.45-70 Government Teil 1 - JASW

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.45-70 Government Teil 1

Jagdkaliber


Patronenbezeichnung:
.45-70 Government

Kaliber:
.458/ 11,63mm

Einsatzbereich:
Hochwild, Bär, Bison, Elch

Erscheinungsjahr:

1873

Hülsenabmessungen:

L3: 53,20mm

Zylindrische Randhülse

Gasdruck:

2200bar (CIP)

Geschossgewicht:

300-400grs

Geschwindigkeit:

Vo 625m/s                            325grs Geschoss

Energie:

Eo 4111Joule                  (Herstellerangaben aus 61cm Lauf)

Geschichte und jagdliches Einsatzgebiet
Die .45-70 Gvt. wurde als ehemalige US-Ordonanzpatrone ursprünglich in den damaligen Fall- oder Rollblockverschlüssen verwendet, die mit einer Treibladung von bis zu 70grs Schwarzpulver geladen waren.
Bei diesen alten Waffen liegt der Gebrauchsgasdruck verständlicherweise bei nur 1450bar. Der Standardgebrauchsgasdruck für die Munition lag in den USA nach SAAMI bei 1930bar, nach der Standardisierung durch die CIP hat man sich nun weltweit auf 2200bar festgelegt.
Dass sich das altehrwürdige Kaliber bis ins 21. Jahrtausend gerettet hat, ist in erster Linie der zivilen Verbreitung zur Jagd in Amerika zu verdanken, wo die Patrone in dicht bewachsenem Gelände schon seit vielen Jahrzehnten erfolgreich von der Weißwedelhirsch- bis zur Bärenjagd eingesetzt wird. Durch den Export moderner Waffen (vor allem Unterhebelrepetierer) nach Europa konnte die Patrone auch in Deutschland als eine besondere Jagdpatrone erfolgreich Fuß fassen. Die .45-70 Government ist in erster Linie als eine Spezialpatrone für Kurzdistanzen auf Hochwild anzusehen.
Den guten Ruf verdankt das Kaliber aufgrund der hohen Schockwirkung als Folge des großen Kaliberdurchmessers in Verbindung mit Geschossgewichten zwischen 19,44 Gramm bis 22,7 Gramm. Bei den moderaten, aber absolut ausreichenden Geschossgeschwindigkeiten zwischen 580m/s und 640m/s hat die Patrone eine erstaunliche Unempfindlichkeit gegenüber Flugbahnhindernissen. Natürlich spielen wie bei jedem Kaliber die verwendeten Geschosse in der .45-70 eine sehr wichtige Rolle.     

Heute sind moderne Waffen wie z.B. die UHR Browning 1886, Winchester 1886 und Marlin 1895 oder die sehr massiv gebaute Ruger Nr.1 aber auch für einen höheren und gleichzeitig sicheren Gebrauchsgasdruck zwischen 2400 und 3000bar (die Ruger sogar noch mehr) ausgelegt. Für diese Waffen gibt es für die .45-70 Government von fast allen namhaften Pulver- und Geschossherstellern entsprechende Ladungsempfehlungen.   

Erfahrungen mit JASW

Munition
Der .45-70 wurde lange Zeit nachgesagt, nicht genug Energie zu liefern, um die gesetzlich geforderte Mindestenergie auf Schalenwild von 2000 Joule auf 100m zu erreichen. Dies betriftt vor allem die gemäßigt verladenen Fabrikladungen mit schweren 26 Gramm Geschossen und Munition, die in Anlehnung an die alten Waffen mit Fallblockverschlüssen auf einen Gasdruck zwischen 1400-1900bar geladen ist.

Heute stehen Fabrikpatronen von BARNES, HORNADY, FEDERAL und WINCHESTER zur Auswahl, die je nach Waffe mit 19,4 Gramm Geschossen auch auf 100m noch Energien von 2400-2800 Joule liefern können. Aber Energiewerte sind längst nicht alles. In der jagdlichen Praxis spielt vor allem der Kaliberquerschnitt  in Verbindung mit den höheren Geschossgewichten eine entscheidende Rolle.
Es besteht also auch für Nichtwiederlader grundsätzlich keine Veranlassung, die Patrone als zu schwach anzusehen.

HORNADY Leverevolution Munition
Eine der stärksten auf dem deutschen Markt erhältlichen Fabrikpatronen ist die "LEVERevolution" von HORNADY mit einem 325grs schweren Teilmantelhohlspitzgeschoss und einer weichen strömungsgünstigen Elastomerspitze, ("FTX"=FlexTipExpanding Teilmantelgeschoss mit verdeckter Hohlspitze).

Aus einem 61cm langen Lauf wie z.B. in der Marlin 1895 XLR ergibt diese Munition nach Werksangaben Energien um 4100 Joule (Eo) und 2900 Joule auf 91m in Verbindung mit einer gestreckten Flugbahn. Die Patronen sind dabei ohne Druckeröhung gefahrlos auch aus allen Büchsen zu verschiessen, die technisch in einem ordnungsgemäßen Zustand sind.



Hornady LE-Munition
Um zu sehen, was denn nun wirklich in dieser Munition steckt, etwa ein "Wunderpulver" oder vielleicht ein fester Pulverpressling wie bei der HORNADY Light Magnum-Munition, die nicht mehr hergestellt wird, haben wir die HORNADY-Munition mal etwas genauer unter die Lupe genommen.
Um mit dem längeren, strömungsgünstigen Geschoss die max. Patronengesamtlänge für den sicheren Repetiervorgang in Unterhebelrepetierbüchsen nicht zu überschreiten, ist die Hülse deutlich kürzer als andere handelsübliche .45-70er Munition. Damit trotzdem noch genug Platz für die Pulverladung bleibt, ist die Hülse für einen Volumenausgleich entsprechend dünn ausgeführt.

