.375 Ruger Teil 1 - JASW

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.375 Ruger Teil 1

Jagdkaliber


Patronenbezeichnung:
.375 Ruger

Kaliber:
.375/ 9,5mm

Einsatzbereich:
Flächenwild, Großwild

Erscheinungsjahr:

2007

Hülsenabmessungen:

L3: 65,50mm

Schulterwinkel: 30°

Gasdruck:

4275bar (C.I.P)

Geschossgewicht:

225-300grs

Geschwindigkeit:

Vo 811m/s                            300grs Geschoss

Energie:

Eo 6390Joule                         aus 61cm Lauf

Die .375 - ein Alleskönner
Es gibt eigentlich kaum ein Großwildkaliber, das eine derart weltweite Verbreitung erfahren hat wie die .375 (9,5mm). Der Vorteil des Kalibers ist ihre Universalität, sodass nicht nur alle afrikanischen Wildarten von der Antilope bis zu den Big Five gestreckt werden können, sondern auch stärkstes Wild in allen Jagdgebieten weltweit.
Nicht zuletzt kann mit einer .375 und speziellen Laborierungen auch unser Hochwild erfolgreich bejagt werden. Ein enormer Vorteil der .375 ist ihre gestreckte Flugbahn. Mit strömungsgünstigen Geschossen ist sie durchaus mit einer .30-06 zu vergleichen.
Gegenüber den vergleichbar starken 9,3mm- Patronen wie die 9,3x64 und der 9,3x66 Sako hat das Kaliber .375 zwei entscheidende Vorteile:
1) ist sie in fast ganz Afrika legal auf Büffel, Hippo, Nashorn und Elefant zu führen (die 9,3mm leider nicht, auch wenn der maßliche und der Wirkungsunterschied in der Praxis kaum bemerkbar ist).
2) ein weitaus größeres Angebot an modernen und zuverlässigen Jagdgeschossen von 15,0 bis 19,4 Gramm für Hochwild bis zu afrikanischem Großwild     


.375er Kaliberfamilie

  • .376 Steyr  

  • 9,5x66 Super Express vom Hofe
  • .375 Whelen
  • .375 Ackley Improved
  • .375 Holland & Holland Magnum
  • .375 Howell
  • .375 Weatherby Magnum
  • .375 JRS (John R. Sundra)
  • .375 Ruger
  • .375 Dakota
  • .375 Blaser
  • .375 Breeding
  • .375 Canadian Magnum
  • .375 Remington Ultra Magnum
  • .378 Weatherby Magnum


Warum eine neue .375?
Der Trend (und das ist durchaus sinnvoll) geht eindeutig zu handlichen, d.h. kurze und führige Waffen. Inzwischen haben viele Waffenhersteller diese Notwendigkeit erkannt und bieten ihre Modelle mit kürzeren Läufen an. Lauflängen zwischen 61-66cm sind (außer einige .375 Spezialkaliber in jagdlichen Sonderanwendungen) schlichtweg
praxisuntauglich. Selbst für die veraltete .375 H&H sind Lauflängen unter 60cm mit dem richtigen Waffen-Patronenkonzept eine deutliche Aufwertung in der Jagdpraxis.      

Die .375 Ruger wurde im Jahre 2007 in Zusammenarbeit von Hornady und Ruger unter der Maßgabe folgender Ziele entwickelt:
1) eine randlose Patrone für Repetierer
2) kürzer als die .375 H&H und damit geeignet für Standardsysteme und führige Repetierbüchsen
3) mehr Leistung (Vo: +30m/s) aus gleich langen Läufen als die .375 H&H oder
4) gleiche Leistung wie die .375 H&H aus kompakten Waffen mit kurzen Läufen

Vor allem der letzte Punkt spricht für die Ruger. Die Patrone ist ausgewogen dimensioniert, leistungsstark und äußerst präzise. Der Bodendurchmesser ist genauso groß wie der GürtelØ bei der .375 H&H (und nur etwa 0,3mm kleiner als die .404 Rimless), allerdings ist der Schulterdurchmesser deutlich größer, sodass die Ruger trotz kürzerer Hülse sogar noch etwas mehr Pulver aufnehmen kann. Ausserdem ist der max. zulässige Gasdruck 100bar höher.

