.375 Ruger Teil 2 - JASW

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.375 Ruger Teil 2

Jagdkaliber

Geschosse für die .375
Wie bereits erwähnt, zählt die .375 zu den Kalibern, bei denen man hinsichtlich des Geschossangebotes aus dem Vollen schöpfen kann. Die Palette reicht vom normalen Teilmantelgeschoss über Verbundkonstruktionen, Starkmantel zur Großwildjagd, Zweikammergeschossen, massestabile Kupferhohlspitzgeschossen bis zu Vollmantelgeschossen aus homogenen Legierungen (Solids). Es gibt leichte 235grs Geschosse zum Training oder für Weitschüsse auf leichtes Steppenwild bis zum Höchstgewicht von 300grs (350grs und mehr sind für die .375 nicht mehr ideal). Damit deckt die Patrone die jagdliche Verwendung auf Elch, Bison, Bär, afrikanisches Plainsgame bis einschl. afrikanischen Dickhäuter ab.


Die nachfolgende Tabelle gibt einen Auszug über das Angebot und den Verwendungszweck der .375er Geschosse:

 


Wer ein universell einsetzbares, zuverlässiges Teilmantelgeschoss sucht, das auch auf starkes Wild zuverlässig und mit wenig Wildbretzerstörung wirkt, sollte die gebondeten (verlöteten) Teilmantelkonstruktionen von Degol, Norma, Nosler, Speer oder Woodleigh wählen.
Für den Einsatz auf starkes Großwild bieten sich Barnes TSX/ TTSX, Degol Starkmantel, Federal Trophy Bonded Bear Claw, Nosler Partition oder das Swift A-Frame, und für Dickhäuter nicht verformbare, zielballistisch kursstabile Solidgeschosse aus homogenem Material wie z.B. das A-Square Monolithic Solid, Barnes Banded Solid oder Nosler Solid an.   





.375 Ruger mit 260grs Nosler Accubond, 250grs Barnes TTSX,
300grs Barnes TSX und 300grs Honady DGX



Auswahl
Nachfolgend wird der Aufbau und die Wirkungsweise von 6 verschiedenen Geschossen aufgeführt, die in der .375 Ruger Verwendung erfahren:

  • 270grs HORNADY Teilmantel-Interlock mit geschützter Spitze (Spire Point Recoil Proof)


  • 260grs NOSLER Accubond


  • 250grs BARNES TTSX


  • 300grs BARNES TSX


  • 300grs HORNADY DGX


  • 270grs BARNES Banded Solid




HORNADY Teilmantel-Interlock




Das 270grs schwere Hornady SP-RP (Spire Point- Recoil Proof) ist ein absolut solide aufgebautes Teilmantelgeschoss und wird werksmäßig in der Superformance-Munition verladen. Es ist als Interlock Konstruktion mit einer eingebördeltem Mantelcrimprille in Geschossmitte und im unteren Geschossteil zusätzlich innen mit einer Haltekralle versehen und nicht gebondet.

Das Geschosss ist vorne an der Geschossspitze durch einen verstärktem Mantel vor Beschädigungen im Magazin geschützt und nach Herstellerangaben sogar für alles Großwild geeignet, das mit Expansionsgeschossen bejagt werden kann (was sogar Büffel mit einschließen würde).

Der empfohlene Geschwindigkeitsbereich liegt zwischen 2400-3100 fps (730 m/s - 945 m/s). Von der Verwendung auf starkes Großwild wie Büffel ist allerdings abzuraten.  


  



Oben: Die .375 Ruger mit einem geborgenem 270grs schweren Hornady SP-RP.  
Wie man anhand des deformierten Geschosses sehen kann, hat das Geschoss zwar Einiges mitgemacht, aber den Großteil seiner Masse ohne Trennung von Mantel und Bleikern behalten. Das durchschnittliche Restgewicht der deformierten Geschosse lag bei ca.56%,was einen guten Wert darstellt. In der Jagdpraxis kommt es nicht auf das Restgewicht an, sondern auf die Zuverlässigkeit der Wirkung.   


