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.45-70 Gvt. - Munition

Tests

Test Fabrikpatronen Federal Power Shok und Barnes Vor-TX im Kaliber .45-70 Government
Schützen, die Ihre .45-70 in erster Linie zum Fangschuss oder als Durchgehschützen führen interessieren sich für eine zu diesen Zweck geeignete Fabrikmunition. Die Vorgabe, den Hund nicht durch evtl. austretende Geschosssplitter zu gefährden, ist hierbei sehr wichtig. Nachfolgend unsere Ergebnisse von 2 weiteren Munitionssorten in dem 11,6mm Kaliber in Bezug auf Leistung+ Geschosswirkung.

Unter manchen Hundeführern kursiert noch dazu die Vorstellung, für den Schuss ein Geschoss haben zu müssen, dass aus dem verschossenen Kaliber eine max. Energieabgabe und eine möglichst hohe Durchschlagskraft erzielt. Zusätzlich soll es aber auch den Wildkörper nicht verlassen. Ausserdem sollte absolut sicher sein, dass dabei keinerlei Splitterwirkung nach aussen
auftreten kann. Das sind sehr löbliche, aber leider auch völlig utopische Vorstellungen, die in der Praxis nicht erfüllt werden können. Selbst starkwandige Teilmantelkonstruktionen oder solche mit verlötetem Bleikern können in dieser Hinsicht versagen. Das Hauptproblem sind die großen Schwankungen der zielballistischen Konsistenz und die jagdlichen Umgebungsfaktoren.

Die .45-70 hat alerdings gegenüber unseren Mittelkalibern einen ganz entscheidenden Vorteil:
Moderate Geschossgeschwindigkeit, hohe Masse und vor allem einen großen Geschossquerschnitt. Dadurch wird einen hoher Schockimpuls auf das Stück übertragen und gleichzeitig eine ausreichend hohe Tiefenwirkung für den Ausschuss erreicht. Ein weiteres, besonders wertvolles Plus ist die unglaublich große Unempfindlichkeit gegenüber Hindernissen.

Im Rahmen dieser Vorgaben wurde die Federal POWER SHOK Munition mit 19,44 Gramm Teilmantelgeschoss und die Barnes VOR-TX mit 19,44 Gramm Kupferhohlspitzgeschoss getestet.



Federal Power Shok mit 300grs Teilmantel-Flachkopfgeschoss in .45-70 Government




In der Federal Munition ist ein 300grs Teilmantel- Flachkopfgeschoss mit angedeuteter Hohlspitze (HotCor, gebondet) verladen.

Die Patrone soll nach Fabrikangaben aus einem 24" (61cm) Lauf 1850fps (564m/s) an Mündungsgeschwindigkeit erbringen, was einer Mündungsenergie von 3091 Joule entspricht.

Geladen ist die Patrone mit einer Ladung von 48,5grs
(langes Röhrchenpulver), das die Hülse bei gesetztem
Geschoss nicht ganz füllt.



Barnes VOR-TX mit 300grs KupferHohlspitzgeschoss in .45-70 Government



Die Barnes VOR-TX Munition verschiesst ein 300grs TSX- Flachkopfgeschoss, was nach Herstellerangaben aus einem 24" Lauf auf 1905fps (580m/s) gebracht wird und damit eine Mündungsenergie von 3271 Joule erbringt.

Die Patrone ist mit 54,5grs geladen. Es ist ein sehr feines rundes Blättchenpulver, was eine große Ähnlichkeit mit dem Hodgdon Superformance Pulver aufweist. Das Pulver füllt die Hülse bis zum Geschoss zu 100%.

Sehr interessant ist auch die Tatsache, daß das Barnes-Geschoss aufgrund der geringeren Dichte als Blei/Tombak die stolze Geschosslänge von 26,8mm und eine wirklich beeindruckende Hohlspitze im Durchmesser von 6mm bei einer Tiefe von 13mm besitzt.

Anmerkung
Die Pulver der Federal- und Barnesmunition brennen recht langsam ab, d.h. sie sind progressiv. Ein Abbrandversuch mit einem
für die gleiche Geschossgewichtsklasse geeigneten NC-Pulver bestätigte das.