Technische Daten der .375 Ruger
Kaliber: .375 (9,5mm)
Hülsenlänge L3: 65,4mm
Bodendurchmesser R1: 13,4mm
Bodendurchmesser über Auszieherrille P2: 13,5mm
Schulterdurchmesser P2: 13,1mm
Schulterhöhe L1: 55,4mm
Schulterwinkel: 30°
Anfang Hülsenhals L2: 57,8mm
Hülsenvolumen (HORNADY): 98,7grs
Gasdruck: 4400bar
Auf den überflüssigen und unzeitgemäßen "Magnum"-Beinamen hat man bei Hornady zum Glück verzichtet. Die Patrone mit der dicken Schulter und ihre Leistung sprechen einfach für sich!

Was die Abmessung angeht, ist die .375 Ruger grundsätzlich eine Neuentwicklung und basiert auf keinem existierenden Kaliber. Allerdings gibt es bei der Vielzahl von vorhandenen Kalibern zwangsläufig immer die eine oder andere Ähnlichkeit zu gewissen Patronen, wie z.B. zur amerikanischen .30 Newton und zur deutschen 8x68S (zumindest, was den Boden- und den Randdurchmesser angeht).
Im Vergleich zu den Konkurrenten .370 Sako Magnum (9,3x66), .376 Steyr, .375 Blaser und .375 Dakota ähnelt die .375 Ruger noch am ehesten der 9,5x66 Super Express vom Hofe aus den 90er Jahren, deren Hülsenmaße fast zehntelgenau mit der Ruger übereinstimmen (nur der Schulterwinkel liegt bei der S.E. bei etwas über 40°).

Vergleich .375 H&H - .375 Ruger


Die .375 H&H und .375 Ruger mit 300grs Hornady DGX-Geschoss


Trotz der kürzeren Hülse ist das Hülsenvolumen der Ruger um 5,6% größer als die H&H und unter anderem ein Grund für die hohe Leistungsfähigkeit der Patrone. Die kurze, kompakte Hülse generiert sehr gute Leistungswerte durch ein günstigeres Verhältnis P∆-=>PL-PA .   

Gürtelpatronen adé
Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, zeichnet sich das Ende der Gürtelpatronen wie der .375 H&H ab. Ein Gürtel an einer Patronenhülse bringt de Fakto nur
Nachteile.
1) Er hat keinerlei verstärkende Funktion für die Patrone.
2) Im praktischen Einsatz wird der Ring durch das Zuführen im Repetierer verkratzt oder so stark verformt, dass der veränderte Verschlussabstand die Präzision beeinflussen kann.
3) Viel wichtiger ist aber die unbestreitbare Tatsache, dass der Ring die Zuführung der Patronen in Repetierbüchsen nur behindert.

Das sind die Gründe, warum neue Jagdkaliber, die in den letzten Jahren für Repetierer entwickelt wurden,
nur noch als randlose Flaschenhülsen konstruiert werden, die den Verschlussabstand über das Anliegen der Schulter im Patronenlager bilden.  

Leistungsdaten
Die Hülsengeometrie der .375 Ruger begünstigt einerseits eine gute Leistungsausbeute in Bezug auf die Pulverladung. Weiterer Vorteil ist das bessere Durchzünden der Pulverladung, was der Verwendung von führigen Waffen mit kürzeren Lauflängen entgegenkommt. In der Praxis bedeutet dies, dass die Ruger aus einem 52cm kurzen Lauf das gleiche Leistungsniveau erreicht wie die H&H aus einem 61cm langen Lauf.
Und die gute Nachricht für alle Wiederlader: Mit optimalen Pulvern erreicht die .375 Ruger auch aus kurzen Läufen mehr Leistung als die .375 H&H mit einem Standardlauf.
Mündungsenergien von über 6500 Joule bei 61cm Lauflänge und mehr als 6000 Joule bei 52cm Lauflänge sind im Rahmen des zulässigen Höchstgasdrucks möglich (das entspricht dem Leistungsniveau einer .375 Weatherby).  

Natürlich gehen solche Energiewerte wie bei vergleichbar starken Kalibern nicht ohne einen höheren Rückstoss aus. Dieser liegt allerdings noch lange nicht auf dem Level anderer Afrikakaliber, sodass man die .375 Ruger insgesamt noch als ein Kaliber bezeichnen kann, welches keine allzu großen Rückstossbelastungen hervorruft. Warum einige Anbieter von .375er Repetierbüchsen meinen, Sie müssten Mündungsbremsen auf ihren Büchsen verbauen, bleibt ein Rätsel.
Wer den Rückschlag einer Waffe in dieser Klasse nicht mehr ertragen kann, sollte sich ernsthaft fragen, ob er die Jagd auf Wild dieser Klasse überhaupt ausüben kann. Ausserdem gibt es andere wirksame technische Maßnahmen, um den Rückstoss wirksam zu reduzieren., ohne die Waffe z.B. durch einen überdimensional dicken Lauf nur unnötig schwer zu machen.
   