Fotos links: Aufgeschnittenes 270grs HORNADY SP-RP. Gut zu sehen sind die verstärkte Geschossspitze, der Rollcrimp und innere Halteklaue des Interlock. Die Mantelwandstärke im vorderen Bereich beträgt 1,2mm und wird hinten bis zu 1,5mm stark.




Vier .270grs Hornady SP-RP Teilmantelgeschosse nach Beschuss im Testmedium


Geschoss
Auf der Jagd liefert das Hornady Teilmantelspitzgeschoss absolut zufriedenstellende Ergebnisse. Das Geschoss besitzt auf starkes Hochwild mittelstarkes Großwild aus der .375 Ruger ein gutes Ansprechverhalten im Wildkörper und liefert in der Kaliber- und Laborierungskombination .375 Ruger normalerweise immer Ausschuss mit recht viel Schweiß.
Beim Test lag das durchschnittliche Restgewicht bei 52%. Was dabei berücksichtigt werden muss ist die Tatsache, dass es keine Trennung von Mantel und Bleikern gab und dass man der Fairness halber erwähnen muss, dass diese Testbedingungen weit über dem lagen, was dem Geschoss in jagdlichen Situationen normalerweise abverlangt wird. Übrigens: Die Eindringtiefe des SP-RP lag mit ca.45cm sogar im oberen Drittel von allen getesteten Geschossen.
Fazit:
Das Hornady-Spire Point ist für ein sogenanntes "Standard-"Teilmantelgeschoss nicht nur keine schlechte Wahl, sondern im richtigen Einsatzbereich sogar ein sehr gutes Geschoss!   

NOSLER ACCUBOND
Eines der beliebtesten modernen Jagdgeschosse hinsichtlich Aerodynamik und Ansprechverhalten ist das Nosler ACCUBOND anzusehen. Es ist ein äußerst präzises Teilmantelgeschoss und eignet sich durch seine strömungsgünstige Form mit gestreckter Flugbahn bestens für weite Schüsse.

Der grösste Nachteil des Geschosses ist, dass das jagdliche Einsatzspektrum in der .375 Ruger (und in vielen anderen Kalibern auch) leider nur begrenzt ist.

 
Links: .375 Ruger mit 260grs Nosler Accubond / Rechts: 100m-Schussbild mit 260grs NAB.


Geschoss
Vom Aufbau ist die Konstruktion vorne mit einer Polymerspitze versehen und der Mantel verstärkt sich in ansehnlichem Maße nach hinten bis zum massiven Geschossheck. Mantel und Bleikern sind zusätzlich miteinander verlötet, um einer Zerlegung vorzubeugen. Das Geschoss pilzt sehr rasch auf und gibt im vorderen Bereich im Zielmedium viel Energie ab. Leider sind die propagierten 70% Restgewicht in der Praxis längst nicht immer gewährleistet.

Die Wildarten-Bandbreite für dieses Geschoss reicht
grundsätzlich vom Schalen-, Hochwild bis zu mittlerem afrikanischen Flächenwild. Leider ist das Nosler Accubond in der .375 Ruger nicht für die großen nordamerikanischen Spezies ausreichend zuverlässig (auch wenn der Hersteller versichert, dass das Geschoss auch bei extremer Belastung nicht mehr als auf die doppelte Kalibergröße aufpilzen würde).

Auf der Jagd

Einerseits kann das Accubond mit einer extrem hohen Augenblickswirkung glänzen, andererseits auch mit einem Totalversagen des Geschosses. Den guten Effekt kann das Geschoss längst nicht immer sicher umsetzen.

Die Kaliber-Wild- und Geschosskombination ist in der .375 Ruger eine mit dem Accubond eine extrem heikle Angelegenheit und bei einer guten Geschossswirkung zahlt man immer den Preis einer sehr starken Wildbretzerstörung. Die Tiefenwirkung und damit auch die Ausschusswahrscheinlichkeit ist je nach Verwendungszweck weit vom erreichbaren und optimalen Potential einer modernen Teilmantelkonstruktion entfernt.  