Leistung der Patronen
Zu schwache Federal
Die Geschwindigkeitsmessungen der Federal Patrone ergaben, dass von den angegebenen 564m/s aus dem 47cm Lauf der Marlin SBL noch schwache 502m/s übrigbleiben - nur 2400 Joule, was nach unserer Auffassung doch etwas zu wenig ist. Immerhin leistet die Patrone aus einer Marlin 1895 mit einem 56cm Lauf etwa 543m/s, was dann etwa 2860 Joule entspricht.
Sehr gut ist allerdings die Schussleistung. Auf 60m Distanz schoss die Federal
aus der SBL "Loch-in-Loch" Streukreise.

Akzeptable BARNES
Die Barnes Vor-TX zeigt ein besseres Leistungspotential. Mit durchschnittlichen 546m/s und einer konstant hohen Leistung mit einer geringen Geschwindigkeitsstreuung kommt die Patrone selbst aus der kurzen SBL immerhin auf knapp 3000 Joule. Die Leistung aus einem 56cm Lauf beträgt damit etwa Vo 568m/s und 3142 Joule.
Diese Energiewerte machen die Barnes Vor-TX aus kurzen Läufen der Hornady LE ebenbürtig, d.h. die Barnes ist eine der
stärksten hier bei uns erhältlichen Patronen für die .45-70. Allerdings ist die Munition noch weit von dem entfernt, was mit wiedergeladenen Patronen möglich ist, insbesondere aus kurzen Läufen. Aber die Schussleistung ist als sehr gut zu bezeichnen: weniger als 25mm auf 60m (mit Rotpunktvisierung).  

Geschosstest
Da es uns bei diesem Test um den Nachweis einer evtl. Splitterneigung ging, haben wir in dem Versuchsaufbau bewusst eine starke Beanspruchung der Geschosse herausgefordert. Im Gegensatz zu den ergebnisfremden Gelatinebeschusstests wurde eine Kombination von unterschiedlichen Zielmedien und einer speziellen Aufteilung in verschiedene Sektoren gewählt. Da die üblichen Beschussdistanzen der Standardtests mit wenigen Metern Entfernung zu praxisfern sind, wurde das Zielmedium auf die Distanz von 60 Metern beschossen, was der durchschnittlichen jagdlichen Einsatzentfernung für die .45-70 Government entspricht, vom Endergebnis auch deutlich aussagekräftiger ist und auch weitere Rückschlüsse zulässt.

Als Vergleichsbeschuss diente ein aus der .416 Rigby verschossenes 400grs schweres Barnes TSX-Geschoss. Dieses Geschoss konnte vorbildlich aufgepilzt mit 4 ausgerollten Fahnen bei vollem Restgewicht aus dem hinteren Teil des Testziels geborgen werden.





Das harte Testmedium ließ nicht mehr viel von den Speergeschossen übrig




FEDERAL

Es zeigte sich, dass die Teilmantelgeschosse der .45-70er Geschosse im Zielmedium gnadenlos überfordert waren. Bei der Federal erreichte das 300grs Teilmantelgeschoss zwar einmal die beachtliche Eindringtiefe von 22cm bei einem Restgewicht von 87%, es war allerdings auch ein Geschoss dabei, bei dem sich nach 15cm ein großer Teil des Bleikerns vom Mantel trennte, einige große Splitter abgab und nur noch ein Restgewicht von 60% hatte.


Ein zum Vergleich verschossenes 325grs Hornady FTX-Geschoss aus der LeverEvolution zerlegte sich ebenfalls nach einer Strecke von 15cm.



Das TSX-Geschoss verhält sich leider nicht so, wie auf
der Packung abgebildet, aber immerhin mit 100% Restgewicht


Geborgenes BARNES 300grs TSX-FN Geschoss.
Die Fahnen rollen sich nicht nach aussen ab,
sondern bördeln sich nach innen um.

BARNES
Erwartungsgemäß bestätigten sich die Vermutungen in Bezug auf das 300grs Barnes TSX-FN.
Das bleifreie Kupferhohlspitzgeschoss drang gut ca.20cm tief ein und war mit einem Restgewicht von 100% "eigentlich" perfekt massestabil erhalten.
Beim ersten Testbeschuss verformte sich das Geschoss jedoch nach innen, aus welchen Gründen auch immer. Der Durchmesser hatte sich allerdings noch auf das 1,3fache vergrößert, was für eine ausreichende Energieabgabe im Wildkörper bei diesem Kaliber noch in Ordnung ist.