Größenvergleich der 9,3x62, 9,3x64 und .375 Ruger (links nach rechts).  
Das unterschiedliche Hülsenvolumen verrät auch Einiges über das Rückstossverhalten.  

Grafische Darstellung des Leistungspotentials der .375 Ruger im Vergleich zur .375 H&H


Jagdliche Praxis
Wo kleinere Kaliber wie die .300er Magnums oder starke 8mm Kaliber wie die 8x68S und .325 WSM an ihre Grenzen stossen, ergibt die .375 einen tödlichen Mix aus energetischen Vorteil und hoher Schockwirkung. Mit richtigen, dem jeweiligen jagdlichen Verwendungszweck selektierten Geschossen, kann man die Ruger auf alles starke Hoch- und Flächenwild bis zum Eland, Elch und Braunbär führen (die Geschossauswahl ist allerdings äußerst kritisch. Einige so hoch propagierte moderne Jagdgeschosse versagen total.).
      
Eingeschränkt gilt die Einsatztauglichkeit auch für
Großwild. Obwohl mit einem gut platzierten Treffersitz aus einer .375 auch starke Büffel einschl. Dickhäuter zu erlegen sind, zählt die .375 Ruger als Universalkaliber der unteren Kaliberklasse keineswegs zu den reinrassigen, d.h. sofort tödlichen Büffel- und Elefantenpatronen. Hier muss man etwas in die "Trickkiste" greifen, um eine schnelle und ausreichende Wirkung zu erzielen (siehe auch Kapitel =>.416 Rigby Teil 3<=, =>.505 Gibbs<= und =>.577 und .600 N.E.<=).



Hinweisschild der amerikanischen Fischerei- und Jagdbehörde in Alaska

Jagdliche Wirkung der .375 Rugerpatrone
Starkes Wild im In- und Ausland ist ebenfalls höchst zufriedenstellend zu erlegen. Durch die flache Flugbahn kann man auch weite Schüsse bestens bewerkstelligen. Sehr gute Augenblickswirkung, je nach Geschoss moderate Wildbretzerstörung und Ausschuss mit viel Schweiss. Leider gehört auch die .375 Ruger zu den Kalibern, welche den Geschossen sehr viel abverlangen können. Gleich mehrere moderne Geschosstypen gaben im jagdlichen Einsatz völlig überraschend ihren Geist auf.

Damit bestätigen sich wieder unsere Erfahrungen, dass die jagdlichen Anforderungen immer und teilweise deutlich höher sind als die inzwischen veralteten zielballistischen Tests mit Gelatineblöcken, wo die Geschosskonstruktionen stets so gut und tiefenwirksam wirken. Über viele Erlegungsschilderungen aus Internetforen können wir inzwischen e
benfalls nur noch schmunzeln.

Auch wenn ein Vergleich zur .300 Win.Mag. ziemlich unfair ist: dieses zweifelsohne gute Kaliber wird teilweise derart hochstilisiert, dass es von einigen unbedarften Schützen
auf Empfehlung auf schweres Wild wie Bison, Eland, Elch, Wisent oder Braunbären geführt wird, mit der Folge, dass fast immer Nachschüsse (sofern möglich) erforderlich sind und in über 80% der Fälle nachgesucht werden muss.

Alaska-Braunbär


Bildquelle: G&A 1993

Jagdeinsatz und Praxiswirkung
Auch für die Jagd auf stärkstes skandinavisches oder nordamerikanisches Wild wie Elch und kapitale Braunbären in Alaska oder Kamtschatka ist die .375 ein ganz hervorragend geeignetes Kaliber. In Bezug auf die Wirkung steht sie noch über den schnellen .338er Magnumkalibern. Der Hauptvorteil der .375 liegt im hohen Energie- und Schocktransfer. In Verbindung mit der flachen Flugbahn könnte die .375 damit fast schon als "eierlegende Wollmilchsau" bezeichnen.

Bei richtigem Treffersitz und passendem Geschoss gehen mit der .375 beschossene Stücke schlagartig zu Boden. Je nach Geschosskonzept müssen es nicht immer die schweren 300grs-Geschosse sein, ausgesuchte 250-270grs Geschosse liefern genauso gute Ergebnisse. Der gleichen Kategorie hinsichtlich des Wirkungsbereiches sind grundsätzlich auch die .376 Steyr, 9,3x64 und die 9,3x66 Sako zuzuordnen.  