Geschosstest
Bei den Geschoss-Belastungstests zeigte das Accubond relativ gute Geschossqualitäten. Bleikern und Mantel trennten sich auch nach Auftreffen auf das sehr harte vordere Zielmedium nicht. Es erzielte im Schnitt eine hohe Eindringtiefe um 45cm und die Geschosse behielten ein durchschnittliches Restgewicht von von 74%. Leider sieht das in der Jagdpraxis oft ganz anders aus.



  
.375 Ruger mit geborgenem 260grs Nosler Accubond-Geschoss.



  

3 Geschosse aus Zielmedium geborgen, durchschnittliches Restgewicht 193grs (74%)


Fazit:
Wer eine maximale Energieabgabe haben und seine .375 auf weite Distanzen einsetzen möchte (was in vielen jagdlichen Situationen auf der Auslandsjagd oft erforderlich ist), kann zum Accubond greifen. Das Geschoss verfügt über eine flache Flugbahn durch hohen BC-Wert und ist dabei außerordentlich präzise. Die grösste Referenz des Geschosses ist das Ansprechverhalten im Wildkörper. Die Geschossenergie wird sehr früh+ schnell an den Wildkörper
abgegeben, was je nach Treffersitz eine blitzartige Wirkung zur Folge hat.

BARNES TSX

Die Durchschlagskraft und die Massestabilität haben den Grundstein für den Erfolg des Barnes TSX gelegt. Diese Eigenschaften machen das homogene Geschoss für viele Schützen, die ihre Trophäe möglichst mit einem Schuss zur Strecke bringen wollen. Eine entscheidende Rolle spielt die Widerstandsfähigkeit und der Energieabgabeverlauf des Deformationsgeschosses.  

Wer seine .375 auf schweres Großwild einsetzen möchte, ist bei dem TSX bestens aufgehoben. Immer mehr Jäger, nicht nur in Afrika, sondern vor allem diejenigen, welche die .375 in Kanada+ Alaska auf Elch und starke Braunbären führen, schwören auf die Konstruktion.
Man darf allerdings nicht erwarten, dass derart feste, massestabile und durchschlagsneigende Geschosse wie das Barnes bei gleicher Zielgeschwindigkeit die selbe zielballistische Wirkung wie Teilmantelgeschosskonstruktionen
erbringen.

Möchte man auch
leichtes Wild wie kleine Antilopen oder leichtes Schalenwild bejagen, muss u.a. auch die Zielgeschwindigkeit nach oben korrigiert werden und entsprechende Kaliber-Laborierungen gewählt werden. Deshalb sollte man bei sehr leichtem Wild den gleichen Haltepunkt wie bei allem starken Wild anwenden (Tipps zum Ziel- und Haltepunkt).

Die Auswahl bei den TSX- Geschossen im Kaliber .375 reicht vom leichten 235grs/ 15,2 Gramm Geschoss bis zum 300grs schweren Standardgewicht in 19,44 Gramm. Für die Verwendung eines 350grs/ 22,7 Gramm schweren Geschosses gibt es allerdings überhaupt keinen Grund. Die Setztiefe beim 300grs TSX ist schon kritisch (und damit die erzielbare Vz) und noch mehr ist in der .375 Ruger für schwere  Geschosse wie das überlange 350grs TSX einfach nicht drin, da das Geschoss wegen der begrenzten Gesamtlänge nicht weiter heraus gesetzt werden kann und dann zwangsläufig die Pulverladung reduziert werden muss.

Man darf auch nicht vergessen, dass Kupfergeschosse wegen ihrer geringeren Dichte bei gleichem Geschossgewicht länger sind als (Teil)Mantelgeschosse. Ein überschweres, überlanges Geschoss kann Präzisionsprobleme wegen mangelnder Drallstabilisierung verursachen und, was wesentlich kritischer ist: die Ablenkungswahrscheinlichkeit des Geschosses im Wildkörper steigt.


Das Non-Plus-Ultra in Sachen Tiefenwirkung auf schweres Großwild ist neben ein paar anderen Teilmantelkonstruktionen das 300grs schwere TSX. Aus der .375 Ruger werden damit je nach Lauflänge zwischen 6000 und 6500 Joule ins Ziel gebracht. Mit dem Geschoss hat man bei erforderlichen Nachschüssen die beruhigende Gewissheit, dass das Geschoss richtungsstabil in einem geraden Schusskanal in den Wildkörper geht. Das Geschoss liefert die höchste Durchschlagskraft in Verbindung mit kontrollierter Energieabgabe, die mit einem .375er Deformationsgeschoss möglich ist.

