.300 RUM - JASW

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.300 RUM

Jagdkaliber


Patronenbezeichnung:
.300 Remington
 Ultra Magnum

Kaliber:
.30/ 7,82mm

Einsatzbereich:
Hoch- und Flächenwild

Erscheinungsjahr:

1999

Hülsenabmessungen:

L3: 72,39mm

Schulterwinkel: 30°

Gasdruck:

4400bar

Geschossgewicht:

150-220grs

Geschwindigkeit:

Vo 925m/s                            200grs Geschoss

Energie:

Eo 5558 Joule                         aus 68cm Lauf

Geschichte und Leistungsspektrum
Was bei uns die schnellen 7mm und 8mm Kaliber sind, ist in den USA die Klasse der .300er Magnumkaliber. Die .300 Winchester Magnum steht seit ihrer Einführung im Geburtsjahr Quentin Tarantinos zwar immer noch an der Spitze, was Verkaufszahlen und weltweite Verbreitung angeht, aber: Die altehrwürdige Winchesterpatrone hat ihren Zenit längst überschritten. Genauso wie die leistungsstärkeren Patronen in dieser Magnumklasse wie z.B. .300 Weatherby ist die .300 Win.Mag. schon längst nicht mehr zeitgemäß. Weder, was die Präzision, Zuführung, Zuverlässigkeit, noch die Haltbarkeit der Hülse angeht.
    
Die .300 Remington Ultra Magnum ist auch keine junge Jagdpatrone mehr, die ihr noch den Status eines verübergehenden Erscheinung oder eines Exotenkalibers verleihen würde. Sie hat sich inzwischen als eine der besten und präzisesten Hochleistungs-Magnumpatronen auf dem Markt etabliert.    

Grob mit den Maßlichkeiten der .404 Jeffery vergleichbar,
ist die Patrone allerdings keine direkte Entwicklung aus der englischen Großwildpatrone, wie oft behauptet wird. Man hat mit der Hülsengeometrie für eine Hochleistungs-Magnumpatrone noch ein vernünftiges Maß in Bezug auf das Verbrennungsvolumen und den Kaliberdurchmesser eingehalten. Das verschafft dieser Patrone ein sehr gutes Leistungsverhältnis bei einer tolerierbaren Patronenlänge, auch in Bezug auf die verfügbaren Repetierbüchsensysteme, die von vielen Waffenherstellern zu einem kostengünstigen Preis in Serie hergestellt werden.

In der oberen Leistungsklasse der Magnumpatronen steht die .300 RUM ganz weit oben, auch wenn sie u.a. von der .30-.378 Weatherby und der .300 Pegasus übertroffen wird,
die allerdings über einen noch größeren P1-Ø verfügen. Dennoch sind die aussenballistischen Datender Ultra Magnum beeindruckend: Mit 11,7 Gramm geschossen sind je nach Pulver und Lauflänge zwischen 970-1.000m/s und mit 200grs schweren Geschossen ca. 925-940m/s an Vo möglich.

Das verhilft der .300 RUM zu jagdlichen Einsatzzwecken, womit die Verwendung auf sehr weiten Schussdistanzen, d.h. auch jenseits von 350 Metern realisiert werden kann. Die Vorteile der hohen Mündungsgeschwindigkeit sind eine flach verlaufende Flugbahn, kurze Flugzeiten und damit auch eine geringe Windempfindlichkeit. Sie ist eine ideale Patrone für die Jagd, wo extreme Schüsse aufgrund der örtlichen Gegebenheiten in weiten Ebenen und entlegenen Gebieten die Regel sind. Zum Beispiel dort, wo sehr wenig oder gänzlich fehlende Deckung und gute Sichtbedingungen für ein freies Schussfeld vorhanden sind.    
     

Tabelle mit Flugbahnverhalten von verschiedenen .30er Kalibern
Beispiel mit 165grs Geschoss und ballistischem Koeffizient von 0.470

Kaliber:

Vo:

