.222 Remington - JASW

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.222 Remington

Jagdkaliber




Patronenbezeichnung:
.222 Remington

Kaliber:
.224/ 5,69mm

Einsatzbereich:
Raubwild, Rehwild

Erscheinungsjahr:

1950

Hülsenabmessungen:

L3: 43,18mm

Schulterwinkel: 23°

Gasdruck:

3700bar

Geschossgewicht:

40-60grs

Geschwindigkeit:

Vo 1000m/s                            50grs Geschoss

Energie:

Eo 1619 Joule                         aus 61cm Lauf

Geschichte und Leistungsdaten
Das Kaliber hat seinen Ursprung im Jahre 1950, als Remington die Patrone als die erste "echte" randlose Zentralfeuerpatrone für ihr Modell 722 herausbrachte. Im Gegensatz zu vielen anderen 5,6mm Patronen ist die .222 eine Neuentwicklung aus der damaligen Zeit und basiert auf keiner anderen Patrone.

Was die .222 Remington gegenüber anderen .22er Kalibern auszeichnet, ist ihre hohe Leistung (~1000m/s mit einem 50grs Geschoss), ein sehr hoher Wirkungsgrad, was die Pulverausbeute angeht und vor allem ihre
aussergewöhnlich hohe Eigenpräzision. Aus Waffen mit guten Läufen ist es mit guten Jagdgeschossen und dem richtigen Pulver durchaus möglich, Einloch-Schussbilder auf 100m zu erzielen. Dieser Tatsache verdankt die Patrone den Umstand, dass sie noch heute als Benchrestkaliber genutzt wird.

Ein weiterer Vorteil ist eine generell hohe Leistung aus kurzen Läufen, was durch die offensiven Pulversorten begünstigt wird, die in der kompakten Hülse Verwendung finden. Beim Einsatz eines kompakten 47cm Laufes anstatt eines 60cm langen Rohrs büßt die Patrone mit einem 3,24 Gramm schweren Geschoss nur ca.50m/s ein. Dies ergibt, mit dem richtigen Pulver geladen, immerhin noch eine Mündungsgeschwindigkeit von 950m/s. Und das ist für alle jagdlichen Erfordernisse dieses Einsatzspektrums mehr als ausreichend.     

Jagdlich gesehen ist die .222 vor allem eine äußerst leistungsstarke+ ausgewogene Raubwildpatrone, mit der man etwa 100m weiter als mit der bewährten .22 Hornet hinlangen kann. Obwohl der Knall stärker ist, bewegt sich die Lärmemission der .222 Remington trotz ihrem typischen hell-zischenden Klang weit unter dem Störpegel der üblich eingesetzten Mittelpatronen für Schalenwild.

Mit dem richtigen Geschoss und bei Begrenzung der maximalen Schussentfernung ist die .222 Remington absolut zuverlässig und wirkt
auf Rehwild sofort tödlich ohne Fluchtstrecken, wenn man die Schussabgabe mit Bedacht wählt und den richtigen Haltepunkt setzt.

      





"Hauptbetätigungsfeld" der .222 Remington
Das ist vor allem junges und schwaches Rehwild auf Distanzen bis 80m (wie auf dem linken Bild mit der .222 erlegte Knöpfböcke zu sehen sind, Körpergewicht zwischen 8 und 13kg).

Für derart schwaches Wild und generell für Rehwild sind alle unsere üblichen Mittelkaliber für Schalenwild wie z.B. die 7x64, .30-06 und 8x57IS unnötig stark und liegen schon deutlich im Overkillbereich. Auf Rehwild ist der Wildbretverlust mit Teilmantelgeschossen in diesen Kalibern teilweise enorm!

Hier zeigt sich, dass "Weniger" in diesem Fall "Mehr" ist: Rehwild lässt sich mit der .222 Remington mit chirurgischer Präzision, minimalen Aufwand sehr effizient und gleichzeitig wildbretschonend erlegen.    