Leider hat das Geschoss einen großen Nachteil: um es in der .375 Ruger auf Leistung zu bringen, ist bei den progressiven Magnumpulvern eine sehr starke Kompression der Ladung nötig. Deshalb sollte man in der 300grs Gewichtsklasse die amerikanischen Kugelpulver wie Accurate, Alliant, Hodgdon oder Winchester mit hohem Schüttgewicht für ein Ladeverhältnis um 100% oder gleich zum 270grs schweren TSX greifen.



Das 300grs schwere Barnes TSX ist schon rein optisch ein beeindruckendes
Geschoss im Kaliber .375 (hier im Vergleich mit einem 180grs Speer HotCor-
Teilmantelverbundgeschoss im Kaliber .30). Es besteht aus reinem Kupfer und
misst stolze 38mm in der Länge. In der gesamten Spitze ist die viereckige Hohl-
kammer eingeformt (15,5mm tief). Beim Auftreffen auf den Wildkörper staucht
sich die Spitze auf und die vier Fahnen rollen sich aus.


Ohne die richtige Vz funktioniert es nicht
Bei den Geschosstests zeigte sich, dass die Zielgeschwindigkeit der moderat geladenen Testlaborierung mit dem 300grs schweren TSX-Geschosse von 675m/s auf 60 Meter Distanz noch nicht ausreichend war, um die 4 Fahnen voll auszurollen. Man sollte daher darauf achten, dass man die 250grs und 270grs Barnes-Geschosse mit Mündungsgeschwindigkeiten über 800m/s und das 300grs schwere TSX mit mehr als 750m/s an Mündungsgeschwindigkeit verschiesst.

Zur Afrikajagd inkl. Büffel und für die Braunbärenjagd ist es
in der .375 Ruger von Vorteil, bei den Barnes TSX-Geschossen die 270grs schwere Variante zu wählen, insbesondere, wenn die Schussdistanzen etwas weiter sind.
Der bekannte PH Mark Sullivan hat übrigens
im Jahr 2003 in Alaska mit seiner .375 H&H einen alten Rekord-Kodiakbären mit einem 270grs schweren Barnes TSX-Geschoss erlegt.



Die Zielgeschwindigkeit dieser reduzierten .375er Laborierung reichte auf 60 Meter nicht zur vollen Expansion aus. Die Wirkung auf Wild ist in diesem Fall mit einem Vollmantelgeschoss vergleichbar. Für das schwere TSX ist in der .375 Ruger unbedingt eine hohe Ladung mit einem Magnumpulver und einer Pressladung erforderlich!



Der Geschäftsführer George Sandmann von der FA. Empire Rifles empfiehlt übrigens die Verwendung von Munition mit Barnes-TSX Geschossen. Er berichtete, dass ein Kunde mit einem 300grs schweren TSX aus seiner .375 H&H auf 75 Yards Entfernung einen Kaffernbüffel aufs Schulterblatt traf. Das Geschoss ergab einen kompletten Durchschlag mit einem Ausschuss auf der anderen Seite. (Anm.: Für ein Deformationsgeschoss im Kaliber .375 ist das längst nicht immer selbstverständlich.)       

Wer seine .375 auch mal auf starkes Hochwild oder Sauen einsetzen möchte, kann auch das 235grs/ 15,2 Gramm leichte TSX verwenden. Das Geschoss liefert zudem sehr angenehm zu schiessende Übungsladungen für den Schießstand.  

BARNES TTSX

Mittlerweile sind Barnesgeschosse weltweit die am meisten verwendeten bleifreien Deformationsgeschosse. Das 16,2 Gramm leichte TTSX im Kaliber .375 ist viel mehr als nur eine Ergänzung für die .375 Ruger. Es ist mit Abstand eines der besten Geschosse auch für diese Patrone. Ausser der primären Verwendung wie mittelstarkes afrikanisches Wild lässt sich das TTSX generell sehr gut auf starkes Wild in allen weltweiten Jagdgebieten einsetzen.