Für einen weiteren Vergleich wurde mit der Vor-TX Munition ein festes Zielmedium von unterschiedlicher Konsistenz mit ca.45cm Tiefe auf eine Entfernung von etwa 40m beschossen.

Die Eindringtiefe lag bei etwa 18cm. Aber auch bei diesem geborgenen Geschoss war die Deformation nicht so, wie es in der Werbung von Barnes propagiert ist.   
Die Fahnen des Geschosses hatten sich nicht abgespreizt und nach nach außen geöffnet, sondern nach innen umgelegt. Gründe für dieses Verhalten sind offensichtlich die sehr große und tiefe Hohlspitze in Verbindung mit der kegligen Aussenform Mantelfläche des Geschosskopfes.


Beim Aufschlag auf das Zielmedium drückt die Schrägfläche der äußeren Mantelfläche mit einer größeren Kraft nach innen, sodass die Deformation über die eingekerbten Fahnen mehr nach innen als nach aussen geleitet wird. Hier wäre möglicherweise eine innen abgeschrägte Form der Hohlspitze besser, als die zylindrische Bohrung. Dadurch würde die Geschossdeformation zuverlässig nach aussen geleitet.    

Aber: das Deformationsverhalten ist noch als ausreichend anzusehen. Im zweiten Beschussversuch pilzte sich das TSX-Geschoss auf einen Deformationsdurchmesser von 18mm auf, was mehr als dem 1,5fachen Geschossdurchmesser entspricht.  

Hinweis zu den Tests
Man muss der Fairness halber erwähnen, dass man die Ergebnisse und das Geschossverhalten nicht 1:1 auf den Schuss auf Wild übertragen kann. Die Konsistenz eines Wildkörpers mit seinem hohen Wasseranteil, weichem Körpergewebe+ Organen und selbst mit unterschiedlich starker Knochensubstanz wird das Geschoss normalerweise nicht in diesem Maße gefordert . A b e r: Auf der Jagd ergeben sich durch verschiedene Faktoren und Umgebungseinflüsse sehr schnell Situationen, die einem Geschoss extrem viel abverlangen.

Nach unserem derzeitigen Erfahrungsstand kommt es im jagdlichen Einsatz mit Barnes-Kupferhohlspitzgeschossen normalerweise nicht zu Problemen (übrigens auch nicht
mit Standard-Teilmantelhohlspitzgeschossen). Die .45-70 zeigt in einem definierten Geschwindigkeitsfenster mit einem 300grs Standard-Hohlspitzgeschoss normalerweise immer einen großen, geradlinigen Wundkanal mit Ausschuss. In den allermeisten Fällen geht diese Wirkung ohne Splitterwirkung einher, auch bei stärkeren Stücken.

                  

Fazit
Unser Tipp für die Verwendung von bleifreier Munition für alle Nichtwiederlader geht
klar zur Barnes Vor-TX Munition.

Es ist hier in Deutschland im Moment die empfehlenswerteste Munition in der .45-70 mit einem
bleifreiem Geschoss, die in Bezug auf die Leistung der Hornady LeverEvolution Munition auf kurze Distanzen um nichts nachsteht. Vor allem für die Besitzer UHR's, die Ihre Waffe auf kurze Distanzen bei der Nachsuche und zum Fangschuss einsetzen möchten, ist die Vor-TX hier die beste Wahl, auch da sie eine gleichmäßige Leistung erbringt. Natürlich bleibt der Wehrmutstropfen der Nonkonformität in Bezug auf die Schalenwildzulassung auf 100 Meter (auch wenn diese gesetzliche Vorgabe völlig unsinnig ist und im Fall der .45-70 Government wegen der speziellen zielballistischen Wirkung völlig irrelevant ist).

Insbesondere Hundeführer können sich auf das homogene Kupferhohlspitzgeschoss verlassen. Es hat eine hohe Tiefenwirkung mit einem sehr hohen Grad an Massestabilität. Auch bei harten Knochentreffern, starken Stücken oder bei Sauen mit Schüssen hinter den Teller ist aus der gegenüberliegenden Körperseite des Stückes (Ausschussseite) eine Gefährdung durch austretende Geschosssplitter in 99% aller Fälle so gut wie ausgeschlossen.


Nächstes Kapitel
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