HORNADY LEVERevolution
Zusammen mit der Barnes Vor-TX bewegt sich die Hornady LE im Kaliber .45-70 Government auf einem Leistungslevel. Wie die Barnes-Munition verschiesst auch die LE ein 300grs schweres Deformationsgeschoss, aber das FTX-Hohlspitzgeschoss mit strömungsgünstiger Kunststoffspitze ist allerdings nicht bleifrei. Hauptvorteil gegenüber den Flachkopf- und Hohlspitzgeschossen ist die etwas höhere Geschwindigkeit auf mittlere Distanzen und das etwas geringere Vorhaltemaß bei flüchtigen Stücken auf der Bewegungsjagd.

Das in der Leverevolution- Munition verladene FTX-Geschoss ist ein Hohlspitzgeschoss mit gutem Ansprechverhalten und hoher Wundwirkung, weil es im Wildkörper sehr schnell öffnet. Durch die Ausführung des Mantels eignet sich das Geschoss auch zur Nachsuche.


325grs HORNADY FTX-Geschoss mit Polycarbonatspitze.
Gut zu sehen ist der relativ starke Geschossmantel.

Hornady LE-Munition
Das Pulver, was in der Leverevolution zum Einsatz kommt, wird von der amerikanischen Firma HODGDON hergestellt und ist unter dem gleichen Namen Leverevolution erhältlich. Es ist ein feines Nitrozellulosepulver in runder Blättchenform, das im Abbrandverhalten etwa mit dem Vihtavuori N150 vergleichbar ist und seine Leistung im Rahmen der CIP- Maßgabe von 2200bar Gasdruck erbringt, was für amerikanische Verhältnisse schon fortschrittlicher ist als der niedrige Druck nach SAAMI. Es handelt sich hierbei also nicht um +P Munition.

Um zumindest einen Anhaltspunkt in Bezug auf das Gasumsetzung zu bekommen, haben wir das Pulver unverdämmt offen abbrennen lassen und dabei mit anderen NC-Pulvern verglichen. Es ist ein sehr progressiv abbrennendes Pulver, denn es brennt offen deutlich langsamer ab als die anderen "Vergleichspulversorten", die normalerweise in der .45-70 verwendet werden. Das bestätigt auch die Angaben des Herstellers, der in den LeverEvolution- und Superformance-Munitionslinien das gleichnamige progressive Spezialpulver verwendet, das in 61cm langen Läufen bis zur Laufmündung vollständig abgebrannt und auch aus kurzen Läufen nur sehr wenig an Leistung verlieren soll.

Unsere Geschwindigkeitsmessungen sagten da leider etwas anderes aus. Die Ergebnisse waren schlichtweg ernüchternd! Der aus 10 Schuß gemessene Mittelwert aus einem 47cm kurzen Lauf der Marlin lag stolze
14% unter den Werksgeschwindigkeitsangaben des 24" Referenzlaufes. Damit liegt diese Munition leistungsmäßig nur etwa im gleichen Bereich, was man mit der .45-70 Government aus einer Kurzwaffe mit einem langen Lauf herausbekommen kann. So erreicht die Patrone aus einer Contender-Kipplaufpistole oder einem BFR- Revolver mit einem 10" Lauf mit einem 300grs Geschoss mit einer lauflängenangepassten Pulverladung etwa die gleiche Leistung.

Die HORNADY LE ist grundsätzlich eine gute Munition mit einem guten und strömungsgünstigen Geschoss, aber:
Eine adäquate Leistung erbringt die Munition allerdings nur aus Waffen, die über einen 24"/ 61cm langen Lauf verfügen. Die LeverEvolution ist also nichts für kurzläufige Unterhebelrepetierer!

Technische Daten HORNADY LEVERevolution
- Geschoss: 325 grs FTX Teilmantel-Hohlspitzgeschoss mit Kunststoffspitze
- Treibladung: 52,1 grs HODGDON "LEVEREVOLUTION" (rundes Blättchenpulver)
- Hülsenlänge L3: 51,7mm
- Gesamtlänge L6: 65,9mm
- Hülsenvolumen: 76,0grs (Wasser)
- Geschwindigkeit aus 18"/
47,5cm Lauf Marlin SBL: Vo 540m/s Energie  Eo 3075 Joule (gemessen 3m vor der Mündung, Aussentemperatur +2,5°C)
- Geschwindigkeit aus 22"/56cm Lauf Vo 597m/s Energie  Eo 3755 Joule
- Geschwindigkeit aus 24"/
61cm Lauf Vo 625m/s Energie  Eo 4111 Joule

Fazit
Wer seine .45-70 auch auf der Drückjagd führen möchte, ist mit dieser starken Munition sehr gut ausgerüstet. Das Vorhaltemaß ist aufgrund des günstigen Strömungswertes und der hohen Geschwindigkeit gegenüber den normalen Flachkopfgeschossen deutlich geringer.

Auch das Mündungsfeuer aus kurzen Läufen hält sich in Grenzen. Beeindruckend ist auch die Tatsache, dass diese Munition auch auf 100m noch hervorragende Streukreise liefert (jagdliche Wirkung siehe weiter unten). Nachteil: durch die lange Geschoßspitze schrumpft die Magazinkapazität um eine Patrone.