.375 Ruger mit 250grs Barnes TTSX und geborgenem Geschoss


Das 250grs Geschoss ist hat durch den spitzen Geschosskopf mit der Polymerspitze in Verbindung mit dem strömungsgünstigen kegeligen Geschossheck einen sehr hohen B.C.-Wert. Das schlägt sich in einer flachen Flugbahn nieder. Die TTSX-Geschosse haben zudem eine hervorragende Eigenpräzision und sind sehr gut für weite Schüsse, die
richtige Vz natürlich vorausgesetzt.
 
In der .375 Ruger ist das 250grs TTSX unter den bleifreien Hohlspitzgeschossen mit Abstand die erste Wahl, was das Setzvolumen angeht. Auf der Jagd lernt man die sehr hohe Augenblickswirkung des Geschosses zu schätzen. Die Wildbretzerstörung ist je nach Wildart gering oder noch vetretbar. Im Vergleich zu anderen Teilmantelkonstruktionen kann die Fraktur des Gewebes bis zu etwa 30-40% darunter liegen, weil keine Splitter vorhanden sind. Der Ausschuss kann etwas geringer als bei Teilmantelgeschossen ausfallen. Bei leichtem bis mittelstarken Wild ist er bei der .375 Ruger mehr als komfortabel groß, sodass in den allermeisten Fällen sehr viel Schweiss am Anschuss, auf der Wundfährte und auch in sehr ungünstigen Fällen, wenn der Ausschuss verstopft ist, nach einer Fluchtstrecke von 10-15 Metern reichlich Schweiss zu finden ist.    


Im Test
Eindeutiger Sieger von allen Deformationsgeschossen ist das Barnes TTSX. Das Geschoss erreicht in den Testmedien eine hohe Eindringtiefe (über 45cm). Die drei geborgenen Geschosse brachten ein durchschnittliches Restgewicht von 99,2% auf die Waage. Die Geschosse durchschlugen im Testmedium 10cm starken+ elastischen Widerstand und gingen danach noch weitere 35cm durch das dichte Medium. D
urchschnittliche Expansionsflächenvergrößerung: 3,79.


Das 250grs Barnes TTSX schlägt sich auch bei erhöhter Geschossbelastung
recht wacker und behält fast die gesamte Geschossmasse zurück.  

Wie auf diesem Foto gut zu erkennen ist, sieht bei praxisgerechten zielballistischen Tests jeder Geschossrestkörper anders aus (im Gegensatz zu den vorbildlichen Ergebnissen der Anbieter, die aus Gelatineblockbeschüssen einer wundersamen Gleichmäßigkeit und Symmetrie entsteigen).


Das 250grs Barnes TTSX bestätigte seine ausgezeichnete Wirkung auch
im Test durch ein gutes Ansprechverhalten und ausreichender Festigkeit.

Fazit:
TTSX-Geschosse sind nicht nur hervorragend wirkende, sondern auch absolut verlässliche Kupferdeformationsgeschosse. Diese Aussage bedeutet allerdings noch lange nicht, dass das Geschoss in der Jagdpraxis in allen Situationen immer zufriedenstellende Ergebnisse zeigen kann.
Wie bei allen Geschossen ist eine optimale Wirkung immer abhängig von der richtigen Auswahl aller ballistischen Komponenten. Je nach Kaliber und Anwendung zeigt das Barnes nicht nur eine exorbitante Tiefenwirkung mit einer beeindruckenden Durchschlagskraft, sondern auch eine ausgezeichnete Augenblickswirkung. Aber Vorsicht! Diese Eigenschaft macht die Anwendungsauswahl nicht einfach. Nur in der richtigen Kombination stimmen Verhältnis EA<=>PD für eine ausreichend starke Wundfährte am Anschuss.

Ein weiterer Vorteil des TTSX ist der sehr gute Strömungswert und die deutlich geringere Wildbretzerstörung, wenn man bleifrei schiessen muss (oder will) und nicht im Ausland jagt.  


HORNADY DGX

Die Teilmantelgeschosse von Hornady haben sich bereits in den 70er Jahren einen Namen gemacht, insbes. in den Großwildkalibern ab dem Kaliber .375.

