.30-06 Springfield Teil 1 - JASW

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.30-06 Springfield Teil 1

Jagdkaliber



Patronenbezeichnung:
.30-06 Springfield

Kaliber:
.30/ 7,82mm

Einsatzbereich:
Schalenwild, Plainsgame

Erscheinungsjahr:

1906

Hülsenabmessungen:

L3: 63,35mm

Schulterwinkel: 17,5°

Gasdruck:

4050bar

Geschossgewicht:

110-220grs

Geschwindigkeit:

Vo 830m/s                            180grs Geschoss

Energie:

Eo 4020 Joule                         aus 61cm Lauf

Geschichte und Verbreitung
Die .30-06 ist nicht ohne Grund eines der populärsten Jagdkaliber weltweit. Wie einige andere Kaliber stammt auch diese Patrone aus dem Militärbereich und war viele Jahre das Standardkaliber der amerikanischen Streitkräfte, bis sie in den 60iger Jahren durch die .223 Remington (5,56x45 NATO) ersetzt wurde.  

Was die Patrone im jagdlichen Sektor so erfolgreich macht, ist ihre ausgesprochene Ausgewogenheit in Verbindung mit einer hohen Leistungsfähigkeit und das
Rückstossverhalten, das für die überwiegende Mehrheit der Schützen völlig problemlos tolerier- und beherrschbar ist, auch wenn der Rückschlag gegenüber der .308 Winchester oder 8x57IS als stärker empfunden wird. Hinzu kommt, dass Angebotsumfang an Munition mit verschiedensten Geschosskonstruktionen in Verbindung mit unterschiedlichen Geschossgewichten von keiner anderen Jagdpatrone erreicht wird.

Wer mit der .30-06 auf Schalenwild einschl. Hochwild jagt, kommt je nach Geschoss und Verwendung von Teilmantelgeschossen
grundsätzlich mit Geschossgewichten zwischen 165 und 180grs aus. Mit diesen Geschossklassen kann man mit der .30-06 beim Ansitz und Pirsch eine sehr gute Wundwirkung erzielen auch (auf starkes Hochwild). Die schweren 14,3g Geschosse, die teilweise für die Waldjagd oder zur Drückjagd empfohlen werden, bringen in der Patrone übrigens keinerlei Vorteile (weder, was die Wirkung, noch was Energie angeht). Die Springfield ist eine der besten und jagdlich universellsten Mittelpatronen. Dies verdankt sie hauptsächlich ihren ausgewogenen Hülsenabmessungen, ihrer Geometrie, dem universellen .30er Kaliber mit 7,82mm Durchmesser und dem problemlosen Rückstossverhalten.
                                                     (siehe auch =>Rückstossrechner<=)  

Der Schwerpunkt der .30-06 ist die Ansitz- und Pirschjagd (das gilt
auch für alle vergleichbaren Patronen dieser Kaliberklasse). Für den Einsatz im dichten Wald und für die Drückjagd, oder für Nachsuchenzwecke gibt es allerdings wesentlich besser geeignete Kaliber, die den jagdlichen, aussen- und zielballistischen Anforderungen deutlich gerechter werden und hier auch besser wirken.

Einsatz- und Verwendungsbereich
In mehr als 30 Jahren aktivem Jagdeinsatz haben wir mit der .30-06 auf eine sehr breite Palette von Wild im In- und Ausland beste Erfahrungen mit dem weltweit beliebtesten und bewährten Jagdkaliber gemacht.  
Was die .30-06 besonders auszeichnet, ist ihre Flexibilität in Bezug auf verschiedene Wildarten und die dazu erforderlichen Schußdistanzen. Als eine jagdliche Mittelpatrone ist die Springfield mit Geschossgewichten zwischen 165-180grs / 11,7 Gramm höchst effektiv auf mittelstarkes Schalenwild inkl. kleines bis mittelschweres afrikanisches Flächenwild. Mit der notwendigen Schußdisziplin und den richtigen Einstellungen von Munition und Waffe lässt sich selbst
starkes Hochwild sauber erlegen.  

Für den überwiegenden Anteil aller jagdlichen Verhältnisse, wie sie in vielen europäischen Revieren beim Ansitz und Pirsch anzutreffen sind, wird die .30-06 allen jagdlichen Situationen gerecht. Sie ist damit eine Patrone, welche den jagdlichen Anforderungen unter n o r m a l e n Jagdbedingungen, wie z.B. auf der Ansitzjagd, voll entspricht. Mit der richtigen Munition und dem richtigen Geschoss kann man mit ihr die unterschiedlichsten Wildarten in mittleren Entfernungen genauso effektiv bejagen wie auf etwas längeren Distanzen.   