Waffen



HEYM

Auch der renommierte deutsche Produzent hochwertiger Repetierbüchsen hat das Potential der .375 Ruger erkannt und bietet seinen klassischen Normalrepetierer SR21 und den Geradzugrepetierer SR30 mit unterschiedlichen Lauflängen für das leistungsstarke .375er Kaliber an.


MANNLICHER
Der österreichische Hersteller hat für die .375 Ruger die Modelle Pro Alaskan in Edelstahl und Pro African (brüniert) im Programm. Die Waffe hat einen glasfaserverstärkten Kunststoffschaft, Einsteckmagazin für 4(!) Patronen, 60cm Lauf und wiegt 3,5kg.


Eine Besonderheit ist der gerade und stark ausgeführte Schaft mit einem modularen, beliebig verlängerbare Schaft+ aufsteckbaren Gummikappen.

Nachteil: der kaltgehämmerte Lauf ist mit 17mm Mündungsdurchmesser nicht kopflastig genug und die Büchse insgesamt für das Kaliber noch zu leicht.  

Krieghoff
Nach Heym bietet auch der deutsche Traditionshersteller von Kipplaufwaffen eine Repetierbüchse in dem starken 9,5mm Universalkaliber an. Obwohl man die Gesamtkonzeption der Semprio als gut bezeichnen kann, kommt nicht jeder Schütze mit diesem Waffensystem zurecht. Der Hauptnachteil ist das Verschlußsystem, die
nach vorne orientierte Öffnungsbewegung macht die Handhabung sehr gewöhnungsbedürftig. Hauptgrund für dieses Manko ist, dass die Ableitung der Rückstossimpulsbewegung nicht mehr im optimaler Abfolge ausgeführt werden kann.       
Vorteile:

  • gute Ausstattung

  • ausreichendes Waffengewicht (4,5kg)

  • praxisgerechte Lauflänge

  • schnelles Repetieren möglich (anwender- und kaliberabhängig)

  • leichte Zerlegbarkeit

Nachteile:

  • Repetiersystem arbeitet in entgegengesetzter Richtung Rückstossrichtung

  • eingeschränkte Zuverlässigkeit bei extremen Schmutz (kleiner Auszieher)

  • Verletzungsgefahr bei falscher Anwendung wie z.B. bei Störungen möglich

  • einseitige Schaftauswahl, keine unterschiedlichen Schaftvarianten

NOSLER
Mit seiner Repetierbüchsenlinie
lässt Nosler Waffen unter eigenem Namen fertigen. Unter der Modelbezeichnung M48 gibt es die .375 Ruger als Standardwaffe unter der Modellbezeichnung "Outfitter" mit einem cerakotebeschichtetem, 56cm langen Edelstahllauf in Standardkontur, schwarzen Kevlar/Karbon/Fiberglasschaft und einem überarbeitetem Abzug. Die Brush Country"-Version wird in größeren Mittelkalibern wie z.B. .35 Whelen, 9,3x62 und als Spitzenkaliber auch in der .375 Ruger angeboten. Diese Waffe ist recht kompakt gehalten und mit einem Kevlarschaft sowie einer Leupold-ZF inkl. Leupoldmontage ausgestattet.

Ausstattungen:

  • C2 Kevlarschaft

  • 22" / 56cm Standardlauf mit 15,0mm Mündungsdurchmesser

  • 22" / 56cm Magnumlauf mit 16,5mm Mündungsdurchmesser

  • Kontrastierte offene Visierung aus Kevlar/Karbon/Fiberglas

  • Zielfernrohr Leupold VX-6 1-6x24 mit Absehen 4

  • Leupold QR-Montage

  • 3-Schuss Magazin mit Klappdeckel

  • Abzug mit 1300-1800g Abzugsgewicht

  • Waffengewicht 3,4kg

  • Auch in Linksversion erhältlich


Nachteile:

  • BC- Version nur als Paket mit ZF erhältlich

  • Nicht optimale ZF-Montage

  • Zu geringes Waffengewicht

  • Zu geringe Laufmasse

  • Nur gerade Schaftform

  • Lange Lieferzeiten            


Das Abzugsgewicht ist grundsätzlich gut gewählt. Wie gut die Abzugsqualität aber wirklich ist, können wir z.Z. noch nicht sagen. Nach unserer Erfahrung können die amerikanischen Abzüge den europäischen Qualitätsprodukten oder Abzügen, die von erfahrenen Büchsenmachern überarbeitet sind, einfach nicht das Wasser reichen! Es ist ebenfalls bedauerlich, dass die Waffe nur in einer geraden Schaftversion angeboten wird. Das kann in diesem Kaliber in Verbindung mit der zu schwachen Laufausführung bei manchen Schützen sehr schnell zum Problem werden.  