FEDERAL- Munition

Ausser der bewährten Laborierung namens Power-Shok mit dem gebondeten 300grs Speer Hot Cor Teilmantel Flachkopfgeschoss bietet der Hersteller auch seine eigene Linie u.a. auch für die .45-70 Government unter dem Namen Fusion Safari an.
Dieses Geschoss wird genau wie das Speer in einem elektrochemischen Prozess hergestellt, d.h. Mantel und Bleikern sind verlötet.

Die Power-Shok Laborierung ist allerdings deutlich günstiger. Die Patronen sind für kurze Marlins allerdings nur zweite Wahl, da die Mündungsgeschwindigkeit recht niedrig ist (siehe Test). Die Patrone eignet sich aber sehr gut zum Training.



HORNADY Leverevolution MONOFLEX

Diese Munition wäre eigentlich mit den 250grs leichten, bleifreien Geschossen eine interessante Alternative zu den Teilmantelgeschossen. Leider ist die Munition völlig unzuverlässig, was die Gleichmäßigkeit der Mündungsgeschwindigkeiten angeht. Die Streuung bei den Vo-Messwerten liegt um die 100m/s (!). Dies ist eine Folge der ungeeigneten Treibladung (siehe Testbericht). Im Gegensatz zum Konkurrenzprodukt von BARNES Vor-TX Munition sind bei der Hornady Monoflex-Munition auch bei einem gründlich gereinigten Lauf bereits nach wenigen Schüssen starke Laufablagerungen zu erkennen.*
Von dieser Munition ist daher nur abzuraten!
* Anm.: Dies wirkt sich nur auf die Präzision aus. Der Mangel der extrem hohen Geschwindigkeitsstreuung infolge des unzureichend verbrannten Pulvers bleibt davon unberührt!

Wer die .45-70 Government mit bleifreier Munition schiessen möchte, sollte besser zur
BARNES VOR-TX Munition mit 300grs TSX- Hohlspitzgeschoss mit Flachkopf (siehe unten) greifen. Damit gibt es solche Probleme wie oben beschrieben nicht.

Hinweis zu Mündungsgeschwindigkeiten:
Von einigen Munitionsanbietern wurden in der Vergangenheit irreführende Hinweise in Bezug auf angebliche Geschwindigkeitsstreungen gemacht. Hier wiurde u.a. behauptet, dass es bei der Verwendung von bleifreien Geschossen bei "nicht richtig gereinigten Läufen" angeblich zu "Geschwindigkeitsschwankungen" kommen könne. Dies ist schlichtweg falsch!

Richtig ist vielmehr, dass unabhängig davon, welches Geschoss verwendet wird und ob der Lauf gereinigt wurde oder nicht, zwar individuelle, aber immer die gleichen Gesetzmäßigkeiten in Bezug auf die Widerstandskraft herrschen, welche im Lauf beim Geschossdurchgang einwirken.
In Abhängigkeit vom Geschossdurchmesser, vom Geschossmaterial und von der Oberflächenrauheit setzt jeder Lauf dem Geschoss einen Widerstand entgegen. Je nach Geschossmaterial und innenballistischer Geschossgeschwindigkeit kommt es zu mehr oder weniger starkem Materialabrieb im Bereich
des Feldprofils. Diese Ablagerungen vergrößern sich im Laufe der Zeit in Abhängigkeit der o.a. Parameter bis zur nächsten Laufreinigung. Der hierbei auftretende Widerstand für das Geschoss während des Laufdurchgangs steigt dabei von Schuss zu Schuss minimal an. Allerdings ist dieser Anstieg so gering, dass dieser Widerstand keinerlei Einfluss auf die Geschossgeschwindigkeit von Schussgruppen innerhalb eines einzelnen Meßstrings hat.  

Hier die Parameter, die tatsächlich Einfluss auf Geschwindigkeit eines Geschosses haben:

  • Pulverzusammensetzung

  • Pulvermasse

  • Lauflänge

  • Geschossdurchmesser

  • Geschossmaterial

  • Berührungsfläche des Geschosses+ Reibungskoeffizient


Zusammenfassung:
Hinweise auf angebliche Geschwindigkeitsschwankungen in Bezug auf den Grad der Laufverschmutzung kann man getrost ignorieren. Achten Sie beim Probeschiessen immer auf Unregelmäßigkeiten in Bezug auf Rückstoss und Mündungsfeuer. Wenn Sie bei Schüssen in direkter Folge mit der gleichen Munitionssorte feststellen, dass kein oder kaum sichtbares Mündungsfeuer auftritt und dann wieder Patronen mit starker Mündungsfeuerentwicklung dabei sind, so ist dies ein eindeutiges Zeichen für einen ungleichmäßigen Pulverabbrand in Folge einer ungeeigneten Treibladung. Von der Verwendung solcher Munition zu jagdlichen Zwecken ist daher dringend abzuraten!
 
 


BARNES VOR-TX Munition

Vom Erfinder der echten Kupferjagdgeschosse wird eine bleifreie Munition mit einem 300grs schweren Vollkupfergeschoss TSX- Flat Nose (Flachkopf) angeboten. Auffällig am Geschoss ist die extrem große Kupferhohlspitze, die Expansionsrillen für 6 Fahnen (nach der Deformation) hat.
Mit einer angegebenen Leistung von 580m/s an Mündungsgeschwindigkeit aus einem 24" Lauf steht mit dieser Munition reichlich Schockwirkung für schweres Hochwild auf kurze bis mittlere Distanzen und zur Nachsuche auf gefährliches Wild als Garant für ein zuverlässiges Stopperkaliber zur Verfügung.
Bei unseren Munitionstests stellte sich heraus, dass die
Barnes Vor-TX Munition aus dem kurzen Lauf der Marlin verschossen, sogar der Hornady LeverEvolution ebenbürtig ist, was Geschossgeschwindigkeit+ Energie angeht! (siehe Test).
Größter Vorteil der Munition ist das massestabile Geschoss, dass splitterfrei arbeitet. Aus diesem Grund ist die Munition mein Tipp für alle Durchgehschützen und Hundeführer.         