Geschosse für die .30-06
Bei der Unmenge des Angebotes an Geschossen ist es fast unmöglich, kein passendes Geschoss für seine persönlichen Jagdverhältnisse und Einsatzzwecke zu finden. Hier kann man im Kaliber .30 wirklich aus dem Vollen schöpfen. Sehr viele gute und bewährte Geschosskonstruktionen sind im Kaliber .308 erhältlich. Allerdings
auch einige, die so schlecht sind, sodass sie komplett versagen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Geschosse nicht für den Einsatzzweck ausgelegt oder für die falsche Jagdart ausgelegt sind.

Die Zuverlässigkeit hinsichtlich einer sicheren Geschoßwirkung ist bei
verschiedenen Geschossen meistens dann nicht gegeben, wenn der falsche jagdliche Einsatzbereich gewählt wurde. Diese Geschosse splittern sehr stark, zerlegen sich und der Mantel trennt sich vom Bleikern. Die Wirkung auf das meiste Wild kann in diesem Fall u.U. noch zufriedenstellend sein, a b e r: bei stärkeren Stücken, die mit diesen Geschossen erlegt werden, gibt es oft das Manko, dass ein Ausschuß und damit eine Schweißfährte praktisch nicht vorhanden ist. Dies ist für ein Jagdgeschoss keineswegs akzeptabel, weil man früher oder später solche Stücke damit verliert (und möglicherweise sogar seine Lebenstrophäe).

Es passiert oft bei
einfach aufgebauten Teilmantelgeschossen mit zu dünnem Mantel, und Teilzerlegungsgeschossen. Leider gibt es inzwischen auch eine nicht unerhebliche Quote an TM-Geschossen mit verlötetem Mantel, die zu solchen Geschossversagern führen. Denn auch gebondete Geschosse sind keineswegs Garanten für eine ausreichende Zuverlässigkeit. Dann gibt es noch Geschosse, die entweder gar nicht oder nur ungenügend ansprechen, weil sie für den falschen Zweck gewählt wurden, sodass es zu langen Fluchtstrecken kommt.    





Foto oben:
.30-06 mit geborgenem 180grs SPEER Hot-Cor
Teilmantelgeschoss (gebondet) 73% Restgewicht    

Empfehlenswerte Geschosskonstruktionen
Natürlich gibt es auch viele gute Geschosskonstruktionen, die sich in der Praxis hervorragend bewährt haben. Bei den Teilmantelgeschossen sind das zunächst einmal grundsätzlich solche, die entweder ausreichend stark ausgeführt sind bzw. wo der Geschossmantel zusätzlich mit dem Bleikern verlötet ist. Aber in der Jagdpraxis können die Ergebnisse völlig unterschiedlich sein. Ein vermeintliches "Premiumgeschoss" mit einer gebondeten Kammer kann u.U. wesentlich schlechter wirken, als ein weiches und sehr schnell ansprechendes Geschoss, was dem Einsatzzweck besser entgegenkommt.

Deshalb kann man es nicht genug betonen, dass eine optimale Geschossauswahl keine Sache ist, die man z.B. einfach einer Tabelle des jeweiligen Anbieters entnimmt oder das, was oft in Netzforen zu lesen ist. Es ist, so muss man es leider sagen, eher ein langwieriger Prozess aus selbst gesammelten Erfahrungen, des richtigen Händchens oder nach vertrauenswürdigen Empfehlungen aus seriösen Quellen und auch
etwas "Entscheidungsglück". Primär dazu tragen Informationen von neutralen und herstellerunabhängigen Erfahrungen bei, die auf jahrzehntelang detailliert dokumentierten und analysierten Erlegungen in einer aussagekräftigen Anzahl mit verschiedenen Jagdkalibern unter exakt klassifizierten Jagdbedingungen basieren (siehe auch Kapitel =>Geschosswahl<=).         

Bei den bleifreien Geschossen können für die .30-06 entsprechend gut wirkende Kupferhohlspitzgeschosse empfohlen werden, die nach dem Deformationsprinzip arbeiten und ebenfalls gute Wirkungsergebnisse bringen (d.h. dann, wenn sie richtig ausgewählt und den jeweiligen Einsatzbedingungen angepasst sind).  

Praxisuntaugliche Geschosse
Man muss allerdings vorsichtig sein, um nicht auf einige Produkte, die teilweise mit bahnbrechenden, neuen Erkenntnissen angepriesen werden, hereinzufallen.
Zu diesen untauglichen Geschossen gehören unter anderem alle Geschosse, die als Teilzerleger (Splittergeschosse) ausgelegt sind oder ihre Wirkung ohne jegliche Deformation erbringen sollen wie z.B. Messinggeschosse mit spezieller Geschossform.

