.458 Win. Mag. - JASW

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.458 Win. Mag.

Jagdkaliber


Patronenbezeichnung:
.458 Winchester Magnum

Kaliber:
.458/ 11,63mm

Einsatzbereich:
Großwild, Dickhäuter

Erscheinungsjahr:

1956

Hülsenabmessungen:

L3: 63,50mm

Zylindrische Gürtelhülse

Gasdruck:

4300bar

Geschossgewicht:

350-550grs

Geschwindigkeit:

Vo 650m/s                            500grs Geschoss

Energie:

Eo 6837 Joule                         aus 61cm Lauf

Geschichte
Als Winchester Mitte der 50er Jahre ihre .458 herausbrachte, geschah dies im Gedanken, eine amerikanische Großwildpatrone für den "Mainstream"- Konsument auf dem Markt zu platzieren, welche die altbewährten englischen .450er Expresskaliber ersetzen sollte und gleichzeitig aus preisgünstigen Repetierbüchsen mit einem normal langen System wie der Winchester Modell 70-Linie verschossen werden konnte.

Um die Patrone auch mit langen 32,4 Gramm schweren Geschossen funktionssicher im Magazin ohne Zuführungsprobleme unterzubringen, entschied man sich dafür, die .375 H&H Magnum zu kürzen und auf eine zylindrische Hülse mit Magnumgürtel auszublasen. So war die erste "Short Magnum" geboren,
wie man Sie wohl heute bezeichnen würde.

Zu Beginn der Vorstellung der Patrone machten Behauptungen die Runde, dass die .458 Winchester Magnum
sogar die jagdliche Wirkung einer .470 Nitro Express übertreffen würde und auch größere Kaliber wie die legendären .500 Jeffery, .505 Gibbs einschließlich der .577 und .600 Nitro Express überflüssig machen würde.   

Die rigorose Kürzung der Hülse auf eine Hülsenlänge von 2,50"/ 63,5mm stellte sich jedoch im Laufe der Jahre als ihr grösster Nachteil der Patrone heraus: schwache Ladungen oder Versager aufgrund des zu geringen Hülsenvolumens. Dies veranlasste die damaligen Munitionshersteller für die .458 Winchester, ihre Pulverladungen zu reduzieren. Damit sollte das Festbacken der Pulversäule, verursacht durch die starke Kompression in Verbindung mit den hohen Aussentemperaturen verhindert werden.   
  



Winchester Super Express Repetierbüchse im
Kaliber .458 Winchester mit post '64er System
mit kleinem Auszieher und 56cm Lauf








(Bildquelle: Winchester-Prospekt von 1985)

Winchester startete die .458 Winchester Magnum mit ihrem Modell 70, in den Jahren zwischen 1956 und Mitte der sechziger Jahre noch mit der bewährten langen, nicht rotierenden Auszieherkralle (pre'64). Danach wurden die Modelle bis in die 90er Jahre nur noch mit der abgespekten Version mit integriertem, rotierenden kleinen Auszieher gebaut.  

In der Jagdpraxis sorgt dieser Auszieher für Probleme beim Auswerfen der Hülsen, u.a. deshalb, weil sich unbemerkt Schmutz darunter sammeln kann. Auch dies schadete dem Ruf der .458 Winchester (und dem Winchester Modell 70) beträchtlich.    

Mit dieser post '64er Version des Winchester Super Grade Modells haben wir in den 90er Jahren selbst einige unliebsame Erfahrungen auf der Jagd machen müssen. Das System läßt sich zwar butterweich repetieren, jedoch werden die Patronen nicht immer zuverlässig in das Patronenlager zugeführt und es kommt regelmäßig zu Auswurfproblemen mit den abgeschossenen Hülsen und dem kleinen Auszieher. Diese Mängel sind insbes. bei der Großwildjagd völlig inakzeptabel. Alle technischen Umbau- und Tuningmaßnahmen durch den Büchsenmacher konnten diesbezüglich keine zuverlässige Abhilfe schaffen.    
     

.458 Winchester Magnum in der Praxis
Das Dilemma mit dem begrenzten Hülsenvolumen war, dass es zum damaligen Zeitpunkt in den 60er-70er Jahren noch keine Nitrozellulosepulver gab, die das notwendige Schüttgewicht und einen ausreichend hohen Energiegehalt erreichten. In Verbindung mit den notwendigen Ladungsreduzierungen führt dies zu starken Leistungseinbrüchen. Von dem ursprünglich anvisierten 655m/s bleiben aus Waffen um 60cm Lauflänge und darunter in der Praxis nur noch etwa 610m/s übrig.