RUGER
Einer der größten bekannten Waffenhersteller, welche die .375 Ruger in Serie bauen, ist Ruger mit den
beiden Modellen Guide Gun und Africa.
Ein neues Facelift hat Ruger mit dem Modell Guide Gun herausgebracht. Der Repetierer ist aus Edelstahl mit einem
sehr kräftigen, laminierten Holzschaft, langer Gummikappe und einem 51cm langen Lauf bei einem Gewicht von 3,6kg ausgestattet. Leider ist der Schichtholzschaft in einer arg bunten Kombination gestaltet, die doch sehr gewöhnungsbedürftig ist. Die Mündungsbremse muss man allerdings abnehmen, wenn man (trotz Gehörschutz) keinen bleibenden Hörschaden davontragen will!

Das Modell M77 Hawkeye Alaskan gab es
lange Zeit in einer sehr handlichen Version mit 20" Lauf und einer Modellversion mit einem 23" Lauf, wahlweise mit einem schwarzen Hogue Over Molded Kunststoffschaft oder einem schwarz laminiertem Schichtholzschaft. Der Hogue-Schaft war recht breit und ließ sich durch den weichen Gummiüberzug sehr gut anschlagen. Leider wird dieses Modell nicht mehr hergestellt. Das aktuelle, zweite Modell mit dem Namen M77 Hawkeye African hat einen Nußbaumschaft mit einem 23" Lauf und ist ebenfalls eine ausgewogene und führige Buchse, wenn auch zu leichtgewichtig.    
Das System ist ein sehr leichtgängiges, auf Basis des bewährten M
auser 98 gefertigtes, zuverlässiges System mit einem langen Auszieher und einer Magazinkapazität von 3 Schuss. Sehr interessant für Linksschützen ist, dass es die Ruger Hawkeye im African-Modell auch als Linkssystem gibt. Es sind zuverlässige, robuste und präzise schiessende Gebrauchswaffen, die zu einem konkurrenzlos günstigen Preis zu haben sind, d.h. wenn man eine gebrauchsfertige Repetierbüchse für den jagdlichen Alltag möchte.

Allerdings hat die M77 Hawkeye auch einige Nachteile:
- zu leicht (nur 3,6 kg)
- sehr kurzer Schaft (34,5cm
Schaftlänge)
-
unwirksame Rückstosskappe beim Modell African
-
schwacher Lauf mit dünnwandiger Laufaussenkontur (Mündungsdurchmesser 16,8mm)
- Abzugs
charakteristik des LC6- Abzugs  

HOWA
Die HOWA 1500 ist
ebenfalls eine sehr preisgünstige Repetierbüchse, die vom Hersteller in Japan gebaut wird und die man sich in einer Art Baukastensystem mit unterschiedlichen Schäften, Schaftbettungen und Läufen zusammenstellen kann.
Im Kaliber .375 Ruger kann zwischen Modellen mit 61cm und 51cm langen Läufen gewählt werden. Das Modell M-1500 Hogue gibt es in einer brünierten Version mit 51cm Lauf (es soll auch eine Ausführung mit einem 61cm Lauf und Schichtholz-Lochschaft geben, aber wo?).


Befriedigend ist der einstellbare ACTUATOR-Direktabzug, der vom Abzugsgewicht sogar unter 1000g eingestellt werden kann, sodass die Waffe auch für die Ansitzjagd genutzt werden kann.
Eine offene Visierung sucht man
aber leider vergeblich. Hauptnachteile sind der kleine, schmutzempfindliche Auszieher und das geringe Waffengewicht, ebenfalls aufgrund der zu schwachen Laufkontur.

Im Kaliber .375 Ruger ist die HOWA leider nur mit einem schmalen Jagdlauf in den obigen Lauflängen und nicht in der Heavy Barrel-Version erhältlich, die für das starke .375er Kaliber zum präzisen und sauberen Schiessen wünschenswert wäre.

