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.45-70 Gvt. Hornady Monoflex

Tests

Technische Daten
Die HORNADY LeverEvolution- Munition mit dem 16,2 Gramm schweren Monoflex Geschoss im Kaliber .45-70 Government ist grundsätzlich für alle diejenigen interessant, die nicht wiederladen und die Patrone mit bleifrei schiessen müssen. Als Homogengeschoss könnte das GMX eine Massestabilität ähnlich wie beim Barnes-TSX und eine recht hohe Tiefenwirkung erbringen.


Äußerlich ist die Munitionsverpackung von der gleichnamigen Munition des Herstellers mit dem 21 Gramm/ 325grs schweren Teilmantel- Hohlspitzgeschoss mit weicher Kunststoffspitze, dem FTX, nur durch den seitlich angebrachten Hinweis auf das Monoflex-Geschoss zu unterscheiden. Die angegebene Mündungsgeschwindigkeit ist mit 2050fps (625m/s) dem FTX identisch, obwohl das verwendete Monoflex-Geschoss etwa 5 Gramm leichter ist.



Munitionsdaten gemäß Fabrikangaben

  • Kaliber .45-70 Government

  • 250grs Geschoss mit Hohlspitze und Polymerspitze

  • Pulverladung mit 51,5grs Hodgdon Superformance Pulver

  • Vo 2050fps/ 625m/s aus 24" 61cm Lauf

  • Eo 3162 Joule aus -dto.-


Leistungsdaten
Nach diesen Angaben m ü s s t e das leichte 250grs Kupferhohlspitzgeschoss aus einem 56cm langen Lauf eine Mündungsgeschwindigkeit von etwa 614m/s mit 3058 Joule und aus einem 47cm langen Lauf noch etwa 592m/s mit 2836 Joule erbringen.

Diese moderaten und
doch schon etwas grenzwertigen Leistungsdaten zeigen, dass man bei Hornady einen einfachen Weg eingeschlagen hat: ein sehr progressives Pulver zu verwenden (wahrscheinlich sogar das Gleiche, das bei der Hornady LeverEvolution mit dem 325grs FTX zum Einsatz kommt).  

Mit anderen NC-Pulvern könnten bei gleichem Gasdruck nach C.I.P. von 2200bar theoretisch aus einem

  • 47cm Lauf eine Vo von 630m/s mit 3200 Joule

  • 56cm Lauf eine Vo von 650m/s mit 3410 Joule

  • 61cm Lauf eine Vo von 658m/s mit 3500 Joule

erzielt werden.
Aber: Leider ist dies in der Praxis nicht so!


                      
Foto links: 325grs FTX- Geschoss, darunter 250grs Monoflex                     Foto rechts: 8 Einkerbungen auf dem Monoflex, 6 Stück auf dem FTX zum Einleiten der Geschossdeformation

Geschoss und Pulver

Auffallend ist, dass das Monoflexgeschoss bis auf wenige Zehntelmillimeter die gleiche Geschosslänge aufweist, obwohl das Geschoss fast 5 Gramm leichter ist als das FTX, was durch die geringere Dichte der verwendeten Legierung zu erklären ist. Die Treibladung besteht ebenfalls aus einem recht feinen, runden Plättchenpulver. Wie bereits bei der FTX- Munition getestet, handelt es sich um ein recht progressives NC- Pulver.
Ebenfalls etwas verwunderlich ist die angegebene Mündungsgeschwindigkeit von lediglich 625m/s, die damit also mit der LE-FTX- Munition identisch sein soll. Allerdings erbringt letztere durch das 325grs Geschoss deutlich höhere Energiewerte.


Abgeschossene .45-70 Hülse mit starken Pulverschmauch- spuren aufgrund von unvollständigem Pulverabbrand  

Böses Erwachen auf dem Schießstand
Die Hornady Monoflexmunition erreichte aus der Marlin SBL höchst unterschiedliche Mündungsgeschwindigkeiten. Den 47cm langen Lauf h ä t t e n die Geschosse mit knapp 600m/s den Lauf verlassen müssen (mit der Betonung auf den Konjunktiv). Aber das taten sie leider nicht. Statt dessen zeigte die Lichtschrankenanlage nur Mündungsgeschwindigkeiten zwischen 560
m/s und 440m/s(!) an.    

Insgesamt lagen regelmäßige Geschwindigkeitsschwankungen von bis zu 140m/s vor. Die grössten Geschwindigkeitsausreisser traten immer gleichzeitig mit einem sehr starken Mündungsfeuer auf. Bei diesen Schüssen fielen die Messwerte deutlich ab. Hier ist ganz klar, was die Ursache ist: Es bedeutet, dass es
starke Leistungseinbußen durch unvollständig umgesetztes bzw. unverbranntes Pulver gab. Die Temperaturbedingungen waren an diesem Sommertag mit über +30°C unter dem Aspekt für eine optimale Gasumsetzung geradezu ideal. Dass es trotzdem zu diesem Effekt kam, ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass das Pulver für das leichte Geschoss einfach zu langsam ist und nur unvollständig in Treibgase umgesetzt wird!
Anm.: Laufverschmutzungen haben keinen Einfluss auf Geschwindigkeitsschwankungen!  