Was aber der .458 hinsichtlich ihres Rufes letztlich das Genick gebrochen hat, ist die Tatsache, dass sowohl die damals hergestellten Teilmantel- als auch die Vollmantelgeschosse regelmäßig komplett versagten. Gerade die Winchester Teilmantelgeschosse der ersten Serien waren viel zu weich aufgebaut und haben sich viel zu früh im Wildkörper deformiert oder komplett zerlegt. Dagegen waren die Remington Teilmantelgeschosse viel zu hart sind. Sie sind entweder gar nicht aufgepilzt oder nur einseitig deformiert. Dadurch kamen die Geschosse vom ihrem eigentlich verlaufenden Kurs ab.

Ein ähnliches Bild geben alte Vollmantelgeschosse ab: fast alle Geschosse, die auf die beschossene Stücke keine oder kaum Wirkung gezeigt haben, sind entweder stark angestaucht, verbogen oder der Bleikern ist einfach nach hinten aus dem Geschossboden herausgequetscht. Dies hat zur Folge, dass durch die mangelnde zielballistische Richtungsstabilität lebenswichtige Organe oder das Gehirn verfehlt bzw. nicht erreicht werden kann.  
       


.458 Winchester Magnum mit geborgenen
500grs Hornady Teilmantelgeschoss  


"Ersatzpatrone und Hauptkonkurrentin" .460 Weatherby Magnum
Roy Weatherby, der bereits 1952 die ultraschnelle .378 Weatherby Magnum herausgebracht hatte, nutzte die Gunst der Stunde und präsentierte 1958 seine .460 Weatherby Magnum. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis der Schwindel mit den Werksangaben von den utopischen 823m/s an Mündungsgeschwindigkeit aufgeflogen ist und später auf die tatsächlich realistischen 770m/s herunterkorrigiert wurde. Immerhin katapultiert dies die Mündungsenergie der Patrone noch in Regionen zwischen 9.500-10.000 Joule und einem Schockwirkungsindex von mehr als 1.100(!).

Aber auch hier schafft die Jagdpraxis schnell Klarheit. Es ist keineswegs nur der Rückstoss, der die .460 Weatherby Magnum so in Verruf gebracht hat. Das liegt an mehreren Dingen:

  • Mangelndes Training der Jagdgäste mit Waffe+ Kaliber (dies äußert sich in unsauberem Schiessen und damit schlecht sitzenden Schüssen)

  • Ladehemmungen der abgeschossenen Patronen, die festgebackenen Hülsen fressen sich oft im Patronenlager fest (zu starker Gebrauchsgasdruck bei hohen Aussentemperaturen)

  • Kursabweichungen der Geschosse im Wildkörper als Folge der hohen Zielgeschwindigkeit sowie aufgrund von Geschosszerlegungen

  • Sichtbehinderung und zeitweiser Hörverlust der Jagdteilnehmer durch den enormen Schalldruck der Mündungsbremse


Übrigens: der gefühlte Rückstoss der .460 ist durch die Mündungsbremse keineswegs so unangenehm und schmerzhaft, wie immer wieder behauptet wird. Da sind andere Kaliber, insbes. aus ungeeigneten Waffen, wesentlich unangenehmer zu schiessen!
       
In Konsequenz dieser negativen Erfahrungen haben die meisten
PH's und Afrika-Gastjäger sowohl der .458 Winchester als auch der .460 Weatherby den Rücken gekehrt. In der folgenden Jahren kam es zur Renaissance der bewährten großvolumigen und gasdruckschwächeren englischen Großwildkaliber bei der gleichzeitigen Verwendung deutlich verbesserter Großwildgeschosse.

Ballistische Leistung .458 Win.Mag
Die Leistungsfähigkeit der heutigen, energiestärkeren Nitrozellulosepulver hat sich inzwischen weiter entwickelt und lässt mit wenigen (nicht alle) 500grs schweren Geschossen realistische Mündungsgeschwindigkeiten von 635-650m/s aus 24" Läufen zu. Allerdings sind auch hier die negativen Langzeitwirkungen der Pulverkompression zu berücksichtigen. Mit modernen, längeren 32,4 Gramm schweren Geschossen, kommt die .458 Winchester nicht zurecht. Dies bedeutet zwangsläufige Leistungseinbußen (siehe Vergleich zur .458 Lott).  