Die Patrone in der jagdlichen Praxis
Mit der .222 Remington kann man sehr zuverlässig alles Wild in Form von Krähen, Kaninchen, Hasen, verwilderte Katzen, Fuchs, Dachs, Nutria, Waschbär und Rehwild erlegen, wenn man ein paar wichtige Dinge berücksichtigt.
Was die Remington zu einer "Spezialpatrone" macht, ist die Kombination von hoher Präzision+ noch einem relativ geringen Knall. Es ist schon erstaunlich, welche hohe Augenblickswirkung die Hochgeschwindigkeitsgeschosse auf Wild (einschließlich Rehwild), erbringen kann.

Füchse, die von Teilmantelgeschossen am Schulterblatt getroffen werden, liegen augenblicklich. Bei Treffern hinter der Schulter kann es zu kurzen Fluchtstrecken kommen. Dabei kann es passieren, dass die so beschossenen Stücke bis zum Verenden den Schuss mit ruckartigen Bewegungen quittieren. Mit gut gewählten Teilmantel-Deformationsgeschossen sollte immer Ausschuss vorhanden sein, was von immer von großer Wichtigkeit ist. Die Zerstörungswirkung ist hierbei in der Regel noch tolerabel. Es kann jedoch bei kleinem Wild (wie z.B. verwilderte Katzen) grenzwertig werden, wenn man an den erlegten Stücken vor handtellergroßen Ausschüssen steht.  

Auch die Erlegung von kräftig gebauten Spezies wie Nutria und Waschbär sind mit der .222 und dem richtigen Geschoss kein Problem.
Und wer den "König" unseres Raubwilds bejagen möchte, ist mit einer .222 Remington bestens ausgerüstet. Bei Schüssen auf Meister Grimmbart sollte man allerdings die Ausführung und den Zeitpunkt der Schussabgabe mit äußerstem bedacht wählen. Hier sind einige grundsätzliche Dinge beim Verhalten und hinsichtlich der Anatomie zu beachten.

Eine sehr saubere Sache ist die Erlegung von sog. "Küchenhasen". Mit den schnellen, hochpräzisen Geschossen der .222 sind bratengerechte Schüsse auf die Nervenschaltzentrale auf 100m (und weiter) ebenfalls kein Problem.
  
Bei der hohen Geschwindigkeit um 1000m/s sprechen selbst Vollmantelgeschosse auf Vögel wie z.B. Krähen noch so stark an, dass man die unglaublich zerstörerische Wirkung der 3,24 Gramm Geschosse einfach mit eigenen Augen gesehen haben muss, wenn die Geschosse z.B. als Knochen- oder Schwingentreffer ihre Wirkung entfalten.

Eine weitere jagdliche Anwendungsmöglichkeit ist die länderspezifische Ausnahmeregelung der Zulassung von .22er Patronen ab der .22 Hornet aufwärts auf Schwarzwild. Dabei ist der Schuss auf Frischlinge im Streifenkleid bis zu einer bestimmten Gewichtsklasse freigegeben. Diese Aufgabe erfüllt die .222 Remington mit Bravour, d.h., aber selbstverständlich nur unter der Voraussetzung, dass geeignete Geschosse eingesetzt werden.

Flugbahn- und Hindernisstabilität
Würde man den Foren glauben, könnte man den Eindruck bekommen, dass die kleine 5,7mm sehr leicht durch witterungsbedingte Widrigkeiten und kleinste Flugbahnhindernisse abgelenkt würde. Wir können hier aus jahrzehntelanger Erfahrung für die .222 Remington sprechen: das ist schlichtweg falsch!
Die .222 Rem. verträgt in dieser Hinsicht deutlich mehr, als man vielleicht glauben mag. Tatsächlich ist die Patrone weitgehend unempfindlich gegenüber ungünstigen Wetterbedingungen wie Regen und Schnee. Mit 50grs schweren Geschossen lässt sich die .222 auf 100 Meter selbst von dichtem Schneetreiben nicht aus der Bahn bringen. Die Geschosse kommen auch dann präzise, gerade+ unbeschadet im Ziel an, das gilt auch bei normalem Regen.