SAVAGE
Der amerikanische Waffenhersteller bietet ebenfalls verschiedene Repetierbüchsen im Kaliber .375 Ruger an.
Das Modell 116 Alaskan Brush Hunter ist eine mehr oder weniger gelungene Kopie des ehemaligen Konkurrenzmodells Alaskan von Ruger.
Die Büchse ist aus rostfreiem Edelstahl mit einem 20" Lauf mit einer Dralllänge von 14", synthetischem Kunststoffschaft, offener Visierung, 3-Schuß Magazin und einem Abzug mit Sicherheitszüngel (Accu-Trigger). Die Waffe hat ein Nettogewicht von 3,45kg. Des Weiteren gibt es für die .375 Ruger das Modell 11/111 mit schwarzen Kunststoffschaft in brünierter Ausführung mit 56cm Lauf und die gleiche Waffe als Modell 16/116 in Edelstahlausführung mit 56cm Stainless Steel-Lauf. Die Trophy Hunter XP ist die Stainless-Steel-Ausführung mit 61cm Lauf bei einem Gewicht von 3,75kg (ebenfalls ohne offene Visierung). Ein weiteres Modell ist das Modell 16/116 Bear Hunter. Die Waffe ist ebenfalls eine Edelstahlausführung und hat einen recht starken, 56cm langen, gefluteten Lauf. Die Hauptnachteile der Savage sind das System mit einer störungsanfälligen kleinen Auszieherkralle und ein Abzug, der sowohl für den jagdlichen Einsatz, als auch für das Kaliber untauglich ist.

Mit
der Variante der verstellbaren Mündungsbremse bleibt beim abgeschraubtem Lochrohr eine Nettolauflänge von ca. 51cm. Um keinen bleibenden Gehörschaden trotz Gehörschutz zu riskieren, muss man die Umleitungsbohrungen der Bremse verschliessen. Empfehlenswert ist allerdings, die Mündungsbremse grundsätzlich ganz wegzulassen. Die Waffe hat einen Kunststoffschaft in schwarz oder Camoflage und wiegt nur 3,5kg, was für die .375 Ruger zu leicht ist.         

Tipps zum Bau einer personifizierten Repetierbüchse
Wer jagdlich erfolgreich sein möchte, braucht mit seiner Waffe das richtige Werkzeug und keine Kompromisslösung.
Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten: Entweder man wählt eine der o.a. Büchsen aus Fabrikherstellung und lässt sich die Waffe von einem versierten und erfahrenen BüMa auf seine Bedürfnisse anpassen oder man entscheidet sich für einen kompletten Neubau. Hierzu bieten sich verschiedene Repetiersysteme als Basis an. Der Vorteil dieser Variante ist die 100%ige individuelle Abstimmung von allen entscheidenden waffentechnischen Handhabungsparametern und des jagdlichen Einsatzgebietes.     

Was für einen Um- oder Bau der .375 Ruger sinnvoll ist und welche Details dabei zu bachten sind, hängt wie bei jeder Waffe nicht nur von den persönlichen Vorlieben und dem jagdlichen Einsatzbereich ab, sonder primär auch von den jeweiligen Schiess- und Handhabungsfähigkeiten.  

Munition
HORNADY

  • 270grs SP-RP Superformance Vo: 865m/s Eo: 6548 Joule

  • 300grs DGX Superformance Vo: 810m/s Eo: 6373 Joule

  • 300grs DGS Superformance Vo: 810m/s Eo: 6373 Joule

(Messlauf 24"/ 61cm Lauf)
Der Patronenpreis der .375 Ruger liegt sogar deutlich günstiger als für eine 9,3x64. Leider ist die Hornady-Munition mit dem 300grs DGX-Geschoss zur Großwildjagd nicht zu empfehlen, wie ich bei Geschosstests leider feststellen musste (.375 Ruger Teil 2).

Für das energiestarke .375er Kaliber gibt es inzwischen auch die erste Munitionssorte eines Großherstellers mit bleifreien Geschossen. Hornady hat dazu sein Sortiment für die .375 Ruger mit einem 16,2 Gramm Kupferhohlspitzgeschoss erweitert. Das 250grs schwere GMX-Geschoss wird in der leistungsstarken Superformance-Munition (siehe Test mit .30-06 Munition) angeboten. Diese Munition erweitert den Einsatzbereich der Ruger für alle diejenigen, welche die Patrone bleifrei auf der Jagd einsetzen wollen bzw. müssen. Aufgrund der hohen Schockwirkung des Kalibers kann diese Munition in Verbindung mit der hohen Durchschlagskraft
(+richtig eingesetzt) bei speziellen Anwendungsbereichen sogar Vorteile gegenüber hochwertigen Deformationsgeschossen mit Bleikern erbringen.
Leistungsdaten aus 61cm Testlauf:

  • 250grs Hornady GMX

  • Vo: 884m/s

  • Eo: 6329 Joule         


NOSLER
Wie Hornady hat nun auch der amerikanische Traditions-Geschosshersteller das hervorragende Leistungspotential der randlosen 9,5mm-Patrone erkannt und bietet 3 Laborierungen für die Magnumpatrone an:
260grs Nosler Accubond Vo: 884m/s Eo: 6582 Joule
300grs Nosler Partition Vo: 808m/s Eo: 6341 Joule
300grs Nosler Solid Vo: 808m/s Eo: 6341 Joule
Der zu erwartende Preis pro Schachtel mit 20 Schuss dürfte nach der Beschusszulassung über den deutschen Importeur bei ca. 95€ für die Trophy Grade Munition und ca. 150€ für die Safari Munition liegen.  