Das 500grs schwere Interlock-Teilmantelgeschoss im Kaliber .458 ist der jagdaktiven Großwildjägergarde bestens bekannt. Dort wurde es zunächst der .458 Winchester Magnum und später in der .458 Lott geführt und galt lange Zeit als eine der stabilsten Teilmantelkonstruktionen mit der größten Tiefenwirkung auf Großwild (bis zum Erscheinen der ersten Premiumgeschosse wie dem Trophy Bonded- oder den A-Square Geschossen).

Auch der bekannte Professional Hunter und Autor Finn Aagard hat es aus diesem Grund als eines der ersten Deformationsgeschosse überhaupt (außer den damals noch üblichen Vollmantelpatronen) für den ersten Schuss auf Kaffernbüffel empfohlen.



8x57IS mit 170grs Hornady Teilmantel, .375 Ruger mit 300grs Hornady DGX
und .416 Rigby mit 400grs Hornady Teilmantel Rundkopf



Der Trend zu massestabilen Jagdgeschossen hat Hornady veranlasst, auch die großen Teilmantelgeschosse weiter zu verbessern. Das DGX (Dangerous Game Expanding) ist ein Teilmantelgeschoss mit einer flachen Geschoßspitze mit stark eingezogenem Stahlmantel, der aussen mit Kupfer beschichtet ist. Der Geschossmantel sollte (zumindest nach Angaben des Herstellers) im Hauptbereich extrem dick gehalten sein. Dies trifft jedoch nicht für das Kaliber .375 zu (siehe Foto) und lässt schon die Schwäche des Geschosses erahnen.

Der Kern besteht aus einer Hartbleilegierung mit einem Anteil an Antimon. Die begrenzte Aufpilzung soll das Geschoss
eigentlich zu einem der durchschlagsstärksten und tiefenwirksamsten Teilmantelgeschosse machen, wenn man die Konstruktion z.B. mit dem A-Square Dead Tough mit dem extrem dicken Mantel vergleichen könnte.


  
Oben: Gut zu erkennen sind die 6 Einbördelungsrillen am stark eingezogenen
Mantel an der Geschoßspitze des DGX

Geschossaufbau
Der kupferbeschichtete Stahlmantel des .375er DGX ist an den zylindrischen Führungsflächen allerdings keineswegs so stark wie auf den Hornady-Abbildungen.
De facto misst die Mantelstärke nur 1,5mm im hinteren Geschossbereich und 2mm am Geschossboden. Ausführung und Form sind also praktisch identisch mit dem normalen Interlockprofil mit verstärkter, eingezogener Geschoßspitze, Bördelung für einen starken Roll- oder Tapercrimp und der typischen, innenliegenden Interlock-Kralle, die eine Trennung von Bleikern und Mantel eigentlich verhindern sollte.
Übrigens hatten die normalen Hornady Interlock-Geschosse im Kaliber .458 bereits Anfang der 90er Jahre exakt die gleiche Mantelstärke. Allerdings mit dem Unterschied, dass diese einen Tombakmantel hatten.



    Aufgeschnittenes 300grs Hornady DGX- Geschoss im Kaliber .375



Inzwischen gibt es aber immer mehr kritische Stimmen. Auch der Berufsjäger Ivan Carter berichtet, das von 43 aus Büffel und Elefant geborgenen DGX-Geschossen (in den Kalibern .375, .400, .416 und .450) nur 31 Geschosse in einem korrekt aufgepilzten Zustand gewesen wären. 6 Geschosse hätten überhaupt nicht angesprochen (diese waren auf unterschiedlichste Weise deformiert und nicht aufgepilzt). Und 6 Geschosse hätten sich sogar komplett zerlegt. Nach seiner Auffassung würde dies immer dann passieren, wenn das DGX auf starke Knochen trifft.

Totalversagen
Diese Einschätzung hat sich bei unseren "Stresstests" unter verschärften Testbedingungen absolut bestätigt. Das DGX versagte völlig, bei allen Testgeschossen trennte sich der Bleikern vom Stahlmantel! Die Eindringtiefe betrug nur etwa 25-30cm und das Geschoss mit dem höchsten Restgewicht lag lediglich bei 38%.