Mit guten Geschossen braucht man sich selbst bei kleinen Hindernissen wie hohes Gras oder ganz dünne Zweige am Blätterbereich in einem kleinen Radius vor dem Ziel keine Sorgen zu machen, dass sich das Geschoss zerlegt oder abgelenkt werden könnte, hierbei haben einige Deformationsgeschosskonstruktionen deutliche Vorteile. Auch die Windempfindlichkeit ist recht gering. Bei normalen Jagdbedingungen kann man die Patrone bedenkenlos einsetzen. Und wenn sich die Bedingungen wie z.B. durch merklich wahrnehmbare Windböen verschlechtern, muss der Jagdbetrieb eh eingestellt werden.  
  
Trotzdem sollte man bei der Feldjagd vorsichtig sein, da die Remington bei Weitem nicht die Hindernisstabilität wie eine .30-06 oder 8x57IS aufweist. Insbesondere dann, wenn es darum geht, ein Stück zu erlegen, das in einer hohen Wiese oder in einem Getreidefeld steht.

 
Zweijähriger Einstangenbock, auf kurze Distanz mit der .222 Remington durch
einen Trägerschuß mit einem 50grs NOSLER SOLID-Base Geschoss erlegt.

Erfahrungen mit der .222 Rem. auf Rehwild
Beim jagdlichen Einsatz auf unser kleinstes Schalenwild sollte man immer darauf achten, nicht weiter als 80-100m zu schiessen. Im Fall der 1000m/s schnellen 50grs Geschosse haben wir mit dieser Restriktion beste Erfahrungen gemacht.
Wenn man z.B. tiefblatt kurz hinter dem Schulterblatt abkommt, dringt das Geschoss in den Kammerbereich ein. Auch Herztreffer bewirken eine sofortige, auf den Platz bannende Wirkung. Von immenser Wichtigkeit ist allerdings, das der Energieabgabeverlauf im richtigen Verhältnis zum Zielmedium steht.

Die hohe Präzision der Patrone erlaubt auf n a h e Distanzen auch saubere Trägerschüsse. Bedingung dafür ist allerdings, ausreichend stabile Teilmantelgeschosse zu verwenden, die schnell ansprechen, d.h. stark deformieren, aber ohne sich zu zerlegen und trotzdem viel Energie abgeben. Aber Vorsicht, diese Schüsse erfordern eine ausnehmend disziplinierte Schiesstechnik, profunde Kenntnisse der Anatomie und vor allem sehr viel jagdliche Erfahrung (definitiv nichts für Anfänger!).

Erfahrungen mit .222 Remington auf Rehwild
Obwohl das Kaliber sicherlich nicht primär die komplette Bandbreite einer Rehwildbejagung abdecken kann, ist der Einsatz der .222 Remington höchst effizient, sicher und schnell wirkend, wenn er nach der zielballistischen Leistung der Patrone ausgerichtet ist.

Die Schusswirkung von richtig ausgewählten Deformationsgeschosse stellt sich mit Schüssen, die tiefblatt sitzen unter der Schaufel sitzen, wie folgt dar:
Die beschossenen Stücke bleiben nach dem Schuß einen kurzen Augenblick stehen, taumeln und sacken in sich zusammen. Dabei liegen die Stücke i.d.R. am Platz, zu Fluchtstrecken kommt es nicht. Die Blutergussbildung im Wildkörper kann bei der Verwendung von einigen Teilmantelgeschossen im Vergleich zum üblichen Verhältnis von Kaliber zu Wundkanal
allerdings recht hoch sein.   

NOSLER war einer der ersten Geschosshersteller, die bereits in den 80er Jahren auch für das Kaliber .224 ausgezeichnet wirkende, massestabile Geschosse produziert haben. Das Paradegeschoss, was die oben beschriebene Wirkung liefert, war das NOSLER Solid Base-Geschoss (wird im 3,24 Gramm Geschossgewicht leider nicht mehr hergestellt). Die Geometrie und das Verhältnis von Mantelstärke zu Geschosskern sind mit den Ballistic Tip und Nosler Accubond
-Geschossen vergleichbar.
Auf Rehwild liefert die .222 Remington mit den 50grs schweren Solid Base Geschossen mit den oben beschriebenen Treffersitzen hohen Mündungsgeschwindigkeiten auch auf Entfernungen bis zu 100 Metern immer den notwendigen Ausschuss!   