Dann gibt es noch
einige "neudeutsche" Geschosskonstruktionen, die in der Jagdpraxis längst nicht das halten, was sie versprechen. Fehlender Ausschuss, starke Geschossablenkungen im Wildkörper und generell unzuverlässiges Ansprechverhalten beim Auftreffen sind Dinge, die man sich als verantwortungsbewußter Jäger dem Wild und sich selbst ganz sicher nicht antun sollte.  

Unzuverlässige Jagdgeschosse
Besonders die einfachen Standardgeschosskonstruktionen mit dünnen, nicht verlöteteten Geschossmänteln wie die einfachen Teilmantelgeschosse von NORMA, GECO, S&B, RWS, Spitzgeschosse von SIERRA, auch z.B. das 180grs HORNADY Teilmantel-Rundkopfgeschoss und das 180grs schwere SPEER Teilmantel-Spitzgeschoss (Foto links) können je nach jagdlicher Verwendung abschreckende Beispiele für eine unzuverlässige Geschosswirkung sein.  


Solche Geschosse liefern mit der richtig ausgewählten Ladung oft eine Top-Präzision, enttäuschen aber dann, wenn man sie in der .30-06 z.B. auf das falsche Wild oder stärkere Stücke verwendet. Dazu bedarf es übrigens nicht besonders schweren Stücken. Das Hauptmanko ist dann der fehlende Ausschuß. Wenn man Pech hat, ändert solch ein Geschoss auch noch seine Richtung im Wildkörper, was die Nachsuche zusätzlich erschwert, da die Wirkung auf das beschossene Stück in keinster Weise vorhersehbar ist.

Das Ganze dann noch in Kombination mit einem nicht gut sitzenden Schuss oder einem etwas spitz stehendem beschossenen Stück führt dann zum Verlust des Wildbrets, d.h., wenn erst am nächsten Tag nachgesucht werden kann. Es kommt dann meistens zu langen und schwierigen Nachsuchen ohne Schweissfährte mit einem ungewissen Ausgang.

Gleiches kann aber auch mit gebondeten Teilmantelgeschossen passieren, wenn diese im speziellen Anwnendungsfall nicht exakt auf den Einsatzbereich abgestimmt sind.  

Foto rechts: Top Präzision, aber unzureichende Tiefenwirkung
Bei diesem geborgenen 180grs Geschoss trennte sich im jagdlichen Einsatz der komplette Bleikern vom Mantel.  



Lauflängenoptimierung
Eine Repetierbüchse im Kaliber .30-06 muss keineswegs immer mit einem l a n g e n 61cm Lauf ausgestattet sein. Im Sinne der deutlich besseren Führigkeit sind Lauflängen zwischen 52-58cm als wesentlich besser anzusehen. Dies gilt insbesondere dann, wenn man (wiedergeladene) Patronen mit Pulvern verwendet, die über eine geeignete Verbrennungscharakteristik verfügen.

Man kann solche Laborierungen durchaus auch aus der .30-06 für einen kurzen Lauf optimieren, ohne die unangenehmen+ störenden Nebenwirkungen zu haben wie mit der meisten Fabrikmunition.

Augenblickswirkung
Vorsicht: auch die .30-06 ist als Mittelkaliber nicht in der Lage, schusshartes Wild wie Sauen oder mittelgroßes Wild bei der Auslandsjagd
mit einem hinteren Lungenschuss oder einem Herzschuss sicher an den Platz zu bannen (insbesondere dann, wenn der Schusskanal ungünstig verläuft). Dieses Manko kann allerdings mit dem richtigen Haltepunkt und Geschoss kompensiert werden.

Siehe auch =>"Ziel- und Haltepunkt"<=


Um
die Fluchtstrecken entscheidend zu reduzieren, muss man den Einsatz mit der Anwendung von Waffe, Munition+ Geschoss richtig kombinieren.

SWIFT A-FRAME
Eine Vorzeigelaborierung für die Verwendung im In- und Ausland für die .30-06 kann mit dem bewährten SWIFT-A-Frame Geschoss geladen werden. In einer starken Jagdladung und max. Mündungsenergie, die auch aus kompakten Läufen zu erzielen ist, kann das Geschoss je nach jagdlicher Anwendung für die Patrone auf das einsetzbare Wild eine sehr gute Wirkung ergeben. Mit dem richtig ausgewählten Geschossgewicht (das A-Frame ist im Kaliber .308 mit 165grs, 180grs und 200grs erhältlich), kann man mit der .30-06 eine optimale Wirkung erzielen. Dies gilt auch in Bezug auf die erforderliche wundballistische Zuverlässigkeit, wenn es mal zu einer Nachsuche kommt. Sehr beruhigend ist die Tatsache, dass man sich in dem Geschwindigkeitsfenster der .30-06 je nach Wildart auf eine schnelle Augenblickswirkung und eine hohe Tiefenwirkung verlassen kann. Richtig eingesetzt, verliert man dann kein einziges Stück, das kann ich nach vielen Jahren im jagdlichen Einsatz nur bestätigen.