RUAG lässt sich nicht auf .45-70 Government-Munition ein
Sieht man sich den stetig wachsenden Anteil auf dem Waffenmarkt an, den die .45-70 Government in den letzten Jahren im jagdlichen Sektor nachhaltig besetzt hat, taucht unweigerlich die Frage auf, warum RUAG dieses Potential nicht nutzt und unter den konzerneigenen Marken wie z.B. Norma oder RWS eigene Munitionssorten für das Kaliber anbietet.

Sehr gut vorzustellen wäre z.B. eine RWS-Laborierung mit einem 19,44 Gramm schweren TOG mit Hohlspitze für Ansitz+ Drückjagd sowie GECO-Munition mit einem 16,5 Gramm leichten Geco-Plus Geschoss für den Ansitz und der Jagd auf mittelschweres Schalenwild gewesen.

Das Leistungsspektrum der .45-70 Government wäre durch Norma-Munition
mit einer starken Laborierung für die Jagd auf stärkstes Hoch- und Raubwild im skandinavischen+ asiatischen Raum und in Nordamerika sinnvoll nach oben abgerundet . Denkbar wäre außerdem auch eine Laborierung mit einem 22,7 Gramm schweren Oryx-Geschoss, das als Verbundkerngeschoss mit einem leichten Hohlkegel zur Deformationseinleitung konstruiert sein könnte. Vertreter des RUAG-Konzerns äußern sich nur zurückhaltend über eine eigene Munitionssorte für die .45-70. Man würde keine gerechtfertigte Notwendigkeit für eine Serienfertigung erkennen... nun denn!

Wie auch immer: Man kann sich sicher sein, dass wir nicht mehr allzu lange darauf warten müssen, bis die Konkurrenz weitere Munitionssorten für die hervorragende Kurzstrecken- Waldpatrone in ergänzenden Geschossgewichten für den europäischen Markt produzieren wird. HORNADY und BARNES haben es mit ihrer European-Line-Munition in einigen klassischen europäischen und deutschen Kalibern bereits vorgemacht.

Nicht empfehlenswerte Munition
Um eine Munitionssorte sollte man einen ganz großen Bogen machen: PPU-Munition im Kaliber 45-70 Government.
Die Qualität der Patronenkomponenten ist so miserabel, dass man seiner Waffe (und sich selbst) diese Munition nicht zumuten sollte, auch nicht zum Training.
    
        

+P Munition aus den USA
Sehr gute und starke Munition für die .45-70 Government stellt auch
die amerikanische Firma GARRETT her. Diese Patronen sind mit gegossenen
Hartbleigeschossen mit 420grs Flachkopf (Hammerhead), 350grs WOODLEIGH-
Teilmantelgeschossen oder mit 500grs HORNADY Vollmantel Flachkopfgeschossen
(EXITER) ausgestattet. Im Druckbereich von 35.000 PSI / 2415 bar geladen,
erreichen sie um die 4300 Joule.
Leider gibt es keine Munitionszulassung für Deutschland. Alle Leistungsangaben ohne Gewähr.

Von der FA. BUFFALO BORE wird für alle Marlin UHR 1895 Modelle ab Baujahr 1972 sehr starke Munition mit der Bezeichnung "45-70 Magnum Lever Gun" in Laborierungen gefertigt, die (nach eigenen Angaben) gemessen aus einem 22" 56cm Lauf nachfolgende Werte erbringen soll:
300 grs Teilmantelhohlspitzgeschoss, Vo 2350f/s Vo 716m/s Eo 3678 ft/lbs Eo 4986J
350 grs Bleiflachkopfgeschoss, Vo 2100f/s Vo 640m/s Eo 3427 ft/lbs Eo 4658J
405 grs Teilmantelflachkopfgeschoss, Vo 2000f/s Vo 610m/s Eo 3597 ft/lbs Eo 4819J
430 grs Bleiflachkopfgeschoss, Vo 1925f/s Vo 587m/s Eo 3537 ft/lbs Eo 4795J
500 grs Vollmantelflachkopfgeschoss, Vo 1625f/s Vo 495m/s Eo 2931 ft/lbs Eo 3976J
gibt es z.Z. noch keine +P Munitionszulassung für Deutschland.
Die Geschwindigkeit aus 18" / 46cm Läufe reduziert sich nach Herstellerangaben um ca. 15m/s.
(Auch für diese Patronen gibt es in Deutschland keine Zulassung, alle Leistungsangaben ohne Gewähr)

Auch der amerikanische Munitionshersteller COR-BON fertigt verschiedene Laborierungen im Kaliber .45-70 Gvt. mit Teil- und Vollmantelflachkopfgeschossen in Geschossgewichten von 350grs bis 450grs. Die Empfehlung reicht über Elch, Bison, Bär bis zum Büffel (nun ja..).
Daten .45-70 Government-Munition mit 350grs Teilmantel-Flachkopfgeschoss:  
Vo von 548m/s und eine Eo 3415J
aus einem 18,5" 47cm-Lauf.
(Vo: 563m/s Eo 3597J aus 22" 56cm-Lauf)
(Vo: 578m/s Eo 3795J aus 24" 61cm-Lauf)

