückjagd und zur Nachsuche n i c h t geeignet!
                             

Fazit
Der "richtige" Abzug ist immer der, welcher 1. auf den Jagdzweck und 2. individuell auf den Schützen abgestimmt und angepasst ist. Man sollte auf jeden Fall das Abzugsverhalten von verschiedenen Abzügen testen (auch hinsichtlich der Gebrauchssicherheit) und sich auch ausgiebig von einem kompetenten Büchsenmacher beraten lassen.
Letztendlich entscheidend sind das Gefühl, wie man mit dem Abzug in der Waffe zurechtkommt und dass man die Schussabgabe auf der Jagd gleichmäßig und sicher umsetzen kann.

Tipp:
Das Gefühl für den Auslösepunkt ist insbesondere dann wichtig, wenn man mehr als eine Waffe führt, was bei den meisten von uns der Fall ist. Es ist daher äußerst hilfreich, genau zu wissen, wann und wi
e der Abzug auslöst. Dazu ist es notwendig, solange zu üben, bis das Gefühl für den Auslösepunkt jeder Waffe, die man führt, exakt verinnerlicht ist.

Das richtige Training kann die Handhabung, Treffergenauigkeit und die psychische Verfassung vor dem entscheidenden Schuss auf der Jagd enorm verbessern.       

 
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