So was darf bei einem großwildtauglichen Geschoss nicht passieren:
Totalversagen (Trennung von Mantel und Bleikern) des DGX nach
Beschuss auf ein Zielmedium mit unterschiedlich festen Bereichen.




Fazit:
Weder der Stahlmantel noch der Interlockring bringen dem DGX die hohe Zuverlässigkeit, die in einem harten Zielmedium notwendig ist.
Das Geschoss ist deshalb nichts für schweres oder gar gefährliches Großwild.

Hornady sollte das .375er DGX-Geschoss z.B. durch die Verstärkung des Geschossmantels sowie einem verlöteten Bleikern dringend verbessern, gerade im Hinblick auf die vertriebene Munition.   

Auch andere Teilmantelkonstruktionen im Kaliber 9,5mm stoßen bei der Großwildjagd, z.B. auf Büffel an ihre Grenzen. Die .375 H&H hat mit dem RWS 19,4g TUG zum Beispiel in Afrika einen
ganz schlechten Ruf auf Büffel. Nicht wenige Berufsjäger berichten, dass es regelmäßig vorkommt, dass es nicht tief genug eindringt oder sich bei Schulterschüssen bzw. Knochentreffern ebenfalls völlig zerlegt.     

BARNES BANDED SOLID
Wer
die .375 Ruger auf Dickhäuter oder ab dem zweiten Schuss bzw. zur Nachsuche auf Büffel einsetzen möchte, sollte nur Geschosse verwenden, die über eine absolut zuverlässige und sehr gute Durchschlagskraft verfügen. Das Geschoss darf sich weder anstauchen noch in irgendeiner Art verbiegen. Diese 100%ige Sicherheit+ Stabilität gewährleisten nur die Geschosskonstruktionen aus homogenen Legierungen wie z.B. Messing oder Bronze.

Auch beim sog. "Follow-Up Shot" muss das Geschoss einen sehr langen Weg durch den Wildkörper gehen können. Es sollte nach dem Auftreffen auf starke Widerstände wie Hüftknochen, Schädel oder Schulterblätter im Wechsel zum weichen Medium wie innere Organe möglichst nicht von seinem geradlinigen Kurs abgelenkt werden.  



.375er Barnes Banded Solid mit Entlastungsrillen und abgeflachter Spitze


Was man beachten sollte
Der einzige wirkliche Nachteil der Messinggeschosse ist die geringere Dichte, weshalb die Geschosse bei gleichem Geschossgewicht immer länger sind als Mantelgeschosse.

Je nach Kaliber muss man deshalb zu leichteren Geschossen greifen, um noch genug Verbrennungsvolumen sowie ein akzeptables Verhältnis von Geschosslänge zum Durchmesser zur ausreichenden Geschoßstabilisierung zu haben. Eine Faustregel für die Einsatzkombination gibt es deshalb nicht. Es ist von verschiedenen Parametern abhängig und variiert in unterschiedlichen Kalibern deutlich.

I
n der .375 Ruger sehen wir das Geschossgewicht von 270grs als einen guten Kompromiss an, zumal u.a. die Setztiefe dieses Banded Solids nicht übermäßig hoch ist und der Verbrauch an Hülsenvolumen tolerabel ist.


Wie "Thor's Hammer":
.375 Ruger mit 270grs Barnes Banded Solid


Hart im Ziel- weich im Lauf
Es ist übrigens völliger Unsinn, dass Solids irgendwelche Laufbeschädigungen in modernen Waffen mit stabilen+ hochwertigen Läufen verursachen. Wir können aus unserer Erfahrung mit Barnes Solids in mehreren Großwildkalibern und verschiedenen Geschossversionen nur bestätigen, dass es keinerlei Mängel hinsichtlich erhöhtem Gasdruck, Präzision oder Richtungsstabilität (Ziel) gibt.



Diese geborgenen 270grs Banded Solids erreichten die
rekordverdächtige Penetration von über einem halben
Meter in einer mit verschiedenen Medien gefüllten Testbox.


