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.454 Casull

Kurzwaffenkaliber


Patronenbezeichnung:
.454 Casull Magnum

Kaliber:
.452/ 11,48mm

Einsatzbereich:
Jagd, Fangschuss

Erscheinungsjahr:

1957/58

Hülsenabmessungen:

L3: 35,50mm

Zylindrische Randhülse

Gasdruck:

4482bar SAAMI, 3900bar CIP

Geschossgewicht:

250-300grs

Geschwindigkeit:

Vo 575m/s                            260grs Geschoss

Energie:

Eo 2788 Joule                         aus 71/2" Lauf

Geschichte
In den fünfziger Jahren experimentierten die beiden Amerikaner Jack Fulmer und Dick Casull mit überstarken Laborierungen der .45 Colt in Colt SAA-Revolver.

Wie bei der .38 Spezial/.357 Magnum und der .44 Spezial/.44 Magnum entschied man sich aus Sicherheitsgründen für eine leichte Verlängerung der Hülse um etwa 3mm, um eine Verwechslung der beiden völlig unterschiedlichen Patronen auszuschliessen. Während die .45 Colt mit einem milden Gasdruck von 1200bar arbeitet, liegt die .454 Casull bei dem 3,5fachen Wert.  

Die Freedom Arms Revolver sind übrigens die einzigen Waffen, die vom ihrem Entwickler ferngezündet und auf einem Autoreifen festgebunden getestet wurden, indem er randvoll gefüllte Patronen mit dem schnellverbrennden BULLSEYE- Pulver verschoss. Die FA-Revolver sollen diese unglaubliche Prozedur (jenseits von 10.000bar Gasdruck!) stets unbeschadet überstanden haben.

Mit der Verbreitung des Kalibers und der Produktion von Waffen weiterer Waffenhersteller aus dem mittleren Preissegment hat man bei der CIP irgendwann doch kalte Füße bekommen und den
ursprünglichen Höchstgasdruck der .454 Casull um 13% zurückgenommen. Der SAAMI-Wert für das Kaliber steht aber immer noch bei knapp 4500bar und bezieht sich auf sehr robust konstruierte Waffen wie z.B. BFR und Freedom Arms.
  

Alles, was in die Hülse reingeht...!  
Die .454 CASULL Magnum (so wie sie jetzt offiziell bezeichnet wird) ist zur Zeit immer noch das energiestärkste Kurzwaffenkaliber, was die Energieausbeute im Verhältnis des Hülsenvolumens / Pulverladung zur erzielten Geschossenergie betrifft.
Der Gasdruck ist mit fast 4000bar extrem hoch, die Schussbelastung für Waffe und Schützen aber auch!


Die Premiumklasse der Revolver wurden dazu entwickelt, die optimale Leistung der starken .454er Patrone auszuschöpfen. Ein amerikanisches Wiederladehandbuch weist aus einem 7,5 Zoll FA- Revolver für ein 300 grs schweres Hohlspitzgeschoß eine maximale Mündungsgeschwindigkeit von knapp 500 m/s aus.

Mit einer geeigneten Treibladung und einem ausreichend starken Geschoss sind in der 260grs- Geschossgewichtsklasse aus einem 7 1/2" Lauf sogar Mündungsenergien bis zu 2700 Joule möglich.


Rückstoss
Wer sich das Kaliber zulegen möchte und den Revolver auch als Fangschusswaffe jagdlich führen will, sollte wissen, auf was er sich mit der .454 Casull einlässt und welche Rückstosskräfte auftreten. Ein gutes Einstiegskaliber ist die .44 Magnum. Diese Patrone ist problemlos zu schiessen und dient als gute Vorbereitung für den harten Rückschlag der Casull.

Single Action- Revolver wie der Freedom Arms arbeiten nach dem Prinzip der "Rückstossumleitung" nach oben. Die gewaltige Mündungsenergie wird zwar wie bei jeder anderen Waffe nach hinten abgegeben. Da der FA-Revolver nur 1500g wiegt, steigt die Mündung weit mehr als 90° nach oben und die Waffe rollt über den glatten Griff in der Hand des Schützen nach hinten aus. Aber: es geht auch anders (siehe weiter unten)!