Auch der amerikanische Munitionshersteller
DOUBLE TAP fertigt zwei Laborierungen. Diese sind mit dem Barnes Triple-X Geschoss geladen.

  • 235grs Barnes TSX Vo: 945m/s Eo: 6797 Joule

  • 270grs Barnes TSX Vo: 860m/s Eo: 6486 Joule

Wenn die Werksangaben stimmen, wären das unter Berücksichtigung der Meßlauflänge von 22"/ 56cm sehr leistungssarke Laborierungen, die aus einem 61cm langen Lauf eine Mündungsenergie von über 7000 Joule erbringen würde...  

SAFARI ARMS
Der amerikanische Hersteller für präzisionsgeladene Custom-Munition bietet verschiedene Laborierungen für die .375 Ruger an, z.B. mit Barnes TSX und Banded Solid- Geschossen. Auf Kundenwunsch werden auch Geschosse von SWIFT, NOSLER oder TROPHY BONDED verladen. Die Zündglocke und der Zündkanal jeder Hülse werden bearbeitet, die Pulvercharge jeder einzelnen Patrone ausgewogen und die Zündhütchen von Hand gesetzt, sodass man bei dieser Munition von einer sehr hohen Präzision ausgehen kann. Weitere Optionen sind auch reduzierte Laborierungen für alle afrikatauglichen Magnumkaliber.
Verpackt ist die Munition in 20er oder 50er Kunststoffboxen mit Schaumstoffeinlagen. Der Preis für eine Schachtel .375 Ruger mit Barnes TSX-Geschossen beträgt 80$, für die Banded Solids 90$.

LfB
Das Schlusslicht der .375 Ruger-Munition ist von der deutschen Firma Labor für Ballistik. Die Patronen sind mit Starkmantel- und Vollmantelgeschossen mit Verbundkern geladen (die verwendeten Geschosse sollen angeblich DEGOL- Geschosse sein). Nach dem Prinzip wie bei der A-Square Munition soll die Munition mit den unterschiedlichen Geschossen eine identische Treffpunktlage aufweisen. Der Hauptnachteil ist allerdings, dass die Leistung der Munition weit unter dem möglichen Leistungspotential der .375 Ruger liegt.

  • LfB 270grs SM TMS HP Vo: 795m/s Eo: 5529 Joule

  • LfB 300grs SM TMR      Vo: 765m/s Eo: 5689 Joule

  • LfB 300grs SM VMR      Vo: 765m/s Eo: 5689 Joule

(Messlauflänge nicht bekannt)
Der Preis pro Patrone beträgt ca. 6 Euro.  

Rückstoss
Das Rückstossverhalten der .375 Ruger lässt sich als relativ scharf bezeichnen. Es weist darauf hin, wo das Kaliber primär hingehört: nach Afrika!
Auch in einer ausreichend schweren Büchse zwischen 4,2 und 4,8kg sind starke Ladungen wesentlich härter als eine 9,3x62 zu schiessen. Selbst die 9,3x64 und die .375 H&H verhalten sich beim Schuss angenehmer.
Im direkten Vergleich z.B. mit einer mit starken Laborierungen geladenen .45-70 Government, die zwar spürbar schiebt, aber immer noch sehr gutmütig zu schiessen ist (Schussknall wie ein dumpfes "Bopp"), kommt die .375 Ruger mit einem sehr lauten, peitschenden Knall und einer schnellen Rückstossgeschwindigkeit daher. Vorsicht: richtige "Full House"- Laborierungen mit schweren 300grs Geschossen gehören aus Waffen mit kompakten Läufen zu den schussknallstärksten Jagdkalibern.

Die .375 Ruger ist nur für erfahrene, rückstossunempfindliche Schützen zu empfehlen und nichts für Anfänger. Wer an dem Kaliber ernsthaft interessiert ist, sollte idealerweise schon ausgiebige Erfahrungen mit stärkeren Hochwildkalibern über der Klasse der .300er Magnums, besser .325-.338er Magnum oder 8x68S verfügen. Aber: mit der richtigen Abstimmung ist die .375 Ruger mit Training durchaus sehr präzise zu schiessen.