Stabil+ geradlinig- Testbedingungen noch härter als die Praxis
Bei den Geschosstests mit der .375 Ruger bestätigten sich unsere jagdlichen Erfahrungen mit den Barnes Solids:

Diese Messinggeschosse sind
nicht nur sehr präzise, sondern bleiben absolut richtungsstabil und verfügen über eine phänomenale Durchschlagskraft. Die getesteten Banded Solids, die ich aus dem Testmedium bergen konnte, waren in keinster Weise verformt, aufgestaucht oder verbogen.

Selbst beim Auftreffen auf harte und energiefressende Zielwiderstände tritt keine Verformung auf.
Sie erreichten eine Eindringtiefe von 54-56cm bei fast vollem Restgewicht, dies bedingt durch die abrasive Wirkung des Zielabschnitts im Testziel.

Jagdlaborierungen

- 250 grs BARNES TTSX:
gem. Vo: 810m/s Eo: 5309 Joule (52cm Lauflänge)
(berech. Druck 4022bar)

- 260 grs Nosler Accubond:
gem. Vo: 805m/s Eo: 5461 Joule (52cm Lauflänge)
(berech. Druck 4173bar)
 



- 270 grs Hornady SP-RP
gem. Vo: 799m/s Eo: 5579 Joule (52cm Lauflänge)
(berech. Druck 4280bar)



.375 Ruger

- 270 grs Barnes Banded Solid
min.: gem. Vo: 759 m/s Eo: 5030 Joule
max.
:Vo: 830 m/s Eo: 6031 Joule
(52cm Lauflänge)

- 300 grs Barnes TSX

min.
: gem. Vo: 715 m/s Eo: 5124 Joule
max.
: Vo: 787 m/s Eo: 6016 Joule
(52cm Lauflänge)

- 300 grs SWIFT A-Frame
Vo: 802 m/s Eo: 6252 Joule
(52cm Lauflänge)
"Premium"- Jagdlaborierung für Büffel+ Big Five




Alle Angaben aus Messungen mit LL von 52cm. Geschwindigkeitswerte gemessen mit einem Chronometer, 3m vor der Mündung. Bei Waffen mit einer Lauflänge von 56cm erhöht sich die Vo je nach Pulver um ca. 13m/s, bei 61cm um ca. 28m/s.



* Testbedingungen der Geschosstests:
Nach unseren Erfahrungen sind die
Beanspruchungen, denen ein Jagdgeschoss im jagdlichen Betrieb, d.h. im Wildkörper ausgesetzt ist, weitaus höher, als bei Testbeschüssen von Gelatineblöcken. Das Ziel dieses Tests war es daher nicht etwa, möglichst vergleichbare Bedingungen wie das Geschossverhalten im Wildkörper zu simulieren, sondern die Geschosse einer extremen Beanspruchung zu unterziehen, um möglichst praxisnahe Testergebnisse zu erhalten!

Aus diesem Grund bestand bei den Beschussversuchen das Testmedium aus verschiedenen Inhalten unterschiedlicher Dichte+ Festigkeit und aus mehreren Zonen mit einem unterschiedlich hohen Wasseranteil.

In den üblich verbreiteten Tests wird das Medium auf einer Entfernung zwischen 5 und 15 Metern aufgestellt. Das ist nach unserer Auffassung viel zu nah. Es ist auch nicht aussagekräftig in Bezug auf die Geschossgeschwindigkeiten, die auf jagdliche Distanzen auftreten. Wir haben die Testbox deshalb auf einer Distanz von 60 Metern beschossen, was ein gesundes Mittelmaß für eine praxisgerechte, durchschnittliche jagdliche Entfernung darstellt.          


Zielgeschwindigkeiten der Geschosse:
1) 250grs Barnes TTSX: V
60 780m/s (rechts oben)
2) 260grs Nosler Accubond: V
60 750m/s (links oben)
3) 270grs Hornady Teilmantel SP-RP: V
60 740m/s (2. Reihe von oben, ganze Reihe)
4) 270grs Barnes Banded Solid: V
60 750m/s (unterste Reihe rechts)
5) 300grs Barnes TSX: V
60 675m/s (unterste Reihe links)
6) 300grs Hornady DGX: V
60 720m/s (2. Reihe unten mittig)



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