Daten 405grs Vollmantelgeschoss:
Vo von 487m/s Eo 3103J aus einem 18,5" (47cm) Lauf angegeben.
(Vo: 502m/s Eo 3273J 22" 56cm-Lauf)
(Vo: 517m/s Eo 3466J 24" 61cm-Lauf)
(Alle Leistungsangaben ohne Gewähr)

Weiterer amerikanischer Munitionshersteller ist GRIZZLY Cartridge mit starker +P Munition für die .45-70 Government:
405grs Punch Bullet Vollmantel-Flachkopf Messinggeschoss
Vo: 625m/s Eo: 5125J  
350grs HAWK Teilmantelgeschoss
Vo: 640m/s Eo: 4646J  
350grs HAWK Teilmantelgeschoss mit Hohlspitze
Vo: 640m/s Eo: 4646J   
400grs HAWK Teilmantelgeschoss
Vo: 610m/s Eo: 4800J
405grs Bleiflachkopfgeschoss (CAST Performance)
Vo: 625m/s Eo: 5125J
420grs Bleiflachkopfgeschoss (CAST Performance)
Vo: 595m/s Eo: 4815J
460grs HAWK Bleiflachkopfgeschoss (CAST Performance)
Vo: 548m/s Eo: 4475J   
(Alle Leistungsangaben ohne Gewähr)

Jagdliche Wirkung (siehe auch .45-70 Government Teil 2)
Auf der Jagd ist die Augenblickswirkung der 11,6mm- Geschosse spürbar höher als bei einem Mittelkaliber wie z.B. der .30-06.
Um diese beobachtete Wirkung in praxisgerechte Zahlen für Vergleichswerte von Kalibern zu bekommen, haben wir als Berechnungsgrundlage den A.S.P.I. (Shock Power Index) verwendet. Hierzu wird neben der kinetischen Energie auch die Oberfläche des Geschosses/ Kalibers mit einbezogen. Dies ergibt bei der.45-70 Gvt. einen Wert von 453 (eine .30-06 erreicht 221). Das ist tatsächlich mehr, als eine .375 H+H mit einem 19,4g Geschoss leistet!

Die Verwendung von 350grs Hornady Rundkopfgeschossen im Kaliber .458 zeigt, dass die getroffenen Stücke auch mit ungünstigen Treffersitzen hinter der Blattschaufel und Lungenschüssen sofort zusammenbrechen. Die .45-70 bewirkt auf Sauen auch bei Schüssen in den sekundären Rippenbereich eine recht starke Augenblickswirkung, sodass sich die Stücke nicht mehr vom Anschuss flüchten können.   
Die FEDERAL Patronen mit dem 300grs SPEER HotCor- Geschoss sind nicht so stark geladen und ergeben daher bei stärkeren Stücken bei Blattschüssen nicht immer Ausschuss, aber mit ausreichender Wund- und Tiefenwirkung.

Es ist also kein Zufall, dass die .45-70 Government in den letzten Jahren einen wahren Boom erlebt, was ihre Verkaufszahlen angeht. Sie ist einfach ein tolles Kaliber für die
Waldjagd und wie geschaffen für den Einsatz auf Hochwild und starkes ausländisches Wild.

Natürlich ergeben die ganz schweren Geschosse, z.B. ab 405grs aus der .45-70 Gvt. eine noch größere Tiefenwirkung, insbesondere bei den Bleiflachkopfgeschossen von CAST PERFORMANCE. Die Nachteile sind aber (durch die geringere Geschwindigkeit) die gekrümmte Flugbahn und damit größeres Vorhaltemaß bei Drückjagden sowie der deutlich stärkere Rückstoss.


.450 Marlin contra .45-70 Government
Im direkten Vergleich der erzielbaren Mündungsenergie hat die Marlin mit etwa 1600 Joule+ gegenüber den Standardlaborierungen der .45-70 zunächst deutlich die Nase vorne, allerdings schrumpft dieser Vorteil bei der Verwendung der HORNADY LEVERevolution- Munition:
.45-70: 325grs Geschoss Vo 625m/s Eo 4100 Joule aus 24" Lauf
.450 Marlin: 325grs Geschoss Vo 678m/s Eo 4843 Joule aus 24" Lauf
   
Dieses Leistungsplus der .450 Marlin erbringt allerdings keinen spürbaren jagdlichen Unterschied in der Tötungswirkung. Auch nicht die etwas "gestrecktere" Flugbahn eines Kalibers, dass vom Einsatzbereich her in erster Linie in dichtem Bewuchs meistens auf Kurzdistanzen, nur in Ausnahmefällen höchstens bis 70m eingesetzt wird. Wiedergeladen ist die .45-70 Government der .450 Marlin ebenbürtig und hat darüber hinaus noch den Vorteil des sicheren Ausziehens über den großen Rand der Patrone.


Nichtz desto trotz ist die .450 Marlin eine sehr leistungsstarke Patrone, die in kompakter Form eine Menge "Punch" für eine zuverlässige Stoppwirkung in Notsituationen liefert. Eigentlich wurde sie als eine Wildcatpatrone aus dem Jahr 1962 (.458 x2" American/ F.C.Barnes) leicht modifiziert, wiedererweckt. Wie bei der .45-70 mit starken Ladungen kann auch die .450 Marlin leicht zum "austretenden Maulesel" werden: Dies liegt in erster Linie am zu kurzen Schaft der Marlin. Hier hilft eine gute Gummikappe.   