Präzision



100m-Schussbild Kaliber .375 Ruger mit optimierter Ladung


Behauptungen zum Rückstoss und andere Dinge rund um die .375 Ruger  
Dass im Netz und in den Foren die aberwitzigsten Äußerungen (insbesondere zum Thema Rückstoss) kursieren, ist weder verwunderlich noch eine neue Erkenntnis. Was den Redakteur dazu veranlasst hat, in einem Artikel der aktuellen Ausgabe einer bekannten deutschen Jagdzeitung derartig unrealistische Behauptungen aufzustellen, bleibt rätselhaft. Möglicherweise ist es der Großzügigkeit eines bestimmten Sponsors zu verdanken.

Die betreffenden Formulierungen im Originaltext...

1) "Die dicke Kammergriffkugel,..., liegt in der Höhe des Abzuges und ist auch mit Handschuhen gut zu greifen."

2) "Der Abzug der Testwaffe brach bei 1250 Gramm und stand wirklich trocken."

3) "Mit den von Hornady...erzielen die Fabrikpatronen eine Mündungsenergie von rund 6500 Joule... aus einem 50,8cm kurzen Lauf."

4) "Im Schiesskino war die 3,5 Kilogramm schwere Büchse sehr angenehm zu schiessen."

5) "Die .375 Ruger ist eine sehr angenehm zu schießende Patrone."

6) "Wer eine preisgünstige, robuste Großwildbüchse sucht, kommt an dem Waffenmodell ...X kaum vorbei"  
  

Hierzu folgende Anmerkungen:
zu 1) Eine Verbesserung im Sinne einer optimalen Handhabung des Kammergriffs bei einer Repetierbüchse kann n i c h t durch die Vergrößerung der Kugel erzielt werden, schon gar nicht bei der Position in der Nähe des Abzuges. Hier gibt es viel bessere Möglichkeiten, die einen tatsächlichen Vorteil erbringen.

zu 2) Der betreffende Abzug ist der sog. "ACCU-Trigger", ein verstellbarer Direktabzug mit Sicherheitszüngel. Auf den jagdlichen Einsatz und das Kaliber bezogen weder empfehlenswert noch brauchbar. Weitere Details zum Aufbau und Technik siehe auch im Kapitel Abzüge, Abschnitt =>
"Amerikanische Abzüge"<=.  

zu 3) Falsch, das ist mit dieser Lauflänge nicht umzusetzen. Die .375 Ruger schafft diese angegebene Energie mit den Werksladungen nur aus 24" Läufen. Messungen ergeben mit o p t i m i e r t e n Laborierungen und 300grs Geschossen (keine Fabrikladungen) bei einer Lauflänge von 20,5" Mündungsgeschwindigkeiten um 800m/s, was aber immerhin noch einer Energie von etwas über 6200 Joule entspricht. Der Munitionshersteller Hornady weist auf die leistungsbezogenen Lauflängenunterschiede hin und gibt für die Patrone bei eine LL von 20" eine Maximum von 777m/s an.  

zu 4) Welche "erstaunliche" Erkenntnis... stehend freihändig kann man auch eine Büchse im Kaliber .505 Gibbs problemlos schiessen. Sitzend aufgelegt ist das ohne Hilfsmittel nur mit viel Training und Erfahrung zu bewerkstelligen.

zu 5) Diese Aussage ist definitiv nicht haltbar und alleine aus physikalischen Gründen der Innenballistik auch nicht zu realisieren. Etwa 27% mehr Pulvermasse und 60% höheres Geschossgewicht erzeugen bei gleichem Waffengewicht von 3,5kg gegenüber einer .30-06 mit einem 11,7 Gramm Geschoss einen 43% größeren Rückstoss (eine Waffe ist bei einem Test nicht aufgelegt aus dem Schiessgestell oder einem Klemmbock zu schiessen, sondern sitzend in Vollkontakt mit dem Körper ohne weitere Hilfsmittel).
*  

zu 6) Preisgünstig vielleicht ja, robust im Sinne von zuverlässig mit einer störungsanfälligen kleinen Auszieherkralle, einem praxisuntauglichen Abzug und einer offenen Visierung mit flacher V-Kimme ganz sicher nicht.

* Interessanterweise hat der gleiche Redakteur in einer anderen Ausgabe der Zeitschrift eine Repetierbüchse im Kaliber 8x57IS getestet, die mit einem Carbonlauf und einer Mündungsbremse ausgestattet war. Über den Sinn und den geistigen Gehalt solcher Beiträge möge jeder selbst entscheiden.
"Wes Brot ich ess', des Lied ich sing'..."


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