Alternative Patronenkonstruktionen    
Warum die Winchester- Ingenieure keine voluminösere .458er Dickhäuterpatrone entwickelten und bis zum heutigen Tag noch keine verbesserte, weiterentwickelte Patrone herausgebracht haben, bleibt ein Rätsel. Dazu hätten sich
sicherlich einige interessante Möglichkeiten ergeben, die sogar eine bessere Lösung als die .458 Lott-Variante gewesen wären.

Statt der .458 Winchester Magnum Gürtelpatrone wäre eine entsprechende Kurzpatrone auf der Basis einer voluminösen, randlosen Hülse bei gleicher Länge erstens deutlich stärker und mit guten Geschossen auch wesentlich zuverlässiger im Afrikaeinsatz gewesen. Ein Großwildpatrone, welche genau diese Vorgaben erfüllt, ist die =>.460 SME<=. Diese Patrone vereint die Vorgaben für eine voll taugliche Dickhäuterpatrone in Bezug auf Leistung, Konzeption, Bauart und Zuverlässigkeit. Eine wesentlich höhere Durchschlagskraft als die .458 Winchester, im Leistungssektrum der .458 Lott, aber eine verbesserte Zuführung in einem moderaten Arbeitsgasdruckbereich mit einem sicheren Auswurf der abgeschossenen Hülsen. Darüber hinaus ist diese Patrone in Büchsen mit einer kompakten Bauweise in Standardsystemlänge einsetzbar.  

Wiederladen
Die zylindrische Hülse der .458 Winchester ist aus verschiedenen Gründen nicht einfach zu laden. Wiederlader können zwar mit Hilfe von geeigneten Pulvern noch akzeptable Mündungsgeschwindigkeiten erzielen. Aus einem praxisgerechten Lauf mit 56cm Länge sind mit 32,4 Gramm schweren Geschossen zumindest theoretisch Spitzenwerte bis zu 650m/s möglich. Aber dies setzt sehr viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl voraus und mit den längeren, dickwandigen Teilmantelgeschossen ist dies in der Patrone nicht mehr möglich.

Dazu ein Beispiel: In einer .458 Winchester Magnum, die mit einem 500grs schweren Nosler Partition geladen werden soll, verbleibt durch die hohe Setztiefe nur noch das gleiche Hülsenvolumen wie bei einer .45-70 Government mit einem 300grs Geschoss(!). Dies begrenzt die Leistung der Patrone aus einem 61cm langen Lauf auf Mündungsgeschwindigkeiten von ca. 610m/s bis max. 635m/s.     
Wenn starkwandige, großwildtaugliche Geschosskonstruktionen eingesetzt werden sollen, ist das Leistungsverhältnis mit Geschossen der Gewichtsklasse von 450grs in der .458 Winchester Magnum deutlich besser.

Waffen
Für ein sauberes+ kontrolliertes Schiessen sind ausreichend schwere Waffen erforderlich. Dies gilt insbesondere, wenn die Patrone aus führigen, kompakten Repetierbüchsen verschossen werden soll.

Die .458 Winchester als Spezialpatrone zur Waldjagd und Nachsuche  
Das, was die die .458 Winchester Magnum auszeichnet und für für die Jagd in dichtem Bewuchs auf Kurzdistanzen prädestiniert, ist ihre
enorme Stoppwirkung. Dies resultiert allerdings nicht aufgrund der ursprünglich gedachten schweren 32,4 Gramm Geschosse, für welche die .458 in ihrem originären Zweck eigentlich für afrikanisches Großwild gedacht war, sondern für die mittelschweren 400-450grs Geschosse. Aufgrund des spezifischen Leistungspotentials der Kurzpatrone sind dies die deutlich besser geeigneten Großwildgeschosse für dieses Kaliber.

Der Anwendungsbereich von schwerem Hochwild, Elch sowie Braunbären wird von den 22,7 Gramm schweren Teilmantelgeschossen bestens abgedeckt. Hierzu bieten verschiedene Geschosshersteller entsprechende Geschosse an. Die Geschosse mit dem besten Preis- Leistungsverhältnis kommen von Hornady. Weiter empfehlenswerte Geschosshersteller sind Teilmantelgeschosse von Degol, Speer und SWIFT (Verbund- und Trennkern).  