Freedom Arms
Revolver .454 Casull mit schwarzen Micarta- Griffschalen  

Durch die hohe Rückstossgeschwindigkeit kommt es zum kurzen+ hart empfundenen Rückschlag. Waffenspezifisch ergeben sich durchaus Unterschiede. Die .454 schiesst sich aus dem Taurus mit Kompensatorbohrungen und dem schweren Lauf durch die Gewichtsverteilung anders als ein Freedom Arms Revolver, hat aber den Nachteil des deutlich stärkeren Schussknalls.  
Trotzdem kann man die .454 auch mit vollen (Fabrik-)Ladungen
mit den richtigen Maßnahmen auch aus einem Freedom Arms-Revolver präzise+ sicher beherrschen.   

Waffen
Die legendären FREEDOM ARMS Revolver
Aus einem der hochwertigsten und bestverarbeiteten Revolver, dem Premier Modell 97 FREEDOM ARMS / Wyoming 7 1/2" Lauf, kann man mit Maximalladungen mit einem 260grs schweren Teilmantelgeschoss eine Mündungsenergie um 2700 Joule(!) erreichen. Andere Revolver erreichen bei gleicher Lauflänge fast immer niedrigere Energiewerte. Und Ausziehprobleme aufgrund festgebackener Hülsen gibt es bei einem Freedom Arms Revolver auch nicht.
Die FA-Revolver sind wirklich fantastisch verarbeitet.
Radiales und axiales Trommelspiel sind gleich Null und die Verarbeitung ist traumhaft. Allein der Klang der Mechanik bei der Hahnbewegung, der Trommelrast und der festen Leerrastung beim Entladen ist einzigartig. Die Schussleistung ist ebenfalls hervorragend.



Das einzige Manko sind das für das Kaliber zu geringe Waffengewicht und die Rahmenergonomie. Das macht das Schiessen, gelinde ausgedrückt, wirklich nicht einfach. Nach unserer Einschätzung sind dies die Hauptgründe, warum Freedom Arms Revolver im Kaliber .454 überhaupt auf dem Gebrauchtwaffenmarkt angeboten werden.

MAGNUM RESEARCH BFR- Revolver
Einen anderen Weg als Freedom Arms hat man bei der FA. Magnum Research mit dem BFR- Konzept eingeschlagen, nämlich gut verarbeitete, schwere Revolver mit einem akzeptablem Schloßwerk und einer hervorragenden Schußleistung zu einem erschwinglichen Preis in den stärksten Kurzwaffen- und Langwaffenkalibern anzubieten (siehe auch Kapitel Kurzwaffenkaliber unter .45-70 Government).

Die BFR- Revolver sind sehr gute Revolver in dieser Kaliberleistungsklasse. Sie eignen sich sehr gut als "Arbeitspferde" im Jagdbetrieb und auf dem Schießstand (siehe weiter oben), insbesondere, wenn sie mit einem Zielfernrohr oder einer Rotpunkvisierung ausgestattet sind.

  

Der BFR- Revolver im Kaliber .454 Casull hat gegenüber dem Freedom Arms Revolver einige Vorteile:
- er ist bei einer 7,5" Lauflänge mit ca. 1700g Waffengewicht schwerer
- bessere Ballance durch den schweren Lauf mit ca. 20mm Durchmesser (kopflastig)
- günstigeres Schußverhalten
- die 47mm lange Trommel schluckt alle Laborierungen, auch solche mit langen L6-Maßen und schweren Geschossen
- andere Griffergonomie

Ausserdem ist er wesentlich preisgünstiger als der Freedom Arms, aber vom äußeren Finish nur unwesentlich schlechter. Auch die Schusspräzision aus den dicken Läufen ist ausgezeichnet.

Es gibt den den BFR in dieser Ausführung in den Kalibern .454 Casull, .475 Linebaugh, .480 Ruger und .50 Action Express und man hat die Auswahl zwischen 6 1/2, 7 1/2 und 10 Zoll Lauflänge.