Die .450 Marlin blickt wie alle Gürtelpatronen in eine ungewisse Zukunft. In den letzten Jahren waren neue Kaliberentwicklungen fast ausschliesslich entweder randlose Patronen oder Patronen mit Rand. Man sollte ebenfalls nicht vergessen, dass der Gürtel der .450 Marlin nicht unbedingt nur Vorteile bringt. Der Auszieher kann sich nur an die Patronenrille anlegen, während bei der .45-70 über den massiven Rand abgegriffen und geführt wird. Und was nur die Wenigsten wissen: Die .450 Marlin- Hülse fasst ca.7grs weniger Pulver als die .45-70 Gvt., was wiederum die bekannten Nachteile von Pressladungen mit sich bringt.  

Vergleichsdaten .45-70 Government und .450 Marlin

.45-70 Gvt.:  
Randpatrone, 2200 bar Gasdruck  
HORNADY LEVERevolution 325 grs / 21,0g HP   
Vo: 625m/s Eo: 4110J (61cm Testlauf)
V100: 518m/s E100: 2825 Joule
Rückstoßenergie: ca. 40 Joule bei 3,2kg

.450 Marlin:
Gürtelpatrone, 3300 bar Gasdruck      
Hornady 350grs / 22,7g TMF

Vo: 678m/s Eo: 4843J
(61cm Testlauf)
V100: 502m/s E100: 2854 Joule
Rückstoßenergie: ca. 55 Joule bei 3,2kg

Fazit
Ob .450 Marlin oder .45-70 Government: beide Patronen sind mit geeigneter Fabrikmunition und guten Geschossen voll tauglich für schweres Wild. Einen Unterschied in der Jagdpraxis beim Vergleich der .450 Marlin zur .45-70 Government gibt es nicht.

.50 Alaskan
Wer nochmals einen spürbaren Unterschied in der jagdlichen Wirkung zur .45-70 Gvt. haben möchte, kommt nicht an dieser Patrone im Kaliber .50 vorbei. Es ist das zurzeit energiestärkste Kaliber für Unterhebelrepetierer. Diese Patrone ist auch eine Randpatrone und genauso lang wie die .45-70. Sie basiert auf der großvolumigen .348 Winchester. 450grs schwere Geschosse werden auf über 600m/s (56cm Lauf) beschleunigt. Mit über 5200 Joule erreicht dieses Kaliber den gewaltigen A-Square Shock Power Index von mehr als 800! Der Rückstoss mit einem Waffengewicht von 2,9kg fällt allerdings sehr hart aus.
  

Eine Frage des richtigen Arbeitsdrucks
In Internetforen stösst man auch bei der .45-70 Gvt. leider auf Fotos mit angeblichen Waffensprengungen und dem Fingerzeig: "seht Ihr, dass passiert, wenn man aus einer .45-70 eine .450 machen will und sie überlädt..." Das ist natürlich völliger Unsinn. Solche Waffensprengungen, egal welcher Art, haben zu 99,99% mit der Wahl des falschen Treibladungspulvers oder mit Fremdkörpern oder Geschossen im Lauf zu tun und nichts mit starken Gebrauchsladungen.
Marlin Unterhebelrepetierer sind in beiden Kalibern sowohl konstruktiv als auch von der Materialgüte identisch. In den USA gibt es viele Wiederlader, welche die .45-70 auf ein ähliches Leistungsniveau wie die .450 Marlin laden. Zudem wurde die HORNADY LEVER-Evolution Munition auf das Modell 1895 XLR im Kaliber .45-70 Government mit 24" Lauf abgestimmt.


Je nach Hersteller kann man die .45-70 Government mit unterschiedlichen Laborierungen aus verschiedenen Waffen im Druckbereich bis 40.000psi verschiessen, ohne dabei Anzeichen von Waffenverschleiß an Rahmen, Laufverbindung oder am Verschlußystem / Verriegelung feststellen zu können. Die Hülsen können ganz leicht aus dem Patronenlager ausgezogen und wieder ausgeworfen werden.    

Bei Waffen wie der Ruger No.1 Blockbüchse kann man mit den Ladungen durchaus noch höher gehen. Hier sind als Messlatte satte 3250bar und mehr drin. Entsprechende Empfehlungen sind in einschlägigen Wiederladehandbüchern nachzulesen. Übrigens: Versuche der Firma Hodgdon in Testläufen zeigten selbst mit Brachiallaborierungen um 4900 bar(!) bei der .45-70 Gvt. noch keine Ausziehprobleme, was die Hülsen angeht.

Da die .45-70 mit Standardlauflängen im Rahmen des zulässigen Gasdrucks mit der HORNADY Leverevolution- Munition oder wiedergeladen mit etwas höheren Druck mit 300grs / 19,4g Geschossen über 4000 Joule Mündungsenergie erreicht, ist das für starkes Wild bei der Waldjagd und Nachsuche mehr als ausreichend.

Druckgrenzen für die .45-70 Gvt.  
In der Marlin 1895, dem exakt gleichen Basismodell für die .444 und .450 Marlin ist man selbst mit Ladungen im moderat erhöhten Druckbereich immer noch auf der sicheren Seite, auch wenn damit der (rechtlich) zulässige Druck bereits überschritten wird, denn die Waffen sind hinsichtlich Ausführung und Material absolut robust.


50m-Schussbild der .45-70 Government, geschossen aus einer
Marlin 1895 mit Leuchtpunktvisierung ohne Vergrößerung

Präzision
Im Netz liest man u.a., dass die .450 Marlin eine deutlich präzisere Patrone als die Government wäre, auch dies ist Quatsch.
Die .45-70 Gvt. ist sogar eine sehr präzise Patrone, mit der u.a. aus der Marlin 1895 hervorragende Schussbilder zu erzielen sind.