GEE+7,5cm bei

Distanz max. Flugbahnhöhe

Flugbahnhöhe auf 91 Meter

TPL -7,5cm auf

Geschossabfall auf 366 Meter

.308 Winchester

838m/s

219 Meter

126 Meter

6,6cm

254 Meter

-49,0cm

.30-06 Springfield

853m/s

223 Meter

128 Meter

6,6cm

260 Meter

-46,0cm

.300 Win.Mag. / .300 WSM

945m/s

243 Meter

141 Meter

6,1cm

284 Meter

-31,25cm

.300 Weatherby Magnum

960m/s

247 Meter

143 Meter

5,8cm

288 Meter

-29,2cm

.300 Remington Ultra Magnum

975m/s

251 Meter

145 Meter

5,8cm

293 Meter

-27,4cm

.30-378 Weatherby Magnum

1005m/s

258 Meter

150 Meter

5,6cm

301 Meter

-23,6cm




Waffen
Wer die .300 Remington Ultra Magnum erfolgreich führen möchte, muss sich über folgende Dinge im Klaren sein:  
Eine Hochleistungspatrone dieser Klasse erfordert eine kompromisslos+ speziell auf den Schützen abgestimmte Waffe. Mit einer Büchse "von der Stange" kann man das notwendige Potential für eine optimale Nutzung und Präzision niemals ausschöpfen!


Die großvolumige Patrone verlangt nach einem ausreichend l a n g e n Lauf (61cm reichen hier nicht aus), einen exakt auf den Schützen abgestimmten, maßgeschneiderten Schaft, eine hochwertige, starke Zieloptik und wiedergeladene Patronen, die auf Präzision getrimmt und mit einem strömungsgünstigen Jagdgeschoss geladen sein müssen.

Hierzu ein Beispiel für mögliche Komponenten:

  • Präzises, stabiles und unter a l l e n Einsatzbedingungen zuverlässig arbeitendes Repetierbüchsensystem

  • Customlauf (Matchgrade), Minimum >65cm oder deutlich länger (es kommt nur eine spezielle Stahllegierung in Frage, selbstverständlich o h n e Mündungsbremse. Eine offene Visierung ist ebenfalls nicht notwendig. Der Lauf sollte nur eine geeignete Laufkontur aufweisen, damit die Waffe im Einsatz jagdlich führbar bleibt.

  • Individuell gestalteter Schaft nach der 30-Punkte-Regel (kein Werksschaft), siehe auch Kapitel

                                     =>Auswahl und Gestaltung von Büchsen<=

  • Festmontage und/oder auf Prismen- bzw. Weaverschiene

  • Vergrößerungsstarkes, variables Zielfernrohr mit Turmverstellung (siehe weiter unten)

  • Direktabzug oder feiner stecherartiger Abzug mit einem praktikablen Abzugsgewicht (siehe Kapitel =>Abzüge<=)     

  • Zielunterstützende Auflage bzw. Anbauhilfsmittel
  • Optimales Waffengewicht, d.h. nicht zu leicht, aber auch nicht zu schwer  


Die .300 RUM ist übrigens nicht so ein extremer "Barrel-Burner" wie z.B. die .30-378 Weatherby. Mit dem richtigen Laufmaterial ist eine Lauflebensdauer von weit über 1.000 Schuss im jagdlichen Betrieb bei voller Präzision durchaus realistisch. Das viel mehr, als ein normaler jagdlicher Schütze in seinem aktiven Jägerleben nutzen kann und bietet gleichzeitig noch genug Potential für jagdsportliches Long Range Schiessen.

Optik
Um die .300 Remington Ultra Magnum auf den jagdlich gegebenen Schussdistanzen optimal einzusetzen, muss sich mit der notwendigen außenballistischen Grundlagen beschäftigen und natürlich ein geeignetes, spezielles Zielfernrohr verwenden.
Auch hier darf man keine Kompromisse eingehen. Ein hochwertiges, großes Zielfernrohr mit einer variablen Vergrößerung, einem entsprechend langen Tubus und eine Turmverstellung für Haltepunktkorrekturen sind dazu Pflicht.

Hierzu ein paar Eckdaten:
10-50fache Vergrößerung mit einem Objektivdurchmesser von 50/52/55/56 oder 60mm. Hierzu ist ein Gewicht zwischen 800-1200g einzuplanen.

Der Stand der Technik begünstigt Zielfernrohre mit Leuchtpunkt, was dann auch bei Schüssen bei ungünstigen Lichtverhältnissen und bei schwindendem Licht von einem enormen Vorteil ist.

In jedem Fall benötigt man einen separaten Laserentfernungsmesser. Von integrierten ZF-Systemen wird abgeraten, da es nicht allen jagdlichen Situationen gerecht wird.     

Klassifizierung des Schussverhaltens
Bedingt durch das große Verbrennungsvolumen ist die .300 RUM keine Jagdpatrone für Anfänger. Der jagdliche Einsatzbereich reduziert ohnehin die in Frage kommenden Schützen, die aus ihren gewonnenen Erfahrungen mit kleineren bzw. leistungsschwächeren Kalibern umsteigen möchten (oder müssen).
 