Weitere Revolver
Wer Wert auf ein Double-Action-System legt, ist z.B. auch beim brasilianischen Hersteller TAURUS gut aufgehoben. Das bisherige Modell RAGING BULL mit seiner günstigen und vorderlastig erhöhten Laufmasse mit angebrachten Kompensatorbohrungen machen das Schiessen der hart schlagenden Patrone deutlich angenehmer (allerdings erhöht dies auch den Schußknall). Der Raging Bull wird inzwischen durch das noch aktuelle Modell M513 RAGING JUDGE ergänzt.
Diese Waffe hat gegenüber allen anderen .454er Revolvern 3
Vorteile:
1) Angenehmes Schussverhalten durch ein hohes Gewicht ohne Kompensator
2) Gutes Handling, mittlere Lauflänge
3) Schrotpatronen Kaliber .410 sind zu verschiessen
(siehe auch Kapitel =>
Kurzwaffen für Fangschuss und Nachsuche<=)   

Auch der Ruger Super Redhawk mit Kurzlauf und 7 1/5" Lauflänge (empfohlen) ist eine sehr robuste+ gute Waffe für die .454 Casull und in der Stainless Steel-Ausführung eine zuverlässige Allwetterwaffe.

Wiederladen
Für volle Ladungen eignen sich zweibasige oder nitroglyzerinbehandelte progressive Kurzwaffenpulver, insbesondere feine Kugelpulver. Bei manchen Sorten muss man allerdings aufpassen. Einige davon sind in der .454 ausschließlich für starke Ladungen und hohe Ladedichten zu verwenden und führen anderenfalls zu unangenehmen Laufsteckern.

Deutlich angenehmer als die Fabrikladungen sind etwas abgemilderte Ladungen mit geeigneten Pulvern. Die etwas leichteren Geschosse oder Bleigeschosse mit Gas Check können zu guten Trainingspatronen verladen werden, die teilweise bereits jagdlich eingesetzt werden können. Mit solchen Laborierungen wird z.B. die .44 Magnum in Energie und Stoppwirkung bereits deutlich übertroffen!

Zum Fangschuss bieten sich Ladungen mit 300grs schweren Geschossen an, die für hohe Geschwindigkeiten konstruiert sind. Damit ist ein Shock Power Index von 300(!) zu erreichen. Dies ist ein Wert, mit der die .454 Casull die .44 Magnum um mehr als 33% übertrifft.


Original FREEDOM ARMS Teilmantel

Fazit:
Die .454 Casull ist eines derjenigen Kurzwaffenkaliber, dass sich
uneingeschränkt für Nachsuchen als zuverlässiger Stopper beim Einsatz als Backup- Kurzwaffe auf gefährliches Wild eignet. Für die Afrika-Jagd oder auf Bären und auch auf Sauen ist die Patrone ideal. Nachteil ist der kurze+ heftig schlagende Rückstoss bei vollen Ladungen.
 
Für die .454 gibt es inzwischen eine Reihe von Anbietern, wobei unsere Empfehlung zu Ruger, vor allem zu
Taurus und BFR geht. Nicht nur, weil diese Revolver vom Preis her deutlich erschwinglicher und wegen des höheren Gewichts auch besser zu schiessen sind als der schlanke + filigrane FA. Um das hohe Energielevel der Patrone auszunutzen, muss die Waffe das nötige "Abschussgewicht" für eine kontrollierte+ saubere Schussabgabe haben. Aus diesem Grund raten wir im Normalfall zu Lauflängen von mindestens 6", besser noch 71/2 Zoll. Mit den richtigen Modifikationen kann man ein akzeptables Schussverhalten auch mit starken Gebrauchsladungen aus einem Revolver erzielen.  

Wer das hochwertigste Material und die beste Mechanik eines Revolvers haben möchte, sollte zum Freedom Arms greifen. Wir können aus eigener Erfahrung sagen, dass man sich allerdings darüber im Klaren sein sollte, dass man damit letztendlich beim Training auf dem Schiessstand fast "nur" Ladungen zwischen 1500 und 2000 Joule verschiessen wird (die Gründe sind oben genannt). Ansonsten liegt dieser Revolver nur im Schrank. Dann ist es sinnvoller, einen schweren Revolver der o.a. Hersteller zu führen, der dem jagdlichen Einsatz besser gerecht wird.      


Nächstes Kapitel
=>.45-70 Government (Revolver)<=

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