Diese Präzision beider Patronen mit starken Laborierungen in der Marlin 1895 aber auch wirklich zu erreichen, ist bei dem Rückstoßimpuls und den Waffengewichten von etwas über 3 kg selbstredend nicht ganz einfach.

Der Rückstoß ist auch aus den kurzen Marlin-Versionen mit starken Ladungen in der .45-70 Gvt. absolut problemlos beherrschbar.

Waffen
Wer einen robusten, zuverlässigen und führigen Begleiter fürs Revier und die Nachsuche möchte, ist mit einem Unterhebelrepetierer wie z.B. der Marlin Modell 1895 im Kaliber .45-70 Government bestens ausgerüstet.
Diese Waffen sind insbesondere bei einer
Lauflänge unter 50cm sehr kurz, angenehm leicht zu tragen und mit der richtigen Technik und etwas Übung in jagdlichen Situationen, bei denen es schnell gehen muss, sehr rasch in Anschlag zu bringen und schnell hintereinander folgende Schussfolgen sind ebenfalls möglich. Das ist besonders auf kurze Entfernungen und im dichten Bewuchs von enormen Vorteil.    


Marlin 1895 GS in .45-70 Government


Das Standardmodell der Marlin 1895 ist mit einer Lauflänge von 56cm sowohl zum Ansitz als auch für die Bewegungsjagd geeignet.
Noch besser zur Drückjagd, auf kurze Distanzen sowie zur Nachsuche sind die kurzläufigen Marlin Unterhebelrepetierer. Besonders die Marlin 1895 Guide Gun (brüniert oder in Edelstahlausführung, Magazinkapazität 4+1) ist zu diesem Zweck sehr zu empfehlen. Das Gewehr repetiert zuverlässig und ist dabei äußerst kompakt und führig.


Die ursprünglich vorhandenen Kompensatorbohrungen sind bei den neuen Modellen zum Glück nicht mehr angebracht.
So etwas hat auf der Jagd auch nichts zu suchen, denn die äußerst unangenehmen Nebenwirkungen wie die Lärmentwicklung um die 160dBA und die Entstehung der seitlichen Druckwellen sind weder gesundheitlich vertretbar noch praxisgerecht.

Die Firma Marlin hat sich von ihrer patentierten Laufinnenkontur "Micro Grooves" wieder verabschiedet und stattet die Läufe ihrer Waffen wieder mit sechs tiefen Zügen "Ballard Type" zur Präzisionsverbesserung beim Verschießen von Bleigeschossen aus.



Marlin GS, GBL und SBL
Eine Art "weiterentwickelte" Guide Guns sind die Modelle 1895 GBL (GuideGun BlackSteel Laminated, brünierte Ausführung und SBL (Stainless Steel Black Laminated, Edelstahlausführung im Kaliber .45-70 Government.
Das System der SBL ist das Gleiche wie das aus der XLR-Serie. Der kannelierte Verschluss dient übrigens nicht der Gewichtsreduzierung, wie manchen Berichten aus der Fachpresse zu entnehmen ist, sondern reduziert den Schließwiderstand und erhöht die Zuverlässigkeit bei großer Kälte.

Die Waffe in der SBL-Ausführung hat einen grau-schwarz laminierten Holzschaft mit Pistolengriff, einen vergößertem Unterhebel, 6 (!) Schuss Röhrenmagazin, Picatinny-Schiene und eine Gostringvisierung.
Mit einer Gesamtlänge von weniger als 93cm (!) ist die Waffe als robuster Gebrauchsgegenstand an Führigkeit und Handling als Backupwaffe bei Nachsuchen schlichtweg genial.


Diese Waffe lässt sich sehr schnell zur Zielerfassung anschlagen und ebenso rasch hat man mit dem weissen Balkenkorn und dem Diopterring das Ziel erfasst. Allerdings taugt diese Visierung jagdlich nur für Kurzdistanzen bis ca.30m! (aber für ZF oder Rotpunktvisierung ist die Schiene ja schon drauf). Die Modelle 1895 GS und die 1895 SBL sind durch ihre wetterfeste Edelstahlausführung auch ideal für Hundeführer, die möglichst viel Stopping Power in einer leichten und sehr kompakten Waffe zur Verfügung haben möchten.

Tipps zum jagdlichen Betrieb von Marlin-UHR's
Die Marlin sollte man auf der Jagd folgendermaßen führen:
Zustand 1): geladen+ gesichert
Eine Patrone in die Kammer laden, d.h. entweder von Hand durch das Fenster auf den Löffel mit dem Unterhebel schliessen und zuführen. Danach Patronen ins Magazin einführen oder
- Patronen ins Röhrenmagazin laden und anschließend mit einer Repetierbewegung des Unterhebels eine Patrone ins Patronenlager zuführen. Anschließend Patrone ins Magazin schieben
- Dann den Hahn bis zur ersten Sicherheitsrast spannen und die Schlagbolzensicherung auf entsichert schieben. Damit ist nur der Abzug der Waffe entsichert und die Waffe ist noch nicht schussbereit!
(Dadurch, dass der Hahn noch nicht gespannt ist, kann man nun die Waffe mit dem Status "geladen+gesichert" auf der Jagd führen, ohne dass sich ein Schuss lösen kann, auch nicht, wenn die Waffe zu Boden fällt).
Zustand 2): geladen, Hahn gespannt und entsichert
- Beim Revier-, Pirschgang oder bei der Nachsuche hat der Zustand 1 den Vorteil, dass man zum Schiessen beim Anschlagen der Waffe nur noch den Hahn spannen muss. Man kann dabei sein Ziel stets im Blick behalten und ist in 2 Sekunden schussbereit!  
Tipps zur Kontrolle+ Wartung von Marlin-Repetierern
Vor dem ersten Schießstandbesuch sollte man auf alle Fälle den festen Sitz aller Schrauben an der Waffe kontrollieren, und nach jedem Schiessen.
Das Zerlegen der Waffe zum Reinigen ist übrigens denkbar einfach:
- Unterhebel etwas öffnen
- Große Schraube am Unterhebelgelenk mit einem (sauber eingeschliffenen 0,8mm und mind. 6mm breiten) Schlitzschraubendreher herausdrehen
- Unterhebel nach unten herausziehen, dann Verschluß nach hinten aus dem Gehäuse drücken und Auswerferfeder (im Gehäuse) entfernen.
Der Zusammenbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge.  