Wiederladen
Obwohl das Wiederladen der kleinen Zentralfeuerpatrone genauso umgesetzt wird bei bei allen größeren Patronen auch, möchten wir an dieser Stelle eine Besonderheit der .222 Remington nicht unerwähnt lassen: Der Kalibriervorgang. Es ist erstaunlich, wie groß der Kraftaufwand für die Vollkalibrierung ist. Die Konstellation der Hülsenabmessungen in Bezug auf die Hülsenwandstärke lässt mit manchen Hülsenfabrikaten den Kraftaufwand, der beim Pressenhub bis zur vollen Länge benötigt wird, enorm hoch ausfallen. Er ist deutlich höher als bei Mittelpatronen wie der 7x64 und sogar noch größer als bei Magnumkalibern. Selbst eine .416 Rigby benötigt weniger Presskraft!  

Geschosse
Leider ging die Entwicklung in den letzten Jahren bei vielen .224er Kalibern nur in Richtung Teil- oder Vollzerlegungsgeschossen, was der Verwendung der .222 Remington auf Rehwild nicht förderlich war.
Hier ist der Wechsel zu den tiefenwirksamen Kupferhohlspitzgeschossen wie z.B. das Barnes TSX angebracht, die bei den hohen Geschossgeschwindigkeiten um 1000m/s und dem Zielaufbau+ Widerstand in ihrem Element sind.
Einen weiteren Lichtblick hinsichtlich Teilmantelkonstruktionen gibt es auch von der FA. Nosler, die im Kaliber .224/ 5,6mm ein neues gebondetes Teilmantelgeschoss mit dem Namen Bonded Solid Base anbietet. Leider ist die Tauglichkeit für die .222 Remington durch das hohe Geschossgewicht von 64grs eingeschränkt. Es ist zu hoffen, dass bald noch weitere (50grs schwere) Geschosse folgen, was der Flugbahnleistung und Drallstabilität der .222 sehr entgegenkommt.   

Bewährte Eigenlaborierungen

50grs HORNADY V-Max Vo: 760m/s Eo:936 Joule
L6: 55,0mm, Lauflänge: 61 cm / Reduzierte,
, druckschwache Raubwildlaborierung mit geringem Knall

50grs NOSLER SOLID BASE Teilmantel Vo: 1000m/s Eo:1619 Joule
L6: 55,0mm, Lauflänge: 61 cm / Rehwildtaugliche Jagdgebrauchslaborierung

Auf Wunsch erstellen wir Ihnen gerne auch Ladedaten für spezielle Laborierungen zu günstigen Konditionen, sprechen Sie uns über den u.a. E-Mailkontakt an. (Hinweis: Nicht für Waffen mit einer Standardlauflänge um 60cm)

                                                       
=>Kontakt<=

Fazit
Die .222 Remington ist eine der besten Jagdpatronen für den Raubwild- und Raubzeugeinsatz mit gleichzeitiger einsatzspezifischer Rehwildtauglichkeit. Schussdistanzen bis 200m sind realistisch und erfolgreich umzusetzen, wenn die Schussleistung der Waffe+ natürlich auch Schussposition stimmt. B
eim Schuß auf Rehwild ist sie unter den oben erwähnten Beschränkungen bis auf etwa 80m die ideale Patrone für leichtes Rehwild wie Knopfböcke, Schmalrehe oder Kitze.

Eine sehr gute Erweiterung der Patrone für den reinen Raubwild- und Raubzeugeinsatz stellen Laborierungen mit geeigneten Geschossen dar. Grundsätzlich wird die Abwärtskompabilität durch Reduzierungen mit geeigneten Pulvern hinter 40-50grs Geschossen auf .22 Hornet-Niveau deutlich erweitert und ist eine ausgezeichnete Wahl. Diese Ladungen haben den Vorteil, sehr präzise und vor allem relativ leise zu sein, was z.B. in Revieren mit Hochwildvorkommen ein enormer Vorteil ist.

Wer allerdings das .22er Kaliber hauptsächlich auf Rehwild in einem Feldrevier führen möchte und Schussdistanzen bis 250m abdecken muss, sollte die .224er/5,7mm Kaliber wie 5,6x50 Magnum, .22-250 Remington,
5,6x57 oder die hochpräzise .223 WSSM in die engere Wahl nehmen.


Nächstes Kapitel:
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