Ein gleichmäßiger Abbrand ist damit nicht möglich. Diese Schwankungen wären übrigens auch mit längeren Läufen vorhanden. Man kann sich leicht vorstellen, wie miserabel die Ladungsumsetzung bei niedrigen Wintertemperaturen ist. Man kann sich ausmalen, was passiert, wenn man auf der Jagd
in einer kritischen Situation einem starken+ wehrhaften Stück entgegensteht und anstatt einer normal starken Ladung eine Patrone mit einem derart schlappen Schuss erwischt!

Deformation

Da die sich Fabrikmunition (insbesondere mit der Verwendung eines kurzen Laufes) als völlig untauglich erweist, wurde das GMX-Geschoss mithilfe von selbst geladenen Patronen getestet. Mit einer starken Ladung hinter einem geeigneten Pulver wurden die Geschosse auf ausreichenden "Dampf" gebracht und vorher auf der Lichtschrankenanlage gemessen. Dann wurden die Patronen auf ein Ziel in 60 Metern Entfernung abgefeuert und die Geschosse in einem Zielmedium mit Bereichen von unterschiedlich weicher+ fester Konsistenz aufgefangen.


Dieser Festigkeitsgrad wurde bewußt sehr hoch gewählt, um für den jagdlichen Betrieb eine möglichst verlässliche und aussagefähige Bewertung im Sinne einer oberen Geschossbelastungsgrenze zu erhalten.
Die Durchschlagskraft in Bezug auf die erreichte Eindringtiefe ist zwar relativ hoch, aber auch bei diesem Test bestätigte sich der allgemein bekannte Mangel infolge der Sprödigkeit der verwendeten GMX-Tombaklegierung (auch in anderen Kalibern), d.h. bei hartem Zielwiderstand reißen die Fahnen ab. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die geborgenen Geschosse ein Restgewicht um 90-93% besaßen (Vz60m 543m/s).    


E
in weiterer Nachteil des Geschosses ist die Tendenz zur Innendeformation aufgrund der zu großen Hohlspitze, ähnlich wie bei der .458 Barnes TSX-FN- Konstruktion
(siehe auch =>hier<=).
Zumindest bietet das GMX gegenüber dem gleich schweren Barnesgeschoss mit einem ballistischen Koeffizienten von 0,175 zu 0,136 für diejenigen leichte Vorteile, die Ihre .45-70 zur Saujagd am Feldrand oder an langen Maisschlägen einsetzen und etwas weiter hinlangen möchten (insbes. beim Vorhaltemaß).

Wiederladen
Wiederlader können das Monoflex-Geschoss in der Marlin .45-70 Government dennoch erfolgreich verladen: Voraussetzung dazu sind eine Modifizierung und wenn eine mögliche Splitterwirkung akzeptabel ist (Jagdzweck). Man muss trotz
des leichten 250grs Geschosses aufgrund des Masse-Volumenverhältnisses unter Berücksichtigung des Setzvolumens allerdings geeignete Pulver einsetzen. Die meisten Pulver schaffen es nicht, das Geschoss zuverlässig auf Leistung zu bringen.

Hier ist der Wechsel auf geeignete NC-Pulver angebracht. Mit entsprechenden Ladungen können mit ausgewählten Pulvern Vo-Werte aus 24" langen Läufen bis zu 700m/s mit Mündungsenergien um 4000 Joule
im Rahmen der für die Marlin empfohlenen 2.800bar-Marke erzielt werden.


Fazit Hornady Monoflex Munition
Aus den oben aufgeführten Gründen
ist von der Verwendung dieser Munition nur abzuraten.               
In diesem Fall ist das Konzept von HORNADY leider nicht aufgegangen, das gleiche progessive NC-Pulver wie für das ungleich schwerere FTX-Geschoss zu verwenden.
Der Munitionshersteller ist gut beraten, die Munition mit einer geeigneten Treibladung zu bestücken.
Wer eine zuverlässige Munition mit einem bleifreien Geschoss für seine .45-70 Government sucht, ist die
BARNES Vor-TX Munition zu empfehlen. Diese erbringt auch aus kurzen Läufen noch eine akzeptable Leistung. Und vor allemm bei bei konstant hohen Mündungsgeschwindigkeiten. Ausserdem ist diese Munition mit dem großen, 19,44 Gramm schweren Geschoss ausgestattet.
Testbericht =>
hier<=



Nächstes Kapitel
=>Rückstossrechner<=

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