Tuning Unterhebelrepetierer
Das Überarbeiten ist natürlich immer eine Frage des Standpunkts. Unsere Erfahrungen mit Marlin UHR's sind, dass sich Abzug und System mit dem richtigen Waffenfett mit der Zeit "einfahren".
Ein Märchen ist allerdings, dass man bei der Marlin den Unterhebel immer kraftvoll und schnell betätigen muss, damit die Patronen sicher zugeführt werden! Natürlich muss man seinen persönlichen Rhythmus finden, bei dem einen klappt dies schon mit bedächtigen Bewegungen, bei dem anderen erst bei einer schnelleren Geschwindigkeit, aber ein zusätzlicher Kraftaufwand ausser der Überwindung der Mechanik ist nicht zwingend notwendig.
Die Waffe arbeitet dann einwandfrei, wenn die Patronen vom Löffel leicht und ohne Klemmen oder Schaben an der Hülsenwandung und dem Patronenrand vom Auszieher und Verschluss ins Patronenlager zugeführt werden. Man erkennt dies ganz einfach an der ausgeworfenen Patrone oder der abgeschossenen Hülse, auf der bis auf leichte Schattierungen keine fühlbaren Rillen oder Materialabschürfungen zu sehen sind.   

Der Abzug einer Marlin 1895 liegt in eingefahrenen Zustand um 2000g. Das ist aus unserer Sicht praxisgerecht sogar sinnvoll, wenn man die Waffe als Mitgänger oder Nachsuchenwaffe führt (hier ist die sichere Funktion vorrangig). Wer seinen UHR in erster Linie auf dem Ansitz führen möchte, sollte sich seine Marlin beim BüMa mit einem Abzugsgewicht von 1200-1300g überarbeiten lassen.
Allerdings sollte man eines nicht vergessen: auf der Jagd gelten andere Kriterien als beim CAS- Schiessen. Auf der Jagd werden starke Jagdladungen verschossen, die mit den heruntergezüchteten .45-70er Cowboy-Ladungen (wo man bei schönem Wetter die Geschosse fliegen sieht) überhaupt nicht zu vergleichen sind. Jagdliche Schützen brauchen auch keine einteiligen Schlagbolzen oder butterweiche Federn, usw..
Nicht umsonst weist ein bekannter UHR-Tuninganbieter in seinen Geschäftsbedingungen darauf hin, das bei der Verwendung der Tuningkits die Garantie erlischt und die Waffe nicht mehr jagdlich verwendet werden kann.          

Schießen mit der .45-70 Government
Die .45-70 ist eine sehr gutmütige Patrone, was den Rückstoss angeht und das Schießen mit einem Unterhebelrepetierer wie z.B. der Marlin ist auf der Jagd völlig unproblematisch und auf dem Schießstand immer eine ganz besondere Sache, die sehr
angenehm ist und ausnehmend Freude bereitet.
       
Da ist zum Einen der typische, sehr dumpf klingende Mündungsknall, der anderen Schützen schon weiten signalisiert, dass hier ein ganz besonderes "Gerät" im Einsatz ist. Und auf dem Stand sind da natürlich die beeindruckenden, 12mm großen Einschusslöcher auf der Scheibe.
Der Rückstoss der .45-70 mit der Standardmunition oder Eigenlaborierungen mit 300grs Geschossen im Druckbereich bis zu 2200bar ist als absolut gutmütig mit einem zeitverzögert "schiebenden" Charakter zu bezeichnen.
   
Die Fotos täuschen: Das Rückstossverhalten der .45-70 Government ist selbst mit +P Laborierungen und 300grs schweren Geschossen immer noch als sehr gutmütig zu bezeichnen.

Das ändert sich erst mit starken Ladungen und Geschossgewichten ab 350grs ab einer Vo>620m/s, die man im Rahmen des von Fachleuten angesehenen höheren Gasdruckes erzielen kann.

Mit den richtig schweren 400-420grs Brummern, die auf  Mündungsgeschwindigkeiten von über 550m/s gebracht werden, sind Rückstoßenergien über 50 Joule zu bewältigen. Eine .30-06 mit einem 11,7g Geschoss kommt bei einem Waffengewicht etwa auf die Hälfte an Rückstossenergie. Natürlich
sind mit Ladungen, die mit den relativ leichten 300grs Geschossen wie z.B. das 300grs Hornady Hollow Point und mit optimal verbrennenden Pulvern und z.B. auf eine Vo um 600m/s geladen sind, auch bei größeren Serien immer noch gut beherrschbar.



                                                       Nächstes Kapitel:
                                                .45-70 Government Teil2
                                

 
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