In Bezug auf das Rückstossverhalten eignet sich am besten der Vergleich mit der .30-06, auch wenn hierzu unterschiedliche Waffengewichte zu Grunde gelegt werden müssen. Eine 4,5kg schwere Repetierbüchse in .300 RUM mit einem 68cm langen Lauf liegt vom Rückstosslevel gegenüber einer 3,8kg Büchse im Springfieldkaliber und 61cm Lauflänge etwa auf dem 1,8 fachen Rückstossniveau. Natürlich ist dieser Vergleich nur dann aussagefähig, wenn beide Waffen in gleicher Bauweise gestaltet sind, die selbe Ausstattung haben und in den Patronen Pulver mit ähnlicher Verbrennungscharakteristik verwendet werden.

Der Rückschlag ist gegenüber einer .300 Win.Mag nochmals um ca. 35% stärker und wird auch etwas schärfer empfunden. Er ist aber auch nicht höher, als z.B. eine gleich schwere Büchse mit einer 9,3x62 und einem 18,5 Gramm Geschoss verursacht. Allerdings muss diese Energie für Schüsse bewältigt werden, die aufgrund der Schussdistanzen erhähten jagdlichen Präzisionsanforderungen gerecht wird. Eine optimal gestaltete Büchse in
.300 RUM erfordert aber k e i n e s w e g s eine Mündungsbremse oder Ports (Mündungsschlitze).

Man kann die Grundgeometrie, Schwerpunkt und die Ausführung der Waffe sogar so gestalten und anpassen, dass der Schütze glaubt, "nur" eine normale Magnum der
.300er-Klasse (oder weniger) zu schiessen.    

Munition, Laborierungen und Geschosse
Für diejenigen, die nicht wiederladen und an der Hochleistungspatrone interessiert sind, kann für die .300 RUM Munition der folgenden Herstellern auswählen:

  • Barnes: 165grs + 180grs TTSX

  • Hornady: 180grs GMX + 220grs ELD-X Long Range

  • Nosler: 180grs Partition + 180grs Accubond

  • Remington: 150grs SWIFT Scirocco, 180grs + 200grs SWIFT A-Frame


Die weit bessere Abstimmung und Geschosswahl ist natürlich mit wiedergeladenen Patronen und hochnitrierten NC-Pulvern zu erzielen.
Leichtes Schalenwild kann mit Geschossen zwischen 150-168grs, schweres Hoch- und Flächenwild mit 180-200grs Geschossgewicht erlegt werden. Schwere Geschosse wie z.B. 220grs sind nicht nötig, wenngleich sie 1. von der üblichen Dralllänge von 1:10" absolut ausreichend stabilisiert werden können und 2. aufgrund ihrer Länge einen noch besseren Strömungswert erreichen, wie z.B. die neuen ELD-X Geschosse von Hornady.

Empfehlenswert sind 11,7-12,96 Gramm schwere Teilmantelgeschosse mit ausreichend festem Geschossaufbau und angepasstem zielballistischen Deformationsverhalten. Bleifreie Kupferhohlspitz- Deformatoren können mit gewissen Einschränkungen ebenfalls eingesetzt werden. Bedingung für ein adäquates flugbahntaugliches Geschoss in der .300 RUM ist jedoch ein BC-Wert von mind. 0.470, besser 0.500 oder darüber.

In der Hülse der .300 RUM können mehr als 100grs Pulver geladen werden, sodass 180grs Geschosse je nach Lauflänge auf
mehr als 3-fache Schallgeschwindigkeit und 200grs schwere Geschosse auf eine Vo um 930-940m/s gebracht werden können.
         

Fazit
Die .300 Remington Ultra Magnum ist eine zeitgemäße, moderne, leistungsstarke und optisch gesehen auch eine sehr ästhetische Magnumpatrone. Im Sinne der am besten zu handhabenden Hochleistungspatronen ist sie im Moment das Maß aller Dinge in der .300er Klasse. Selbst auf Entfernungen über 350 Meter übertrifft die .300 RUM je nach Laborierung noch die Mündungsenergien einiger Mittelpatronen, wie z.B. der .308 Winchester.

Wer auf jede Metersekunde angewiesen ist und eine sehr flach schiessende Flugbahn für extrem weite Schussdistanzen, jenseits von 400 Metern bei geringer Seitenwindempfindlichkeit realisieren möchte, aber gleichzeitig keinen Laufausbrenner wie eine .300 Pegasus will, hat mit einer guten Repetierbüchse und hochwertig ausgewählten Komponenten für die Jagd das Beste zur Verfügung, was der Markt z.Z. an "Magnum" bietet.



Nächstes Kapitel:
=>8x57IS Teil 1<=

 
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