.458 Winchester Magnum
mit
350grs Teilmantel-Rundkopfgeschoss

Patrone für Guides und "Waldläufer"
Nicht nur in Nordamerika, wo die .458 Winchester Magnum bei
einigen Guides sehr beliebt ist und welche die Patrone als "ultimative Stopperpatrone" für die Jagd als Backupwaffe auf Elch, Grizzlys und Kodiakbären einsetzen, sondern auch in anderen jagdlichen Bereichen ist die 11,6mm-Patrone (richtige Waffe vorausgesetzt) kaum zu übertreffen.
Leider werden Hierzulande völlig ungeeignete Büchsen zu diesem Zweck angeboten. Lauflängen von 61cm und 65cm sind für die Patrone absolut unnötig und machen jede Repetierbüchse zum jagdlich unführbaren "Langrohrgeschütz".
Hier unsere Empfehlungen für eine praxisgerechte BackUp-Repetierbüchse:

  • Zuverlässiges, schmutzresistentes Repetiersystem

  • Lauf mit geeigneter Aussenkontur

  • Praxisgerechte Lauflänge

  • Individuell und den jagdlichen Gegebenheiten angepasster Schaft

  • Dämpfungsmittel

  • Geeignete Visierung

  • Spezialmunition mit ausgesuchten Geschossen

Die Auswahl der richtigen Komponenten und die Gestaltung der Waffe ist kritisch. Anderenfalls kann die Waffe nicht optimal eingesetzt und erfolgreich geführt werden.


.458 Winchester Magnum
mit 350grs
Teilmantel-Flachkopfgeschoss    

Fazit
Auch wenn die Patrone mit modernen Pulvern und tiefenwirksamen, richtungsstabilen Geschossen eine respektable Leistung erbringt, ist sie konstruktionsbedingt für den ursprünglich gedachten primären Einsatz auf Büffel und Dickhäuter in Afrika
nicht mehr zeitgemäß. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Patrone aufgrund ihres zu geringen Hülsenvolumens für Geschosse der 500grs Klasse (insbes. mit modernen dickwandigen Teilmantel-, Deformations- oder Solidgeschossen) nicht die erforderliche Leistung erbringen kann und vor allem an dem eklatanten Mangel der zu hohen Pulverkompression leidet.

Der Fairness halber muss man aber eine Lanze für die .458 Winchester brechen: mit den
richtigen Geschossen kann die Patrone bei Spezialzwecken hervorragende Dienste leisten und steht mit der richtigen Pulver- Geschosskombination sogar an der Spitze des erzielbaren Wirkungsgrads aller Jagdpatronen.
Das richtige Einsatzgebiet der Patrone ist hierbei die Waldjagd auf Kurzdistanzen, wo sie z.B. für spezielle Anwendungen als Backup-Patrone bei der Jagd auf schweres, wehrhaftes Wild in Nordamerika oder als Spezialpatrone im dichtbewachsenen Gelände oder bei Nachsuchen auf schweres+ gefährliches Wild eingesetzt wird. Dann ist die .458 Winchester Magnum in ihrem Element und dafür eine der besten für diesen Zweck zu führende Patrone.

In einer handlichen, ausreichend schweren Büchse (entsprechender Lauf+ geeignete Visierung) ist bei der Verwendung eines 22,7 Gramm schweren Geschosses die enorme Stoppwirkung einer .458 Winchester Magnum beim Einsatz auf Nachsuchen kaum zu übertreffen.  
   
Mit einem geeigneten 350grs schweren Teilmantelgeschoss ist die .458 Winchester Magnum auf der Waldjagd im Ausland sowie zum Stoppen von gefährlichem Wild bei Nachsuchen so stark+effektiv wie kaum eine andere Patrone. Die links oben abgebildete Laborierung erbringt aus einem 52cm kurzen Lauf 6217 Joule und generiert eine Schockwirkung von 755(!).

Wir erstellen Ihnen auf Wunsch gerne Ladedaten für entsprechende Speziallaborierungen zu günstigen Konditionen, sprechen Sie uns per
=>
E-Mailkontakt<= an.


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