In der .30-06 ist die Voraussetzung dafür allerdings, immer darauf zu achten, dass das
Stück auch "richtig" beschossen wird und der Schusskanal optimal verlaufen kann. Dies gilt natürlich für alle vergleichbaren Jagdkaliber dieser Klasse von Mittelpatronen.

Der
Nachteil des SWIFT ist ausser dem hohen Preis die Tatsache, dass die Schussleistung aus vielen Waffen leider nur mäßig ist, wenn auch meistens noch jagdlich brauchbar. Wer Wert auf eine hohe Präzision legt, muss zu anderen Geschossen greifen.

Waffen
Kaum ein Angebot ist so groß wie verfügbare Waffen im Kaliber .30-06. Ob Repetierbüchsen, Unterhebelrepetierer oder Selbstladebüchen: es gibt fast keinen Waffenhersteller, der das erfolgreichste Jagdkaliber nicht im Programm hat.
Als randlose Patrone und Schulteranlieger bringt die .30-06 nicht nur die besten Voraussetzungen für eine sehr gute Präzision mit, sondern arbeitet in den oben aufgeführten Waffentypen vollkommen problemlos und zuverlässig.

-Aber: K e i n e Patrone für
Kipplaufwaffen-
Nur eines muss man beachten: Auch die
.30-06 ist definitiv keine Patrone für den dauerhaften Einsatz aus Kipplaufwaffen und deshalb in Drillingen, Bockbüchsflinten und Kipplaufbüchsen nicht geeignet. Warum leider immer noch Hersteller solche Waffen für die .30-06 einrichten und anbieten, bleibt ein Rätsel. Die beiden Hauptgründe für diesen Mangel sind die Bildung des Verschlussabstands und die ungenügende Zuverlässigkeit beim Hülsenauszug.
Wer sich eine kombinierte Waffe oder Kipplaufbüchse im Kaliber .30 mit den Leistungsdaten der .30-06 anschaffen möchte, sollte deshalb immer zur Schwesterpatrone
.30 R Blaser (7,62 x 68R) greifen, die als Randpatrone mit einem niedrigeren Gasdruck um 4.000bar arbeitet und zugleich höhere Leistungswerte als die .30-06 erzeugt.

Waffen
Das Spektrum an Wildarten, dass von der .30-06 abgedeckt werden k a n n, ist beeindruckend. Natürlich erbringt die Patrone eine zuverlässige Wirkung nur dann, wenn auch das geeignete Geschoss verwendet wird. Daher sind gute Repetierbüchsen für Ansitz und Pirsch in dem gut zu schiessenden Springfieldkaliber ideale Jagdwaffen für eine große jagdliche Bandbreite.

Wer eine Waffe mit einer optimalen und zudem individuellen Abstimmung sucht, bekommt mit einem handgefertigten Mauser 98-System als Neu- oder Umbau eines der zuverlässigsten und bewährten Repetiersysteme. Durch die Verwendung von modernen Komponenten sind diese Waffen eine ganz hervorragende Lösung, insbesondere für den jeweiligen Jagdzweck. Auch die tschechischen CZ-Waffen verfügen über ein ausgezeichnetes Basissystem nach Mauserart aus modernem, CNC-gefertigten Stahl und können in der Hand eines guten Büchsenmachers individuell angepasst und dadurch deutlich aufgewertet werden.


Munition

Die Verwendbarkeit jeder einzelnen Munitionssorte ist entscheidend von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig. Die Bandbreite der jeweiligen jagdlichen Erfordernisse und der waffenspezifischen Komponenten ist viel zu groß, um mit jedem Geschoss, selbst mit unterschiedlichen Geschossgewichten grundsätzlich immer eine sichere und zufriedenstellende Wirkung zu erzielen.

Dazu ist immer eine genaue Betrachtung der Einsatzbedingungen vor Ort und unter Zurhilfenahme jagdlicher Erfahrungswerte erforderlich. Nur dann kann die .30-06
optimal eingesetzt werden, dies gilt natürlich für jedes Kaliber. Mit dem richtig gewählten Geschoss ist die .30-06 aber eines der wirkungsvollsten und universellsten mittleren Jagdkaliber überhaupt.     


Nächstes Kapitel:
=>.30-06 Springfield Teil 2<=

 
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